psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 8 von 12

Thema: Nach Fachhochschulreife vermutlich studieren - Extreme Gebundenheit an das Zuhause

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    09.05.2011
    Beiträge
    12
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard Nach Fachhochschulreife vermutlich studieren - Extreme Gebundenheit an das Zuhause

    Hallo ,

    ich bin männlich und "noch" 17 Jahre alt. Ich stelle mir immer wieder die Frage, wie ich es schaffen soll von zuhause wegzukommen. Ich besuche momentan noch die Fachoberschule (12. Klasse) und wollte danach eigentlich studieren, bin mir aber noch nicht ganz sicher.

    Wenn ich dann daran denke, dass ich aus meiner Heimat ziehen muss für 3 Jahre, ist das für mich ABSOLUT UNVORSTELLBAR!

    Ich wohne mein ganzes Leben lang schon hier in diesem Ort, es ist ein Dorf mit 500 Einwohnern. All meine engsten Freunde die hier wohnen , alles was wir jeden Tag unternehmen...Die Familie die man IMMER um sich hat... Wäre aufeinmal alles verschwunden?! Ich könnt auch nach China ziehen das wäre kein Unterschied. Das würde mich total aus dem Leben reißen.

    Ich habe es auch noch nie erlebt mal umzuziehen, oder solche gravierende Lebensumstellungen durchzumachen. Ich denke Leute die in der Stadt wohnen haben es auch evtl einfacher, weil wir hier eine Gemeinschaft sind, die sich das ganze Leben kennt.

    Eigentlich schätze ich mich als sehr flexibel ein und Probleme die für mich oft als unlösbar erschienen, bin ich auch ruhig angegangen. Aber wenn ich daran denke,von Zuhause wegzuziehen, wo ich 6205 Tage meines gesamten Lebens verbracht habe... das geht garnicht!

    Für das Studium bräuchte ich auch innerliche Ruhe, da schätzungsweise 50 Stunden /pro Woche in intensives Lernen gesteckt werden müssen, kann ich da nicht mit dem Gedanken "rumhängen": "Du hast hier deine Studenten Wohnung, kennst absolut keinen im Umkreis von etlichen Kilometern und kannst jeden Tag lernen lernen lernen und nichts anderes und das 3 Jahre"...?! Dann bräuchte ich damit erst garnicht anfangen, weil dann könnt ich mich nicht mal eine Stunde konzentriert hinsetzen und lernen.

    Kann mich da einer nachvollziehen?!...Das ist unglaublich irgendwie. Ich könnt schon drüber lachen,dass es mir überhaupt in den Sinn kommt von hier wegzuziehen, der Gedanke allein regt mich schon auf.

    Ich stehe absolut auf'm Schlauch

    Über Antworten und Meinungen würd ich mich sehr Freuen

    LG Julez =)
    Geändert von Julez (01.12.2011 um 21:43 Uhr)

  2. #2
    Verleger Avatar von Physalis
    Registriert seit
    20.03.2011
    Beiträge
    2.171
    Danke
    98
    333 mal in 274 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Julez,

    ich kann Dich gut verstehen!

    Ich stamme ebenfalls aus einem kleinen Ort und war bis zum Abitur kaum dort weg. Nicht einmal Urlaubsreisen kannte ich, da ich einen sehr kranken Vater hatte und wir Dinge, die andere Familien machten, nicht tun konnten.

    Wenn es mit der Schule auf Klassenfahrt ging, ging es mir schon schlecht. So tat ich kein Auge zu, wenn es in die Jugendherberge ging, um mal ein Beispiel zu nennen.

    Nach der Schule zog ich mit 18 gleich aus, um in einer ca. 1 St. Fahrtzeit entfernten Stadt eine Banklehre zu machen. Das klappte sehr gut, da ich jedes WE heim fahren konnte. Auch war die Ausbildung nicht so anstrengend, so dass ich mich nicht überlastet fühlte (also nicht Umzug UND Lernstress).

    Zum Studium zog ich dann noch deutlich weiter weg und knickte im Grundstudium tatsächlich einmal komplett weg und musste das Studium unterbrechen. Ich glaube, dass dies damals mit einem Umzug zusammen hing.

    Ich habe mich letztlich gezwungen, mobiler zu werden. Bin viele Wochen nicht heim gefahren, habe zwei Auslandsaufenhalte gemacht.

    Im Kern habe ich mich aber nie geändert: Während nun alle meine Freunde längst in anderen Städten und Ländern leben, bin ich seit vielen Jahren in der selben Großstadt.

    Du hast in diesem 500-Seelen-Dorf wahrscheinlich keine berufliche Zukunft. Deine Kumpels aber auch nicht. Was machen die? Bleiben die dort wohnen?

    Ich finde, Du müsstest es üben, von daheim weg zu sein. Mal eine Woche irgendwo hin und solche Sachen.
    Verbaue Dir bitte nicht Deine Möglichkeiten wegen diesem Problem. Denn das ist in der heutigen Welt ein großes Problem. Ohne Mobilität geht es nicht.

    Wie weit ist denn die nächste Uni weg von Euch?

    LG,

    Physalis

  3. #3
    Neuling
    Registriert seit
    29.11.2011
    Ort
    Baden-Württemberg
    Beiträge
    51
    Danke
    2
    6 mal in 5 Beiträgen bedankt

    Standard

    Es ist schön zu hören, dass bei euch so ein Familienzusammenhalt da ist. Ist ja heutzutage leider nicht mehr so gängig. Toll, dass du das zu schätzen weißt!

    Wie weit wäre denn die Uni weg? Mit dem Zug ist man ja wirklich sehr schnell irgendwo. Außerdem besucht dich ja dann deine Family, an den Wochenenden kannst du dort sein, Telefon, skypen, etc.

    Ich kann dich schon verstehen, dass es schwer ist. Ich habe mich zum Beispiel mit meinen Eltern nie gut verstanden und war froh endlich weg zu sein. Mittlerweile fehlen sie mir total, wir telefonieren sehr oft und sehen uns auch häufig (200 km Entfernung). Hätte ich NIE gedacht!!

    Du wirst aus deiner gewohnten Umgebng herausgerissen, das ist immer schwer. Für dich wäre eine WG sicherlich gut, denn allein in einer Wohnung zu sein, würde dich ziemlich runterziehen.

    Wenn du studierst, wirst du aber so oder so weniger Zeit für deine Familie haben. Du bist doch jetzt auch in der Schule, musst lernen, etc. Das Familienleben wird hauptsächlich am Wochenende stattfinden, nehme ich an? Da kannst du ja dann dabei sein.

    Wenn du sie weniger siehst, wirst du die Momente des Zusammenseins mehr genießen als zuvor und sie noch mehr schätzen. Versuch es positiv zu sehen.

  4. #4
    Neuling
    Registriert seit
    09.05.2011
    Beiträge
    12
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard

    Also die nächste Uni ist ca. 50 km entfernt.
    Genau das ist es ja.. es machen alle nur eine Ausbildung und haben auch alle schon eine hier im Umkreis. Die meisten Freunde von mir sind schon älter als ich, außer 2, aber davon macht einer jetzt auch schon eine Ausbildung 12 km von hier entfernt und der andere auch nächstes Jahr.

    Ich glaub ich hab auch allgemein grad viele Probleme mit mir selbst, ich mach mir so viele unnötige Gedanken (Selbstwertgefühl, Das Alter meiner Eltern (anfang 60) ..will noch viel Zeit mit ihnen verbringen..wo die Angst herkommt weiß ich auch nicht und ich hab unterbewusst Angst um meine Mutter weil sie bevor ich existierte viel..sehr viel gearbeitet hat(In der eigenen Wirtschaft mit 4 std schlaf pro nacht und den nächsten Tag komplett weiter und weiter) so dass sie jetzt nicht mehr Belastbar ist und manchmal Alkohol getrunken hatte aber nur paar mal und das hat mich als Kind noch sehr geschockt.

    Allgemein mach ich mir viel zu viele Gedanken, woran ich mein Leben lang schon grübel wie ich das abstellen kann.

    Und wenn ich dann hier wegziehen müsste...aufkeinen Fall das geht garnicht. Der Gedanke,daran das ich mir dadurch vieles verbauen kann ist mir bewusst was mir auch zu schaffen macht, nur die eigentliche Frage ist doch, was einem wichtig erscheint, schließlich würde ich nicht auf der Straße landen

  5. #5
    Verleger Avatar von Physalis
    Registriert seit
    20.03.2011
    Beiträge
    2.171
    Danke
    98
    333 mal in 274 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo Julez,

    nur 50 km bis zur nächsten Uni? Das kannst Du doch fahren! Ich glaube, bei nur 50 km Distanz wäre ich auch zu Hause wohnen geblieben.

    Ich stamme aus der tiefsten Provinz und die nächste Uni ist deutlich weiter weg.

    Das kann ich gut verstehen, dass Du Dich um Deine Eltern, besonders Deine Mama, sorgst. Auch diese Gefühle kenne ich sehr gut.

    Aber wie Zoria sagte: Du kannst doch am WE heim! Oder Du fährst täglich. 50 km fährst man doch in 40 min!

  6. #6
    Neuling
    Registriert seit
    01.12.2011
    Ort
    Hessen
    Beiträge
    4
    Danke
    0
    Bedankte sich ein mal in einem Post.

    Standard

    Hallo Julez,

    das ganze hört sich für mich so an, als hättest Du einfach Angst davor, daß sich Dein Leben verändert; Angst vor dem, was kommt, Angst Dein bisheriges Leben zu verlieren. Denke mal, das ist ziemlich normal. Mein Vorschlag wäre (mit aller Vorsicht, da ich Dich und Dein Umfeld etc. ja nicht kenne), fange an zu studieren und ziehe auch dort hin. Und zwar aus folgenden Gründen:

    1. Hast Du ja anscheinend eine Motivation zum Studium.
    2. Es ist ein normaler Vorgang, daß Kinder ihre Eltern irgendwann verlassen. Das ist der Lauf der Dinge. Trotzdem kann man ja die Beziehung aufrecht erhalten.
    3. Wenn Du nicht wegziehst, wird es Dir vermutlich schwerer fallen, in der "neuen Welt" anzukommen.
    4. Wird es möglicherweise Probleme und schlechtere Zeiten geben. Aber Du wirst vermutlich auch die Erfahrung machen, daß Du damit zurecht kommst. Das fällt Dir wahrscheinlich z.T. sogar leichter, als Du es Dir jetzt vorstellst.
    5. Deine Eltern können auch 80 oder 90 Jahre alt werden. Willst Du solange zuhause bleiben und Dir Sorgen machen? Dann ist Dein halbes Leben schon vorbei.
    6. Dauert das Studium ja nur 3,4 Jahre. Du erhöhst mit dem Abschluß Deine Möglichkeiten und könntest danach vielleicht immer noch in Deinen Heimatort zurückziehen und dann eben 50km zur Arbeit fahren, falls Du das dann noch willst.
    7. Dein Leben wird sich nach und nach auf jeden Fall verändern, auch wenn Du selbst so wenig wie möglich veränderst. Freunde werden wegziehen, Famile gründen etc.. In 10 Jahren wird vermutlich vieles nicht mehr so sein, wie es jetzt ist.
    8. Die Entscheidung ist ja nicht zwingend endgültig. Wenn Du anfängst zu studieren und Du mit der Situation nicht zurecht kommst oder eben einfach lieber in Deinem Heimatort bleiben möchtest, kannst Du ja immer noch nach 1 Jahr zurückkehren und in der Gegend irgendeine Ausbildung beginnen.

    Du kannst sicher mehr, als Du denkst.

  7. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Enrico Palazzo für den sinnvollen Beitrag:

    Anna55 (02.12.2011)

  8. #7
    Neuling
    Registriert seit
    07.09.2010
    Beiträge
    34
    Danke
    24
    6 mal in 2 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo,

    ich schreib einfach mal, wie es bei mir war.

    Ich komme aus einem kleinen Ort und bin nach dem Abi in eine 100 km entfernte Stadt gezogen, wo ich niemanden kannte, um dort zu studieren. Alle meine Freunde sind im Umkreis meines Heimatortes geblieben, aber wir haben nach wie vor regelmäßig Kontakt.
    Während des ganzen Studiums und auch jetzt während der Promotion pendel(t)e ich jedes Wochenende nach Hause. Zweieinhalb Stunden Zugfahrt jeden Donnerstag und Sonntag. Unter der Woche habe ich viel mit meinen Freunden und Eltern telefoniert und habe mich aber nie einsam gefühlt, obwohl ich allein gewohnt habe. Denn schon damals während der ersten Woche habe ich ein paar andere Mädels kennengelernt, mit denen ich dann irgendwann auch befreundet war. Im Studium kommt man auch nicht drumrum, andere kennenzulernen, weil (zumindest bei uns) Übungsaufgaben, Hausarbeiten, Ausarbeitungen, Referate, Klausurenlernen gerne auch mal in Gruppen stattfindet.
    Im Nachhinein betrachtet, war es definitiv die richtige Entscheidung, wegzugehen. Es hat mir sehr bei meiner persönlichen Entwicklung geholfen, ich habe viele interessante Menschen kennengelernt und möchte einfach auch die Erfahrung nicht missen, mich (anfangs) allein durch den Fast-Großstadt- und Unidschungel gekämpft zu haben. Ja, zu Hause ists schön - die Wege sind kürzer, man kennt jeden, Freunde und Familie sind da...aber andere Orte können auch schön sein und Überraschungen und neue Freunde sowie neue Pespektiven auf das Leben, die Menschen und sich selbst bereithalten.
    Wenn du die Chance hast, woanders zu studieren, dann nutze sie. Viele hätten diese Chance gerne. Und wie mein Vorposter sagte: Es muss ja keine endgültige Entscheidung sein. =)
    Alles Gute.

  9. #8
    Verleger Avatar von Physalis
    Registriert seit
    20.03.2011
    Beiträge
    2.171
    Danke
    98
    333 mal in 274 Beiträgen bedankt

    Standard

    Ich stimme Vermilion zu.

    Ich schrieb, ich wäre womöglich auch daheim geblieben, wenn es 50 km gewesen wären. So ganz stimmt das nicht. Ich habe dabei meine Banklehre vergessen, die ca. 50 km weit entfernt statt fand und ich bin auch für diese schon ausgezogen. Da hat allerdings der Arbeitgeber die Kosten der Unterkunft übernommen.

    Als Studentin wäre ich bei 50 km wohl daheim wohnen geblieben, wenn dies kostengünstiger gewesen wäre, da ich aus nicht sehr wohlhabenden Verhältnissen stamme. Dann hätte ich aber ein Auto unterhalten müssen, was ich mir in der Großstadt sparen konnte. Letztlich tut es sich finanziell nichts, ein Auto zu unterhalten oder eine Studentenbude.

    Enrico hat auch die ganzen Punkte aufgezählt, die für ein Wegziehen sprechen. In meiner Entwicklung habe ich während des Studiums riesige Sprünge gemacht. Das wollte ich rückblickend nicht mehr missen.
    Ich denke auch, als "Täglich-Heimfahrer" kriegt man als Student auch viele wichtigen Dinge nicht mit, die die aber wissen, die sich z.B. abends oder am WE noch zu privaten Arbeitsgemeinschaften treffen.
    Ich stelle es mir generell schwer vor, zu studieren, wenn man daheim am Schreibtisch sitzt, an dem man schon seine Schulzeit verbrachte.

    Mir tat ein akademisches Umfeld einfach gut für meinen Studienerfolg. Ich sage nichts gegen Leute, die nicht studiert haben, aber wer sich wissenschaftlich betätigten will, benötigt meines Erachtens auch den richtigen Rahmen, um sich entfalten zu können.

Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte

Ähnliche Themen

  1. schlechtes gewissen nach sex, bindungsangst, extreme eifersucht
    Von herzflüstern im Forum Liebe & Partnerschaft
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 13.06.2011, 18:20
  2. [BIETE JOB] von zuhause aus als Berichterstellungs-Hilfe (Verhaltenstherapie-VT)
    Von virtuelleassistenz im Forum Psychologie: Stellenangebote/ Jobsuche/ Praktikantenstellen - Psychologie im Beruf
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 10.12.2010, 11:45
  3. [BIETE JOB] von zuhause aus als Berichterstellungs-Hilfe (Verhaltenstherapie-VT)
    Von virtuelleassistenz im Forum Psychologie: Stellenangebote/ Jobsuche/ Praktikantenstellen - Psychologie im Beruf
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 16.11.2010, 20:42
  4. Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 14.07.2008, 19:47
  5. Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 26.05.2008, 21:44

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!