ich weiß nicht recht wie ich anfangen soll, glaube aber, dass mein beitrag wohl hier am besten aufgehoben ist, zumal ich in dieses forum ohnehin nur gekommen bin, weil mich google zum suchbegriff "minderwertigkeitsgefühl" an diesen ort geführt hat.
kurz zu mir: ich bin 26, männlich, habe mein germanstikstudium gerade abgeschlossen.
ich bin zu schulzeiten anfangs ein ziemlicher außenseiter gewesen, was sich schließlich gewandelt hat, auch wenn ich den anderen in ihrem umgang mit mehr (der oftmals durchaus freundschaftlich gewesen ist) nie recht trauen konnte. damals hatte ich eine imense angst vor "fremderfahrungen" bzw. vor dem, was man "soziales interagieren" nennen könnte, d.h.: freundschaftliche zusammenkünfte mit menschen, die mir fremd waren, waren für mich der absolute horror. immer hatte ich angst, anderen nicht zu gefallen, zu schlecht auszusehen, etwas verkehrtes zu sagen, ihren ansprüchen eben nicht gerecht zu werden. das gefühl, gerade auch im freundeskreis zurückgesetzt zu werden, was, wie ich heute weiß, eigentlich überhaupt keine objektive basis besaß, hat mich jedenfalls nie verlassen.
gerade in der schule und während der pubertät hatte ich ständige auseinandersetzungen mit meinen eltern und mit den lehrern, die in mir nichts weiter sehen konnten als einen störenfried. heute glaube ich, dass bei mir irgendwann der punkt erreicht war, an dem ich geglaubt habe: "stimmt, wenn mich die anderen tatsächlich nur als ärgernis wahrnehmen können, muss ich wohl tatsächlich auch ein ärgernis sein." das seltsame ist, dass auch eine beziehung aus jenen tagen (so von 15-18), nichts an diesem glauben ändern konnte. meine soziophobie bestand weiter (angst, anderen nicht zu genügen), obwohl mich das mädchen so geliebt hat, wie ich eben war. seitdem (also mit 18) habe ich auch keine beziehung mehr gehabt, obwohl es immer wieder, sogar ziemlich offensichtliches, interesse von der frauenseite gab.
jetzt kommt das seltsame, weshalb ich eigentlich schreibe: seit dem abitur habe ich nur erfolge gehabt, zumindest, was man landläufig erfolge nennt. ich habe mein studium mit 1,0 abgeschlossen, meine professoren haben mich sehr gelobt, meine eltern sind extrem stolz. ich habe viele freunde, die mich gern haben, weil ich bin, wie ich bin, sie schätzen mich sogar ungemein, wenn ich das sagen kann, weil ich feinfühliger bin, als die meisten (glaube ich zumindest), weil ich takt besitze und ein guter zuhörer bin. ich bin sehr umtriebig, mache filme, schreibe, bin ständig am arbeiten, so dass mir immer wieder menschen begegnen, dich mich irgendwie staunend ansehen, dass man so viel machen kann. dann wird mir attestiert, ich hätte "so unheimlich viel energie".
tatsächlich fühle ich mich aber als der energieloseste mensch der welt. ich bin von einem ständigen zweifel befallen, ob das, was ich tue, das richtige ist, ob es in ordnung ist, ob es qualität besitzt und bestand hat. und in diesem zweifel glaube ich den selbstzweifel von früher wiederzufinden, der mich anderen gegenüber stets hat schlechter fühlen lassen: ich passe eben nicht und so weiter. dabei signalisiert mir das außen, also meine freunde, meine eltern usw. bloß, dass ich sogar mehr als ok bin, vielleicht auf eine gewisse weise bewundernswert, doch ich kann es absolut nicht fühlen.
auch wenn ich zu wissen glaube, woher mein zweifel stammt und das oft so beherrschende gefühl, ich wäre nicht "richtig", heißt das noch lange nicht, dass ich mich deshalb besser fühle. es ist so, als würden alle verletzungen, die mir anderer zugefügt haben, bis heute nachwirken und ich kann sie, trotzdem ich weiß, dass die anderen im unrecht waren, nicht entkräften.
richtig aufmerksam geworden bin ich auf diesen "minderwertigkeitskomplex" immer dann, wenn sich mit einem mädchen etwas angebahnt hat. wie gesagt bin ich seit ungefäh 8 jahren allein und es hat in der zwischenzeit zahlreiche begegnungen gegeben, aus denen mehr hätte werden können. doch immer, wenn sich etwas angebahnt hat, hat sich bei mir die gleiche gedankenspirale losgemacht: kann ich ihre erwartungen erfüllen, bin ich so gut wie ein anderer, was will sie ausgerechnet von mir, ich werde mich ohnehin dämlich verhalten, es nicht bringen und so weiter.
ich habe ziemlich viel überwinden können: meine soziophobie beispielsweise, doch diesen gedanken der eigenen unzulänglichkeit werde ich nicht los. und gerade der verbaut mir eine so lang ersehnte beziehung.
trotzdem mir also immer wieder gesagt wird, dass ich ok bin wie ich bin und man mich liebt, weil ich genauso bin, scheint das für mich nichts zu bedeuten. vertraue ich dem urteil der anderen nicht genug, hat das für mich keinerlei bedeutung? und warum fühle ich das, was die anderen in mir sehen nicht? jedenfalls bin ich mehr als ratlos, spüre eine ständige unruhe und ein hin- und hergerissensein.
gut, ein etwas wirrer beitrag, ohne richtige frage, doch vielleicht fällt ja trotzdem jemandem etwas ein.
danke!


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