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Thema: Misshandlung durch die Eltern

  1. #1
    Neuling
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    Standard Misshandlung durch die Eltern

    Hallo liebes Forum,

    ich bin neu hier und 35 Jahre alt. Mein Problem liegt in der Vergangenheit und lässt mich einfach nicht los:

    Ich bin mit meinen Geschwistern in einem Elternhaus aufgewachsen, in dem sich meine Eltern um das materielle Wohl der Familie kümmerten. Mein Vater riss sich -wie man es so sagt- den A*rsch auf, um die Familie finaziell sicher zu stellen und meine Mutter übernahm das interne Management. Dies ist sehr löblich zu sehen und es gibt daran nichts auszusetzen.

    Auf der anderen Seite sind wir aber auch mit Gewalt aufgewachsen. Wenn wir als Kinder nicht pünktlich ins Bett gegangen sind oder bei anderen Sachen nicht folgten, lief unsere Mutter schon mal -nicht immer- in die Küche und wir wussten, dass es mit dem Kochlöffel Schläge auf den Hintern gab. Das tat immer sehr weh und ich hatte als Junge sehr große Angst davor.

    Mein Bruder wurde von meinem Vater sogar einmal grün und blau geschlagen, weil er wieder irgendeinen Unfug anstellte. Vor den Augen anderer.

    Zu den körperlichen Auswüchsen gab es zudem als Maßregelung die stumme Gewalt. Hatte ich von meiner Mutter eine Tracht Prügel erhalten -die ja angeblich niemandem schadet- wurde ich zusätzlich mit Schweigen bestraft. Sie sprach dann einfach nicht mehr mit mir, bis ich mich bei ihr entschuldigte. Es war so perphide. Ich sollte mich, nachdem mir Gewalt angetan wurde, auch noch entschuldigen.

    Na ja, das ist ein kleiner Abriss meiner Kindheit. Es gibt noch wesentlich mehr zu erzählen, was jedoch den Rahmen sprengt. Es sind die Dinge, die mich mit zunehmendem Alter beschäftigen. Komischer Weise.

    Ich schreibe in dieses Forum, weil mich diese Diskrepanz mit zunehmendem Alter immer mehr beschäftigt. Es geht um eine Diskrepanz, die dadurch entsteht, dass es einerseits ja meine Eltern sind und auf der anderen Seite diese Dinge passierten, als kollidierten zwei Gefühlsebenen. Ich stelle mir die Frage, weshalb ich von den Personen misshandelt wurde, die mich doch als kleinen Jungen schützen sollten. Weshalb haben meine Eltern meine Hilflosigkeit so ausgenutzt? Würden sie mich immer noch schlagen, wenn ich klein und zierlich wäre? Weshalb forderten sie von uns Kindern Respekt gegenüber den Eltern und hatten dabei selbst überhaupt keinen?

    Ich fühle mich oft so einsam. So als wäre ich ganz allein auf der Welt.

    Am meisten widert mich jedoch mein Mitleid für meine Eltern an.

    Wie komme ich aus diesem Dilemma heraus?
    Geändert von Kain (08.01.2012 um 08:05 Uhr)

  2. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Kain für den sinnvollen Beitrag:

    Erwin (08.01.2012)

  3. #2
    Neuling Avatar von eloy61
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    Ich bin ähnlich groß geworden und daher antworte ich hier. Nachdem die Kochlöffel alle zerbrochen waren, ging es mit dem Teppichklopfer weiter..... Ich habe sehr, sehr lange darüber nachgedacht, ob ich eigene Kinder möchte und wie ich mit ihnen dann umgehe. Ich habe einen Sohn und schlagen ist absolut tabu, was mein Lebenspartner sehr bedauert. Unsere Diskussionen darüber; er hätte gerne die Macht über das Kind, meine Meinung ist, er lernt: Große schlagen Kleine, Starke schlagen Schwache, macht es die (verbockte) Sache besser? Ich war 15 Jahre, als ich meiner Mutter erwiderte: Du den ersten Schlag und ich den Zweiten! Von da an war es vorbei mit der Kloppe, ich war gleich groß und gleich stark. Ich bin mit 18 ausgezogen und hatte nie ein gutes Verhältnis zu ihr. Seine Eltern kann man sich nicht aussuchen und ist 18 Jahre auf sie angewiesen und ziemlich hilflos dabei. Ich bin mit 13 mal abgehauen, aber natürlich hat mich die Polizei zurückgebracht. Mitleid habe ich heute nicht mehr. Im Gegensatz zu mir, hat meine Mutter NIE ihre Erziehungsmethoden reflektiert oder hinterfragt. Wie Du ja auch schon schreibst, ich habe sie mit Mitte 20 mal gefragt, was Sie mit der Schlägerei denn erreicht hätte, Ihre Antwort war: es hätte mir ja auch nicht geschadet und aus mir sei doch etwas geworden Was hätte aus mir nicht alles werden können ohne Schläge und mit ein bisschen Respekt! Es war sehr schwierig für mich, ein Selbstwertgefühl zu entwickeln, das ich hadere, stelle ich noch heute bei Gehaltsgesprächen etc. fest. Lass los, schau nach vorn, mach das Beste aus dem was Du hast. Viel Glück dabei, alles Liebe
    Jeder hat gesagt "das geht nicht", bis einer kam, der das nicht wusste und es einfach gemacht hat.

  4. #3
    Ste
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    Früher war es halt normal, dieser Sadismus.

    Mehr fällt mir auch nicht dazu ein.

    Abschließen und weiterleben?

    Ste

  5. #4
    Neuling Avatar von eloy61
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    Ich glaube, es ging eher um die "Macht" über die Kinder zu haben. Bei meinem Mann ist das noch sehr ausgepägt, er ist älter als ich, auch so groß geworden und hat seine Kinder auch so "erzogen". Sein Sohn ruft vielleicht 5mal im Jahr an, das war es dann auch,......
    Jeder hat gesagt "das geht nicht", bis einer kam, der das nicht wusste und es einfach gemacht hat.

  6. #5
    Neuling
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    Mich belastet es erst jetzt besonders. Ich kann Euch nicht genau erklären, weshalb es in meinem Alter zu diesen emotionalen Diskrepanzen kommt.

    Es ist eine ganz widerliche Mischung aus Hass und Mitleid für die prügelnden Eltern und dann wieder das Gefühl, es sind ja Deine Eltern.

    Ich komme damit nicht klar. Das Weihnachtsfest war sehr belastend für mich. Wir saßen am Tisch und meine Eltern gaben sich wie immer alle Mühe, mehr als in anderen Häusern. Wir sind eine große Familie und feiern traditionell bei meinen Eltern. Also meine Geschwister sind auch stets da und unsere Partner...

    Na ja und ich saß da und auf einmal wurde ich so traurig. Es war dieser Hass da und dann wieder der Anstand und der innere Widerstand, meine Eltern nicht verletzen zu wollen. Wie gerne wäre ich einfach aufgestanden und gegangen.

    Ich hasse meine Kindheit. Ich habe mich als Kind nicht wohl gefühlt. Ich musste mir Liebe verdienen und wenn ich nicht funktionierte, bekam ich Maßregelung: Ich wurde geschlagen, man schwieg mit mir.

    Ich möchte ein weiteres Beispiel bringen:
    Als fünjähriger Junge war ich sehr mutterfixiert. Als meine Eltern allein zwei Wochen in den Urlaub fuhren, wurden wir Kinder von den Großeltern beaufsichtigt. Ich war sehr traurig "weil Mama nicht da war". Als unsere Eltern dann aus dem Urlaub zurückkamen, weinte ich vor Freude und umarmte meine Mutter. Sie stieß mich weg, gab mir eine Ohrfeige vom Feinsten und sagte mir, ich solle sie erst einmal ankommen lassen.

    Mein Bruder war ein Rabauke. Nach heutigen Maßstäben wohl eher ein braver Junge. Er wurde einmal derart von meinem Vater verprügelt, dass er überall blaue Flecken hatte, ich hatte dies durch den Türspalt beobachtet und ging dann völlig entsetzt in mein Kinderzimmer. Ich war so schockiert.

    Ich möchte jetzt nicht den Eindruck erwecken, dass wir jeden Tag geprügelt wurden, aber es kam schon vor. Der Kochlöffel tat immer so weh. Und dann das Geschrei meines Vaters.

    Auf der anderen Seite waren es aber auch pflichtbewusste Eltern. So konnten wir kaum als Schlüsselkinder bezeichnet werden. Wenn wir aus der Schule kamen, stand auch das Essen auf dem Tisch. Meine Mutter funktionierte, schmiss den Haushalt wirklich gut und setzte das Einkommen meines Vaters so ein, dass sich die Familie auch etwas leisten konnte.

    Wenn ich meine Mutter heute sehe und sie so freundlich zu mir ist, denke ich manchmal, in einer grotesken Welt zu sein. Ich kann mich damit nicht abfinden. Es nervt mich auch, wenn sie mit mir angeben will, weil ich es -aus meiner Sicht TROTZDEM- zu etwas gebracht habe.

    Ich weiß, dass ich es akzeptieren muss und lange Jahre konnte ich es vielleicht, aber heute kommt es alles hoch.

    Meine Eltern wissen gar nicht, was sie alles anrichteten. Ich habe ein schlechtes Selbstbewusstsein. Partnerschaften zerbrachen mit all ihren Konsequenzen, weil ich von zuhause aus keinen adäquaten Umgang lernte. Ich konnte zB lange Zeit nicht ertragen, geliebt zu werden. Meine Mutter forderte immer von mir. Ich musste mir Liebe verdienen. Ich war emotional damit überfordert, selbstlos von einer Frau geliebt zu werden und stieß meine Exfreundinnen weg.

    Ach, es geht mir so viel durch den Kopf. Entschuldigt bitte das Fehlen des roten Pfadens.

  7. #6
    Neuling Avatar von eloy61
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    Standard

    Ich habe mal eine Therapie gemacht, da ging es darum, die Familienmitglieder in gebührendem, empfundenen Abstand aufzustellen (durch andere Patienten dargestellt) und ihnen zu sagen, was einem wichtig ist. Das hat mir vieles klargemacht. Vielleicht wär das auch etwas für Dich?
    Jeder hat gesagt "das geht nicht", bis einer kam, der das nicht wusste und es einfach gemacht hat.

  8. #7
    Neuling
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    Ich denke schon länger über so eine Therapie nach und werde wohl diese familiäre Tragödie aufarbeiten.

    Aber weshalb haben uns unsere Eltern geschlagen? Ich würde niemals ein Kind schlagen und schon gar nicht die eigenen. Kinder brauchen Liebe und Geborgenheit, um stark und gesund durchs Leben zu gehen.

    Manchmal wider ich mich selbst an, wenn ich Ähnlichkeiten im Aussehen zu meinen Eltern ausmache.

  9. #8
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    Zitat Zitat von Kain Beitrag anzeigen
    Ich möchte ein weiteres Beispiel bringen:
    Als fünjähriger Junge war ich sehr mutterfixiert. Als meine Eltern allein zwei Wochen in den Urlaub fuhren, wurden wir Kinder von den Großeltern beaufsichtigt. Ich war sehr traurig "weil Mama nicht da war". Als unsere Eltern dann aus dem Urlaub zurückkamen, weinte ich vor Freude und umarmte meine Mutter. Sie stieß mich weg, gab mir eine Ohrfeige vom Feinsten und sagte mir, ich solle sie erst einmal ankommen lassen.
    Hallo Kain,

    es tut mir unendlich leid für Dich, was Du alles in Deiner Kindheit mitmachen mußtest. Ich finde es gut, dass Du die aufkommenden Gefühle nicht verdrängst, sondern sie bewußt benennst und hinschaust. Das was man Dir angetan hat, ist nämlich mit nichts zu entschuldigen.
    Das von Dir beschriebene Beispiel zeigt auch schön die Gefühlskälte Deiner Mutter auf. Keinerlei Empathie. Wie kann sie ihren kleinen Jungen so wegstoßen und ihm für seine Freude auch noch eine Ohrfeige geben - unfassbar sowas und was ich persönlich ganz schlimm finde, ist diese emotionale Gewalt, das abstrafen indem sie nicht mehr mit Dir spricht, Du Dir Liebe quasi erarbeiten mußtest.
    Sorry, ich habe für so ein Verhalten keinerlei Verständnis.
    Die Diskrepanz die Du heute spürst, ist, dass die Gesellschaft sagt, es sind die Eltern, man muß sie achten und lieben. Nur darf man dabei nicht vergessen, dass es nunmal auch Eltern gibt, die ihre Kinder nicht geliebt haben und den Kindern nicht das gaben, was ein Kind zum gesunden heranwachsen benötigt. Das haben Dir Deine Eltern, so wie Du es beschreibst, nicht gegeben. Ganz im Gegenteil, Du hast körperliche und emotionale Gewalt erfahren. Sie haben Dich damit schwer geschädigt und nun mußt Du sehen, wie Du das alles verarbeitest und bearbeitest.
    Sorry, Liebe ist was anderes. Auch wenn Deine Eltern wohl auch nur so gehandelt haben, wie sie es konnten, so sage ich bei derartigen Verhaltensweisen, dass man dann nicht die Verantwortung für Kinder übernehmen sollte und welche in die Welt setzt und die müssen dann das Fehlverhalten aushalten und es ausbaden.

    Vielleicht würde es Dir helfen, wenn Du Dir professionelle Hilfe holst, um alles rauszulassen und besprechen zu können.

    Es wäre sicher gut, wenn Du lernen könntest ihnen zu verzeihen. Unter den Teppich solltest Du das nicht kehren und erst recht Deine Gefühle nicht unterdrücken. Das hast Du lange genug getan und Du siehst ja heute, wie Dir alles hochkommt. Das tut es, da Deine Seele aufschreit aufgrund der Qualen, die die Kinderseele da erleiden mußte. Keine Liebe, keine Geborgenheit, kein angenommen fühlen wie Du warst, sondern Schläge und Abstrafen. Das ist nunmal kein liebevolles Verhalten einem Kind gegenüber, welches die Geborgenheit und Liebe der Eltern benötigt.

    Ich wünsche Dir alles Liebe und Du mußt Dich nicht schämen od. blöd fühlen für die Gefühle, die da in Dir hochkommen. Ich finde das ganz normal und kann mir vorstellen, dass es einem schwer fällt da hinzuschauen, da man dadurch in der Zwickmühle steckt, da es ja immer heißt, es sind die Eltern, die muß man lieben. Davon solltest Du Dich freimachen. Denn wenn jemand anders Dich ständig verbrügeln und abstrafen würde, würdest Du denjenigen ja auch nicht lieben bzw. mit ihm befreundet sein wollen. Bloß weil sie einen in die Welt gesetzt haben, können sie keine bedingungslose, lebenslange Liebe erwarten, wenn sie einen als Kind derart missbraucht haben ohne mit der Wimper zu zucken. Schließlich waren sie ja wohl schon erwachsen und da sollte man ein wenig mehr an Reife erwarten, wenn sie schon die Verantwortung übernehmen und Kinder in die Welt setzen.

    LG
    Thessa
    Geändert von Thessa (08.01.2012 um 19:22 Uhr)

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