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Thema: Neuanfang

  1. #1
    Neuling
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    Standard Neuanfang

    Hallo,
    ich bin vor 27 Jahren von meiner Heimat Bayern und meiner Mutter weggezogen und habe eine Familie gegründet. Von meinem damaligen Mann wurde ich geschieden und lebe seit 16 Jahren mit meinen Kindern (3 vom ersten Mann, 1 mit meinem jetzigen Partner)in einer Lebensgemeindschaft, wir haben vor 2 Jahren ein Haus gebaut. Unsere Beziehung ist sehr langweilig geworden, wir haben kaum etwas miteinander zu besprechen, er schaut abends fernsehen, trinkte seine "Bierchen" und ich sitze am PC. Meine großen Kinder sind bis auf 1 Sohn ausgezogen, unsere gemeinsame Tochter ist 12 jahre alt. Dies war jetzt nur eine Kurzversion meines bisherigen Lebens. Eigentlich müsste ich ja glücklich sein, meine Söhne arbeiten, ich habe Arbeit, ebenso mein Partner, wir haben ein eigenes Haus. Aber tagtäglich frage ich mich :"War es das? Willst Du das die nächsten 20 Jahre? Dazu kommen die Schulden von meinem Haus (es gehört zum Glück mir, allerdings auch die Schulden), die uns fast erdrücken, alles hängt immer an mir, mit meinem Mann kann ich nicht über Probleme reden, er kann damit nicht umgehen.
    Jetzt kommt aber mein Hauptproblem: Ich habe seit 27 Jahren Heimweh nach Bayern, mal mehr mal weniger, bin immer hiergeblieben wegen meinen Kindern, meinem Mann usw. Habe immer nur Rücksicht genommen. Aber jetzt merke ich, dass der Gedanke wieder zurückzukehren mich fast "zerfrisst". Ich muss Tag und Nacht an nichts anderes denken und habe dauernd ein schlechtes Gewissen. Ich kann das doch meinem Partner nicht antun, meine Tochter nicht aus ihrem Freundeskreis rausreissen, das gemeinsam gebaute Haus doch nicht verkaufen usw.... Dazu muss ich sagen, dass mein Partner nie mitgehen würde in meine alte Heimat. Ich möchte aber gerne noch ein paar Jahre mit meiner Mutter verbringen, die ich jetzt nur 1 x im Jahr sehe und einfach nochmal ganz neu anfangen. Aber ich schaffe es einfach nicht! Ich traue mich nichtmal über meine Gefühle mit meinem Mann zu reden, er wird dann gleich sauer und meint ich wäre jetzt total durchgeknallt. Aber ich lebe doch nur einmal! Ist es egoistisch so zu denken? Ich war immer für meine Kinder da und habe Rücksicht genommen, soll ich jetzt nochmal abwarten bis meine jüngste Tochter groß ist? Sie will nämlich auch nicht nach Bayern ziehen. Dann bin ich über 50 und bekomme vielleicht keinen Job mehr. Ich bin so verzweifelt und unglücklich. Was soll ich nur machen?

    Uschi

  2. #2
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    Hallo Uschi!

    Heimweh ist natürlich immer eine schwierige Angelegenheit. Gerade wenn man aufgrund anderer nicht einfach so in die Heimat zurück kann...

    Wie weit ist denn deine Mutter von dir entfernt? Könntest du nicht öfter zu ihr fahren, als einmal im Jahr? Dann verbringst du deinen Urlaub in Bayern und kannst immer mal wieder dort auftanken...
    Wer Schmetterlinge lachen hört, weiß wie Wolken riechen.

  3. #3
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    Hallo Jamie,

    leider komme ich nur 1 x im Jahr in meine alte Heimat. (ca. 650 km). Ich muss dort eine Ferienwohnung mieten, und finanziell ist das einfach nicht zu machen. Es geht ja auch nicht nur darum meine Mutter zu sehen, ich hab auch Heimweh nach der schönen Landschaft, meiner besten Freundin die immer noch dort wohnt usw. Außerdem kommt ja dazu, dass ich hier einfach nicht glücklich bin, egal woran es liegt, wahrscheinlich auch an meiner Beziehung, den vielen Schulden usw. Immer wenn ich in meiner alten Heimat war, hab ich totale Depressionen, denke an nichts anderes, sehne mich total dorthin zurück. Ich kann natürlich auch verstehen, dass mein Partner und meine Tochter dort nicht hinwollen. Aber ich bin mir auch nicht sicher, ob ich meinen Partner überhaupt mitnehmen wollte wenn er einverstanden wäre. Das Zusammenleben macht mich nicht mehr glücklich, ich liebe ihn eigentlich nur noch wie einen guten Freund, bzw. Bruder. Wir haben uns viel gestritten, er ist sehr impulsiv und immer gleich ausfallend und verletzend. Ich kann das alles nicht vergessen, es trifft das Sprichwort zu der Krug geht so lange zum Brunnen.... nach jedem Streit wird das Thema totgeschwiegen, man redet nicht mehr miteinander und ich darf das Thema, nicht wieder aufrollen, sonst "suche ich ja wieder Streit". Ich kann einfach nicht mehr mit ihm reden, nur noch oberflächliche Dinge und über meine Gefühle schon gar nicht. Das Wort Bayern ist für ihn ein rotes Tuch. Deshalb fresse ich alles in mich hinein, sage schon gar nichts mehr, ja traue mich manchmal schon gar nicht, bloss damit Friede herrscht und er nicht schräg drauf kommt. Außer einmal im Jahr in Urlaub fahren machen wir kaum etwas zusammen. Aber für ihn ist die welt so in ordnung, er versteht gar nicht was ich habe! Ich hab keine Freude mehr an unserem Haus, möchte einfach nur noch weg, aber meine Tochter würde ich nie zurücklassen. Nur ihretwegen bin ich noch hier. Wenn ich sie einfach mitnehme wird siie sich sicher auch eingewöhnen, aber was ist wenn nicht? Dann kann ich auch nicht glücklich sein weil mich mein Gewissen plagt. Es ist einfach alles nur schei.....ich bin einfach zu feige diesen Schritt zu tun, obwohl alle meine Freunde mir raten geh nach Bayern und verlasse ihn. Ich finde immer eine Ausrede warum es nicht geht. Und so vergehen die Jahre und ich werde immer älter und ich jammere immer noch wie seit 27 Jahren meinen Freunden die Ohren voll, dass ich wieder heim möchte.

    Uschi

  4. #4
    Gast784
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    Liebe Uschi, hier mal ein Gedankenspiel: wäre es vll möglich, dass Du über die Schiene "Beruf" mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen könntest?

    Ich weiss ja nicht, was Du für einen Beruf hast/hattest. Aber mir fiel da grad ein Beispiel ein: Meine Tochter ist in der Waldorfschule. Die haben Epochenunterricht, und daher müssen die Lehrer eigentlich mehrere Fächer unterrichten können. Aus dem Grund gab es jetzt lange keinen Chemielehrer. Nun haben sie eine Lehrerin, die macht es folgendermaßen: sie reist und ist dann epochenweise immer wieder in einer anderen Schule und an einem anderen Ort. An anderer Stelle habe ich einen Bericht gesehen, dass in dem Bereich ältere Wiedereinsteigerinnen sehr gute Chancen haben, wegen Fachkräftemangel usw.

    Vielleicht hast Du irgend einen beruflichen Hintergrund, der so ausbaufähig wäre, um außer Haus und in anderen Regionen ausgeführt zu werden? Und dabei könntest Du Geld verdienen, was der Schuldenlast entgegen wirken würde, könntest immer wieder tage- oder Wochenweise in Bayern sein und hättest Dein eigenes Umfeld, Bestätigung, und könntest das so gelassen kommen lassen, ob und was da mit Deinem Mann noch ist bzw. eine Basis und Kraft finden, etwaige Konsequenzen durchzuziehen.

    Wenn alles so verknotet ist, muss man manchmal nur mutig genug sein, den Faden an einer Seite aufzunehmen, am besten an der, die einen am meisten "lockt", und Freude bringt, und relativ leicht fällt.

    LG Gaby

  5. #5
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    Hallo Gaby,


    leider ist das in meinem Beruf nicht möglich. Die Idee wäre sehr gut, aber ich bin Arztsekretärin in einer Klinik. Außerdem möchte ich auch meine 12-jährige Tochter nicht tagelang alleine lassen. Mein Mann unternimmt nicht gerade viel mit ihr (eigentlich gar nichts), ist ja auch den ganzen Tag nicht da und liegt abends vorm Fernseher auf der Couch. Mit ihr spricht er genausowenig wie mit mir. Außerdem haben wir noch einen Hund (hört sich jetzt vielleicht blöd an) aber den kann ich auch nicht zuhause lassen, denn es ist "mein" Hund und mein Mann will sich nicht um ihn kümmern weil er ihn auch nicht unbedingt haben wollte. Tja, wie gesagt, eigentlich manage ich alles hier zuhause, ich weiss manchmal gar nicht wozu ich überhaupt einen Mann habe. Hört sich vielleicht grass an, aber irgendwie wird mir das so langsam alles erst jetzt bewusst. Umso mehr wundere ich mich, dass ich es nicht fertig bringe ihn zu verlassen, denn eigentlich bin ich gar nicht so schwach, ich hab 4 Kinder großgezogen ( 1 davon ist behindert), hab das mit dem Haus alles geregelt, gehe noch arbeiten. Aber ich habe einfach ein zu großes Herz und denke immer nur an andere. (Sorry, ich wollte mich nicht selbst loben !)

    Uschi

  6. #6
    Gast784
    Gast

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    Liebe Uschi, den letzten Satz glaub ich Dir sofort, denn das ist typische Mutterausprägung
    Anscheinend hat sich da Dein Mann auch schön bequem eingenistet. Ich sehe das oft bei Freundinnen mit mehreren Kindern, die werden dann auch für die Männer leider sehr bald "Mutti". Ich könnte mir vorstellen, dass Du da nicht ausgebrochen bist, weil Du diese Sicherheit und Kontinuität gebraucht hast für Deine Erziehungsaufgabe.

    Aber bei Deiner Erfahrung, vor allem bez. behindertes Kind, kann ich mir nicht vorstellen, dass Du das nicht irgendwie beruflich nutzen kannst. Informier Dich doch mal beim Arbeitsamt oder in größeren Städten gibt es auch noch andere Beratungsstellen bzgl. Frau und Beruf. Du könntest Dich zumindest vorbereiten, mit einer Aus- Fort- Weiterbildung, bis Deine Tochter größer ist, und irgendwann hast Du eine Basis, auf der Du dann entweder einen Neuanfang in Bayern machen kannst, oder zumindest Dich innerhalb Deiner Ehe und Deinen Verpflichtungen unabhängiger machen könntest. Du könntest so die Zeit der Unzufriedenheit sinnvoll nutzen, ich denke, es würde auch in einer guten Ehe jetzt darum gehen, sich auf die Zeit nach der Kinderaufzucht vorzubereiten.

  7. #7
    Neuling
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    Hallo Gaby,

    das mit dem Unabhängigmachen hört sich gut an, aber ich denke nochmal eine Berufsausbildung, das schaffe ich nicht, schon finanziell geht es gar nicht, da ich wie schon gesagt eine monatliche Belastung für mein Haus habe das ich abzahlen muss. Außerdem habe ich ja eigentlich einen guten Job, ich arbeite in einem Chefarztsekretariat in einr Klinik und denke, mit meinen Vorausetzungen würde ich auch in Bayern eine Anstellung bekommen.Mein Partner steuert schon auch seinen Teil zum Lebensunterhalt bei er und ich werfen ungefähr dasselbe im Monat in einen Topf und davon zahlen wir dann Hausraten, Lebenshaltungskosten und was halt so anfällt. Trotzdem reicht das Geld vorne und hinten nicht. Alle Freunde haben mir geraten, dass ich kein Haus bauen soll, sondern mit von meinem Geld (hatte etwas von meinem Opa geerbt) lieber eine Eigentumswohnung kaufen soll die ich gleich abgezahlt habe und durch die ich unabhängiger wäre, aber ich wusste es mal wieder besser und wollte unbedingt ein Haus! Jetzt hab ich den Salat! Ich würde das Haus sofort verkaufen (läuft alles auf meinen Namen) aber mein Partner fühlt sich hier natürlich wohl und will nicht verkaufen (schon wieder ein Streitthema)! Außerdem wüßte ich dann gar nicht ob ich mir eine Eigentumswohnung hier oder in Bayern kaufen soll. damit wären wir wieder beim Thema Bayern. Es ist alles so verzwickt und kompliziert.

    Uschi

  8. #8
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    Hallo Uschi !

    In der Psychologie gibt es immer ein Sprichwort:

    Love it, Change it or leave it !

    Liebe es. Ändere es oder verlasse es !


    Du bist in deiner Situation unzufrieden. Deinen Mann liebst du nicht mehr. Du fühlst dich in deiner "neuen" Umgebung nicht wohl...

    Du liebst es nicht. Kannst du etwas ändern? Wenn nicht, dann verlasse es.

    Das Leben ist zu kurz, um es mit Unwohlsein zu verschenken.
    Wer Schmetterlinge lachen hört, weiß wie Wolken riechen.

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