





wenn eine Frau bis Anfang fünfzig immer in einem anspruchsvollen Job gearbeitet hat und dann wegen Managementfehlern plötzlich auf der Strasse steht und keinen Anschluss im Beruf mehr findet, finde ich das schon tragisch. Sie muss dann erst ihr erarbeitetes Vermögen verbrauchen, um dann von 350 Euro staatlicher Unterstützung zu leben. Aussicht auf Änderung: keine.
Auch für eine verheiratete Frau, die nie berufstätig war und immer für die Familie gesorgt hat, ist es sicher ein schlimmer Einschnitt, in diesem Alter plötzlich vor dem Nichts zu stehen.
In diesen Fällen geht es sicher weniger darum zu sagen: besser HartzIV als ein blöder Job, sondern auch um die psychische Verarbeitung von Ungerechtigkeit und Hilflosigkeit, um das Gefühl, immer alles gegeben zu haben und dann mit fünfzig quasi "weggeworfen" zu werden.
LG
Anna



Da stimme ich Dir zu. Lebensqualität ist etwas höchst Subjektives.
In meiner Stadt werden laut hiesiger Tageszeitung ca. 45 % des Haushaltseinkommens (Haushalt - nicht EINZELeinkommen) für die Miete ausgegegeben. Man arbeitet also fast den halben Monat nur für die Miete, ist das nicht unglaublich?
Ein Hartz IV-Empfänger bekommt die Miete bezahlt. Es wird immer auf das Geld geschaut, das man dann zum Ausgeben bekommt, aber eher selten auf die Miete und die Heizkosten, die übernommen werden.
Ich gebe weniger für mich aus, als ein Hartz IV-Empfänger zur Verfügung hat.
Bei mir sind die größten Ausgabeposten meine Betriebsausgaben als Selbständige und die Sozialbeiträge.
Für Ernährung und Haushalt gehen nicht mal 8 % meiner monatlichen Ausgaben drauf! Dann zahle ich aber noch die horrende Einkommenssteuer, habe Lohnsteuerklasse 1 und bin im höchsten Steuersatz.
"Vernünftig" ist es sicher nicht, sich in Deutschland selbständig zu machen, denn man tut nichts als zahlen: Steuern, Sozialbeiträge und dann die gewerbliche Miete und die ganzen sonstigen Betriebsausgaben inklusive Angestellter, um sich überhaupt den eigenen Arbeitsplatz als Selbständiger zu erhalten.
Ich hätte es weitaus einfacher als Angestellte: weniger Arbeit, festes Gehalt, begrenzte Verantwortung.
So extrem bescheiden, wie ich privat lebe, käme ich Hartz IV bestens hin. Dann würde ich von der Einkommenssteuer derer leben, die 70 St./Woche arbeiten.
Nur möchte ich dies nicht. Ich möchte arbeiten und selbständig sein. Was ich mir aber wünschen würde, ist, dass der Mittelstand nicht gar so geschröpft würde, sondern sich das Unternehmertum tatsächlich gegenüber einer angestellten Tätigkeit auch finanziell lohnen würde.
Sicher haben viele Selbständige mehr in der Tasche als Angestellte. Berücksichtigt man aber, dass die Arbeitszeit dafür oft fast das Doppelte ist, ist das unterm Strich natürlich oft sogar weniger.
Geändert von Physalis (05.02.2012 um 08:49 Uhr)
Sagon (05.02.2012)
Hallo Anna,
ich finde, Du sprichst einen wichtigen Punkt an: das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, dass alles nichts wert war.
Es geht nicht nur darum, sich Essen kaufen zu können und ein Dach über dem Kopf zu haben.
Deswegen ist arbeiten zu gehen auch viel mehr als Geld zu verdienen.
Und Familie zu haben und zu leben ist viel mehr als Kinder groß zu ziehen.
LG,
Physalis
Hallo Ste,
man spricht auch nicht umsonst von "Energievampiren".
Es gibt viele Menschen, die anderen geradezu die Energie aussaugen, um davon zu leben.
Es ist wichtig, diese Menschen zu erkennen und sie zu meiden.
Ich denke, das kennt jeder von uns: Es gibt Begegnungen unter Menschen, nach denen sich alle Beteiligten gut fühlen, im Einklang mit sich und der Umwelt sind, sich stark und belastbar fühlen.
Dann gibt es die Begegnungen, da bleibt der eine müde, ausgelaugt, schwach, traurig zurück - oft, ohne dies konkret an etwas festmachen zu können - , während der andere "auftankte" und gestärkt davon geht.
Ich habe bewusst Bekanntschaften beendet, bei denen ich mich wie ein ständiger "Energielieferant" fühlte. Die anderen waren regelmäßig Menschen mit ausgesprägten seelischen Problemen, sehr unsichere, ängstliche Menschen, oft mit negativen Erlebnissen in der Kindheit und traumatischen Begegnungen.
Ich kann mich nicht dauerhaft mit Menschen umgeben, wo es keinen Austausch gibt, sondern ein einseitiges Abziehen von Energie. Ich fühlte mich damals wie eine arme, schwache Autobatterie, die bei - 20 Grad draußen rum steht.
Heute achte ich sehr darauf, ob mich jemand nur dann kontaktiert, wenn es ihm schlecht geht, nicht aber dann, wenn er gerade eine positive Phase hat.
Einige Bücher von Celestine habe ich gelesen und dabei viel für mich gewonnen. Ganz besonders viel hat es mir gebracht, zu verstehen, dass Menschen, die sich anderen gegegenüber ungerecht und gemein verhalten, im Grunde leidende Seelen sind, die unseres Mitgefühls bedürfen - was aber nicht heißt, dass wir uns vor ihnen nicht schützen dürfen.
LG,
Physalis
Geändert von Physalis (05.02.2012 um 09:46 Uhr)
Sagon (05.02.2012)
Warum laufen solche Diskussionen immer auf das Thema "Job" hinaus (ein Wort, das früher Stundenten für Ferienjobs gebraucht haben, aber nicht Erwachsene für ihren Beruf von dem sie leben)
Warum gehts immer um Geld? Warum liest man, dass Selbstständige Neid anziehen, zwischen den Zeilen aber scheint der Selbstständige den H4-Empfänger zu beneiden?
Als Alternative scheint es noch ein asketisches Öko-Spießer-Dasein zu geben, das wars dann aber auch schon. Im Grunde alles abgeschmackte Zöpfe, ganz enge und ausweglose Konstrukte. Wo ist da die kreative Eingeschöpfung, wo ist das der individuelle Weg, den man selber gegangen ist, den man sich freigepflügt hat?
Mir scheint, es gibt heute kaum noch Menschen mehr, die abseits des Mainstreams eigene Wege gehen. Die heutige Welt bietet ja eine Menge vorbereiteter Möglichkeiten, man kann auf total angepasste Weise ein vollkommen Verrückter sein, einfach weil die Konsumindustrie das Verückte bereits ins System integriert hat.
Sogar jugendliche Rebellion ist mittlerweile voll in den Mainstream integriert und konsumfähig gemacht worden. Du kannst Rebell sein und bist dadurch angepasster als ein Nichtrebell. Arme heutige Jugend, wie schlimm muss das sein?
Ich denke, dass die vollständige Übernahme der Gesellschaft durch die Wirtschaft uns unserer Freiheit beraubt hat. Wenn wir heute in ein Stadion gehen, dann gehen wir in die "Allianz-Arena" oder in die "O2-Arena". Das Wetter wird uns präsentiert von der "Comerzbank". sogar die Nachrichten werden gesponsert und jedes Sportevent hat seinen Warsteiner oder Krombacher Sponsor. Frühstücksflocken sind nicht einfach Nahrungsmittel, sie sind Bekenntisse zu einer Image-Kultur, der Kleinkind und Geschäftsfrau gleichermaßen anhängen können.
So eine Welt ist perfekt für Vermarkter und Händler, für Großkaufleute und natürlich für Politiker. Aber für freie Menschen ist es eine schlimme Welt. Eine Welt, die Menschen magnetisch in Facebook zieht und eine Welt in der Menschen all ihre Fragen an Google oder an ein Depriforum stellen.
Derweil sind die großen PRobleme der Menscheit heute genau wie früher ungelöst. Krieg, Hunger und Ungerechtigkeit beherrschen immer noch das Leben der meisten Menschen auf dem Planeten. Ipod und Ipad haben nichts daran ändern können, im Gegenteil, wir wissen dass auch diese modernen PRodukte billig in Asien gefertigt werden und dass Lohnsklaverei auf diese Hochpreis-Luxus-Produkte so furchtbar rentabel für den Hersteller machen. Apple hat einen Börsenwert von 425 Milliarden US-Dollar, wie kommt es dazu? Ich weiß es, ihr auch?
Nun waren es früher die Bonzen die sich um nicht anderes gekümmert haben als um Job und Image. Nun scheint es, als ob jeder Normalverbraucher auch nichts mehr anderes im Kopf hat. Die Menschen verzichten sogar auf Kinder, weil sie Karriere und Einkommen als wichtiger erachten, Frauen brüsten sich damit, dass sie aufs Muttersein verzichten, weil sie lieber 15 Stunden am Tag für einen Ausbeuter arbeiten. Prima! Man sieht, die Menschehit lernt dazu!
Mir scheint es, als ob heute die Frauen das Recht beanspruchen die gleichen fehler machen zu dürfen, die früher den Männern vorbehalten waren. Schuften bis zum Umfallen, nur die Arbeit im Kopf, keine Zeit für die Familie, keine Zeit für sich selbst, ohne Arbeit nichts wert-sein-Gefühl usw.
Arbeiten und Konsumieren, das ist es doch, was wir tun sollen, so sind wir nützlich. alles was wir tun hat mir Geld zu tun. Dieses Froum hier gibts nur weil es technisch betrieben wird und weil die Teilnehmer Computer und Internet haben und bezahlen. Wir zahlen, um kommunizieren zu können, anstatt umsonst mit dem Nachbarn zu reden. Wie intelligent ist das denn?
Grüße
Ste
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