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Thema: never touch a running system?

  1. #1
    Ste
    Gast

    Standard never touch a running system?

    Hallo, möchte ein Thema zur Diskussion vorschlagen:

    never touch a running system? - ist Therapie (immer) sinnvoll?

    Ich kenne keine Statistik über denn Sinn und Unsinn von Therapien. Aber ich habe genug Leute kennen gelernt, denen Therapie nicht geholfen hat, oder aber sie hat teilweise geholfen, aber letztlich zu nichts gutem geführt.

    Menschen, die wirklich gesund werden oder geheilt werden durch Therapie hab ich kaum kennen gelernt. Gibt es dir, oder ist das eher selten?

    Ich hab die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die in Therapie kommen, oft über Jahre hinweg ein Überlebenssystem in sich aufgebaut haben, dass immerhin besser funktioniert als so mancher Normalverbraucher durchs Leben kommt. Mancher ist ein ganz besonderer Mensch, den man nicht einfach auf normal therapien kann. Mancher will zwar nicht mehr leiden, aber keinesfalls normal werden, weil er/sie das ablehnt.

    Dass Therapie gefährlich sein kann ist klar. Jeder tiefe Eingriff ins System Mensch ist ein Trauma, vergleichbar mit einer OP. Es gibt Risiken.

    Wie habt ihr das erlebt?

    Grüße

    Ste

  2. #2
    Verleger Avatar von Physalis
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    Hallo Ste,

    das ist ein interessantes Thema und Deine Fragen habe ich mir auch schon gestellt.

    Ich kenne eine Frau, die ihr schwieriges Verhältnis zu ihrer verstorbenen Mutter in einer Gesprächstherapie aufarbeitete. Sie sagt, es habe ihr geholfen, Dinge zu verstehen. Diese Frau war aber nicht krank.

    Ich kenne aber auch Frauen, die wegen Missbrauchs in der Kindheit zum Teil seit etlichen Jahren therapiert werden und auch ständig so starke seelische Rückfälle haben, dass sie stationär behandelt werden müssen. Ich habe den Eindruck, dass das die Therapien kaum helfen, bestenfalls eine kurzfristige seelische Stabilisierung erwirken.

    Auch eine Langzeittherapie wegen Zwangsstörungen bekam ich im Umfeld mit. Der Erfolg schien gleich Null zu sein.

    Manchmal habe ich den Eindruck, dass es keines Therpeuten bedarf, um die entscheidende Wende herbei zu führen. So lernte ich zufällig eine Frau kennen, die erzählte, eine Phobie gegenüber einer bestimmten Tierart zu haben. Ich war damals sehr unbedarft und habe dies - ich gebe es zu - gar nicht so ernst genommen und mich auch entsprechend verhalten inklusive "knallharter" Konfrontation mit diesem Tier. Das Ergebnis war, dass diese Frau sich nach kurzer Zeit als "geheilt" bei mir meldete und sich glücklich zeigte. Zuvor hatte sie 8 Therapieversuche gestartet. Ich glaube, sie hat sich dann sogar selbst Tiere angeschafft.

    In einem anderen Fall kamen ich und einige andere über ein ehrenamtliches Engament in Kontakt mit einer ganz jungen Frau, die wegen Depressionen in Frührente (!) war. Sie litt zudem unter einer starken Angst vor Menschen. Zugegeben, wir konnten damals weder mit der Diagnose Depression noch mit einer Sozialphobie etwas anfangen. Wir nahmen sie - trotz ihres Protests - in den Schlepptau und nahmen sie einfach überall hin mit! Das liegt viele Jahre zurück und der Kontakt besteht noch heute. Die junge Frau hat ins Leben zurück gefunden, eine hübsche Wohnung bezogen, sich ein Haustier angeschafft und arbeitet seit vielen Jahren für diese gemeinnützige Organisation, vor deren Tür wir sie damals zufällig trafen. Mindestens einmal jährlich meldet sie sich.
    Die richtige "Medizin" war in diesem Fall keine Therapie und kein Schonen, sondern den Menschen so zu behandeln, als wäre er völlig gesund. Gott, was müssen wir auf die Frau damals zum Teil erschreckend gewirkt haben mit unserem Tatdendrang! Ich weiß noch, dass sie öfter sagte, sie wolle da und dort nicht hin, wegen der Menschen und wir dennoch abends hupend vorm Haus standen und sie einfach abholten .

  3. #3
    Schreiberling
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    Hallo Physalis,
    Konfrontation mit Ängsten kann diese überwinden, sie muss aber nicht. Meine Angst vor Spinnen hab ich auch so überwunden, wenn auch nur teilweise. Es war aber so, das auf dieser Veranstaltung eine Frau war, die das auch probiert hat. Der Wille war da, aber nach ein paar Sekunden sagte sie, das man die Spinne wegnehmen sollte. Ging dann eben nicht.
    Wenn du so jemanden einer "harten" Konfrontation aussetzt, kann es passieren, das die Person eben aus den Latschen kippt. Das ist eben ein Risiko.

  4. #4
    Schreibkraft Avatar von free 93
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    Eine seelische Krankheit ist ja nichts dass man durch ein bestimmtes system einfach "entfernen" kann. Und doch versuchen es die Therapeuten, jedoch immer individuell, und manchen hilft es auch nur über ihr Problem mit einem Außenstehenden zu reden, bei anderen wiederum löst es erst ein gefühl aus krank und unnormal zu sein, wenn sie in therapie sind.

    Aber um nochmal zum ersten satz zurückzukehren, haben die meisten menschen die psychisch erkrankt sind einen Grund dafür, vllt mit einem Sinn dahinter. wenn man ertsmal nicht mehr zu den normalen (wohlgemerkt auch, aus der sicht der nicht dazugehörigen sinnlosen) Gesellschaftsmenschen gehört, will man auch nicht mehr zurück und die Krankheit einfach vergessen, nein, man will vllt wieder dabeisein, aber etwas aus der Krankheit mitnehmen, sonst hätte sie sich ja erst gar nicht entwickelt...

    Ich habe die erfahrung gemacht dass die menschen die ohne behandlung ausgekommen sind und die krankheit selbst in die hand genommen haben, gestärkt und gesund daraus hervorgegangen sind und die menschen die jahrelang therapiert und stationär behandelt worden sind nie ganz glücklich und frei von der krankheit geworden sind. ich denke wenn man die krankheit mit seinen eigenen wegen überstanden hat, ist es leichter sie abzuhacken.
    Niemand, auch nicht Therapeuten können in den menschen hineinsehen, der erste weg muss immer sein krankheit und persönlichkeit zu trennen und selbst versuchen glücklich zu werden.
    Der Sklave will nicht frei werden. Er will Sklavenaufseher werden.
    Gabriel Laub


    Bevor ich falle, falle ich lieber auf!!

  5. #5
    Roman Verfasser
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    Sich selbst kann man vielleicht nicht ändern, aber es macht trotzdem Sinn sich seiner Fehler und Probleme bewußt zu sein, um möglichst wenig davon auf andere, besonders auf seine Kinder, zu übertragen, weiterzugeben.

    Selbsterkenntnis kann nur gut sein, ist aber eben auch unangenehm. Wirklich Anlaß sich zu ändern haben die, die ohne fremde Hilfe nicht mehr weiterkommen.

  6. #6
    Schreibkraft
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    Man geht doch eigentlich zum Psychologen, weil man eben ein Problem hat, welches man nicht alleine gelöst bekommt. Dieses Problem verursacht auch beim Betroffenen Leidensdruck, der schlussendlich dazu führt, dass man sich in Behandlung begibt. Diese Menschen sind also wirklich eingeschränkt durch Ihr Problem. Wenn der Betroffene dies auch ändern will, macht eine Therapie also wirklich Sinn.

    Eine Erkrankung (physisch und psychisch) sucht man sich nicht selbst aus.

    Gruß

  7. Der folgende Benutzer bedankte sich bei kulle für den sinnvollen Beitrag:

    Todai94 (07.01.2012)

  8. #7
    Schreibkraft Avatar von free 93
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    die frage ist nur wie schnell ich selbst aufgeben, wenn man mal vob missbrauchopfern absieht und z. b. depressionen nimmt, gibt es immer eine grauzone zwischen "ich schaff das allein" und "ich kann nicht mehr ich schaff es nicht allein"
    und wenn man dann denkt ein therpeut kann mich heilen und ich muss nur mitmachen ist das selbstbelügen...
    Der Sklave will nicht frei werden. Er will Sklavenaufseher werden.
    Gabriel Laub


    Bevor ich falle, falle ich lieber auf!!

  9. #8
    Schreibkraft Avatar von free 93
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    Standard

    Man hat die krankheit ja bekommen weil es einem nicht gut geht und wenn durch eine Therapie der normalzustand widerhergestellt wird ist das wohl nicht so sinnvoll, es muss behandelt werden und etwas geändert werden.
    Natürlich sucht man sich nicht aus krank zu sein, aber es passiert auch nicht weil gott dazu lust hatte
    Der Sklave will nicht frei werden. Er will Sklavenaufseher werden.
    Gabriel Laub


    Bevor ich falle, falle ich lieber auf!!

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