Hallo!
Ok, ich habe hier einiges mitgelesen und will mich dann doch mal trauen, mein Problem zu beschreiben. Wer weiß, vielleicht interessiert es ja jemanden oder vllt hat einer sogar nützliche Tipps.
Ich habe eigendlich viele Probleme und Selbstzweifel. Ich weiß gerad sogar gar nicht, wo ich anfangen soll!
1) Verlustangst in Kombination mit dem verminderten Selbstwertgefühl. Ich schreibe hier nämlich erstmal weil ich noch gar keinen kenne. Sobald ich Menschen kenne und ein bisschen mag, hab ich direkt Angst, sie zu verlieren. Ich will es Ihnen Recht machen und nur angenehme Dinge sagen und ihrer Meinung sein. So bin ich beim Kennenlernen manchmal wirklich offen, erzähle alles von mir, weil ich weiß, sobald ich die Person näher kenne, wird da nichts mehr rauskommen, weil diese Angst vor Ablehnung und Verlust wieder da ist!
2) Gerade habe ich ca. meine 5. depressive Phase/ Burn out und schäme mich unendlich dafür! Niemand soll es mitkriegen, bloß nicht! Andererseits würde ich mich gerne anvertrauen aber die Scham und die Angst vor Verurteilung, Missbilligung, Verachtung sind so riesig groß. Ich denke mir, ich werde den Leute gewiss unheimlich, mit Depressiven ist doch niemand gerne zusammen, ich bin nicht so leistungsfähig wie sonst und ein Schaden für die Gesellschaft, das ist etwas absolut inakzeptables und ein Depressiver ist schwach und darf keine Freunde haben. „So lange es dir gut geht, wirst du viele Feunde haben“ hat ein Weiser mal gesagt. Und da dachte ich, es muss mir immer gut gehen, sonst habe ich keine Freunde. Ich weiß, dass das falsch verstanden ist, aber ich kriege es nicht raus!
3) Vor Kurzem hat mein Freund sich von mir getrennt (wir waren ca. 5 Jahre zusammen) und ich glaube jetzt, obwohl ich weiß, dass es Quatsch ist, dass ich es nicht wert bin, einen Freund zu haben, weil ich labil bin und deshalb indiskutabel als Partnerin. Ich ziehe den Partner dann mit runter und raube ihm die Lebenskraft, ich sollte am besten nicht auf der Welt sein! Wenn ich in der Vergangenheit diese Phasen hatte habe ich mich vor ihm immer zusammengerissen und bin wenn es mir richtig schlecht ging, zu meinen Eltern gefahren und habe mich dort in einem Gästezimmer verkrochen (nicht, dass ich mit ihnen reden könnte- sie sind gegen Depressive und auch gegen Psychotherapien, machen sich über „solche Leute“ lustig und meinen die spinnen, sind dekadente Heulsusen und Sensibelchen, die mit dem Leben nicht alleine klarkommen, Versager eben), aber immerhin ist es denen egal, welche Laune ich habe bzw. meken sie es nicht und lassen mich in Ruhe.
Ich habe auch schon öfter drüber nachgedacht, eine Therapie zu machen, aber schon alleine in ein Gebäude zu gehen, wo Psychiater drauf steht… wenn das jemand sieht, oh nein! Davon abgesehen habe ich gar keine Zeit! Entweder muss ich lernen oder arbeiten oder bin total fertig und kann nichts mehr! Hinzukommt, dass ich mich mündlich überhaupt nicht artikulieren kann. Ich war sogar schon 1-2 mal bei einem Psychologen, aber ich hab keines meiner Probleme benennen können, weil ich direkt auf „zusamenreißen“ geschaltet habe, nicht ernst genommen wurde(„wird schon“ und irgendein Antidepressivum aufgeschrieben) oder gleich in Tränen ausgebrochen bin und wieder nichts sagen konnte.
Ich habe auch einen anderen Mann kennengelernt, zu dem ich gerne mehr Kontakt hätte, aber mich wegen meiner momentanen Lage total schäme! Er kennt mich nur in meinem fröhlichen Zustand- so wie ich jetzt bin- total verändert, würde er mich bestimmt nicht mehr mögen. Und wenn er dann noch erfahren würde dass ich eine depressive Phase habe und mich in Behandlung begeben will- oh Gott, dann ist bestimmt alles aus. Geanuso denke ich bei meinen Freunden (außer einer Freundin- die weiß Bescheid und ist ein Schatz. Leider wohnt sie in einem anderen Land.)
Dabei bin ich hübsch und intelligent und kann sehr lieb sein, aber das weiß ich nur theoretisch, ich fühle es nicht so! Und davon hängt es ja wohl auch nicht ab, denn auch ein hässlicher dummer Mensch ist doch wohl einer und sollte das Recht haben, sich freuen zu können und genau so viel Wert sein wie andere. Ich kenne eine Menge Menschen, die hässlicher sind als ich und sich pudelwohl in ihrer Haut fühlen. Genauso bei geistig weniger begnadeten- sie sind selbstbewusst und trauen sich Dinge zu und fühlen sich fähig, obwohl sie nicht so klug sind.
Ich habe oft das Gefühl nur zu stören und keine Existenzberechtigung zu haben. Es sei denn, ich habe Erfolg (gerade eine gute Klausur geschrieben- wobei ich mir da die Bestätigung dann auch oft gleich wieder ausrede, weil ich denke, dass ich davon jetzt nicht mein Selbstwertgefühl abhängig machen darf…es ist echt ein Desaster) oder bin gut drauf und kann anderen gute Laune machen oder etwas interessantes geistreiches erzählen, dann halte ich mich auch für was wert (in dem Moment).
Vielen Dank für’s Lesen, liebe Grüße an alle und ein frohes neues Jahr!
Nachtrag
4) Das ist jetzt ein ganz anderes Thema, aber: Ich würde gerne fester an Gott glauben. Es gab mal Zeiten, in denen ich überzeugt war, da habe ich auch gebetet. Aber dann denke ich wieder was für eine Spinnerei- ein metaphysisches Wesen, zu dem ich sprechen kann? Das ist ja wie die Leute, die mit Geistern reden oder angeblich mit Toten kommunizieren können- was für ein Qutasch. Das ist verrückt. Dabei hab ich, als ich Predigten gehört habe oder Beethovens Neute oder bei einigen Stücken von Bach oder wenn ich jemanden geliebt habe wirklich ein sicheres Gefühl- das kann nur mit Gott zu tun haben.


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