hallo Tinker,
ich war vorhin in Eile, deshalb bin ich nur kurz auf den Aspekt eingegangen, der sich gerade so in den Vordergrund gedrängelt hatte
Jetzt bin ich Deine Geschichte nochmal durchgegangen, die so komplex ist, dass in mir ständig irgendwelche Gedanken, Bilder und Fragen hochkommen. Ich fang einfach mal an:
Weisst Du, an was mich das erinnert? An ein misshandeltes Kind, das auch immer zu seinen Eltern halten wird und sich weitermisshandeln lassen wird, weil es abhängig von ihnen ist. Und es wird immer aus Liebe zu ihnen die Schuld auf sich nehmen. Und es wird keine Mühe scheuen und jede Demütigung annehmen, immer in der Hoffnung, dass die Eltern es dafür dann lieb haben. Da es gelernt hat, dass es um seiner selbst nicht geliebt wird und dies auch nicht erwarten kann. Darum wird es dann auch seine Aufgaben ganz besonders gut machen, um zu zeigen, dass es kein Versager ist und etwas leistet, für das man es dann ja mal ein bißchen lieb haben könnte....Ich sagte ihm immer, wenn ich ihn auf der straße gesehen hatte...dass er bitte nicht meine telefonnummer verlieren sollte...denn wenn was ist..sollte er mich bitte anrufen...der anruf kam.....aus dem krankenhaus......5 monate hat er dann noch gelebt (krebs´).
Ich hab ihm eine wohnung besorgt und ihn bis zum schluss gepflegt...
ich denke, ich habe es aus "Beweis" getan...um ihm einfach zu beweisen...dass ich kein Versager bin.
Und das ist das, was wir als Erwachsene oft noch bis ins hohe Alter mit uns rumschleppen. Als ich das gelesen habe, dachte ich mir spontan, Du bist eigentlich Deinem Vater gegenüber nie aus der Rolle des misshandelten Kindes, das aus Liebe und Abhängigkeit die Treue hält, herausgekommen. Bis hin zu seinem Grab. Kann der Zusammenbruch nach seinem Tod auch damit zu tun haben?
Auch Deiner Mutter gegenüber warst Du anscheinend sehr lange noch in dieser Rolle, und bist es vll heute noch. ich lese noch viel Vorwurf und Zorn, was absolut nachvollziehbar ist. Nur so gibst Du ihr immer noch Deine Energie und bist in dieser Geschichte gefangen. Ich hab keine Ahnung, ob man mit so was überhaupt jemals seinen Frieden machen kann, aber als Unbeteiligte denke ich mir: ideal wäre es, wenn Du sie innerlich ziehen lassen und Dein Leben leben könntest. Das heisst nicht zwangsläufig immerwährender Kontaktabbruch. es geht um die innere Haltung.
Die Frau ist wahscheinlich genug mit sich selbst gestraft, sie wird alles andere als ein aufrechter Mensch sein und sich ihr Leben irgendwie zusammen lügen müssen. Man tut sich selbst nicht unbedingt einen Gefallen, wenn man Angehörige aus ihrem Lügengebäude reist und damit vll einen Sturm von Agression und Niedertracht lostritt. Lieber das pflegen, was man sich selbst geschaffen hat.
Aber ich kenne dieses Schmerz des Verlustes, welchen das Kind in einem empfindet.( Wenn auch sicher nicht in dem Ausmaß wie Du ) Und da habe ich die Erfahrung gemacht, dass Kreativ- und Körpertherapien Türen öffnen, wo die herkömmlichen "Blubber-"Therapien ihr Ende haben. (komme aus der Kunst- und Tanztherapie). Ich weiss nicht, inwiefern Du mit solchen Methoden in Deiner stationären Therapie Kontakt hattest. Wie lange ist die eigentlich schon her? Da Du Medis nimmst, nehme ich an, Du bist weiter in ambulanter Therapie?
hört sich jetzt vll ziemlich blöd an, aber das kannst Du auch als Bestätigung sehen, dass Du aus dem System ausgebrochen bist und Deinen alten Platz verlassen hast. Angehörige, die Nutznieser sind von denen, die am Sündenbockplatz stehen, haben das nicht gerne, wenn Sündenbock von dannen zieht und Sündenbockplatz plötzlich leer ist. Denn dadurch werden sie auf sich selbst zurück geworfen. Da wird dann doch mal lieber noch kräftig nachgebrüllt.......400km weit entfernt von meiner mutter...und als es hieß ich werde umziehen (wozu mir meine therapeuten auch geraten haben..um mit der alten geschichte abzuschließen)...hat mir meine mutter noch einen bösen brief geschrieben...mit lauter beschuldigungen und demütigungen......
Mach ihre Geschichte nicht zu Deiner Geschichte. Eure Geschichten waren einige Jahrzehnte lang miteinander verstrickt. Das ist nun vorbei. Du hast mit Deiner noch zu kämpfen, aber Du bist in Deinem Leben auf einem guten Weg. Das siehst Du an Deiner eigenen Familie.
ja, Mutter bleibt Mutter. Und darum gehts vll eher darum mit dem HERZEN loszulassen. Denn das beinhaltet den grundsätzlichen Respekt ihr gegenüber, den jedem Menschen zu steht. Ich kann das jetzt gerade nicht in ein Beispiel bringen, denke aber, das ist bei der Vorgeschichte - und weil es eben Mutter ist - auch eher was, das man am besten in der Therapie entwickelt.Das ist ja das schlimme...sie hat mir soviel angetan...aber ich schaffe es nicht...-gedanklich- ...loszulassen....
Mutter bleibt mutter....


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