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Thema: Nähe zulassen?

  1. #1
    Schreiberling Avatar von Wölfchen
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    Idee Nähe zulassen?

    Hallo zusammen!

    Ich hatte gestern ein Gespräch mit einer Person meines "Vertrauens". Wieso in " gesetzt? Das ist eine kleine schwierige Geschichte. Diese Person weiß sehr viel über mich, weil sie auch deutlich älter ist.
    Sie sagte mir, dass sie auch glaubt, dass ich ein Problem mit Nähe habe.
    Und es ist auch so, ich habe ein Problem damit. Das weiß ich. Wahrscheinlich wird es daran liegen, dass ich nie erfahren durfte wie es ist, Nähe zu spüren in meinem Elternhaus.
    Ich habe zwar ein gutes Verhältnis zu meiner Mutter, aber dennoch umarmen wir uns nur einmal im Jahr und das ist zu ihrem Geburtstag.
    Ich weiß, dass es ein Problem ist. Ich will dies gern ändern. Ich kann der Person auch nicht in die Augen schauen. Gar nicht. Wahrscheinlich ist es eine Schutzfunktion. Ich habe Angst, dass man mir irgendwas von den Augen ablesen kann.
    Dann ist es auch so, dass ich selbst damit ein Problem hab, mal in den Arm genommen zu werden von meinen Freunden. Das passiert dann nur, wenn ich alkoholisiert bin. Auch wenn ich es mir gerne wünsche, ich kann es nicht zulassen.
    Das ist das schlimmste daran. Ich möchte es gern zulassen, kann es aber nicht.

    Und nun stelle ich mir die Frage, wie ich anfangen kann daran zu arbeiten. Ich weiß, dass diese Person nix böses will. Und auch andere nicht. Aber ich glaube, es ist die Angst vor Verletzungen.

    Weiß jemand wie ich schrittweise daran arbeiten kann?
    Glück kommt, Glück geht - Fehler sind menschlich
    Schritt vor, Schritt zurück - Weg der Erkenntnis
    Leben im Gefängnis, und die Freiheit danach
    dieser Weg der Erkenntnis ist ein einsamer Pfad

  2. #2
    Gast784
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    moien Wölfchen,

    ich bezweifle, dass es dafür ein Patentrezept gibt. Aber vll kannst Du ja mal anfangen, das mit Deinen besten Freundinnen zu üben, dass ihr euch zur Begrüssung und zum Abschied einfach kurz drückt, oder so.

    Ich bin zwar selber auch so ähnlich groß geworden, aber bei mir gab sich das durch Mutterschaft und Tanztherapieausbildung "von selbst".
    Ausserdem bin ich eher der kinästhetische Typ, der durchs tun und spüren kapiert und begreift. Drum war für mich das eine Erleichterung, mir diese Ebene anzueignen. Ist für visuelle oder auditive Leute vll noch mal ein Stück schwieriger.

    Ich frage mich gerade: wie entstehen denn Verletzungen durch Nähe? Weil wir unser Herz öffnen, die Filter runter lassen und dann einer das Messer reinhauen kann? Aber sind wir wirklich besser geschützt durch Mauern? Man meint subjektiv ja, aber ich hab da grad so meine Zweifel, weil ich kürzlich auf so ein "Massivmauerexemplar" mal wieder aufgeklatscht bin. Man verletzt mit diesem Abkapseln andere, wie sich selbst.

    Vll ist die Frage nach Nähe die Wahl zwischen Pest oder Cholera. Wenn ich aber meine eigene Mauer halbwegs durchlässig halte, habe ich die Chance, mir einen Schutz aufzubauen, der wirksamer ist und mich nicht in einem Korsett hält. Dadurch, dass ich ein stabiles Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen entwickle. Dann kann man zwar immer noch in ein Messer rennen und sich Blessuren holen, aber die Momente der Nähe werden wesentlich überwiegen.

    Fang doch an mit den Personen, die Dir am nächsten stehen.
    Bei der Person, mit der Du die meisten Schwierigkeiten hast, lass Dir Zeit. Wer weiss, vll ist Dein Schutz da ja gar nicht so unberechtigt. Manchmal sind Personen, die uns angeblich Gutes angedeihen lassen wollen, subtil übergriffig. Und drum fühlen wir uns dann irgendwie nicht wohl...

  3. #3
    Verleger Avatar von Darkstar
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    Hallo Wölfchen,

    ...wie entstehen denn Verletzungen durch Nähe? Weil wir unser Herz öffnen, die Filter runter lassen und dann einer das Messer reinhauen kann?...
    Sind die nicht die Mechanismen, wie sich das, was unter dieser Schicht liegt, auswirkz? Das Öffnen schfft nicht die Verletzungen - es macht die Tür auf, durch die sie hereinkommen können. Verletzen - ist es nicht eher so, dass wir es erst zulassen müssen?
    In diese Gefahr begibt sich doch jeder, der Nähe zulässt und damit die Maske ablegt, die ihn sonst schützt. Nur: die einen nehmen dies nicht als Verletzung wahr, während andere darunter leiden.
    Nicht die Nähe als solche verletzt: es gibt etwas, das uns durch sie verletzbar macht.

    Frage: was führt dazu, dass Du Dich durch sie verletzt fühlst?
    Wie sieht es bei Dir mit dem Vertrauen aus? Die Antwort hast Du ja schon selbst gegeben, indem Du dieses Wort in Anführungszeichen gesetzt hast, oder?!
    Deine "Erfahrung" - sagt sie Dir, dass Vertrauen zu Verletzungen führt? Du vertraust anderen nicht - kannst Du Dir selbst vertrauen (das gibt nämlich die Sicherheit, mit der Gefahr klarkommen zu können)? Hast Du gelernt, Vertauen haben zu dürfen: Urvertrauen? Es fühlt sich bei Dir nicht so an ...

    Fehlendes Urvertrauen erzeugt Unsicherheiten und Ängste, diese machen uns dann verwundbar, weil sie uns das Selbst-Vertrauen (!) und u.U. auch das Selbstwertgefühl untergraben.
    Nicht die Nähe verletzt - es ist die Angsthaltung.

    Eine Schutzmauer zu haben ist okay, aber Angst schützt nicht: sie ist eher wie ein Licht, das Motten und Ungeziefer anzieht

    Gaby hat da ja einen Ansatz vorgeschlagen.

    lg

  4. #4
    Gast784
    Gast

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    Zitat Zitat von Darkstar Beitrag anzeigen


    Sind die nicht die Mechanismen, wie sich das, was unter dieser Schicht liegt, auswirkz? Das Öffnen schfft nicht die Verletzungen - es macht die Tür auf, durch die sie hereinkommen können. Verletzen - ist es nicht eher so, dass wir es erst zulassen müssen?
    In diese Gefahr begibt sich doch jeder, der Nähe zulässt und damit die Maske ablegt, die ihn sonst schützt. Nur: die einen nehmen dies nicht als Verletzung wahr, während andere darunter leiden.
    Nicht die Nähe als solche verletzt: es gibt etwas, das uns durch sie verletzbar macht.
    das führt mich weiter zu der Frage:

    fühlen wir uns denn hinter unseren Masken und Mauern wirklich unverletzt und unverwundet?

    Ich muss das für mich verneinen. Darum folgt bei mir dann die Frage: was vergebe ich mir also, wenn ich es mal ausprobiere und die Offenheit wage?

    Die für einen guten Selbstschutz nötigen Fähigkeiten wie Selbstwahrnehmung, Empathiefähigkeit, Abgrenzung, klare Kommunikation, Authentizität kann ich mir nicht im stillen Rückzugskämmerlein hinter den großen Mauern aneignen. Dazu brauche in ein Übungsfeld, die Interaktion mit meiner Umgebung. Es gibt sehr viele Möglichkeiten heutzutage das im geschützten Rahmen zu lernen. Bei mir war es Tanztherapie, es können andere Therapieformen sein, oder Theater oder Körperarbeit. Ich würde jedenfalls gucken, dass die Wechselbeziehung zwischen Körper und Seele nicht zu kurz kommt. Denn wenn ich die kenne und darauf lauschen kann, dann nützt mir das auch im körperlichen Kontakt, der Nähe zu einem anderen Menschen entstehen lässt.

    ich hoffe, ich werde jetzt nicht zu theoretisch, Wölfchen
    Geändert von Gast784 (30.10.2009 um 08:00 Uhr)

  5. #5
    Verleger Avatar von Darkstar
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    ...was vergebe ich mir also, wenn ich es mal ausprobiere und die Offenheit wage...
    Vergeben tue ich mir nichts. Gegenfrage: wie kann ich etwas riskieren, wenn die Angst vor einem (erneuten) Fehlschlag zu dominierend geworden ist?

    Diese Mauer wird doch im Laufe der Zeit immer mehr zu einem Gefängnis. Und immer weniger durchdringbar.
    Die Ängste werden von ihrer Innenseite reflektiert und verstärkt auf uns selbst zurück geworfen - bis irgendwann der Raum fast völlig von ihnen ausgefüllt wird.

    Sich der mit dem Gefühl der Verletzlichkeit verbundenen Ängste zu stellen, ihnen Namen zu geben (ich stell mir meine immer als Hutzelmännchen mit potthässlichen Mützen vor - fühlen sich dann nicht mehr wirklich bedrohlich an ) und so ein wenig Distanz zu ihnen bekommen - dann kann sie auch besser fühlen, wann und wem gegenüber sie das erste Stückchen Öffnung hinbekommen kann.

    Wölfchen: noch ein paar Fragen erlaubt? *selbstangsthab*

    Die Angst, dass man an Deinen Augen etwas ablesen kann - Dich "durchschauen", Dein Ich erkennen?
    Was gibt es da denn zu verstecken? Eigene Fragen, Unsicherheiten, Schwächen? So what - hat doch jeder.
    Wie schauts denn mit Deinem Selbstwertgefühl aus? Ist es das, was Du verbergen willst - dass Du Angst hast, so zu verraten, dass Dein "Wert" nicht genügen könnte?
    Wofür? Für wen?

    Hier im Forum kommst Du stärker rüber - ja, die Anonymität und Distanz, gelle

    lg

  6. #6
    Gast784
    Gast

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    Zitat Zitat von Darkstar Beitrag anzeigen
    Gegenfrage: wie kann ich etwas riskieren, wenn die Angst vor einem (erneuten) Fehlschlag zu dominierend geworden ist?
    indem ich mir die Alternative klar mache, wenn ich es nicht riskiere. Die da vermutlich die wäre:

    Zitat Zitat von Darkstar Beitrag anzeigen
    [
    Diese Mauer wird doch im Laufe der Zeit immer mehr zu einem Gefängnis. Und immer weniger durchdringbar.
    Die Ängste werden von ihrer Innenseite reflektiert und verstärkt auf uns selbst zurück geworfen - bis irgendwann der Raum fast völlig von ihnen ausgefüllt wird.
    ... und mir dann die Frage stellen, was den nun das kleinere Elend ist. Ich sach ja, Pest oder Cholera *seufz*

    Ich muss sagen, bezüglich Ängste hab ich doch tatsächlich von einem Feuerlauf profitiert, den ich in jüngeren Jahren mal machte (was man nicht alles so macht in seinem Leben ) Seitdem habe ich dieses Bild, den Ängsten ihre Daseinsberechtigung zu geben, sie aber in nen Sack zu stopfen und einfach Huckepack mitzunehmen, wenn ich wo drüber laufen muss, wo es heiss werden könnte.

  7. #7
    Verleger Avatar von Darkstar
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    Alternativen klarmachen = Kopfebene / Ratio

    Ängste haben = Bauchebene / Emotio

    Entweder gehen sie beide zusammen in die gleiche Richtung, oder es gehr keiner - weil sie sich gegenseitig in die Wolle bekommen.

    Wölfchen: wie schauts da bei Dir? Können die beiden Ebenen wirklich miteinander kommunizieren und sich einigen, oder "wurschtelt" da momentan noch jeder so vor sich selbst hin? Und ist sauer, weils der jeweilig andere nicht zu kapieren scheint?


    Gell Gaby: jetzt lassen wir beide aber auch mal das "Opfer" wieder zu Wort kommen

    lg

  8. #8
    Gast784
    Gast

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    Zitat Zitat von Darkstar Beitrag anzeigen

    Gell Gaby: jetzt lassen wir beide aber auch mal das "Opfer" wieder zu Wort kommen

    lg

    ja Darkstar, ich hab den Wink mit dem Zaunpfahl schon verstanden

    Wölfchen, ich hoffe, Du kannst aus dem ganzen Geschwätz trotzdem was rausnehmen

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