Hallo!
...ich lese schon lange stumm mit, und denke, dass es nun einmal an der Zeit ist, mich mit meiner Geschichte an Euch zu wenden, denn ich denke schon lange darüber nach, ob eine Selbsthilfegruppe vielleicht etwas für mich wäre, konnte mich aber noch nicht durchringen. Außerdem brauche ich gerade akut Hilfe und vielleicht bin ich da ja bei Euch an der richtigen Adresse.
Eine kurze Einleitung: Ich heiße Sara, bin 36 Jahre alt und habe Sprachwissenschaft studiert. Meine ersten Erinnerungen an eine Depression reichen zurück bis in mein 6. Lebensjahr, auch wenn ich es damals natürlich noch nicht als solche erkannt habe. Es folgte eine lange Odyssee mit immer wiederkehrenden starken Depressionen und Angstzuständen seit der Pubertät. Mobbing in der Schule, Liebeskummer, Perspektivlosigkeit, etc. Trotzdem habe ich es immer wieder geschafft, mich geradeso wieder zu stabilisieren, sodass es geradeso ging. Die Freunde zogen sich zurück, ich wurde einsamer und einsamer. Dann, vor 2,5 Jahren war die Talsohle erreicht und ich bin komplett zusammengebrochen. Seitdem bin ich in neurologischer Behandlung (nehme ein Psychopharmakon) und mache auch seit über 2 Jahren eine Psychotherapie. Ich denke, dass ich schon irre viel erreicht habe in der Zeit, aber leider wachsen damit auch die Aufgaben und im Moment sehe ich mich einem Berg gegenüber, den ich alleine nicht meistern kann. Meine Therapeutin ist leider seit Wochen schwer erkrankt und so wende ich mich an Euch:
2007 habe ich mein Studium abgeschlossen (ja, es hat 10 Jahre gedauert, aber laut meiner Therapeutin ist es ein Wunder, dass ich es mit meinen Angstzuständen und Depressionen überhaupt geschafft habe), mit 1,0. Ich habe mein Fach geliebt und es hat NIE an dem Fach gelegen, dass es so lange gedauert hat, bis ich einen Abschluss gemacht habe – im Gegenteil! Die Sprachwissenschaft und unser kleiner, eingeschworener Zirkel von 30 Studenten hat mir Sicherheit gegeben, die ich nicht aufgeben wollte, indem ich fertig werde. Es war für mich dann nur logisch und erfreulich, das mein Professor mir anbot, zu promovieren....diese Seifenblase ist dann im Februar 2009 zerplatzt (aus Gründen, die bei der Uni, bzw. meinem Professor liegen, mit mir hat das nichts zu tun), und ich bin halt in das ganz tiefe Loch gestürzt, habe auch körperlich stark reagiert. Und endlich mit einer Therapie angefangen. Zudem ist bei mir noch eine chronische Erkrankung festgestellt worden, die auch Einfluss auf den (Glücks-)Hormonspiegel hat; ein Teil meiner Depressionen und Panikattacken sind also auch darauf zurückzuführen. Dazu wurden „starke Depressionen und Sozialphobie“ diagnostiziert.
Nun zu meinem derzeitigem, akutem Problem (auch wenn ich nicht weiß, ob das noch in dieses Vorstellungs-Forum gehört):
Seit 2009 habe ich daran gearbeitet, mich aus dem tiefen schwarzen Loch herauszukämpfen. Dabei habe ich große persönliche Erfolge verbuchen können, der größte war sicherlich, dass ich im vergangenen September einen 400-Euro-Job im Einzelhandel angenommen habe und dabei die Erfahrung gemacht habe, dass ich tatsächlich super mit anderen Menschen umgehen KANN, trotz meiner Sozialphobie. Meine beiden Chefs baten mir schon nach drei Wochen an, Vollzeit zu arbeiten, was meine Therapeutin nicht so gut fand, sie meinte, es würde mich überfordern...dennoch habe ich angenommen und habe den Job, den Laden und meine Kollegen und Chefs geliebt. Leider war die Stelle vom Konzern aus (einige hundert Kilometer entfernt, haben mich also nie persönlich kennengelernt) auf 4 Monate begrenzt. Meine Chefs waren darüber genauso unglücklich wie ich, und wir halten auch noch Kontakt. Ich war so beflügelt davon, diese völlig neue, kommunikative Seite von mir kennenzulernen, und mich in einem Job zu erleben, der nicht isoliert hinter einem Schreibtisch stattfindet, dass ich mih sofort wieder im Einzelhandel (Buchhandel) beworben habe, und den Job auch bekommen habe, war also nur 2 Wochen ohne Job. Ich arbeite allerdings nur 16 Stunden die Woche und mache mir seit langem Gedanken über meine berufliche Zukunft. Eine Promotion ist mir in meinem Fach höchstwahrscheinlich nicht möglich, weil mein Fach so selten ist, und ich zwar Angebote aus Australien und Kolumbien bekommen habe, aber ich KANN nicht so weit wegziehen – aufgrund meiner Panik und Angstzustände wohne ich ja sogar noch bei meinen Eltern.
Meine Therapeutin drängt mich seit Monaten dazu, endlich einen Termin beim Arbeitsamt zu machen (wegen einer eventuellen Umschulung), und nun ist es soweit: am kommenden Freitag habe ich einen Termin! Und was ist? PANIK!!!!!!!! Ich habe wahnsinnige Angst.
Meine Fragen an Euch:
a) was tun gegen die Angst? Die Angst bezieht sich auf das Gespräch (Vorwürfe, warum ich nie richtig gearbeitet habe vor letztem Jahr), aber auch vor dem Ergebnis – keine Umschulung, wieder keine Perspektive, etc. Meine Sicht und Wünsche bezüglich einer Arbeit haben sich grundlegend geändert. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, wieder einen Job zu machen, der sich allein hinter einem PC abspielt, was bei einer Promotion der Fall wäre...außerdem würde eine Promotion mir auch keine Jobmöglichkeiten eröffnen.
b) soll ich dem zuständigen Mitarbeiter, zu dem ich muss, von meiner psychischen Erkrankung erzählen? Sie ist schließlich der Grund, warum mein Studium soooo lange gedauert hat und auch, warum ich nicht zum Promovieren irre weit wegziehen kann. Wenn ich ihm nicht davon erzähle, wie soll ich dann die lange Studienzeit und meine Unfähigkeit, die Promotion wer-weiß-wo fortzusetzen, erklären?
Puh, das war nun aber eine irre lange Einleitung!!!!!!!!!!!!! Danke an alle, die sich das alles durchgelesen haben; Ihr könnt den Beitrag auch gerne teilen, es war ja nicht alles eine „Vorstellung“.
Liebe Grüße,
Sara


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren


Lesezeichen