Es äußerst wichtig, dass mich wer versteht...
1Langsam mache ich mir doch Sorgen- nicht um die Leute da draußen, aber um mich selbst. Die da draußen sind mir wirklich egal. Ich habe nur Angst das ich selber zusammen klappe, ohne das ich es großartig merke! Ich hab einen großen Respekt davor, wenn ich es verliere! Wenn ich mich selbst verliere.
Nichts ist mehr wie es war. Selbst ich bin ein total anderer Mensch geworden. Aus dem kleinen Blondschopf, der alles lustig fand und immer gelacht hat, vielleicht etwas schüchtern war und doch recht ängstlich, ist jetzt eine Blondine geworden, deren Augen leicht schwarz untermalt sind, die auf einer Seite zu mager aussieht wie z. B ihre Arme und ihr Gesicht, auf der anderen Seite wie an den Beinen zu dick wirkt und ziemlich im Ungleichgewicht schwebt!
Die noch immer mit zitternden Händen ihre Haarsträhne aus dem Gesicht macht, die sogar vielleicht etwas unklar denkt und ziemlich fertig aussieht!
Aber das ist kein Wunder, denn das kleine Mädchen, das um die 7 war, hat sich verändert. Sie strahlt nicht mehr und sie wirkt auch nicht mehr offen für alles und jeden. Diese junge Frau sieht verbittert aus, so undurchsichtig, so nervös und wütend. Was das wohl verändert hat?
Zu letzt hat sich einfach meine Einstellung gedreht, sozusagen um 180°, ob ich das nun wollte oder nicht.
Ich lasse das Wasser aus dem Kran über mein Gesicht laufen, ist das wirklich Wasser und wenn ja, wie schmeckt es? Ist es nicht eine Verschwendung. Ich lass es laufen und laufen, mehrere Liter in ein paar Sekunden. Mich stört es nicht, dass ich so bin wie ich bin, ich habe nur den Gedanken was das Sterben vieler Menschen in Afrika angeht, die verdurstet sind! Ich habe sicherlich genauso viele Probleme wie sie, was nicht heißen soll, das ich mich mit ihnen vergleichen soll oder kann, das wäre als ob man Pop- mit Rockmusik vergleicht- völlig verschiedene Ebenen!
Ich sehe mich an, die Augen sind weit auf- völlig überfordert, von dem was sie jeden Tag sehen müssen- erleiden müssen!
Und wenn ich nicht wüsste was Tränen sind, könnte ich sie jetzt gut beschreiben.
Ohne noch länger mich anschauen zu müssen, gehe ich aus dem Zimmer, auf den Flur und schließlich dahin wo alles ruhig ist, wo alles dunkel ist, wo ich nichts anderes sehe, als das Blau der Tapeten, und nichts Anderes höre als meinen Atem. Mein Zimmer.
Ich lass mich auf mein Bett fallen, erschöpft und wieder mal angespannt. Ich schaue die Decke an, die weis ist, da wo der Delphin hängt, der mich jedes Mal angrinst, auch wenn mir nie danach ist.
Ich leg mich auf die Seite, die Decke über mich gezogen. Weit entfernt hängt das Bild meinem Pferdes hinter dem Glas an der Wand. Kann sie atmen? Ist sie jetzt da?
Ich muss schlucken, sonst schnürt es mir den Hals zu, erdrückend- einfach nicht wegzubekommen.
Meine Augen füllen sich mit Tränen bevor sie über meinen Wangen auf die Decke tropfen. Es schmerzt. Es ist unglaublich, wer hätte mir morgens an dem Tag erzählt das Laura sterben wird? Hätte ich die Decke über den Kopf gezogen und geglaubt das es nur ein Traum war? Sicherlich. Das war für mich nicht real. Der ganze Tag war nicht real, keine einzige Minute.
Allerdings kam dann doch schließlich alles anders. Mein Dad hat mich nach Hause gebracht, als er sagte das es ihr wieder mal nicht gut ging. Ich bin sofort hoch in die Halle gelaufen um sie zu führen. Wenn man sie bewegt, geht es ihnen wieder besser und man verhindert das es noch schlimmer wird, ähnlich wenn wir eine Tablette gegen Kopfschmerzen nehmen. Tun wir es nicht, wird es nicht besser, nehmen wir sie, geht es uns nach kurzer Zeit doch wieder besser.
Also immer gut, Medikamente zu haben!
Ich habe wirklich alles gegeben. Nach einem Tag, nach hundert Runden durch die Halle- immer und immer wieder, haben wir den Kampf doch verloren. Das war kein gewöhnliches K.O, das wäre fair gewesen, das wäre ehrlich verloren gewesen, aber selbst das Glück hatte ich nicht. Der Arzt beschloss sie einzuschläfern, nachdem er mir versuchte einzureden, dass es das Beste für sie wäre. Und was ist mit mir? Was ist mit mir? Wer muss damit leben, wer damit klar kommen? ICH, ich allein. Keiner wird mir helfen. Aber es geht nicht um mich, nicht jetzt, nicht einmal irgendwann, wenn es um das Wohl der Tiere geht. Ich habe natürlich zugestimmt, und ehrlich gesagt, hätte ich die Auswirkungen gekannt, wüsste ich es nicht, ob ich dieses Pferd hätte gehen lassen. Er ist zu ihr rein gegangen und hat mich gebeten raus zu gehen. Meine Mom folgte mir und sagte, ich sollte mir überlegen, ob ich es sehen will oder ob ich gehen will. Sie sagte, dass es mir wahrscheinlich besser gehen würde einen „sauberen Abwasch“ zu machen. Also bin ich geblieben. Ich will nicht nach ihrer Meinung wissen, was es für Schmerzen gemacht hätte, wenn ich gegangen wäre.
Er zog die Spritze auf, die, die alles veränderte, die nicht nur den Moment veränderte, sondern komplett mein ganzes Leben, mein Denken, meine Einstellung zu allen Dingen.
Es ging schnell. Er spritze dieses Zeug. 3 Sekunden. 2 Sekunden. 1 Sekunde. Und dann brach sie zusammen, erst mit dem Hals, dann runter auf die Knie, und schließlich fiel sie um. Es war, als mein ganzes Leben an mir vorbei zog und das in nur ein paar Sekunden.


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