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Thema: Möchte "Selbstentwertung" stoppen - sorry langer Text >.<'

  1. #1
    Neuling Avatar von Mirrorgames
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    Idee Möchte "Selbstentwertung" stoppen - sorry langer Text >.<'

    Hi erst einmal!

    Zunächst möchte ich mich grob vorstellen, damit man sich, wenn man sich schon die Mühe macht den X-tausendsten Beitrag zu diesem Thema zu lesen, von denen sich so viele gleichen und ergänzen...

    Ich bin weiblich, 22 Jahre jung und habe ein großes Herz, sowie ein relativ festes Bild, von dem was sich in meinen Augen gehört und was unter aller Sau ist.
    Nur lege ich Ideale mögender Mensch mir wohl ganz gerne mal die Messlatte zu hoch und bin schnell frustriert und von mir selbst bis zur Perfektion enttäuscht, wenn etwas nicht so hin haut, wie ich das gerne hätte.

    Von Kindheit an macht sich mir in vielen Alltagssituationen bemerkbar, dass ich ( wie alle individuellen Wesen) irgendwie "anders" bin. (Anders... dieses Wort geht einem über die Lippen wie irgend etwas, dass verdorben schmeckt...)

    Seit jeher, spreche ich anders als die meisten Leute in meiner Umgebung - eher hochdeutsch (mittlerweile auch mit manchen aus verschiedenen Dialekten entlehnten Wörtern und Aussprachen) und , obwohl ich mich nicht als hochgestochen sehe ecke ich allein dadurch, dass ich in Kreisen in denen ich mich nicht 100%ig sicher fühle gut aufpasse, dass ich mich nicht ausgesprochen primitiv ausdrücke schon oft an...

    Außerdem würde ich mich als "Mädel" mit großer burschikoser und offener Natur beschreiben, auch wenn diverse unschöne Begebenheiten und Erfahrungen mich in meiner offenen Art und dem Glauben an den guten Kern jedes Wesens sehr gebremst haben. Ich schaue gerne über den Tellerrand und vereine durch großes Interesse,Mitgefühl und Hilfsbereitschaft eigentlich sehr viele positive Eigenschaften in mir...

    .... Jetzt kommt mein Lieblingshasswort:
    ABER ... Auch wenn mir viele Gründe, wie zB Mobbing ab dritter Klasse aufwärts bis zum Umzug zu meiner jetzigen Lebensgefährtin, ungünstigen Verhältnissen in der Famile
    ( Scheidung, älterer Bruder der " die Kurve nicht kriegt" und jetzt erst anfängt sein Leben zu ordnen, Mutter die ihre " Macken" eben auch in der Erziehung ausgelebt hat ohne es zu merken und sich daraus ergebende "schlechte Angewohnheiten" bzw Einstellungen und Blickwinkel meinerseits)
    bereits bekannt sind und ich so eigentlich genug Ansätze habe, an denen ich arbeiten kann bekomme ich einfach vieles nicht aus mir heraus, dass mich hemmt, einschränkt und davon abhält mein Leben produktiv in die Hand zu nehmen.

    Mein größtes Problem ist wohl, dass ich mit mir als Person rund um nicht zufrieden bin, ja man kann in manchen Momenten von Selbsthass sprechen, ohne zu übertreiben.

    So kann ich mit schief gelaufenen Versuchen etwas zB handwerkliches zu Wege zu bringen garnicht umgehen... Auch in anderen Bereichen, wie sozialem Umgang mit anderen , etwa Konfliktgespräche bin ich dazu geneigt klein bei zu geben und mir selbst die Schuld dafür zu geben, dass der Konflikt erst aufgekommen ist... " Wie konnte ich nur so überheblich sein / mich im Recht glauben / so stur / rücksichtslos / dumm / egoistisch / ignorant sein? " - den Satz kann man bei mir beliebig ergänzen und ausbauen, mir fällt je nach Situation immer etwas ein mich runter zu machen.

    Zwar habe ich schon versucht durch Therapien und so Weiter mit mir soweit ins Reine zu kommen und kenne viele meiner Stärken, doch kann ich Erfolge nicht als so "toll " empfinden und schon garnicht ein positives Gefühl für mich selbst lange halten...

    Und die Therapien.... Naja man hat versucht mich in Schubladen zu stecken, wie Borderline oder Hebephrenie - wobei mit bei letzterem immernoch die Begründung nichts wirklich erklärt.
    ( lautete in etwa " Wenn ich Sie in das Borderline-schema hinein quetschen kann, obwohl es nicht so richtig passe passne Sie in Hebephrenie genauso hinein" )

    Fakt ist, dass ich Selbstkritik bis zur völligen In-Frage-Stellung meines Existenzsinnes treiben kann und mich Versagensängste schon fast auffressen... Das Ganze wechselt sich wie Ebbe und Flut ab mit einem " Ihr könnt mich alle mal ****"-Gefühl, dass seines Gleichen sucht.

    Mittlerweile bin ich so weit enttäuscht , dass ich vorerst von einer neuerlichen stationären oder ambulanten Zusammenarbeit mit Leuten, die mir eine Diagnose aufdrücken und dann eine "pseudo-angemessene"
    Therapie durchgallopieren um mich schnellstmöglich wieder los zu haben ( oder mich gar anschauen und mir offenkundig sagen, dass Sie keine Ahnung haben was sie mit mir anstellen sollen, aber ich kann ja gerne weiter die Ergotherapie nutzen, wenn ich mag ) abstand nehmen will - darum möchte ich mich gerne mit Euch , lieben Mit-Usern diesen Forums austauschen und vielleicht so wertvolle neue Blickpunkte finden.

    Momentan - nach 3jährigem Wechselspiel von Therapie, Berufseinstiegsversuchen, wieder Therapie mit anderem Ansatz ...usw -
    starte ich einen neuen Anlauf um endlich (!!!) eine Ausbildung zu machen und habe mir über Berufsberatung die Teilnahme an einer Berufs vorbereitenden Bildungsmaßnahme ( BvB) organisiert. Eigentlich läuft es relativ gut, ich habe mir verschiedene Praktikumsstellen an Land gezogen und komme mit dem " Kurs" einigermaßen zurecht."

    Aber eben nur einigermaßen... Seit Jahren pflege ich nur recht wenige soziale Kontakte , ein paar gemeinsame Freunde von mir und meiner Lebensgefährtin - mehr nicht. Und nun in eine Schulklassen ähnliche Gruppe gesteckt bekomme ich wieder das penetrante Gefühl nicht " stark" genug zu sein längerfristig mit meinen Mitmenschen aus zu kommen, oder einen normalen Arbeitsalltag zu bewältigen.

    Ich fühle mich bei kleinsten Missgeschicken wertlos, unnütz und durch und durch chaotisch ( obwohl ich in weniger emotionalen Momenten und vom Kopf her eiiigentlich weiß, dass ich auf einem guten Weg bin und alles andere als wertlos).
    Im Alltag bin ich "draussen" ( im Lehrgang also) eher ruhig, versuche mit zu nehmen was für mich nützlich ist und nicht in Ärger zu geraten.. Mir gelingt die Grätsche nicht mit meinen Kollegen zu reden, oder etwas gemeinsam zu machen ohne anzuecken und meinen Drang nach ich-selbst-sein , so wie ich mich sicher fühlen würde zu machen....
    Wirke trotz dem Versuch strukturiert und gut vorbereitet zu sein chaotisch, unordentlich und vor allem sieht man mir an, dass ich mir über alles und Jeden einen Kopf mache, wie wer was über mich denkt, wie ich rüber komme, wie meine Leistungen sind usw....


    Sorry, so langsam wird es unübersichtlich und endlos....
    Ich hoffe man kann , totz chaotischem "Erstpost" i-wie ein paar Dinge heraus filtern und eine Unterhaltung in diesem Thread entstehen lassen ohne, dass einem allein nach dem Lesen meines Einstiegsposts einen qualmenden Kopf zu haben....


    Für eventuelle Tippfehler und Unübersichtlichkeiten : Sorry, ich geb mir Mühe

    Und Danke, dass Ihr bis hier gelesen habt, ich freue mich auf Antworten.

    Lieben Gruß

    Mirrorgames

  2. #2
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    So... ich picke jetzt mal ein paar Punkte heraus, um evtl. Eine Diskussion anzufangen:

    Ich kenne das mit dem „rundum nicht zufrieden sein“ – mir gehts genauso. Ich kenne auch das mit den sozialen Konfliktgesprächen nur zu gut – ich ziehe immer den Schwanz ein, bin auch gar nicht in der Lage, in dem Moment, wenn jemand anderer Meinung ist, meine Meinung zu untermauern oder auf dem Standpunkt zu beharren, nehme immer die Schuld auf mich. Grundsätzlich weiß ich aber, dass in einem Streit meistens beide Seiten Schuld haben.

    Ich habe schon viele Extreme beim Verhalten in Konflikten erlebt – einer stellt sich schlafend, wenn seine Frau ihn mit Problemen konfrontiert, einer nutzt seine rhetorische Überlegenheit dazu, immer seinen Willen durchzusetzen, wieder jemand anders meint immer seinen Senf irgendwo dazugeben zu müssen und immer alles besser zu wissen und lässt Gegenargumente praktisch gar nicht gelten. Ich denke, dass das Beste ist, einfach die Inperfektion beider Seiten zu akzeptieren. Auch wenn ich mich oft meinen Mitmenschen gegenüber unterlegen fühle, so merke ich doch auch, dass diese keineswegs so perfekt sind, wie ich das oft glaube und auch viele Fehler machen und teils Probleme haben, die noch viel größer als meine eigenen sind.

    Ich kenne auch das Problem, dass du schilderst, dass du dich bei den kleinsten Missgeschicken wertlos fühlst. Auch das Problem teile ich mit dir – wenn mir in der Arbeit ein Fehler passiert oder ich im Alltag auf Dinge vergesse, komme ich mir so derart dumm und tollpatschig vor und würde mich am liebsten selbst ohrfeigen für die Dummheit. Tatsächlich kommt das Chaotentum von der Selbstunsicherheit und die Blockade von Gehirnkapazitäten mit Gedanken, was andere über einen denken. Ich versuche das dauernde Gedankenmachen darüber, wie ich rüberkomme, auch abzustellen, denn ich weiß, dass mich das nur hemmt. Ist natürlich leichter gesagt, als getan...

    Dass du es nicht schaffst, alles mit deinen Kollegen unter einen Hut zu bringen, ist denke ich normal. Je stärker eine Persönlichkeit ist und je mehr sie sich entfaltet, desto mehr wird sie auch an ihren Mitmenschen anecken – das lässt sich gar nicht vermeiden. Menschen sind einfach zu verschieden, als dass sie alle in permanenter Eintracht miteinander leben können.

    Ich denke, dass, um sich selbst mögen zu können, es zunächst einmal wichtig ist, anzuerkennen, dass die anderen Menschen auch alles andere als perfekt sind. Nur weil jemand vielleicht selbstbewusster und selbstzufriedener ist, ist er deswegen noch kein besserer oder wertvollerer Mensch. Auch wenn (zumindest auf mich) viel Selbstbewusstsein schon einschüchternd und beeindruckend wirken kann...

    Das alles sage ich, der selbst noch immer ein großes Problem mit sich und seinem Selbstwert hat. Vielleicht ist ja irgendwas dabei, mit dem du, Mirrorgames oder wer anderer was anfangen kann....

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei amorpropio für den sinnvollen Beitrag:

    Mirrorgames (15.10.2010)

  4. #3
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    Habe Deine Antwort fix überflogen, da ich leider gerade zeitmäßig etwas knapp bin.
    Danke jedenfalls für Deine offene Antwort, es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine da steht.
    Das Blöde ist ja, dass ich i-wo in meinem immer zu rödelndem Hirn schon verstehe, dass ich vieles eigentlich gut kann und, dass ich schon nur halb so "schlimm" bin, als meine Wahrnehmung mir das gerne drücken möchte...
    Nur gilt all die Vernunft leider in den Situationen, die mich so kirre machen rein garnichts, weil da Emotionen und anerzogene Denkensmuster die Vernunft fein säuberlich über den Haufen rennen... Wer kennt's nicht =)

    Ich hoffe man liest sich bald wieder, da ich Besuch habe verkrümel ich mich jetzt

    liebe Grüße

    Mirrorgames ^-^/))

  5. #4
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    Ja, genau die fixierten und anerzogenen Denkmuster sind es, die einem das Leben gerne schwer machen. Es kostet einiges an Überwindung und auch Anstrengung, um von den breitgetretenen Pfaden, Autobahnen oder wie auch immer man die starken Verknüpfungen im Hirn nennen möchte, abzufahren und neue Wege zu begehen. Aber wenn man sich ein paarmal überwunden hat, können diese neuen Denkmuster auch irgendwann einmal zur Selbstverständlichkeit werden...

    Ich weiß natürlich, dass das leichter gesagt als getan ist...

  6. #5
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    Jupp, da kann ich dir nur Recht geben - es ist verdammt schwierig, selbst wenn man eigentlich genau weiß was man anders machen wollen würde und manchmal tut man auch mal etwas, dass man dann als "richtiger" oder "passender" empfindet, aber das Umfeld ist solche Aktionen dann nicht gewohnt und reagiert gerne mal irritiert, bis richtig ärgerlich, was einen dann wieder dazu bringt diesen eigentlichen Fortschritt in Frage zu stellen.

    Ich als harmoniebedürftiges Etwas lasse mich durch solche Reaktionen schnell entmutigen und kehre schnell der Scheinharmonie wegen zu alten Mustern zurück...*seufzel*

    Sorry, so nebenbei, dass ich so lange nicht geschrieben habe, obwihl mir der Austausch hier sehr wichtig ist und es unwahrscheinlich gut tut mit jemandem zu schreiben, der die Lage der alltäglichen Dinge ähnlich sieht.

    Wie erwähnt bin ich ja in so ner Art Lehrgang und habe momentan Praktikumsphase - der liebe Alltag hält mich gerne mal vom Internet fern weisst du?

    Mein momentanes Praktikum findet bei einem Künstler statt und da habe ich viel Zeit um nachzudenken. Ich reflektiere ohnehin sehr oft die letzen Tage und versuche brauchbare Dinge daraus zu ziehen.

    So langsam kommt mir zumindest der Gedanke, dass eine neue evtl auch stationäre Therapie vielleicht garnicht mal so der schlechteste Weg wäre - nur eben weg von dem Aspekt, dass ich evtl Borderline oder gar Hebephrenie habe(n soll - laut den "Fachleuten").
    Momentan glaube ich zu erkennen, dass mein Hauptproblem schlichtweg aus purer und nervenzerfressender Angst heraus gewachsen ist, sei es Zukunfts- Verlassens- oder Versagensangst...

    Mal sehen was sich dazu an Informationen finden lässt, vielleicht liege ich ja richtig.
    Das würde dann wahrscheinlich eine ganz andere Therapieform bedeuten, die mir bestimmt mehr weiter helfen kann...

    Die Zeit ist mal wieder knapp, ich schließe für heute.

    Machs gut und Kopf hoch: Ich wünsch dir was ^_^

    Bis bald - Mirrorgames

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