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Thema: Mutter-Tochter - wie werde ich endlich erwachsen?

  1. #1
    Neuling
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    Standard Mutter-Tochter - wie werde ich endlich erwachsen?

    Hallo,
    ich denke mein eigentliches Problem ist, dass ich noch nicht erwachsen bin, mit meinen weit über 40 (!!) Jahren.

    Ich muss etwas ausholen: Meine Mutter und ich haben eine sehr innige Bindung, unser Verhältnis ist freundschaftlich, zumal sie auch sehr jung geblieben ist. Wir haben so viel Spaß und können uns manchmal "auf dem Boden kullern" vor Lachen, gehen zusammen einkaufen, tauschen Klamotten, haben gleiche Interessen, fahren zusammen in den Urlaub und lieben uns.

    Allerdings haben wir auch viel durchgemacht, was uns auch zusammengeschweißt hat. Krankheit, Konkurs, Geldsorgen. Wir waren immer füreinander da, haben uns Kraft und Mut gegeben. Meine Mutter hatte so um die 50 schwere Depressionen. Dem war ich fast nicht gewachsen, dadurch kam es auch öfter zum Streit und Verletzungen. Meine Eltern sind geschieden, der neue Partner meiner Mutter ist gestorben, seitdem lebt sie alleine. Ich stand für sie immer an erster Stelle. Aufgrund finanzieller Probleme etc. waren wir gezwungen, auch zusammen zu leben. Jahrelang! Es war im großen und ganzen ok, weil wir, wie gesagt sehr gut zurecht kommen.

    Andererseits für beide auch belastend, was sich zumindest 1x im Jahr in einem großem Krach äußerte. Sie fühlte sich schuldig, weil sie bei mir leben musste und somit abhängig war und ich fühlte mich nicht richtig "frei". Seit 5 Jahren haben wir endlich wieder getrennte Wohnungen.

    Ich habe seit über 4 Jahren einen Freund, nach jahrelangem Singelddasein. Wie sehen uns täglich, wollen evtl. auch heiraten. Sie scheint nicht ihm zufrieden, er ist nicht gut genug für mich. Er hat zu angeblich wenig, ist geschieden, 2 Kinder (eines lebt bei ihm), ich wäre für ihn nie an erster Stelle, ich passe mich zu sehr an etc.pp. Mir ist alles auch zuviel, ich reibe mich auf. Freund, Mutter, Job, Hund, meine Bedürfnisse.

    Sie wirft mir manchmal vor, ich hätte kein Vertrauen zu ihr, weil ich nie mehr alles über uns erzähle. erzähle. Das stimmt auch, weil sie zum einen ziemlich dominat ist und mir Ratschläge gibt, die ich nicht hören will oder immer Angst hat, ich würde mich unterbuttern lassen. Ich will endlich mal frei entscheiden, diese Liebe, mein Paarleben, ausleben. Ich erzähle zwar schon, was wir so machen aber eben keine Datails. Sie hingegen erzählte mir immer alles. Aber ich bin eben ein anderer Typ. Ich mache viel mit mir selber aus. Und die Erfahrung hat mich gelehrt, dass es eben besser ist. Wenn ich mal von einem Streit erzählen würde, würde sie mir zwar beistehen und mich trösten und stärken, aber bei der nächsten Gelegenheit, müsste ich mir das alles wieder vorhalten lassen. Darauf habe ich keine Lust. Erfahrungswert.

    Außerdem werfe ich ihr vor, sich ständig in meine Beziehung zu meiner Jugendliebe eingemischt zu haben und es jetzt wieder zu tun. Wenn mir uns gestritten hatten oder ich hatte Wut und habe es ihr erzählt, hat sie es ewig später immernoch vorgehalten oder über ihn "gehetzt", selbst wenn ich es schon längst verziehen oder vergessen hatte. Ich will jetzt nichts erzählen, weil ich das Gefühl habe, erstmal richtig erwachsen zu werden.

    Mein freund und ich sehen uns jeden tag. ich gehe voll arbeiten und besuche meine Mutter (sie wohnt in der Nähe) beinahe täglich. zumindest quatschen wir mind. 1x am Tag. Aber, wenn es hart auf hart kommt, bekomme ich vorgehalten, dass ich ja nicht mehr zu ihr komme, und nur mal für ne halbe Stunde, da kann ich es gleich sein lassen. Sie hat keine Lust dazusitzen und zu warten, bis ich mich mal "erbarme" So ein Quatsch! Sie gibt mir das Gefühl, sie zu vernachlässigen, sie nicht an meinem Leben teilhaben zu lassen. Wie gesagt, nicht immer, nur, wenn diese phase da ist. Bin ich wirklich so eine undankbare Tochter, die ihre Mutter - die wirklich immer für sie da war- nun hängen lässt. Sie hätte sich immer um ihre Mutter gekümmert, hat immer alles erzählt. Ok, aber beide wohnten auch 600 km auseinander und meine Omi war ganz anders. Sie hat zwar auch ihre Meinung gesagt, aber war nicht so absolut, nachtragend und teils intolerant. Wenn es einer mit meiner mama einmal verdorben hat, ist es so. Und selbst wenn sie die Wogen geglättet haben, irgendwann platzt genau diese alte Geschichte aus ihr heraus.
    Ich liebe sie aufrichtig und von Herzen. Will mich aber nicht mehr ständig schuldig und verantwortlich fühlen. Und einfach alles für mich zu machen und sie außen vor zu lassen, bringe ich nicht übers Herz. Sie hat doch nur mich. ok, sie könnte sich andere Freunde suchen, aber das will sie nicht. Auch, weil sie schon oft enttäuscht wurde.

    Sie ist kreativ und kann sich gut mit sich beschäftigen. Lange geht es ja auch gut - bis dann mal wieder die Zeit reif ist...Ich lasse mich dann immer provozieren. Verteidige, versuche klar zu stellen, Sie dreht mir die Worte im Mund rum und ich könnte sagen, was ich will, nichts, aber auch nichts gilt. Dann ist der Krach da und wir leiden und heulen beide. Es ist schlimm. Am schlimmsten, wenn sie dann noch sagt, mir wäre es ja sowieso lieber, wenn sie nicht mehr da wäre...Auch habe ich zB. jetzt schon wieder ein schlechtes Gewissen, wiel ich das Gefühl habe, ihr in den Rücken zu fallen.

    ZZt. will sie nicht mehr mit meinem Freud sprechen. Mit den Kindern schonmal garnicht. Das quält mich, weil ich es gerne hätte, dass wir uns alle verstehen und ab und zu mal einen schönen Tag oder ein schönes Essen zusammen verbringen. Selbst früher, als das noch ging, war ich immer auf der hut, aus Angst, gleich könnte es knallen. Sie maßt sich an, zu kritisieren, anderen ihre Meinung aufzuzwängen, kennt alles. Andererseits ist sie super empfindlich. Ich sagte schon, wenn ihr jemand das sagt, was sie sich anmaßt anderen zu sagen, wäre der Teufel los. Ihre Antwort darauf: sie meint es doch nicht böse und kann doch ihre Meinung sagen. Aber wehe, wenn anders herum.

    Das alles macht mich sehr traurig. Ich merke schon, wei ich teilweise garnicht mehr soooo innig sein kann wie früher, weil ich weiß, dass sie irgendwann wieder damit anfängt. Eben zB. ich sagte ihr, mein Freund will mir das und das schenken. "Ach ja, kann er doch. Kriegt er doch eh Prozente und es kostet ihn fast nix. Außerdem macht er das doch auch für sich, er hat doch auch was davon". Bumm. Ich könnte ausrasten. Alles wird relativiert und stimmt so nicht, wie sie behauptet. Ich bin ruhig geblieben. Aber es nervt mich maßlos. Er könnte ihr nie etwas recht machen. Selbst wenn er mich in Gold umhüllt, mir ein Haus schenkt, ein Auto und reisen - irgend was wäre immer. Das haus in einer blöden Lage, der urlaub mit Kindern, das Auto in der falsche Farbe. Kennt jemand ähnliches? Wie seid Ihr damit fertig geworden?

    Danke!!!
    Geändert von Heike111 (19.04.2011 um 18:29 Uhr)

  2. #2
    Neuling
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    Hallo @Heike111,

    es scheint so, dass deine Mutter dich für sich ganz in Anspruch nehmen
    möchte. Es hängt wohl damit zusammen, dass Sie kennzeichnende Verluste,
    (Ehemann weg und Freund gestorben), erlitten hat. Du bist jetzt ihr einziger
    Ansprechparnter.

    Am schlimmsten, wenn sie dann noch sagt, mir wäre es ja sowieso lieber, wenn sie nicht mehr da wäre
    Das ist typisch für jemanden,
    der angst vor der Einsamkeit hat. Der helfenden Person wird ein schlechtes
    Verhalten vorgeworfen und damit auch ein schlechtes Gewissen impliziert.

    Ein Prob. ist, dass ihr euch beide zu oft seht und sprecht. Jeden Tag ist einfach zu viel. Jeder braucht auch mal seinen Freiraum, physisch und emotional.

    ZZt. will sie nicht mehr mit meinem Freud sprechen.
    Verstehe ich auch gut, denn er ist Jemand, der sich zwischen deiner Mutter
    und dir steht. Warum machst du nicht mal folgendes. Du sagst ganz konkret
    deiner Mutter und deinem Freund, wann du mit Ihnen Zeit verbringen wirst.
    Bspw. gehört das Wochende deinem Freund. Dienstag und Donnerstag deiner
    Mutter. Das ist natrürlich ein Beispiel. Du musst beiden klarmachen, dass es
    nur bestimmte Tage gibt, an denen du für sie da bist. Aber es ist ganz
    wichtig, dass du ein oder zweit Tage für dich hast.

    Das quält mich, weil ich es gerne hätte, dass wir uns alle verstehen und ab und zu mal einen schönen Tag oder ein schönes Essen zusammen verbringen.
    Eins muss du dir klarmachen. Du kannst es nicht jedem
    recht machen und wirst es auch nicht können, weil du irgendwann zusammen-
    brichst. Du machst einen zu großen Spagat.
    Versuch doch vorserst do einen Art Regelung zu treffen, wie ich es im Beispiel
    genannt habe. Du wirst bestimmt auf Vorhaltungen stoßen aber wenn du
    das durchhälst, wird es auf lange Sicht ein Erfolg.

    Viele Grüße
    monet

  3. #3
    Moderator Avatar von phel
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    Die "Mutter-Kind-Bindung" ist nicht nur die erste, sondern wohl auch die wichtigste Beziehung in dem Leben eines Menschen. Aber auch eine, die schon im frühesten Alter anfällig für Probleme ist, die sich vielleicht auch erst später zeigen. Mütter, die nicht loslassen können, die sind gar nicht selten - aber ebenso gibt es auch Töchter / Söhne, die sich ein Leben lang verpflichtet fühlen, sich für die Mutter aufzuopfern, sich zu "revanchieren". Manchmal ist es auch der Wunsch der Mutter, ihr Leben durch das ihres Kindes erneut zu leben, Entscheidungen zu übernehmen, der "Dirigent" werden.

    Ich gehe davon aus, dass deine Mutter deine jetzige Lebenssituation aus einfachen Gründen ablehnt:

    Es ist nicht die Angst, dass du bei ihm nicht an erster Stelle stehst, oder der Vorwurf, dass du dich zu sehr anpassen würdest - es ist die Angst, dass sie nicht mehr bei dir an erster Stelle stehen wird, weil du dich anpasst. Die Umstände ändern sich, du hast eine "kleine Familie", und damit kommen auch Verpflichtungen. Aber die müssen gar keine Last sein. Deine Mutter hat kein Problem mit dir, oder deinem zukünftigen Ehemann, sondern mit sich selbst. Sie kann nicht loslassen, aber auch weil du ihre Stütze warst, in schwierigen Situationen. Du solltest ein Gespräch mit ihr suchen, deinen Standpunkt klar machen, aber sie auch wissen und spüren lassen, dass du sie weiterhin in deinem Leben haben willst - gib ihr nicht das Gefühl sie ausschließen zu wollen. Du sagst es selber, der Kontakt zu ihr, und ihren Kontakt zu den Kindern ist dir wichtig, und du wünscht dir ein "normales" Miteinander. Ist das etwa zu viel? Ich denke nicht.

  4. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei phel für den sinnvollen Beitrag:

    Darkstar (27.04.2011)

  5. #4
    Schreibkraft Avatar von monkey
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    Hallo Heike,

    ich bin mit suchtkranken Menschen aufgewachsen, und mir stellen sich jedes mal die Haare, wenn ich von solch manipulativem Verhalten höre. Es war nicht so leicht, aber ich habe meiner Mutter mit der Zeit meine Grenzen klar machen können.
    Meine Mutter hat gelernt, mit ihrem leidvollen Verhalten andere Menschen dazu zu bringen, was sie will. Und da wollte ich nicht mitmachen. Oft habe ich mich selber als kaltherzig empfunden. Bin ich aber nicht. Nur auf Schuldzuweisungen und dem Abwerten meiner Lebens-/Verhaltens-weise reagiere ich total allergisch und zieh mich zurück.

    Es war nötig, mir klar zu machen, was meine Mutter wirklich zum Leben braucht. Und auch wenn du das evtl. gerne hättest, sie braucht dich zum Leben nicht. Und du bist auch nicht für ihr Leben verantwortlich. Mittlerweile habe ich meine Mutter von mir entwöhnt Und ich sehe, sie lebt auch ohne mich. Wir haben einen freundschaftlichen Kontakt und helfen einander wenn nötig. Und keiner überschreitet die Grenzen des anderen. Sie lebt ihr Leben, ich meins.

    Nur die Frage, ob das bei euch jetzt nicht schon zu eingefahren ist. Du könntest evtl noch etwas an deinem Verhalten (Reagieren) ändern, doch deine Mutter?

    Klar, versuchen kannst du es noch, deiner Mutter das eine oder andere verständlich zu machen, aber wenn du es dann geschafft hast... was hast du dann? Eine Menge Zeit in sie/dafür investiert, oder? Und dein Leben? Wieviel Energie hast du dann noch dafür?

    Dir wird schon klar sein, was du zu tun hast. Lerne dich von diesem, meiner Meinung nach, krankem Verhalten deiner Mutter zu distanzieren, du gehst nämlich grad mit ihr unter. Jedes mal, wenn du dich auf so ein krankes Streitgespräch einläßt, tauchst du tiefer in ihre kranke Welt mit ein. Und irgendwann wirst du auch den Rest deiner Umgebung durch den selben kranken Nebel wahrnehmen, durch den deine Mutter schaut. Du könntest ähnliches Verhalten annehmen, dadurch, daß du versuchst, sie zu verstehen, dich nach ihr zu richten.

    Hast du erholsamen, guten Kontakt mit anderen Menschen? Weil einen Vergleich braucht es in dieser Hinsicht, finde ich, um "das Kranke" in dieser Beziehung überhaupt erkennen zu können.

    Ich erkannte auch erst vor einiger Zeit, daß mein Leben kein Drama sein muß.

    Grüße
    monkey

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