Ich bin keineswegs in einer Familie von Nazis aufgewachsen, aber wenn ich einen Euro für jedes "Diese Araberbräute sind doch sowas von hässlich" oder "Blond ist das einzig wahre" bekommen würde, könnte ich mir längst eine eigene Wohnung leisten.
Die mit Abstand schönste Perle ist immer noch: "Wenn du dich mit so einer Negerin einlässt, ist das deiner ganzen Familie gegenüber ein Schlag ins Gesicht! All die Generationen, all die Geschichte... Auch alles, was wir aufgebaut haben... Alles zunichte gemacht..."
Meine Schwester hat gerade einen (halb)asiatischen Freund, und hinter seinem Rücken heisst es immer nur "hoffentlich machen die bald Schluss", "Mieses Schlitzauge, hoffentlich kommt das Mädchen bald zur Vernunft" und was nicht alles.
Und als meine jüdische Freundin mit mir Schluss gemacht hatte: "Konnte ja nicht funktionieren. Umso besser. Blöde Hakennasen..."
Das alles wäre jetzt natürlich kein Problem, wenn ich total auf Arierinnen stehen würde. Tue ich aber nicht. Ganz im Gegenteil (Da ich zwischen lauter blonden, helläugigen Menschen aufgewachsen bin, käme mir das sowieso total wie Inzest vor).
Es ist einfach belastend, wenn ich denke, dass die Anzahl der Menschen, in die ich mich verlieben darf, total eingeschränkt ist, und dass eine schwarze oder asiatische Freundin von meiner Familie total gehasst werden würde.
Auch das wäre alles kein Problem, wenn ich meiner Familie einfach den Rücken kehren würde.
Dazu ein Wort: Nein.
In meinem Selbstverständnis sehe ich meine Familie immer noch als eine Einheit, wir gehören zusammen. Wir sind eine Struktur, die sich bis weit in die Vergangenheit erstreckt, eine Insel festes Land in einer Weltgegend, die ihree spirituellen und emotionalen Wurzeln längst aufgegeben hat. Wenn ich andere "Familien" sehe bin ich unendlich dankbar dafür, dass ich in dieser aufwachsen durfte.
Ich wäre so froh, wenn ich meinen Eltern Enkelkinder schenken könnte. Ich weiss, dass sie ganz wundervolle Grosseltern abgeben würden, so wie mir meine Grosseltern einige der schönsten Stunden meiner Kindheit beschert haben.
Ich möchte keinen Bruch mit meiner Familie. Deswegen ist der Gedanke, dass sie schwarze Enkelkinder "ablehnen" würden, auch so grässlich.
Natürlich könnte ich sie eines Tages auch einfach vor vollendete Tatsachen stellen und es dann ihnen überlassen, wie sie reagieren. Wenn sie mir dann vorwerfen wollen, ich hätte mit der Familie gebrochen, dann sind in Wirklichkeit sie es, die mit der Familie brechen (ist das nicht herrlich passiv-aggressiv?)...
Wäre aber echt dankbar, dazu ein paar Überlegungen zu hören


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? Wenn man die Familie nur als eine Brutstätte betrachtet, die neue Individuen ausspuckt und sich dann wieder auflöst, sobald die "Produktion" soweit fertig ist, wozu hat man das Wort "Familie" überhaupt? Komische Verwandten, die einem zu Weihnachten auf die Nerven gehen?
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