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Thema: Missbrauchte Seele

  1. #1
    Neuling
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    Standard Missbrauchte Seele

    Moin!

    Bin zum ersten Mal hier (jedenfalls um etwas zu verfassen). Es ist garnicht so einfach...weiß nicht, wie ich überhaupt "richtig" beginnen soll...

    Also erzähl' ich erstmal ein wenig über mich: Mittlerweile sind einige Jahre ins Land gezogen und ich bin ein 29 Jahre junger (kurz vor der 30er Schwelle stehender) Kerl. Ich arbeite in meinem Traumberuf als angestellter Softwareentwickler und lebe (bzw. existiere) in Hamburg. Existieren - ja, anders kann man meinen Zustand wohl nicht treffender beschreiben. Soziale Kontakte haben ich kaum noch (Single, keine ("richtigen") Freunde, ...). Wie gesagt, habe ich meinen Traumberuf erlangt und arbeite auch schon Jahre lang in der selben Firma. Das ist der Ort, an dem ich mich am wohlsten fühle.

    Das Unwohlsein ist diffus, unspezifisch - einfach schwer zu erklären. Angst. Angst sich unter Menschen zu bewegen (z.B. U-Bahn & Bus). Ich will keine Romane schreiben, daher: Ich bin als Kind über Jahre von meinem eigenen Bruder sexuell missbraucht worden - ich schäme und ekel mich immernoch fast jeden Tag! Immer wieder habe ich mir als Jugendlicher Drogen (Ecstacy, Speed, Koks usw...) reingezogen, nur damit ich mal ein wenig Selbstzufriedenheit, vielleicht etwas (geliehenes) Glück verspüren konnte...

    Es ist...wie soll man das in Worte fassen...Eine Weile fühle ich mich bestens und "könnte Bäume ausreißen". Dann wieder merke ich, dass ich innerlich anfange mich selbst fertig zu machen. Und, obwohl ich es bewusst mitbekomme, dass ich mich in etwas hineinsteigere, bremse ich mich nicht - ich mache mich fertig...An Freundschaft oder gar Liebe ist für mich da nicht zu denken - dass kann ich niemandem zumuten. Ich habe auch einfach zu viel Sch**** erlebt, alsdass ich irgendjemanden enttäuschen will. Hört sich nach Unsinn an, aber wem kann man das einfach erzählen?! Familie: Glaubt einem wahrscheinlich keiner. Der Freundin (sofern man denn eine hätte): 1. Sieht sie die Aussage ggfs. als Ausrede für "schlechtes" Benehmen, 2. Möchte ich keinen Menschen den ich liebe in solch' eine Situation bringen: "ich helfe dir auf jeden Fall / wir stehen das zusammen durch" (und wird selbst unglücklich dabei), ..., ...

    Naja, wie dem auch sei...Warum ich hier schreibe ist nicht um mich selbst zu bemitleiden (das mach ich schon fast mein ganzes Leben lang)...

    Auch wenn es sich erstmal nicht so anhört / liest: Derzeit geht es mir recht gut. Das hat mehrer Gründe: Ich meditiere und treibe Sport, und zwar täglich. Zudem habe ich mich dazu durchgerungen mir professionelle Hilfe zu suchen (eine Beratungsstelle). Das macht mich zuversichtlich, dass ich vielleicht doch noch mein Leben irgendwie so lenken kann, dass ich auch einmal reines Glück ohne Drogen verspüren werde (ich nehme schon lange nix mehr)...

    Warum ich eigentlich hier bin ist: Hat vielleicht jemand von euch ähnliches durchgemacht und hat Tipps, wie man auf dem "richtigen" Weg bleibt? Ich habe mich bis vor Kurzem dermaßen verabscheut / mich vor mir selbst geekelkt, ... - ich weiß eigentlich schon, was gut für mich ist, denoch falle ich immer wie mal in die alten "ist doch alles Schei**"-Muster zurück!

    Und, das übelste an meiner Situation ist (ich versuche mich kurz zu fassen): Ich bin das Schwarze Schaf in der Familie (Drogen, Ladendiebstahl (in der Jugend) usw.), mein Bruder hat eine "saubere Weste" UND ist nun auch noch verheiratet - so ein SCH***...Wer glaubt einem da schon?!

    Danke und entschuldigt bitte, dass ich gleich zu Beginn so viel geschrieben habe - ich musste das einfach loswerden.


    transientSoul

  2. #2
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    Standard

    also mir gings einige Zeit genau so dannach hab ich sogar panikattacken bekommen.
    Bei mir war es so ich war sehr beliebt in meiner clique ich habe auch sehr viele weibliche verehrer gehabt, habe als Türsteher gearbeitet hab immer muskeltraining gemacht. nach einiger zeit hab ich leichtes haarausfall an den seiten bekommen und viel selbstbewusstsein verloren.
    Ich traute mich nicht mehr mit menschen zu reden dachte bin hässlich, oder ich mach fehler wenn ich rede lachen die mich aus. aber später merkte ich egal ob ich fehler mache oder nicht wenn ich selbstsicher auftrete und cool bleibe passiert nichts.
    Jeder mensch bhat negative aber dafür auch Positive seiten.
    Bei uns sagt man wenn du an Rose denkst wirds rose wenn du an stachel denkst wirds stachel.
    Wieso siehst du nur negative sachen?
    Fang mal an Positive sachen zu schauen.

  3. #3
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    Danke erstmal für deine Antwort.

    Zitat Zitat von Baran25 Beitrag anzeigen
    ...
    Bei uns sagt man wenn du an Rose denkst wirds rose wenn du an stachel denkst wirds stachel.
    Wieso siehst du nur negative sachen?
    Fang mal an Positive sachen zu schauen.
    Ich gebe dir Recht: Wenn man immer nur darüber nachdenkt, dass man sich schlecht fühlt, dann bleibt das auch so. Mittlerweile bin ich auch dabei, mich besser zu fühlen - wie bereits geschrieben. Meditation und (ebenfalls) Kraftsport wirken quasi Wunder bei mir. Keineswegs sehe ich alles negativ. Nur trage ich diesen Selbstekel, Wut und Verzweiflung schon mein ganzes, bisheriges Leben mit mir herum. Das geht nicht alles von heute auf morgen weg.

    Was mir zu schaffen macht ist dieses teilweise äußerst unspezifische Gefühl von Angst, dass ich mir nicht erklären kann. Es überkommt mich einfach von Zeit zu Zeit. Selbst an Tagen, an denen ich mir erst super gut fühle. Ich verstehe hier einfach nicht wodurch es getriggert wird.

    Dazu kommt, was ich schon erwähnte: Ich merke, dass sich ein Gefühl von Angst und Verzweiflung breit macht, aber ich steuere nicht gegen. Irgendwas in meinem Unterbewusstsein will anscheinend, dass ich mich abundan quäle. Ich kanns mir einfach nicht erklären...

    Möglicherweise hängt dieses Unerklärliche auch mit Folgendem zusammen: Ich habe bisher niemandem von dem Missbrauch erzählt. Mein Bruder ist dazu auch noch gut integriert in die Familie (äußerst hilfsbereit & so). Auf Familienfesten sehe ich ihn ständig wieder. In den Situationen könnte ich einfach nur auf ihn einschlagen.

    Zudem: Hat sich mein Bruder vielleicht in der Zwischenzeit an anderen Kindern vergangen, weil ich so feige bin und immer die Fresse halte?! Das könnte ich mir nicht verzeihen! Klar, "ich hätte ja keine Schuld, blah, blah" - versuch das mal deinem Verstand klar zu machen - leicht gesagt!

    Nur: Wer würde mir denn glauben?! Ich habe auch keinerlei rechtliche Handhabe - ist alles leider schon verjährt! Was macht man damit, wie geht man mit so einem Mist um?! Möglicherweise ist es genau das, warum ich noch immer nicht meine dauerhafte innere Gelassenheit finden kann...

  4. #4
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    alle die an angstörungen leiden auch ich haben früher schlimme sachen erlebt und es immer unterdrückt. das kommt jetzt alles hoch. man sollte vieles nicht rein fressen.
    Ich bin auf der suche nach einem Therapeuten das solltest du auch tun und fress alles nicht rein du kannst eh nichts dafür das was früher passiert ist.
    Hauptsache ist dass man es nicht unterdrückt, flüchte nicht vor deinen ängsten das hilft.
    Also bei mir hats geholfen hzab keine atacken mehr aber lustlosigkeit usw und ich glaube ich werde mit hilfe eines therapeuten und meiner stärke das überwinden.

    Bei mir war das so, mein vater hat meist getrunken und mich beschimpft dann hab ich ihn mit einer anderer frau im bett erwischt bei uns zu hause, während meine mutter wegen gallensteinOP im krankenhaus lag.

    Ich dachte erst ich hasse ihn aber jetzt merk ich so ich liebe ihn er ist mein vater, ich wollte immer ihn sagen was für fehler er macht und ich ihn trotzdem mag habs aber immer unterdrückt.
    Geändert von Baran25 (20.10.2011 um 18:36 Uhr)

  5. #5
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    Das war ja eine schnelle Rückmeldung - ist ja schon fast chatten hier...

    Jep, ich hatte ja auch geschrieben, dass ich jetzt (endlich) Kontakt mit einer Beratungsstelle aufgenommen habe, die auf soetwas spezialisiert ist. Denke, die können mir direkt schonmal ganz gut weiterhelfen, oder mir einen guten Therapeuten empfehlen. Steht demnächst an.

    Dir wünsch auch viel Erfolg! Bist ja scheinbar auch ein willensstarker Mensch - beste Vorraussetzungen.

  6. #6
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    Zitat Zitat von transientSoul Beitrag anzeigen
    Das war ja eine schnelle Rückmeldung - ist ja schon fast chatten hier...

    Jep, ich hatte ja auch geschrieben, dass ich jetzt (endlich) Kontakt mit einer Beratungsstelle aufgenommen habe, die auf soetwas spezialisiert ist. Denke, die können mir direkt schonmal ganz gut weiterhelfen, oder mir einen guten Therapeuten empfehlen. Steht demnächst an.

    Dir wünsch auch viel Erfolg! Bist ja scheinbar auch ein willensstarker Mensch - beste Vorraussetzungen.
    danke wünsche ich dir auch, du bist auch willenstark. ich hoffe wir werden das schaffen und das glaub ich auch

  7. #7
    Sandsturm
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    Ich kann Dir eine Selbsthilfegruppe in Harburg empfehlen, wenn Du Interesse hast?
    Ansonsten brauchst Du dringend Therapie, damit Du Dich mit jemandem "aussprechen" kannst. Alleine wird das nichts.

    Ein Freund aus meiner Kindheit wurde 10 Jahre lang vom Nachbarn mißbraucht und dieser Nachbar hat eine Frau aus dem Osten mit Kindern geheiratet (an dem Mißbrauch waren sein Bruder und sein Cousin beteiligt, man sieht welch kranke Sippe das ist).

    Ich war die Einzige, der er es erzählt hat, später seiner ältesten Schwester. Da er aber durch den Mißbrauch Alkoholiker wurde (sein Sohn ist 13 und Alkoholiker, er kümmert sich nicht, weil er seit 10 Jahren mit einem Typen zusammen ist, von dem er sich regelmäßig schlagen und erniedrigen lässt), glaubt ihm keiner und alle sagen, dass er lügt.
    Sein Bruder ist mit dem Mißbraucher befreundet... er glaubt nicht, dass der Pädophil ist... auch nicht, obwohl sein Bruder schon wegen Mißbrauch angezeigt wurde...

    ich glaube Dir jedenfalls, dass Dir niemand glaubt, weil die sowas nicht glauben wollen.

    Ich würde rausgehen und Deinen Bruder anzeigen, so schwer es auch fällt und so wenig Beweise es heute noch gibt, außer Dein Verhalten und Deine ehem. Süchte.

  8. #8
    Neuling
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    Zitat Zitat von Sandsturm Beitrag anzeigen
    Ich kann Dir eine Selbsthilfegruppe in Harburg empfehlen, wenn Du Interesse hast?
    Ansonsten brauchst Du dringend Therapie, damit Du Dich mit jemandem "aussprechen" kannst. Alleine wird das nichts.

    Ein Freund aus meiner Kindheit wurde 10 Jahre lang vom Nachbarn mißbraucht und dieser Nachbar hat eine Frau aus dem Osten mit Kindern geheiratet (an dem Mißbrauch waren sein Bruder und sein Cousin beteiligt, man sieht welch kranke Sippe das ist).

    Ich war die Einzige, der er es erzählt hat, später seiner ältesten Schwester. Da er aber durch den Mißbrauch Alkoholiker wurde (sein Sohn ist 13 und Alkoholiker, er kümmert sich nicht, weil er seit 10 Jahren mit einem Typen zusammen ist, von dem er sich regelmäßig schlagen und erniedrigen lässt), glaubt ihm keiner und alle sagen, dass er lügt.
    Sein Bruder ist mit dem Mißbraucher befreundet... er glaubt nicht, dass der Pädophil ist... auch nicht, obwohl sein Bruder schon wegen Mißbrauch angezeigt wurde...

    ich glaube Dir jedenfalls, dass Dir niemand glaubt, weil die sowas nicht glauben wollen.

    Ich würde rausgehen und Deinen Bruder anzeigen, so schwer es auch fällt und so wenig Beweise es heute noch gibt, außer Dein Verhalten und Deine ehem. Süchte.
    Dank' dir für deine Antwort. Und ja, es ist wirklich sehr schwer, da mir in meinem Familien- und Bekanntenkreis sicherlich keiner glauben würde. Es ist ja so ein "netter und hilfsbereiter Kerl"...

    Bezüglich der Therapie hast du Recht! Daher habe ich mich auch vor kurzem darum bemüht mir professionelle Hilfe zu suchen. Es ist eine Beratungsstelle, die auf auf das Thema sexuelle Übergriffe spezialisiert ist. Habe dort demnächst einen Termin. Das muss auch endlich einmal ausgesprochen werden. Das ist wirklich kein Leben - ich existiere lediglich - irgendwie.

    Prinzipiell gebe ich dir auch Recht bezüglich der Anzeige. Leider aber ist dies schon länger verjährt (fünf Jahre nach dem vollendeten 18. Lebensjahr). Die Anzeige würde somit nichteinmal angenommen werden - habe also keine Handhabe im juristischen Sinn. Im schlimmsten Fall würde ich vielleicht noch eine Gegenanzeige bekommen wegen Beleidigung und übler Nachrede / Rufmord?!

    Das mit der Selbsthilfegruppe klingt interessant! Wäre nett, wenn du mir darüber ein paar Infos zukommen lassen könntest.

    Danke und Gruß

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