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Thema: Narzisstische Mutter (Viel Text!)

  1. #1
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    Unglücklich Narzisstische Mutter (Viel Text!)

    Guten Morgen und frohe Weihnachten,

    ich bin W 26 und ich habe vor etwas mehr als einem Jahr herausgefunden, dass meine Mutter an einer NPS leiden könnte.
    Irgendwie habe ich das aber wieder "verdrängt", zwischendurch sogar irgendwie geleugnet.
    Aber jetzt um die Weihnachtszeit kam das alles wieder auf und auch mein Zwillingsbruder teilt inzwischen meine Gefühle.
    Jetzt muss ich mal einiges loswerden und auch eine wichtige Frage stellen.
    Vielleicht findet sich hier ja jemand, der ähnliches durchlebt hat.
    Oder, so dumm das klingt, ob meine Gefühle berechtigt sind oder ob ich übertreibe

    Ich hatte nie wirklich eine gute Beziehung zu meiner Mutter und habe keine angenehme Jugend gehabt, hatte einige Therapien bis ich endlich 2014 den passenden Therapeuten gefunden habe.
    Ich konnte nie erklären wo mein Kummer herkam, aber alles was mir bewusst war bzgl. meiner Mutter habe ich in Beschreibungen über narzisstisches Verhalten wiedergefunden.
    Ich weiß jetzt, warum ich früher immer gedacht habe, dass ich nie traurig sein "darf". Negative Gefühle wurden massiv heruntergespielt, verleugnet oder verspottet usw.
    Im Grunde habe ich schon erkannt, was mein Problem war als Teenager, aber ich konnte es nicht in Worte fassen und gab mir die Schuld.
    Ich verdammte mich dafür dass ich es wagte, traurig zu sein, von zu Hause fort zu wollen und psychologische Hilfe zu suchen, obwohl ich zu Hause "alles hatte".
    Ich hasste mich für meine Gefühle abgrundtief.
    Ich wollte so sehr von zu hause weg, dass ich mich sogar für einige Wochen mit 16/17 selbst in die Jugendpsychiatrie einweisen ließ.
    Heute ist mir klar, dass meine Schriften über meine Gefühle und die Dinge, die ich sagte, wie ein offenes Buch darlegen, dass ich möglicherweise von einem Narzissten beeinflusst wurde.
    Ich erklärte den Therapeuten, dass ich unter extremen Schuldgefühlen leide und sie mich Tag und Nacht quälen würden.
    Man nahm mich nicht ernst. Ich war nichtdort wegen eines Suizidversuchs wie viele andere Jugendliche, hatte keine Traumata erlebt und auch kein Borderline.
    Ich war zutiefst unglücklich und empfand darüber Wut auf mich. Man dachte, ich wäre ein "depressiv verstimmter Teenager".
    Nachdem meine Mutter sogar ein Gespräch mit Therapeuten dort geführt hatte, war der Groschen gefallen:
    Ich war einfach ein schwieriger Teenie, der seinen Gefühlen ausgeliefert war.
    denn meine Mutter versteht es so gut, sich nach außen hin als perfekt, top Mutter, super gebildet, fürsorglich und liebend hinzustellen.
    Ich hatte also keine Chance.
    Ich war ein eher "vorbildliches" Kind, das keine Alkohol-oder Drogenexzesse hatte.
    Ich entwickelte eine Eßstörung bevor ich ihn die Klinik kam. Ich wünschte mir, meine Mutter würde es bemerken, mich auffordern zu essen etc.
    Jedoch war es völlig egal. Ich hungerte Kilos runter, fraß sie wieder an. Meine Mutter ließ alles unkommentiert.
    Ich, als Erweiterung ihres Selbst, war perfekt, makellos, genau wie sie. Was sie nicht hatte, konnte ich nicht haben. Was sie nicht fühlte, konnte ich nicht fühlen. Was sie nicht gut fand, konnte ich nicht gut finden.
    Ihrem Weltbild nach.
    Eine Borderlinerin aus meiner Klasse erreichte immense Hilfsangebote und Aufmerksamkeit durch das Ritzen.
    Ich ahmte es nach, jedoch interessierte es niemanden. Keine Lehrer, niemand sah meine Not.
    So unauffällig und "brav" ich erschien, so wenig vernahm irgendjemand, was in meinem Inneren passierte.
    In der Klinik war es genauso.
    Sie übersahen auch mein 2014 diagnostiziertes und medikamentös behandeltes ADS.
    Nach dem Gespräch mit dem Chefarzt sagte meine Mutter:
    "Du hast gar kein Problem. Du hattest keine Trauma, du bist total gesund. Das hat Dr. Hummel gesagt"
    Ich bin in Tränen ausgebrochen. Ich wollte nicht krank sein, ich wollte einfach nur eine Erklärung für meine Traurigkeit und Verzweiflung damit man mir helfen konnte.
    Denn ich wusste, etwas war ganz gewaltig nicht ok.
    Nach einer kurzen Therapie bei einer unterirdischen Tiefenpsychologin, die von der Klinik empfohlen wurde, stand ich wieder alleine da.
    Aufgrund meiner Depressionen konnte ich so oft nicht aufstehen, dass ich der Schule verwiesen wurde.
    Mein Abitur war vergeigt. Meine Mutter zutiefst enttäuscht.
    Ich bekam in dieser Zeit meinen ersten Freund und meine Mutter nahm dies bald als Anlass, mich rauszuschmeißen.

    Dieser Rausschmiss erfolgte in einer Streitsituation.
    Meine Mutter kam nach Hause und ließ sofort ihre Laune an mir und meinem Zwillingsbruder ab.
    Eigentlich dachte ich, zur Entspannung der Lage nur einige Tage, vielleicht eine Woche bei meinem Freund Unterschlupf zu finden und dann wieder nach Hause zu gehen.
    Aber mein Zimmer war nach wenigen Tagen leer geräumt.
    Meine Möbel, meine Sachen. alles war fort.
    Stattdessen waren dort Regale und Kisten für Ihre Dinge. Mein Zimmer war jetzt ihr Lager.
    Sie war hochzufrieden.

    Ich stand also vor einem Scherbenhaufen, vor dem nichts.
    Begann an mir zu arbeiten und immer mehr Ängste zu entwickeln.
    Meine Mutter finanzierte mir dann jedoch 2012 eine private, sehr teure Ausbildung, was mich nicht nur bis heute verwirrt sondern mich auch zutiefst schuldig und verschuldet fühlen lässt.
    Aufgrund meiner persönlichen harten Arbeit an meinen Interessen nach dem Rausschmiss konnte ich nach der Ausbildung in diesem Bereich arbeiten, in dem Jobs extrem schwer zu kriegen, begehrt aber schlecht bezahlt sind.

    Heute mache ich mein Abitur nach, seit Anfang September.
    Ich hab mir das vergeigte Abi nie verziehen.
    Ich bin jetzt gut in der Schule, mache mir Druck, habe immer Panik vor der Zukunft, schlimmste Versagensängste hetze quasi durchs Leben getrieben von der Idee, dass "Morgen" alles gut wird.
    Meine Ziele sind hochgesteckt, mein Wert für mich nur definiert durch das was ich schaffe, nicht schaffe.
    Ich bin nur wertvoll wenn ich viel leiste, wenn ich gut aussehe. Das Ritalin hilft mir dabei.
    Ein Teil von mir unterscheidet Menschen nach Werten und kategorisiert sie.
    Ich weiß, dass dieser Teil nicht mein wahres Ich ist.
    Ich mache mit meinem tollen Verhaltenstherapeuten viel Schematherapie und es ist sehr hilfreich.
    Meine "Innere Mutter" ist sehr präsent.

    Mein Zwillingsbruder war das "Goldene Kind" bis 2014. Danach begriff er meinen Kummer auch.
    Jedoch wurden wir beide von ihr immer absolut glorifiziert.
    Wir waren besser, intelligenter und schöner als andere Kinder in ihren Augen.
    Sie blies unsere Egos auf wie Heißluftballons.
    Jedes Scheitern wurde dadurch für mich, und auch später für ihn, zu einem inneren Martyrium.
    "Das kann doch nicht sein, Mama hat doch immer gesagt, dass..."
    Andererseits habe ich trotzdem Erfahrung mit Gaslighting gemacht.
    "Du bist emotional extrem dumm." "Du bist egozentrisch." "Du bist aufmerksamkeitssüchtig". "Wenn jemand deine Wünsche nicht sofort erfüllt, wirst du wütend und schreist." "Du bist nicht der Mittelpunkt der Welt." "Du bist faul." "Alles muss sich um dich drehen." "Geh auf meine Bedürfnisse ein."

    Es ist heute alles kaum anders. Nur der wenige Kontakt macht langsame Verbesserungen möglich.
    Das Gefühl, allen Menschen alles recht machen zu müssen. Die Angst Menschen zu verärgern oder zu verletzen. Sich unaufhörlich entschuldigen. Sich nicht abgrenzen können.
    Ich weiß heute nicht wirklich, wer ich bin. Ich bin alles, was andere Menschen über mich sagen.
    Wenn jemand mich mit einem negativen Attribut belegt, verteidige ich mich dagegen so: "Aber x und y hat gesagt, dass ich so und so bin."
    Ich nehme auch die negativen Attribute an. Die positiven nur schwerlich, ich vermute dahinter nur guten Willen oder die Absicht, sich einzuschleimen. Komplimente annehmen ist schwer, ich fühle mich dann wie ein Betrüger, der das Kompliment nicht verdient und es sich irgendwie erschlichen hat.
    Ich weiß nicht, wer und wie ich wirklich bin. Ich weiß nur, was ich mache.

    Und somit zu einem Problem, daß ich meine eigenen Entscheidungen nur schwerlich treffen kann.
    Alles, was Individualität und Abnabelung bedeutete - also, Dinge, die meine Mutter selbst überhaupt nicht ertragen konnte - wurden untergebuttert und schwer bestraft.
    Mein starker Wunsch, ein Piercing zu bekommen, ist ein gutes Beispiel.
    Ich war 18 und brachte allen Mut auf, aber das Piercing musste raus, sonst wäre ich bereits damals obdachlos geworden. Meine Mutter setzte alles auf eine KArte und gewann, ich ließ es am selben Tag entnehmen.
    Als ich im März die Entscheidung traf, einen Hund zu mir zu holen, brach ein riesiges Gezeter los, obgleich meine Mutter mit diesem Hund überhaupt nicht in Berührung kommen musste.
    Sie mochte keine Hunde, es passte nicht in ihre Welt. Also sollte ich auch keinen haben, denn dies war ein starkes Zeichen von Individualität und dass ich eigentlich ein eigener Mensch bin und nicht nur eine Erweiterung ihres Selbst.
    Sie versuchte mich zu erpressen, mit Geld, obwohl ich eigenes Geld verdient hatte und von ihr nichts mehr bekam.
    Ich tat es. Hatte Panikattacken und Selbstzweifel. Dachte, der Hund hätte es bei mir niemals gut. Meine innere Mutter tobte. Ich beging ein Verbrechen.
    Ich widersetzte mich diesen Gefühlen und heute bin ich überglücklich. Ohne meinen Hund kann ich mir mein Leben nicht mehr vorstellen

    Ich stehe jetzt wieder vor so einer Entscheidung.
    Seit 4 Wochen freue ich mich auf ein Piercing. Der Wunsch ging halt nie weg. Morgen will ich es machen.
    Aber meine "Innere Mutter" brüllt und tobt ohne Ende. Ich fühle mich wie eine Verbrecherin. Ich bräuchte von tausenden Menschen das ok, es zu tun, aber selbst die könnten ja gar nicht dagegen an.
    Ich werde es tun, aber ich empfinde die bloße Panik. Nicht vor dem Piekser, sondern vor den Schmähungen der Inneren Mutter.
    Wenn hier jemand ist, der ähnliche Erfahrungen hat, vielleicht es auch geschafft hat, gegen diese "Innere Mutter" und die Schuldgefühle anzukämpfen...ein paar motivierende oder aufmunternde Worte würden sicher helfen

    Vielen Dank an alle, die bis hierhin gelesen haben! ♥

  2. #2
    Moderator Avatar von siddhi
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    Hallo Aeterna,

    Herzlich Willkommen im Forum!

    Du schreibst sehr reflektiert. Der lange Text war leicht zu lesen. Sehr gut, dass Du Deine Situation so differenziert wahr nimmst.

    Ja, ich kenne diese Schuldgefühle. Ich hatte öfters den Gedanken, dass ich bereits mit einem schlechten Gewissen auf die Welt kam, so erdrückend war es. Psychosen und mehrere Klinikaufenthalte waren das Resultat.

    Das einzige Rezept, das ich kenne, ist Abgrenzung. Relativ spät zwar, aber nach und nach habe ich meine Mutter losgelassen und blieb konsequent, was ihr gar nicht gefallen hat. Klingt jetzt vielleicht etwas hart, aber ihr Tod war eine Art Befreiung für mich. Keine undurchschaubaren Spielchen mehr, kein sinnloses Kämpfen um Anerkennung mehr. Endlich konnte ich meine ganze Energie in mein eigenes Leben stecken.

    Erst hier im Forum bin ich auf den Ausdruck NPS gestossen. Ich würde mal sagen, sie hatte diesbezüglich ziemlich starke Tendenzen.

    Nach und nach konnte ich auch meine eigene innere Mutter mit guten Gefühlen und Argumenten besänftigen. Obwohl es viel Zeit und Erfahrung gekostet hat, gelohnt hat es sich auf jeden Fall. Ich lebe heute MEIN Leben.

    Du wirst Dein Leben auch in den Griff kriegen. Nur nicht aufgeben. Du scheinst eine starke Person zu sein und bist, so mein Eindruck, auf einem guten Weg.

    Glaub an Dich! Springe immer wieder über Deinen Schatten (z.B. Piercing). Deine Stärke wird Dich unterstützen, da bin ich sicher.

    Liebe Grüsse
    siddhi (privat)
    Ein Leben ohne Freude ist wie eine weite Reise ohne Gasthaus. (Demokrit)

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    Aeterna (26.12.2016)

  4. #3
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    Hallo siddhi,

    vielen Dank für deine sehr liebe Antwort!

    Diese Abgrenzung ist, glaube ich, der einzige Weg.
    Ich werde daran auch noch einmal stärker mit meinem Therapeuten arbeiten, weil das eben so furchtbar schwer ist.

    Inzwischen freue ich mich sehr auf Morgen und die Innere Mutter wird leiser.
    Ich habe nämlich noch einen sehr heftigen Brief von ihr gefunden, den sie mir geschrieben hat, als ich 11 oder 12 war.
    Rückblickend hilft mir sowas zu erkennen, dass meine Gefühle totale Berechtigung haben. Seltsam, dass ich das damals nicht erfassen konnte.

    Ich freue mich über das Kompliment der starken Persönlichkeit
    Ich gebe mir Mühe, mein Leben nicht von diesen Emotionen bestimmen zu lassen und Positivität mehr Einfluss zu geben.

    Ich freue mich, dass du es geschafft hast,deine Mutter loszulassen.
    Das ist sehr sehr schwer und erfordert auch sehr viel Kraft und Stärke.
    Und so hart es klingen mag, aber in einer Weise kann man nachvollziehen, dass das Verschwinden so eines Menschen dann befreiend sein kann.
    Ich meine, ich möchte wirklich nicht, dass meine Mutter stirbt. Aber ich verstehe, dass es auch eine Form von Druck von einem nehmen kann in so einer Lage.

    Liebe Grüße
    Aeterna

  5. #4
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    Hallo Aeterna,

    was Du beschreibst, trifft auf meine Schwiegermutter 1 zu 1 zu. Meine Frau kommt exakt aus solchen Verhältnissen und Einflüssen, NPS passt ausgesprochen gut zu dem Verhalten deiner Mutter. Um ehrlich zu sein musste ich erst mal schlucken, so viele deiner Schilderungen hätte auch meine Frau schreiben können, vor allem was das innere Erleben betrifft.

    Es dauert eine Weile, und es kommen immer wieder Selbstzweifel zum Vorschein, aber mit der Zeit ändert sich das. Und ich glaube, jetzt kommt deine beste Zeit.
    Ich habe meiner Frau gerne gesagt, so grauenhaft der Einfluss dieser Person auch war (und mitunter ist) es hat sie enorm gestärkt. Diese Situationen haben geradezu ein Trainingseffekt gehabt. Aber meine Frau ist ohnehin eine starke Persönlichkeit, die nicht zu brechen ist, ihre Mutter hätte es aber fast geschafft. Ich würde sie fast als Überlebende bezeichnen, die sich erfolgreich durchgeschlagen hat. Ob ich diese Stärke besessen hätte, ich weiss es nicht.
    Bei dir empfinde ich es aber auch so, Du bist stark und sensibel, eine Mischung die Dir Vorteile bringen kann.
    Ich wünsche dir alles Gute.

  6. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Blase für den sinnvollen Beitrag:

    Aeterna (27.12.2016)

  7. #5
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    Hey Blase,

    ich kenn das gut, wenn man sowas liest und auf einmal so extrem Dinge wieder erkennt, das ist schon ein heftiges Gefühl.

    Ich frag mich immer, ab wann eigentlich die Heilung anfängt. Ich meine, vor über einem Jahr bin ich mir dessen bewusst geworden und ich habs total verdrängt. Ich machte mir solange selbst was vor, bis ich überzeugt war, mich geirrt zu haben oder meine Mutter nur ganz Leichte Aspekte einer NPS hätte.
    Jetzt in der Weihnachtszeit wurde alles wieder so deutlich und die Gefühle übermannten mich wie ein Tsunami.
    Ich glaube, ich muss dran bleiben, sonst schaffe ich es nicht. Ich bin nämlich seit der 1. Erkenntnis überhaupt nicht weit gekommen. Noch vor 2 Wochen nahm ich es als Kompliment an, als meine Mutter meinte, es sei so toll, dass ich wieder wie als kleines Mädchen sei. Weil ich mich so bemüht habe, meine Gefühle zu unterdrücken, empfand sie es wohl so. Ich war genauso wie sie es wollte. ISt ja einfach, ein Kind kann man ja sehr gut beeinflussen. Die "rebellische" (passender: individuell werdende) Teenie-Tochter war für sie der Teufel.
    Jetzt kann ich es kaum fassen, dass ich mich darüber auch noch gefreut habe. Es war kein Kompliment, es war alles andere als das. Es hieß nur, dass ich mich befriedigend für sie verhalten habe und dass ich wieder alles getan hatte, um es ihr recht zu machen und mich anzupassen.

    Wir sind überlebende. Das stimmt. weil wir uns nicht selbst aufgegeben haben. Das ist ein sehr ermutigender Ansatz
    Ich bin auch inzwischen stolz auf mich und meinen Bruder, dass wir bis jetzt alles hinbekommen haben.
    Vielen Dank!
    Ich wünsche Dir und Deiner Frau ebenfalls alles Gute

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    Blase (27.12.2016)

  9. #6
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    Zitat Zitat von Aeterna Beitrag anzeigen
    Noch vor 2 Wochen nahm ich es als Kompliment an, als meine Mutter meinte, es sei so toll, dass ich wieder wie als kleines Mädchen sei. Weil ich mich so bemüht habe, meine Gefühle zu unterdrücken, empfand sie es wohl so. Ich war genauso wie sie es wollte. ISt ja einfach, ein Kind kann man ja sehr gut beeinflussen. Die "rebellische" (passender: individuell werdende) Teenie-Tochter war für sie der Teufel.
    Jetzt kann ich es kaum fassen, dass ich mich darüber auch noch gefreut habe.
    Es ist ja so, Du verhälst dich ja immer noch konditioniert. Alles was deine Mutter sagt oder wie sie sich verhält, ruft in dir als Reiz das entsprechende antangonistische Verhalten hervor. Eben genauso, wie sie dich trainiert hat zu reagieren, vor allem emotional. Sie macht ein Kompliment bzw. freut sich über deine Anpassung und Du freust dich im gegenzug für ihre Anerkennung, einfach nur als Impuls. Das ist ganz normal. Du bist ja in deiner Rebellion auch in einem Konflikt mit dir selbst. Einerseits willst Du dich ihrem Einfluss entziehen, andererseits reagierst Du emotional immer wieder auf ihre Handlungen. Das ist verwirrend und Du weisst in dem Moment nicht warum Du dich dem so schwer entziehen kannst. Aber wie gesagt, dass lässt mit der Zeit nach, immer mehr öffnen sich deine Augen und Du bleibst immer weniger beeindruckt von ihrem Handlungsmuster.
    Lg

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    Aeterna (28.12.2016)

  11. #7
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    Ich bin natürlich auch echt irgendwie enttäuscht von mir. Ich dachte, mit 26 hätte ich es längst geschafft und jetzt fühl ich mich, als hätt ich nix geschafft in dieser Hinsicht.
    Ich frage mich, ob das auch ein Mitgrund ist, warum ich überhaupt nicht auf Misserfolge oder ungeplante Wendungen klarkomme.
    Gestern habe ich mein heiß ersehntes Septumpiercing machen lassen, auf das ich mich seit Wochen gefreut habe. Es wurde schief, musste wieder raus und ich muss jetzt 2-3 Wochen auf einen 2. Versuch warten.
    Während andere vielleicht mit einer Enttäuschung rausgehen, ist für mich einfach ne Welt zusammengebrochen. Dasselbe Gefühlsmuster wie vor 8 Jahren wurde einfach aktiviert, wo meine Mutter mich wegen meines Lippenpiercings auf die Straße setzen wollte, spät Abends im Winter.
    Ich war völlig verzweifelt und brauche Tage, um mich wieder zu fangen, obwohl noch nichtmal irgendetwas verloren ist.
    Genauso wie eine 2- in einem Chemietest (ich mache ja Abitur nach). Ich bin total verwirrt und weinend durch die Stadt gefahren und hab mich sogar verlaufen.
    Das kann doch nicht normal sein alles. Und ich bin seit 2,5 Jahren in Therapie.
    Ich bin enttäuscht von mir. Gestern ist mir aufgefallen, wie oft ich die Stimme meiner Mutter eigentlich höre, besonders in solchen Situationen. "Du kannst keinen Frust ertragen." "ja, dann soll es halt nicht sein." "Siehst du, ich hab's dir gesagt, lass es einfach sein!"
    Ich hab die ganze Zeit triumphierende, zynische Sprüche von ihr im Hinterkopf und bin wahnsinnig wütend auf mich. Das macht doch einfach keinen Sinn. Ich bin doch nicht schuld daran, dass das Piercing beim ersten Mal schief war.

  12. #8
    Roman Verfasser
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    nein, bist Du nicht.
    Du bist auch nicht schuld an der Stimme deiner Mutter, die dich immer wieder einholt und dich emotional an die entsprechenden Situationen erinnert. Aber wenn Du nicht schuld bist, warum bist Du dann von dir enttäuscht? ich glaube, das ist nicht deine Enttäuschung, eher die deiner Mutter, die sie dir als emotionale Konditionierung mitgegeben hat. Verhälst Du dich nicht so, wie deine Mutter es von dir erwartet, ist sie enttäuscht. Schlimmer kann man sein Kind moralisch nicht unter Druck setzen. Enttäuscht zu sein, ist wohl die größte Strafe, die eine Mutter dem Kind antuhen kann und gleichzeitig hat sie damit alle Karten in der Hand.
    Laufen die Dinge nicht so, wie Du erwartest, bist Du enttäuscht, weil Du dieses Muster von deiner Mutter übernommen hast. Der Unterschied ist nur, dass Du dich selber verantwortlich machst und Du somit von dir selbst enttäuscht bist, deine Mutter macht ihrerseits aber nicht sich, sondern ebenfalls dich verantwortlich, obwohl Du es nicht bist. Sie gibt sie ab, Du übernimmst sie.
    Wenn Du dich fühlst, als hättest Du nichts geschafft oder Du machst alles falsch oder Du bist nicht gut genug, sollst Du das ja auch fühlen, wenn es nach deiner Mutter geht... verstehst Du?
    Ich will nicht sagen, das deine Mutter das alles bewusst so will, wer weiss wie sie groß werden musste und man kann sich auch fragen, welchen Vorteil deine Mutter dadurch erziehlt, aber das alles halte ich für zweitrangig.
    Ich finde es wichtiger, das Du deine Schuldgefühle los wirst bzw Du dich sicher in deinen Entscheidungen fühlst und wenn irgendwas nicht klappt, eben daraus lernen und nächstes mal besser machen wenn möglich, um mehr gehts nicht.

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    Aeterna (30.12.2016)

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