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Thema: Partnersuche wenn Familie rassistisch

  1. #1
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    Standard Partnersuche wenn Familie rassistisch

    Ich bin keineswegs in einer Familie von Nazis aufgewachsen, aber wenn ich einen Euro für jedes "Diese Araberbräute sind doch sowas von hässlich" oder "Blond ist das einzig wahre" bekommen würde, könnte ich mir längst eine eigene Wohnung leisten.
    Die mit Abstand schönste Perle ist immer noch: "Wenn du dich mit so einer Negerin einlässt, ist das deiner ganzen Familie gegenüber ein Schlag ins Gesicht! All die Generationen, all die Geschichte... Auch alles, was wir aufgebaut haben... Alles zunichte gemacht..."
    Meine Schwester hat gerade einen (halb)asiatischen Freund, und hinter seinem Rücken heisst es immer nur "hoffentlich machen die bald Schluss", "Mieses Schlitzauge, hoffentlich kommt das Mädchen bald zur Vernunft" und was nicht alles.
    Und als meine jüdische Freundin mit mir Schluss gemacht hatte: "Konnte ja nicht funktionieren. Umso besser. Blöde Hakennasen..."

    Das alles wäre jetzt natürlich kein Problem, wenn ich total auf Arierinnen stehen würde. Tue ich aber nicht. Ganz im Gegenteil (Da ich zwischen lauter blonden, helläugigen Menschen aufgewachsen bin, käme mir das sowieso total wie Inzest vor).
    Es ist einfach belastend, wenn ich denke, dass die Anzahl der Menschen, in die ich mich verlieben darf, total eingeschränkt ist, und dass eine schwarze oder asiatische Freundin von meiner Familie total gehasst werden würde.

    Auch das wäre alles kein Problem, wenn ich meiner Familie einfach den Rücken kehren würde.
    Dazu ein Wort: Nein.
    In meinem Selbstverständnis sehe ich meine Familie immer noch als eine Einheit, wir gehören zusammen. Wir sind eine Struktur, die sich bis weit in die Vergangenheit erstreckt, eine Insel festes Land in einer Weltgegend, die ihree spirituellen und emotionalen Wurzeln längst aufgegeben hat. Wenn ich andere "Familien" sehe bin ich unendlich dankbar dafür, dass ich in dieser aufwachsen durfte.
    Ich wäre so froh, wenn ich meinen Eltern Enkelkinder schenken könnte. Ich weiss, dass sie ganz wundervolle Grosseltern abgeben würden, so wie mir meine Grosseltern einige der schönsten Stunden meiner Kindheit beschert haben.
    Ich möchte keinen Bruch mit meiner Familie. Deswegen ist der Gedanke, dass sie schwarze Enkelkinder "ablehnen" würden, auch so grässlich.

    Natürlich könnte ich sie eines Tages auch einfach vor vollendete Tatsachen stellen und es dann ihnen überlassen, wie sie reagieren. Wenn sie mir dann vorwerfen wollen, ich hätte mit der Familie gebrochen, dann sind in Wirklichkeit sie es, die mit der Familie brechen (ist das nicht herrlich passiv-aggressiv?)...

    Wäre aber echt dankbar, dazu ein paar Überlegungen zu hören
    Geändert von Verdun (02.01.2010 um 12:56 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Verdun,

    Meine Antwort fällt vielleicht etwas kurz aus, aber mir kam bei deinem Text nur eine einzige Frage in den Sinn:

    Wie wurdest du erzogen, dass du heute den Glauben hast, dass die Familie eine Einheit zu sein hat?

    Versteh mich recht, es geht mir keineswegs darum, dich damit anzugreifen und zu behaupten, das sei Schwachsinn. Doch kein Mensch steht morgens auf, und glaubt plötzlich an so etwas, also muss es dir über die Jahre hinweg eingeimpft, bzw. eingebläut worden sein.

    Leider gilt hier nur, dich für eines zu entscheiden, und die Konsequenzen dafür zu tragen. Man kann im Leben nun einmal leider nicht alles haben.


    Nachdenkliche Grüsse


    Shade
    Ich bin nur verantwortlich für das, was ich sage, nicht dafür, was du verstehst

  3. #3
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    Hi Shade! Vielen Dank für deine schnelle Antwort

    Wie wurdest du erzogen, dass du heute den Glauben hast, dass die Familie eine Einheit zu sein hat?
    Da habe ich fast Lust zu fragen, wie kommt man darauf, dass eine Familie nicht zusammengehört ? Wenn man die Familie nur als eine Brutstätte betrachtet, die neue Individuen ausspuckt und sich dann wieder auflöst, sobald die "Produktion" soweit fertig ist, wozu hat man das Wort "Familie" überhaupt? Komische Verwandten, die einem zu Weihnachten auf die Nerven gehen?
    Es ist ja nicht so, als ob wir alle im Gleichschritt marschieren würden. Allerdings ist es so, dass für uns alles grössere, dauerhafte ein "Familienprojekt" ist, das uns alle betrifft. Beispielsweise der Hof, der meiner Familie in der DDR abgenommen wurde und den meine Eltern nach der Wende zurückbekommen und wieder aufgebaut haben.
    Wie ich aufgewachsen bin dürfte wesentlich dazu beigetragen haben, wie ich die "Familie" heute sehe. Wir haben alle Feste zusammen gefeiert, meine Eltern (und aufgrund der geographischen Entfernung etwas seltener meine Grosseltern) waren immer für mich und meine Geschwister da. Familiengeschichten waren immer fester Bestandteil unserer Folklore (was hat mein Urgrossvater gemacht, wie hat meine Oma reagiert, als Vater in die Bundeswehr eingezogen wurde, etc.). So habe ich mich immer als "Neues Reis vom alten Stamm" gesehen .

    Nein, ich glaube nicht, das die Familie eine "politische" oder auch nur "wirtschaftliche" (obwohl das natürlich sehr günstig ist) Einheit sein müsste... Eine emotionale Einheit dagegen schon (und wenn es auch noch soviel Streit gibt), etwas, das einem ein bisschen Halt gibt.
    Denn was bleibt ansonsten? Rasch wechselnde Partner, Konsumrausch, Einsamkeit?

    Natürlich soll jeder sein eigenes Leben leben. Aber heisst das auch, dass man alle Brücken hinter sich abbrechen muss? Obwohl man genau weiss, wie gut es ist, diese Brücken zu haben?

  4. #4
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    Hallo Verdun

    Ich denke, es gibt etliche Menschen hier, die dir erklären werden, dass es noch lange nicht immer Friede Freude Eierkuchen in Familien ist. Da gibt es Kinder, die von ihren Eltern misshandelt, vom Onkel vielleicht missbraucht wurden. Da gibt es solche, die als Puffer zwischen sich streitenden Eltern standen. Wenn du überzeugt bist, dass du eine gute Kindheit hattest, ist die Sache eigentlich brutal einfach:

    Der Preis, den du für die 'tolle' Familie zu bezahlen hast ist, dass du dich mit dessen Rassismus auseinander setzen musst.

    Natürlich ist das nur meine ureigene Meinung, aber ich empfinde deine Worte so, als möchtest du dich schützend vor deine Familie stellen, obwohl sie dir - gelinde gesagt - in den Rücken schiesst.

    Hast du diese netten Familienangehörige denn schon selbst darauf angesprochen, warum sie sich Rassismus zum Hobby gemacht haben?

    Je mehr ich mir deine Haltung und deine Situation ansehe, umso mehr habe ich Lust zu 'behaupten' dir passiert all dies, damit du deine Augen öffnest.

    Wenn du allerdings so extrem zu deiner Familie stehst, weil du glaubst, das MÜSSE so sein, musst du mit den Konsequenzen leben.


    Zweifelnde Grüsse


    Shade
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  5. #5
    Neuling
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    Realtiv harte Worte, Shade, aber das beweist, dass man dir nichts vormachen kann nochmals danke für deine Hilfe

    Sehr gnädig scheinst du Familien gegenüber nicht eingestellt zu sein, andererseits, Konfrontationen oder Brüche sind wohl wirklich nicht zu vermeiden (nur habe ich damit überhaupt keine Erfahrung). Meine einzige Hoffnung ist wohl, dass ich es irgendwie schaffe, meine Familie dazu zu zwingen, mich und mein Leben so zu nehmen, wie wir sind (was das "Hobby Rassismus" angeht: Meine Eltern sind schon alt. Meine Chancen, sie zu ändern, halte ich für sehr gering). Ach *******, das gibt Stress ohne Ende
    Oder aber dumpfe Trauer über das "verlorene Paradies" und die zarte Hoffnung, dass ich es wieder aufbauen kann, nur eben ohne schleichenden Rassismus :P
    aber was sein muss muss sein

    Danke, dass du dir Zeit dafür genommen hast,
    und wenn du in meinen vorherigen Antworten lockere Gruß- und Höflichkeitsformeln vermisst hast, nimm es bitte nicht persönlich, denn zu sowas bin ich nicht wirklich in der Lage, akzeptiere dies als eine Art Gutschein

    (PS. wenn ich von dir noch eine Antwort kriege, frage ich mich, welches Adjektiv die nächsten Grüße kriegen )

  6. #6
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    Hallo Verdun,

    Lach, mit gnädig hat das nichts zu tun, du brauchst gar nicht zu versuchen, etwas aus meinen Worten herauszulesen, das nicht drin ist. Hätte hier jemand geschrieben, dass Familien immer Sch*** sind, hätte ich ihm die andere Sicht vor Augen gehalten. Ich sehe Fakten, mehr nicht!

    Andere Menschen zu zwingen wird dich allerdings nicht weiterbringen. Den einzigen den du ändern kannst, das bist immer nur du selbst. Aber gerade da habe ich bei deinen Worten den Eindruck, dass du nicht ansetzen möchtest ;-)

    Inwiefern das also Stress gibt oder nicht, liegt vollkommen an dir.

    Du denkst anders als deine Eltern? Du hast vollkommen recht.
    Wenn sie nicht damit klarkommen, dann stellt sich die Frage, wessen Problem das sein wird.

    Eine Antwort allerdings fehlt mir hier noch: Hast du das Thema denn schon mit deiner Familie angesprochen?

    Gruss


    Shade

    P.S.: Wenn du dir Gedanken um meine Adjektive machen kannst, scheint dein Problem ja nicht besonders ernst zu sein ;-)
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