Ihr könnt gerne Meinungen oder andere Gedanken zu meinen Beiträgen hier posten.
Kindheitserinnerungen:
"Ich sitze mit meiner sechs Jahre älteren Schwester im Badezimmer. Wir kauern uns neben der Toilette zusammen und verharren dort weinend. Von unten hören wir lautes Gebrüll und hören Mama weinen. Ich bin erst fünf oder sechs Jahre alt und kann vor Tränen kaum etwas erkennen. Meine Schwester und ich kennen solche Situationen, aber wir können uns damit nicht abfinden. In mir bilden sich Geschichten, meine Gedanken projizieren Bilder und Wörter, die ich nun gerne in die Tat umsetzen möchte. Ich möchte mich endlich trauen, herunterlaufen und dazwischen gehen. Sie so anschreien, wie sie sich gegenseitig anschreien und ihnen zeigen, dass das keine Lösung ist. Ich will ihnen beiden klar machen, dass sie damit aufhören müssen. Sie schaden nicht nur sich, sie versauen auch mir und meiner Schwester alles damit! Aber dann holt mich die Wirklichkeit wieder ein, als ein lauter Wutschrei in meinen Ohren ein klirrendes Geräusch hervorruft. Ich weine lauter und meine Schwester drückt mich gegen sich. Sie weint auch. Ich zucke in kurzem, aufflackerndem Eifer und will hinunter laufen um mich in das Gefecht der Worte zu werfen. Aber meine Angst bremst mich wieder unsanft ab. Ich kann nichts dagegen tun, ich bin doch noch so klein. Ich kann das nicht schaffen! Ich doch nicht, ich bin doch viel zu klein."
"Mama ist arbeiten und meine Schwester ist bei einer Freundin. Ich bin etwa zwölf Jahre alt und habe inzwischen gelernt, dass ich nicht immer weinen muss. Ich habe es zwar noch nicht geschafft, bei den strengen Worten meines Vaters nicht in Tränen auszubrechen, aber Gedanklich klappt es bereits jedes Mal. Mein Papa ist im Badezimmer und möchte gerade duschen, als irgendetwas passiert, was ihn wütend macht. Ich sehe ihn nicht, da die Tür mich von ihm trennt. Zwar ist sie offen, aber in diesem Winkel kann ich nur das Licht des Badezimmers sehen. Ich bin fest gefroren und atme so schnell und ungleichmäßig, dass das Schluchzen meiner Atmung beinahe einem Asthmaanfall ähnelt. Dabei habe ich nicht mal Asthma. Plötzlich wieder ein lauter Schrei und dann flieg ein Hausschuh gegen die Badezimmer-Lampe und erlischt damit das Licht dort für einen Moment. Eine Glühbirne hat noch überlebt und Papa flucht lauthals. Ich weine aus Angst. Er kommt heraus und will etwas in den Wäschekorb tun. Wie es das Schicksal, welches einen unbändigen Hass gegen mich zu hegen scheint, es wollte, bricht der Deckel ab und macht meinen Papa nur noch wütender.
Ich bin etwa vierzehn Jahre alt. Der Vater meiner Mutter ist für mich eine völlig fremde Person. Ich habe ich niemals kennen gelernt. Ich weiß nicht mehr, wo mein Papa in dieser Nacht war, aber er hatte irgendwo anders übernachtet. Welch ein Wunder, denn meine Eltern haben keine Freunde. Meine beste Freundin übernachtet bei mir und meine Mama schaut in ihrem Fernsehzimmer fern. Wie immer. Es war bereits später Abend, als meine Mutter unerwartet ins Zimmer kam. Ich weiß noch, dass es Sommer war, denn wir trugen nur kurze Hosen und T-Shirts, als wir plötzlich auf dem Weg zu einem Mann waren, der sich als der Erzeuger meiner Mutter vorstellte. Ein alter, stinkender Mann, der schon zu viel getrunken hatte, um sich meinen Namen zu merken. Er wohnte in einer nahe gelegenen Stadt und ich hatte ihn noch nie zuvor gesehen. Wir waren alle drei in einem Kleingarten und ich wusste noch immer nicht genau, was wir von diesem Mann wollten. Bisher hatten sich meine Eltern über diese Person nicht freundlich geäußert, wenn ich mal danach gefragt hatte. Das einzige, was ich von ihm wusste war, dass er Geld hatte. Geld, dass wir gut gebrauchen konnten. Wenn ich meine Mutter mit einem Tier vergleichen sollte, wäre sie eine Löwin, die alles für ihre Kinder, für ihre Familie tut. Auch wenn es sie selber zerstört. Irgendwann wurden meine beste Freundin, die genau wie ich völlig mit der Situation überfordert war, losgeschickt um etwas spazieren zu gehen. Wir waren in einem Kleingartenverein gewesen und mussten uns also nicht großartig um unbekannte Angreifer sorgen. Also gingen wir los. Ich wusste nicht, was gerade in der kleinen Hütte in dem heruntergekommenen Garten passierte, obwohl mir etwas sagte, dass dort etwas schlimmes geschah. Meine beste Freundin half mir jedoch, nicht an diese Dinge zu denken, nicht wieder die Verantwortung für meine Mutter übernehmen zu wollen. Ich weiß nicht wie lange wir weg waren, aber anscheinend nicht lange genug, um zu verschleiern, was hier gerade geschehen war. Es waren noch andere Besucher dort, die uns dann etwas Geld für ein Taxi haben. Meine Mutter sagte, wir sollen nach Hause fahren, sie würde schon klar kommen. Ich war überfordert. Also gehorchte ich und meine beste Freundin und ich nahmen uns ein Taxi nach hause. Neun Euro und ein paar Cent. Als wir wieder im Haus waren zuckte ich bei jedem Geräusch zusammen, dass ich hörte. Ich machte mir Sorgen. So große Sorgen, dass ich wieder zu weinen begann. Nach etwa einer Stunde konnte ich nicht mehr, mir war bereits übel und auch das Trösten meiner besten Freundin half nicht mehr viel. Wieder nahmen wir ein Taxi. Zurück zu der Kleingartenkolonie, in der meine Mutter sein sollte. Ich hatte mir den Weg dorthin gemerkt, auch wenn es sich um ein kleines Labyrinth handelte. Als wir ankamen, war meine Mutter ebenso betrunken, wie es ihr Erzeuger war. Ich fragte sie, ob sie mit nach Hause kommen würde und ihre Alkoholfahne brachte mich zum Husten. Ich nahm sie mit und erst, als wir im Taxi saßen, bemerkte ich den ekelhaften Geruch an ihr, den ich heute noch kenne. Ein Mix aus Alkohol, ungepflegten, alten Menschen und Urin. Ich musste nicht wirklich nachfragen, um zu wissen, was geschehen war. Warum sie mit ihm geschlafen hatte und ob sie es freiwillig getan hatte oder nicht, konnte ich nicht sagen. Fakt war, dass ich sie nicht mehr neben mir sitzen haben wollte.
Bis heute habe ich mich nicht wirklich daran zurück erinnert. Aber erst jetzt wird mir bewusst, wie krank dieser Abend doch wahr. Von den Konsequenzen ganz zu schweigen. Tja, und das war erst der Anfang ... es ist ja nicht so, als hätte ich nicht noch mehr solcher Storys auf lager ... Zwar ist diese noch immer eine Ausnahme, zum Glück muss ich sagen, aber sie ist nicht die einizige krasse Geschichte ...


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