psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Ergebnis 1 bis 6 von 6

Thema: Nach 15 Jahren Ehekrieg die Scheidung

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    01.08.2011
    Beiträge
    3
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Unglücklich Nach 15 Jahren Ehekrieg die Scheidung

    Hallo liebe Foren-Mitglieder,

    heute wende ich mich an Euch, da ich immer noch keine professionelle Hilfe bekomme. Aber das ist ein anderes Thema und ich bleibe dran.

    Zu meiner Situation:

    Ich bin 26 Jahre jung und meine Eltern lassen sich nun nach über 30 Jahren Ehe scheiden.

    Doch das ist nur die Spitze des Eisberges. Seit ich die Situation in der Familie bewusst wahrnehmen und interpretieren kann - also seit ich ca. 10 Jahre alt bin, führen meine Eltern "Ehekrieg". Das äußert sich nicht unbedingt in vielen Streits, sondern eher in miesen Psychospielchen und gegenseitiges Ausspielen in allen Lebenslagen - auch bei mir.

    Seit meiner Jugend werde ich ständig in die Auseinandersetzungen meiner Eltern reingezogen und zu Stellungnahmen "gezwungen". Meist ist dies meiner Mutter besser geglückt mich gegen meinen Vater aufzulehnen.

    Nach endlosen Drohungen sich scheiden zu lassen, scheint es nun wirklich so weit zu sein. Sie reden seit 4 Wochen nicht mehr (wohnen noch zusammen), meine Mutter sucht nach einer Wohnung und mein Vater flüchtet regelmäßig - auch häufig zum Alkohol.

    Mein Vater ist zusätzlich noch psychisch vorbelastet (Narzismus) und hat auch eine Therapie hinter sich. Meine Mutter war auch in den 90iger Jahren in Behandlung. Da war ich aber zu jung, um die genauen Umstände zu verstehen.

    Nun kann ich meine Eltern nur noch getrennt sehen und sprechen. Beide ziehen über den anderen her. Das macht die Situation nicht einfach. Ich habe schon klar gemacht, dass ich mich zurück ziehe bis die Beiden endlich mal gesprochen haben und egal wie es ausgeht, dann aber endlich die Situation klar ist.

    Zudem mache ich mir große Sorgen um meine Eltern. Ich habe Angst um meinen Vater, dass er noch tiefer in seine Depressionen fällt (er verhält sich sehr typisch: mal extrem gute Laune und dann wieder sehr schlechte Tage) und sich dem Alkohol noch mehr widmet und jeden Lebensmut verliert.

    Auch um meine Mutter mache ich mir Sorgen. Nun ist dieses Wochenende auch noch unser Hund nach 16 Jahren gestorben an den sie sich natürlich in dieser schrecklichen Ehe extrem geklammert hat. Sie ist total am Ende und allein zu hause. ich muss leider arbeiten und kann mich nicht um sie kümmern.

    Wie kann ich den beiden helfen ohne mich dabei auch selbst zu sehr zu belasten? Und wie schaffe ich es, nach solch einprägsamen Jahren des "Ehekriegs" selbst eine stabile Beziehung zu führen und eine Familie aufzubauen? Zwar habe ich einen festen Freund und wir planen auch eine Familie. Aber ich erlebe immer wieder extrem schwankende Gefühlslagen und komme damit nur sehr schwer klar.

    Auch wenn keiner einen Rat weiß, danke fürs zuhören.

    Kabu_dd
    Geändert von kabu_dd (01.08.2011 um 11:21 Uhr)

  2. #2
    Schreiberling
    Registriert seit
    16.03.2011
    Ort
    Bayrisch-Schwaben
    Beiträge
    299
    Danke
    198
    208 mal in 126 Beiträgen bedankt

    Standard

    Zitat Zitat von kabu_dd Beitrag anzeigen
    Wie kann ich den beiden helfen ohne mich dabei auch selbst zu sehr zu belasten? Und wie schaffe ich es, nach solch einprägsamen Jahren des "Ehekriegs" selbst eine stabile Beziehung zu führen und eine Familie aufzubauen? Zwar habe ich einen festen Freund und wir planen auch eine Familie.
    Hallo Kabu_dd,

    ich finde es schön, das Du Deinen Eltern nun in dieser schweren Zeit zur Seite stehen willst - aber es ist sehr schwer hier unparteiisch zu bleiben.
    Daher möchte ich Dir den Rat geben, dass Du darauf achtest, auch genügend Abstand zu finden und dass Du möglichst sauber trennst, was die Themen Deiner Eltern sind und was wirklich Dich selbst betrifft. Gerade nachdem Du schreibst, dass Dich Deine Eltern in den vergangenen Jahren immer "mit hineingezogen" haben, fällt Dir diese Unterscheidung wahrscheinlich relativ schwer. Aber die Unterscheidung der verschiedenen Themenkreise ist wichtig.

    Die Hilfe würde ich auf ganz konkrete Dinge derzeit beschränken, dh. wenn es um die Wohnungssuche geht, die Umzugsvorbereitungen - oder einfach um das "Zuhören". Aber versuche klare Grenzen zu setzen, wenn Dich einer der Elternteile versucht "auf seine Seite" zu ziehen. Ich glaube, dass Du auch gut beraten bist, jetzt erstmal nur "getrennten Umgang" mit Deinen Eltern zu pflegen. Vor dem aktuellen Hintergrund ist es ihnen wahrscheinlich einfach noch nicht möglich, sich wieder an einen Tisch zu setzen. Und sollte dies wirklich der Fall sein, würdest Du in eine "Vermittler-Rolle" geraten, die Dir vor den aktuellen Ereignissen nicht leicht fallen wird, da Du aufgrund Deines eigenen Schmerzes nicht absolut neutral und mit Abstand reagieren kannst.

    Ideal wäre es daher, wenn sich Deine Eltern zu einer "Trennungsberatung" entscheiden könnten. Das sind die gleichen Anlaufstellen wie zur Paarberatung, - aber es besteht die Chance, dass man so ggf. einen weiteren Rosenkrieg vermeiden könnte, der nur auf Kosten aller Beteiligten gehen kann. Es erleichtert die Sache ungemein, wenn man mit Hilfe dritter wenigstens über die Dinge Vereinbarungen trifft, über die man NICHT zu streiten braucht und wenn erreicht werden kann, wenigstens eine "Gesprächskultur" beizubehalten. Aber das geht natürlich nur, wenn beide Seiten dies auch wollen.

    Hast Du eigentlich noch weitere Geschwister?

    LG,
    Q.V.

  3. Die folgenden 3 Benutzer bedankten sich bei Quo Vadis? für den sinnvollen Beitrag:

    Darkstar (01.08.2011)

  4. #3
    Neuling
    Registriert seit
    01.08.2011
    Beiträge
    3
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo quo vadis,

    danke für deine Worte.

    In die selbe Richtung gehen meine Gedanken natürlich auch, mich neutral zu verhalten. Aber wie neutral kann man bei den eigenen Eltern sein?

    Die Fronten sind so verhärtet, dass ich nicht glaube, dass sich die beiden je wieder an einen Tisch setzen werden.

    Zum Thema Geschwister. Ja, ich habe eine Halbschwerter mütterlicherseits. Allerdings keinen Kontakt, da mein Vater sie ablehnt. Auch ein Grund für diesen Ehekrieg. Was die Unterstützung da angeht, bin ich auf weiter Flur allein.

    LG, Kabu_dd

  5. #4
    Gast9159
    Gast

    Standard

    Im Ganzen möchte ich erstal bei Q.V. unterschreiben!

    Aber wie neutral kann man bei den eigenen Eltern sein?
    Das ist in der Tat etwas schwierig, zumal du da ja eine lange Leidensgeschichte hinter dir hast, indem deine Eltern auch vorher schon ihre Paar-Auseinandersetzung über dich/mittels deiner Person ausgefochten haben.

    Aber wahrscheinlich ist es das: In dem Moment, wo du dich irgendwie aufgefordert fühlst, zu "richten", zu "bewerten" oder einem zuzustimmen oder nicht, in dem Moment verlassen die beiden ihre Paarebene und beziehen dich in deiner Rolle als Kind mit ein. Ich kann es leider nicht besser ausdrücken, als so geschraubt, tut mir leid, das mein ich ehrlich.

    Ich würde dir raten, da mehr nach dem Gefühl zu handeln und auf dein Bauchgefühl zu achten: Wenn du dich aufgefordert fühlst, irgendwie Stellung zu beziehen, mach ihnen klar, dass sie ihre Streitereien allein lösen müssen, Du kannst nur helfen, indem du da bist, vielleicht sogar Vorschläge machst, wie sie am besten auseinanderkommen, also in technischer Weise mit Umzug usw., und ansonsten sieh deine Eltern als zwei eigenständige Persönlichkeiten, die ihre eigenen Probleme in ihrer Beziehung zueinander haben und selbst damit auch klarkommen müssen.

    Dass das mit ihrer Beziehung zu dir als "Kind" ja nix zu tun hat/haben darf, muss dabei deine Grundlage des Handelns sein.

    Wie gesagt,ich kann es nicht besser ausdrücken. Ich selbst kenne das auch von meinen Eltern und kann dch gut verstehen: Du bist hilflos und kannst nicht wirklich was ändern. Es ist aber auch nicht deine Aufgabe und wäre zuviel verlangt, denn du musst das auch erstmal selbst aus deiner Sicht verkraften.

    Es gäbe ja auch noch die Möglichkeit, einen Mediator zu Rate zu ziehen. Nicht nur Paarberatungsstellen, auch viele Rechtsanwälte, die Scheidugssachen machen, bieten das heutzutage auch an und sind ausgebildet dafür.

    Viel Glück!

  6. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Gast9159 für den sinnvollen Beitrag:

    Quo Vadis? (01.08.2011)

  7. #5
    Schreiberling
    Registriert seit
    16.03.2011
    Ort
    Bayrisch-Schwaben
    Beiträge
    299
    Danke
    198
    208 mal in 126 Beiträgen bedankt

    Standard

    Zitat Zitat von kabu_dd Beitrag anzeigen
    Aber wie neutral kann man bei den eigenen Eltern sein?
    Jeder hat seine eigenen Bedürfnisse und seine individuelle Lebensplanung, die jetzt nicht mehr mit denen des Anderen übereinander passen. Daher ist es wichtig, die beiden als zwei eigenständige Personen jetzt auch wahrnehmen. Jeden für sich - mit seinen Stärken und seinen Schwächen.

    Ich glaube schon, dass man neutral bleiben kann, wenn ein paar Regeln eingehalten werden:
    - Halte den Kontakt nach beiden Seiten, lass Dich aber nicht instrumentalisieren und setze dazu klare Grenzen.
    - Versuche die Themen auseinander zu halten, was betrifft Papa, was betrifft Mama - was betrifft Dich selbst.
    - Versuche Dich auf's "Zuhören" zu beschränken, nicht auf's "Ratschläge" erteilen.
    - Absolutes Raushalten aus Streitsituationen. Tabu. Das ist nicht Deine Baustelle.

    LG,
    Q.V.

  8. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Quo Vadis? für den sinnvollen Beitrag:

    Darkstar (01.08.2011)

  9. #6
    Neuling
    Registriert seit
    08.05.2011
    Ort
    ganz nah am Wasser
    Beiträge
    41
    Danke
    9
    8 mal in 8 Beiträgen bedankt

    Standard

    Ich kann aus eigenem Erleben schildern, wie ich es gemacht habe...allerdings - ich habe dazu gerade einen eignene Beitrag verfasst - habe ich scheinbar auch einen Knacks bekommen.

    Meine Eltern haben sich gestritten so lange ich denken kann. Es gab ziwschendurch auch mal gute Zeiten, vor allen Dingen ließ mein Vater mir gegenüber nie was auf meine Mutter kommen früher, erst später klagte er sein Leid. Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, dann an immer wiederkehrende Streitereien, Drohungen meiner Mutter, dass sie sich umbringen würde und ähnliche Dinge von meinem Vater. Kann mich noch erinnern, dass ich immer irgendwie dazwischen saß und sie schreiend (meine Mutter) und jammernd oder klagend (mein Vater) an mir vorbei rasten und völlig mit sich beschäftigt waren. Ich entwickelte wohl damals so etwas wie ein "Mülleimergefühl".
    Deshalb kann ich dir raten: Bezieh besser keine Stellung, es sei denn, du willst es unbedingt. Sie können dich nicht auf ihre Seite ziehen. Sie dürfen es nicht. Sag es ihnen. In deinem Alter hab ich damit angefangen, stell dir vor, nicht früher! Ich habe ihnen gesagt, dass sie mich mit ihrem Zwist in Ruhe lassen sollen und das unter sich klären sollen und dass sie mich nicht immer als ihre Mülleimer benutzen sollen, indem sie den anderen schlecht machten und ihr Wehleid klagten.
    Da haben sie geguckt und oftmals führte es sogar dazu, dass sie dann beide zusammen hielten und ich die Böse war. War aber ok für mich, ich war erwachsen genug, auch wenn ich das alles bis heute nicht verstehen kann.

    Es ist ihr Ding. Du kannst ihnen nicht helfen. Versuche anstatt dessen so unbeschadet wie möglich da raus zu kommen. Ich glaube, bei mir hat das nicht geklappt.

    (Mein Vater ist inzwischen verstorben und meine Mutter wohnt bei mir (uns).)

Ähnliche Themen

  1. Plötzliche Scheidung nach 2 Jahren Ehe
    Von Verwirrter im Forum Scheidung / Trennung
    Antworten: 20
    Letzter Beitrag: 04.08.2011, 10:43
  2. Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 28.04.2010, 19:23
  3. Weder sie noch ich will die Scheidung
    Von Gesellschafter im Forum Scheidung / Trennung
    Antworten: 25
    Letzter Beitrag: 11.10.2009, 11:38
  4. Was sagt die Bibel zur Scheidung…
    Von Bernhard im Forum Religion & Psychologie
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 14.05.2009, 19:11
  5. scheidung nach 18 jahren
    Von gabi im Forum Scheidung / Trennung
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 08.01.2008, 11:41

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!