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Thema: Persönliche Geschichte / Selbsttherapieversuch mit 5-HTP

  1. #1
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    Lächeln Persönliche Geschichte / Selbsttherapieversuch mit 5-HTP

    Hallo allerseits,

    ich muss mir Dinge von der Seele schreiben. Dinge die mir zum Teil erst in den letzen Tagen bewusst geworden sind. Und die ich mit keiner anderen Person teilen kann.

    Leider ist das Ganze naturgemäßig ich-bezogen und selbst-obszessiv. Mir ging es vor allem darum meine Geschichte niederzuschreiben und mich so mit ihr außeinanderzusetzten. Aber jetzt möche ich sie auch anderen mitteilen. Und, wer weiß, vielleicht bringen ja meiner Erlebnisse einen Anderen auf den richtigen Weg. Das ganze hat begonnen als eine chaotische Sammlung von Ideen und Gedankenfetzen. Ich habe versucht es in eine einigermaßen kohärente Form zu bringen.

    Dieser Text besteht aus zwei Teilen. Im ersten habe ich meine Leidens-/Lebensgeschichte der letzten 15 Jahre zusammengefasst. Ich habe versucht alles möglichst objektiv, ohne emotionale Deutungen versehen, zu formulieren. Der Zweite Teil enthält dann meine emotionalen Erfahrungen der letzten Tage, in denen ich eine Selbsttherapie mit 5-HTP unternommen habe.

    Vielleicht kann ja meine Erfahrung der ein oder anderen Person, die ein ähnlich gelagertes Problem wie ich hat, helfen.

  2. #2
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    Mein Leidensweg begann vermutlich vor etwa 15 Jahren, mitten in der Pubertät. Irgendwie habe ich mich nie so recht selbst gefunden. Im Nachhinein muss ich feststellen, dass ich nie eine Vorstellung davon hatte, wie meine Zukunft aussehen sollte. Ich hatte keinerlei Ambitionen und nie den Versuch unternommen mein Potential zu ergründen oder dieses zu maximieren.

    In den Anfängen meiner Schulzeit war ich ein guter Schüler gewesen. Aber etwa ab der 7. Klasse begann eine kontinuierliche Entwicklung nach Unten einzusetzen. Ich bemerkte, dass ich problemlos mit weniger Zeitaufwand für die Schule zurecht kam. Mir fiel es leicht mit nur sehr kurzfristiger Vorbereitung (sprich am Morgen der Klausuren) recht passabel abzuschneiden. Schließlich galt man als Streber ja nun nicht unbedingt als cool.
    Meine Beteiligung am Unterricht sank gleichsam praktisch auf null. Irgendwie hatte ich mir ein Rational zusammengebaut, nach welchem ich mich weder bei schwierigen Fragen (Gefahr als "Streber" oder "Klug*******r" gestämpelt zu werden), noch bei einfachen Fragen (damit würde ich wiederum implizieren, dass ich die Antworten auf andere schwierigere Fragen nicht wüsste) melden konnte. Dieser Prozess ging bis zum Abitur. Ich war nie versetzunggefährdet, also schien meine Stretegie aufzugehen. Gleichzeitig gewöhnte ich mir einen sehr ungesunden Lebenswandel an. Ich blieb immer häufiger die gesamte Nacht wach oder schlief nur wenige Minuten. Das ganze nahm zum Teil kroteske Formen an. So blieb ich z.B. die ganze Nacht vor einer schriftlichen Abiturprüfung wach. Aber nicht etwa um zu lernen; ich ging in die Klausur ohne jegliche Vorbereitung. Meine Abiturnoten sind entsprechend...

    Ich war nie ein wirklicher Außenseiter. Aber ich hatte mich auch nie einer der sozialen Untergruppen meiner Mitschüler angeschlossen. Ich hatte eigentlich stets immer nur Kontakt mit einer kleinen Anzahl an Personen, die selbst unterschiedlichen Gruppen angehörten. Ich hatte also keine wirkliche Gruppenidentität, war aber gleichzeitig nicht so sehr isoliert, dass ich mich an Menschen außerhalb der schulischen Gemeinschaft hätte orientieren wollen. In der Folge habe ich kaum soziale Kompetenzen entwickeln können und auch nur an wenigen sozialen Events teilgehabt. Die Personen, die ich als meine Freunde bezeichnen würde, waren stets Personen die von sich aus auf mich zugekommen sind. Ich habe in dieser Phase wohl nie irgendeine Art von sozialer Beziehung initiiert. Und meine bestehenden freundschaftlichen Beziehung waren fast ausschließlich auf den schulischen Alltag limitiert. Ich hatte also wenig Kontakt zu Altersgenossen außerhalb des schulischen Kontexts und selbst in diesem nur zu einer kleinen Gruppe von Personen und im Übrigen zu keiner des weiblichen Geschlechts zugehörigen.

    Als ich dann mit dem Abitur fertig war und es daran ging den Lebensabschnitt Schule abzuschließen, war ich dazu nur sehr schwer in der Lage. Es war eine zu krasse Zäsur (die darüber hinaus zeitlich koinzidierte mit einer weltgeschichtlichen Zäsur, den Terroranschlägen vom 11. September). Ohne die Schule, so wenig ich auch integriert gewesen sein mochte, hatte ich keinerlei soziales Netz. In dieser Zeit war außerdem die Diagnose einer degenerativen neurologischen Erkrankung meiner Mutter gestellt worden. Diese hatte sich schon einige Jahre zuvor bemerkbar gemacht und die Symptome hatten sich immer stärker manifestiert. Nachdem plötzlich mein schulisches Umfeld verschwuden war, stand ich vollkommen alleine da. Es gab nun keinerlei Altersgenossen mehr, an denen ich mich hätte orientieren können. Und meine Familie war durch die Erkrankung meiner Mutter kaum in der Lage sich meinen seelischen Problemen zuzuwenden.

    Als ich dann mein Studium begann, wurde es mir nur allzu leicht gemacht bei meinen Eltern zu bleiben. Ich begann mein Studium unter denkbar ungünstigen Umständen. In den folgenden 2 Jahren fand ich keinerlei sozialen oder anderweitig gearteten Anschluss. Da ich meine alten Gewohnheiten beibehielt, also wenig Vorbereitung und ebensowenig Schlaf, hatte ich Probleme den Stoff zu bewältigen. Meine Selbstzweifel wurden bestätigt. Der Abbruch meines Studiums war damit nur eine Frage der Zeit. Zumal ich ja auch keinerlei Ambitionen hatte. Ich hatte studiert, weil man es von mir erwartet hatte. Zu dieser Zeit muss sich auch meine Angst unter Menschen zu gehen vollständig ausgeprägt haben. In der Folge wollte ich immer schnellstmöglich aus der Uni zurück in die sichere Basis meines Elternhauses. Und einmal dort, wollte ich so wenig wie möglich an die Welt draußen erinnert werden. Ich verließ die Uni nach 4 Semestern.

    Die Erkrankung meiner Mutter war indes stetig voran geschritten. Sie verlor zusehends die Fertigkeit zu sprechen. Sie hatte immer stärker werdende Gleichgewichtsprobleme. Sie stand häufig des Nachts auf, stürzte und schlug mit dem Kopf auf den Fließen auf, sodass ich bald Nachts wach lag, auf jedes Geräuch achtend, jederzeit bereit aufzuspringen um meiner Mutter zu helfen. Noch heute verknüpfe ich das Geräuch eines schweren Gegenstands der auf den Boden fällt, mit dem so häufig gesehenen Bild meiner in einer Lache von Blut liegenden Mutter.
    Natürlich war meine Mutter in der Folge des effektiven Verlustes ihrer Selbständigkeit äußerst depressiv. Kommunikation war zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon nur noch auf schriftlichem Wege möglich und auch diese Option würde bald nicht mehr gegeben sein. Meine Mutter war somit nicht mehr in der Lage mir irgendwie Beistand zu leisten. War sie doch selbst noch viel mehr auf diesen angewießen. Ich vermute leider, dass sie auch meine Entscheidung mein Studium abzubrechen stark getroffen hat.
    Die nächsten Jahre erlebte ich in ziemlicher Isolation. Der körperliche Verfall meine Mutter sollte ab dem Abbruch meines Studiums noch 4 Jahre weiter gehen. Sie verlor nach und nach alle Möglichkeiten der Kommunikation. Sie blieb allerdings geistig völlig klar. Gegen Ende war sie dann ein kompletter Pflegefall. In dieser Phase entwickelte ich mich zu einem ausgesprochenen Messi. Ich war nicht mehr in der Lage Ordnung zu halten. Ich vernachlässigte alle meine persönlichen Angelegenheiten. Ich verließ das Haus nur äußerst selten.

    Vor etwas mehr als 4 Jahren begann ich dann meine derzeitige Arbeit. Nur etwa 1 oder 2 Monate nachdem ich diese Arbeit angetreten hatte verstarb meine Mutter. Obwohl es natürlich hätte absehbar sein müssen, dass sie nicht viel länger würde leben können, traf mich ihr Tod ungemein. Ich unterdrückte meine Emotionen in der Folge und hängte mich dafür umso mehr in meine Arbeit. Ich verdrängte meine Trauer. Doch als Resultat wurde ich emotional äußerst instabil. Etwa 1,5 Jahre nach ihrem Tod hatte ich dann ein Phase in der ich meiner Trauer Ausdruck verleihen konnte und gewann wieder emotionale Stabilität, sodass ich nicht bei jedem Gedanken an meine Mutter spontan den Tränen nahe war. Heute habe ich allerdings eine gewisse emotionale Barriere aufgebaut. Vermutlich weil meine eigenen seelischen Probleme zunehmend in der Vordergrund gerückt sind.

    So, das waren die letzten 15 Jahre meines Lebens im Schnelldurchlauf, hoffentlich nicht zu selbstbemitleidend.

  3. #3
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    Letzte woche begann ich ein neues Kapitel. Mir war schon vor vielen Jahren klar geworden, dass etwas psychisch nicht mit mir stimmte. Allerdings war mir nicht klar gewesen was. Zeitweilig hatte ich eine AD Erkrankung in Verdacht. Zeitweilig auch eine Bi-Polare Störung (da ich immer wieder Phasen hatte - mit der Zeit immer seltener und immer kürzer - in denen ich ausgesprochen produktiv und kreativ sein konnte). Heute vermute ich, dass ich graduell immer tiefer in eine neurotische Depression gerutscht bin. Zusammen mit einer ausgeprägten sozialen Phobie. Ich vermute, dass dieser Prozess bereits vor 15 Jahren eingesetzt hat.

    Die Idee, dass eine Depression zumindest als Co-Morbidität vorliegen könnte, kam mir erstaunlicherweiße erst vor etwa 2,5 Jahren, als mir auffiel, dass ich nach schlaflosen Nächten deutlich besser gelaunt zu sein schien. Ich erfuhr schnell, dass Schlafentzug tatsächlich gegen Depression als Therapieform eingesetzt wurde. Den Gang zum Arzt habe ich dann jedoch nie gemacht.

    Vor etwa einer Woche habe ich dann eine Selbsttherapie mit 5-HTP begonnen, nachdem ich bereits in den Wochen davor angefangen hatte zumindest mein äußeres Erscheinungsbild etwas auf Vordermann zu bringen. Der Effekt war bemerkenswert. Ich fühlte mich das erste mal in meinem Leben wirklich glücklich. Einfach nur glücklich. Selbstzufrieden, Zuversichtlich. Alle meinen Sorgen und Probleme schienen auf einmal lösbar. Von beinahe einem Moment zum anderen fühlte ich mich attraktiv, nachdem ich mich vorher selbst als abstoßend wahrgenommen hatte. Ich konnte Lächeln, etwas, was ich so weit ich mich zurück erinnern kann, noch nie konnte. Kein aufgesetztes Lächeln, sondern eines aus vollem Herzen. Ich konnte mit anderen Menschen reden und ich merkte wie sie spürten, dass ich auf sie eingehen konnte und wollte. Das ich nicht mit mir selbst beschäftigt war. Ich war auf einmal witzig, charmant, anziehend. Ich hatte keinerlei Angst mehr mit anderen zu kommunizieren - auch nicht mit Frauen. Im Gegenteil sehnte ich mich danach. Es war wie ein Wunder, wie eine 180-Grad-Kehrtwende.
    Es ist schon verrückt wie stark die Selbstwarnehmung von unserem Seelenzustand abhängig ist. Noch vor 2 Wochen hätte ich mich selbst als adipös, zumindest als übergewichtig bezeichnet. Heute kann ich darüber nur voller Unverständnis den Kopf schütteln. Alles im grünen Bereich. Die paar Kilo die ich zuviel auf den Rippen habe, werden, angesichts der Tatsache das ich keinerlei Appetit mehr verspüre, innerhalb weniger Wochen verschwunden sein. Wenn man bedenkt, dass ich zuvor nie in der Lage gewesen war eine Diät für länger als 3 Tage einzuhalten und ständig von unzügelbaren Essattacken heimgesucht wurde, eine äußerst willkommene Änderung. Außerdem ernähre ich mich wieder komplett vegetarisch, etwas was ich aus ethisch Gründen schon lange wieder hatte tun wollen, für das mir aber bisher die Selbstkontrolle gefehlt hatte.

    Leider gab es auch einige negative Aspekte. Der Zustand war leider nicht von Dauer. Am dritten Tag erlebte ich einen Rückfall, den ich als extrem belastend empfand. Durch den schnellen Stimmungsumschwung wurde mir erst bewußt wie erbärmlich, wie unlebenswert der Gemütszustand wirklich war, den ich bisher als die Norm akzeptiert hatte. Das Lachen und Scherzen anderer klang plötzlich wie Hohn. Und ich wusste, ich würde nicht mehr in diesem Zustand leben wollen. Glücklicherweiße war dieser Rückfall nicht permanent, aber er hat doch Zweifel gesät. Wie sehr kann ich meiner neu gefundenen Selbstsicherheit wirklich vertrauen?
    Auch heute hatte ich wieder eine solche Phase. Ich bemerkte, dass ich emotional instabil wurde. Es drängten sich Zweifel in meine Gedanken. Ich versuche zwar mit optimistischen, zukunftsgerichteten Gedanken gegenzuwirken, aber zuweilen merke ich doch, dass mein neues Selbstbild zu bröckeln beginnt. Und ich wähne es nur eine Selbsttäuschung. Eine bloße Fasade, die früher oder später fallen und mein wahres, erbarmungswürdiges Selbst offenbaren muss. Aber genug der negativen Gedanken.

    Ich habe immer das Bild eines schüchternen, in sich gekehrten, introvertierten Grüblers abgegeben. Es war die Rolle die von mir erwartet zu werden schien und mir fehlte das Selbsvertrauen mit diese Erwartung zu brechen. Aber immer wenn ich Alkohol konsumiert hatte und die Hemmschwelle sank, änderte sich das schlagartig. Ich wurde extrem kommunikativ, konnte oft meinen Redefluss kaum kontrollieren und fand es unerträglich auch nur 1 min alleine zu bleiben. Ich habe allerdings Alkohol immer nur bei den spärlichen sozialen Ereignissen meines Lebens konsumiert. Nie alleine, oder als eine Form der Selbsttherapie. Wäre ohnehin kein geeignetes Mittel gewesen, wenn man an die Nebenwirkungen von Alkoholkonsum denkt.
    Jedenfalls erkenne ich jetzt, dass diese Person, die sich unter Alkoholeinfluss zeigte, das sie mein wahres Ich ist! Unterdrückt für ihre gesamte Existenz. Ich bin keine zurückhaltende, schäue, introvertierte Person. Ich bin im Gegenteil sehr kommunikativ, eher extrovertiert und kreativ. Und ich will diese Person sein! Ich mag diese Person. Und sie verdient es gemocht zu werden. Warum musste ich so lange in dieser Zwangsjacke stecken? War es diese extreme Diskrepanz zwischen dem was ich nach außen darstellte und dem was ich wirklich bin, die mich so sehr belastet?

    Das ich gleichsam ein emotionaler, sensibler und empathischer Mensch bin, ist wohl einer der Gründe für die Entwicklung die ich genommen habe. Denn zwischen diesen beiden Aspekten meiner Persönlichkeit gibt es Reibungspunkte. Als ein kommunikativer, extrovertierter Mensch ist man entscheidungsfreudig. Man denkt nicht zu lange nach was die Konsequenzen einer Handlung sein, wie es das Gegenüber beeinflussen könnte. Man denkt nicht darüber nach, ob das Gegenüber mit einem sprechen will. Es wird einfach getan. No harm, no foul.
    Als eine rücksichtsvolle, empathische Person hingegen, will ich mein Gegenüber nicht in ihrer privaten Sphäre stören. Ich war somit stets ein ausgesprochener Fremdschämer. Peinliche Erlebnisse anderer Personen, selbst wenn diese viel gefestigtere Persönlichkeiten hatten als ich selbst, erlebte ich wie meine eigenen. Und somit wollte ich um jeden Preis vermeiden Anderen Peinlichkeiten zu bereiten. Wenn also dieser Aspekt meiner Persönlichkeit dominiert, so ist der andere gezwungen in den Hintergrund zu treten.

    Einer der nächsten Schritte muss es sein neue Bekanntschaften zu schließen. Ich hatte nun 10 Jahre lang keinen Menschen in meinem Leben, den ich als einen Freund hätte bezeichnen können. Keine Person der ich mich hätte anvertrauen können. Und nein, noch nicht einmal in der Paralellwelt des Internets war ich in der Lage, irgend einen wie auch immer gearteten sozialen Kontakt zu einer anderen Person zu knüpfen. Ich werde vieles erst lernen müssen, das andere als selbstverständlich ansehen.

    Ich bin einigermaßen entsetzt über mein neu entdecktes Attraktionspotential gegenüber dem weiblichen Geschlecht. Ich bin recht groß gewachsen, etwa 1.96m und hatte das bisher immer als große Belastung empfunden. Ich empfand es immer als ein Merkmal, dass mich ausgrenzte, dass mich unattraktiv machte. Ein Merkmal, dass meinem Naturell nicht entsprach. Ein Merkmal von dem ich dachte es würde Frauen abschrecken und abstoßen. Und jetzt erst erkenne ich, dass es im Gegenteil eine Stärke ist. Ich verleugne es nicht mehr. Es ist schon erstaunlich welch einen Unterschied ein bisschen Körperpflege, eine neue Garderobe und eine ordentliche Portion Selbstsicherheit machen können.

    Früher hatte ich mich damit zufrieden gegeben zu glauben, dass ich irgendwann eine Frau finden würde, die mich so akzeptierte wie ich war und ich nur lange genug auf die Richtige zu warten hätte. Jetzt bin ich klüger. Ohnehin hätte ich, so sie denn in mein Leben getreten wäre, ihre Signale vermutlich gar nicht zu verstehen gewagt. Jetzt habe ich verstanden, dass ich mein Glück selbst erabeiten muss.
    Es wird nicht leicht sein. Insbesondere was das Sexuelle anbelangt. Immerhin bin ich ja noch ein vollkommen unbeschriebenes Blatt. Und dass Anti-Depressiva die Libido herabsenken ist ja hinlänglich bekannt. Welch Ironie, dass ich die Wahl haben soll alleine zu bleibe, mit einer gesunde Libido. Oder aber eine Frau zu finden und dafür eine eher eingeschränkte Libido in Kauf zu nehmen.

    Ich habe nun 15 Jahre meines Lebens nachzuholen. Und leider auch 15 Jahre an Erfahrungen, die die allermeisten meiner Mitmenschen in ihrer Jugend machen durften. Hoffentlich bin ich noch nicht zu alt um mein Glück zu finden.

    Wenn jemand unter euch ähnliche Erfahrungen gemacht hat, würde ich sehr gerne davon erfahren. Ist ein derartiger 180 Grad Turn wirklich nachhaltig durchführbar? Oder ist mit einem mittel-/langfristigen Rückfall zu rechenen? Wie kann man seine Selbstsicherheit permanent festigen, ohne Gefahr durch Misserfolge aus der Bahn geworfen zu werden? Wie ist die Prognose für Menschen, insbesondere Männer, die so spät erst ihre ersten sexuellen Beziehungen haben?

    PS:

    Die Vermutung liegt nahe, dass ich neben meiner Depression tatsächlich noch ADS/ADHS habe. Da die meisten Symptome in dieser Richtung immer noch unverändert vorhanden sind, trotz meinem geänderten Gemütszustand. In der Tat sind einige sogar stärker geworden. Time will tell.

  4. #4
    Sandsturm
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    Das hört sich nicht nach AD(H)S an, sondern entweder nach manisch-depressiv (wie Du schon erkannt hast Bipolar) oder was anderes... einfach mal nachlesen, was meine "Lieblingsdiagnose" ist.

    Geh bitte zum Arzt, das hört sich nicht gut an.

  5. #5
    Neuling
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    Zitat Zitat von Sandsturm Beitrag anzeigen
    Das hört sich nicht nach AD(H)S an, sondern entweder nach manisch-depressiv (wie Du schon erkannt hast Bipolar) oder was anderes... einfach mal nachlesen, was meine "Lieblingsdiagnose" ist.

    Geh bitte zum Arzt, das hört sich nicht gut an.
    Hallo Sandsturm. Erstmal vielen Dank für das Feedback.

    Das PS bezüglich ADS/ADHS habe ich erst sehr spät an den Post geklatscht, nachdem mir aufgefallen war, dass ich zu einem bestimmten Zeitpunkt zwar ADS/ADHS in Betracht gezogen hatte und das in dem Text erwähne, aber kein einziges der Symptome beschrieben habe, dass mich dies hat in Erwägung ziehen lassen. Daraufhin habe ich erst bemerkt, dass viele der Symptome, die mich zu dieser Überlegung geführt hatten noch habe, obwohl ich mich in einer durchweg positiven Gemütsverfassung befinde:

    Symptome der Unaufmerksamkeit

    beachtet häufig Einzelheiten nicht oder macht Flüchtigkeitsfehler bei den Schularbeiten, bei der Arbeit oder bei anderen Tätigkeiten

    check

    hat oft Schwierigkeiten, längere Zeit die Aufmerksamkeit bei Aufgaben oder beim Spielen aufrechtzuerhalten

    check

    scheint häufig nicht zuzuhören, wenn andere ihn/sie ansprechen

    nein

    führt häufig Anweisungen anderer nicht vollständig durch und kann Schularbeiten, andere Arbeiten oder Pflichten am Arbeitsplatz nicht zu Ende bringen (nicht aufgrund oppositionellen Verhaltens oder Verständigungsschwierigkeiten)

    check

    hat häufig Schwierigkeiten, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren

    hell yes

    vermeidet häufig oder hat eine Abneigung gegen oder beschäftigt sich häufig nur widerwillig mit Aufgaben, die länger dauernde geistige Anstrengungen erfordern (wie Mitarbeit im Unterricht oder Hausaufgaben)

    check

    verliert häufig Gegenstände, die für Aufgaben oder Aktivitäten benötigt werden (z. B. Spielsachen, Hausaufgabenhefte, Stifte, Bücher oder Werkzeug)

    check Gerade wieder meinen Geldbeutel liegen lassen. Schlüssel vergesse ich oft.

    lässt sich oft durch äußere Reize leicht ablenken

    check

    ist bei Alltagstätigkeiten häufig vergesslich.

    check

    ja ich verträume oft sache, auch wenn sie eigentlich total trivial sind. Habe furchtbare Zeitmanagement-Probleme. Habe große Probleme Züge und Busse rechtzeitig zu erreichen. Plane immer viel zu wenig Zeit und mache mir unnötigen Stress damit.

    Wenn ich das lese, macht es einfach Klick bei mir. Ohne den gerinsten Vorbehalt. Diese Probleme belasten mich sehr in meinem beruflichen Leben in dem von mir hohe Konzentration gefordert ist, was ich leider nur selten aufzubringen im Stande bin. Das muss ich dann häufig kompensieren durch längere Arbeitszeiten. Besondere Probleme bereitet dabei die unfähigkeit strukturiert zu arbeiten. Ich bin immer verplant, träume häufig vor mich hin (unabhängig von der Gemütslage). Mich hat sogar schon ein Kollege gefragt ob ich an ADS leide, was ich sofor strikt verneint habe (käme nicht so gut in meinem Betätigungsfeld).
    Sie belasten mich allerdings wenier in meinem persönlichen Leben (wenn ich nicht gerade meinen Geldbeutel verliere argh!).

    Ich bitte zu bedenken, dass meine abfallenden schulischen Leistungen durchaus auf eine AD Störung hinweißen könnten und dass meine Depression dann eine Folge davon + der familiären Probleme gewesen sein könnte. Deutlicher waren diese meine Probleme in einem anderen Bereich zu sehen. Nämlich im Spielen eines Instrumentes. Damit hatte ich nie Probleme. Aber ab etwa meinem 15. Lebensjahr (+/- 1, 2 Jahre, schwer zu sagen) bekam ich immer größere Probleme mich zu konzentrieren und war nicht mehr fähig ein komplettes Stück zu spielen. Das könnte allerdings auch andere Ursachen gehabt haben.
    Erwähnenswert wäre noch, dass mir vor Kurzem ein paar alte Schulhefte von mir in die Hände geraten sind. Das sieht wirklich wirklich schlimm aus. Nicht nur was die extrem krakelike Handschrift angeht, sondern die fehlende Struktur, es ist vollkommen chaotisch. Natürlich könnte auch das eine andere Ursache haben.


    Symptome der Hyperaktivität

    zappelt häufig mit Händen oder Füßen oder rutscht auf dem Stuhl herum

    all the fucking time. Treibt meine Arbeitskollegen und Familie in den Wahnsinn

    steht in der Klasse oder in Situationen, in denen Sitzen bleiben erwartet wird, häufig auf
    läuft herum oder klettert exzessiv in Situationen, in denen es unpassend ist (bei Jugendlichen oder Erwachsenen kann das auf ein subjektives Unruhegefühl beschränkt bleiben)

    als Kind hatte ich dieses Problem nicht, heute innere Unruhe, aber dass kann überall her kommen

    hat häufig Schwierigkeiten, ruhig zu spielen oder sich mit Freizeitaktivitäten ruhig zu beschäftigen

    wenn ich spiele, dann muss ich immer etwas anderes nebenher machen. Musik, TV, oder exzessives Wippen/Klopfen mit irgendwelchen Körperteilen.
    Bei rein passiven Tätigkeiten, wie z.b. TV habe ich allerdings noch größere Probleme. Ich bin kaum in der Lage mir einen kompletten Film anzuschauen, oder sogar nur eine Episode einer Serie, die mich eigentlich interessiert. Ich muss immer irgend etwas anderes nebenbei machen. Oft langweilt es mich so sehr, dass ich einfach ausschalte.


    ist häufig „auf Achse“ oder handelt oft, als wäre es „getrieben“
    redet häufig übermäßig viel.

    Ich kann manchmal Bekannte schon sehr zutexten, allerdings nur, wenn sie mir vertraut sind oder ich unter Alkoholeinfluss bin. Auch wenn mir mein Gegenüber klare Signale gibt, dass er nichts weiter hören will, oder arbeiten muss, kann ich manchmal nicht an mich halten. Wenn ich depressiv bin ist das allerdings stark reduziert.

    Ich würde allerdings nicht sagen, dass ich oft handel als sei ich getreiben, aber das kann ich vielleicht nicht so gut selbst beurteilen.


    Symptome der Impulsivität

    platzt häufig mit Antworten heraus, bevor die Frage zu Ende gestellt ist

    nein, ab und an, aber nein darin find ich mich nicht wieder

    kann nur schwer warten, bis es an der Reihe ist

    nein

    unterbricht und stört andere häufig (platzt z. B. in Gespräche oder Spiele anderer hinein).

    Ich würde nicht sagen dass es häufig passiert. Aber wenn ich ein extremes Mitteilungsbedürfnis habe, dann passiert das schon mal.

    Apropos gesteigertes Mitteilungsbedürfnis. Kann schon ganz schön schlimm werden, wenn ich jeden meiner Gedankengänge mitteilen muss. Habe dann Probleme zu filtern, mich auf das Wesentliche das ich sagen will zu konzentrieren. Mache dann häufig gedankliche Sprünge, die mein Gegenüber nicht nachvollziehen kann. Oft betreibe ich gedankliches side-tracking, komme ab vom eigentlichen Thema und texte dann alle Sachen ab die mir in den Sinn kommen. Aber all das nur wenn ich gut drauf bin. Selbes Problem auch beim Schreiben.

    Ich hatte diese Symptome allerdings nicht immer. Sie haben graduell eingesetzt etwa in dem von mir beschriebenen Zeitraum. Als Kind hatte ich diese Symptome definitiv noch nicht! Deswegen hab ich die Hoffnung zumindest noch nicht aufgegeben, dass sie sich als Folge der Depression erweißen.


    Nach etwas Suchen habe ich auch das gefunden auf das du mich hinweißen wolltest. Ich bin zwar allem aufgeschlossen, allerdings kann ich mich nicht komplett in der Liste der von dir geposteted Symptome wieder finden:

    Unbeständige und unangemessen intensive zwischenmenschliche Beziehungen

    Falls ich dieses Symptom habe, dann nicht sehr stark ausgeprät. Ich bin allerdings ein Romantiker und wenn ich mich verliebe dann sehr stark. Auf der anderen Seite bin ich aber auch in der Lage meine Emotionen zu kontrollieren.

    Impulsivität bei potentiell selbstzerstörerischen Verhaltensweisen

    Nein

    Starke Stimmungsschwankungen

    Check

    Häufige und unangemessene Zornausbrüche

    Nein

    Selbstverletzungen und Suiziddrohungen/ -versuche

    Nein

    Fehlen eines klaren Ichidentitätsgefühls

    Check

    Chronische Gefühle von Leere und Langeweile

    Check

    Verzweifelte Bemühungen, die reale oder eingebildete Angst vor dem Verlassenwerden zu vermeiden

    Da ich noch in keiner Beziehung gelebt habe, keine Angabe.

    Streßabhängige paranoide Phantasien oder schwere dissoziative Symptome

    Nein. Ich habe zwar keine besonders hohe Stressbelastungsgrenze, aber ich reagiere nicht mit dissoziativen Symptomen. Ich kann zwar bei extremen Belastungssituation auch mal emotional reagieren, aber ich sehen mich da nicht allzuweit entfernt von der Norm.

    Ich will es nicht komplett ausschließen, aber es macht auch nicht Klick bei mir.


    Zum Thema Bipolar: tja ka. Wenn, dann habe ich keine wirklich extremen manische Phasen. Ab und zu einen kleinen Kaufrausch kann ich allerdings schon haben. Ob diese meine depressiven und manischen Phasen weit genug abweichen von der Norm, kann ich nicht beurteilen. Mein Bauchgefühl würde eher sagen nein.

    edit:

    gerade noch folgendes auf dem wiki Artikel zu Borderline gelesen:

    "Das Selbstbild wechselt zwischen Minderwertigkeit und Allmacht-Phantasien (respektive Größenwahn)."

    das ist schon etwas was mir aufgefallen ist. Allerdings sicher weder Allmacht-Phantasien noch Größenwahn. Vielmehr habe ich lange zwischen kompletter Minderwerigkeit und etwas Wertigkeit gewechselt. Was ich meine ist, dass mein Selbstbild schon häufig wechselt.

    "Analog bestehen Muster von wechselnder Idealisierung und Entwertung bestimmter Mitmenschen."

    Nein diese Denkweiße ist mir allerdings völlig fremd. Weder idealisiere ich meine Mitmenschen (außer vielleicht mal eine Frau), aber ich entwerte sie dann nicht (auch wenn mir tatsächlich ein konkreter Fall einfällt in dem ich das als Strategie versucht habe um über meine Gefühle für eine Frau weit außerhalb meiner Liga hinwegzukommen. Der Versuch ist allerdings nach einigen Sekunden kläglichst gescheitert :P).
    Geändert von wriaheah (23.10.2011 um 21:32 Uhr)

  6. #6
    Sandsturm
    Gast

    Standard

    Hi,

    die letzte "Checkliste" muss nicht mit allem bejaht werden. Das ist auch nicht alles, was da steht, es gibt viel mehr und bei Männern ist es noch mal anders und das merkt man eben extrem in Zweierbeziehungen.

    Und nach Allem was mit Deiner Mutter war und Du Dir Sorgen gemacht hast und Dich nicht abgrenzen konntest, ist es doch klar, dass es Dir nicht gut geht.

    Ich würde zu einem kompetenten Arzt gehen, der auf diesen Gebieten spezialisiert ist, so ein Wald- und Wiesen-Therapeut bringt nichts, weil er keine Ahnung hat, dass es überhaupt noch andere Menschen gibt, die anders sind und natürlich stülpen die auch gerne Diagnosen über, um Ruhe zu haben.

    Ich "stülpe", weil ich es so sehe. Und man kann sich damit genauso auseinandersetzen wie mit anderen "Erscheinungsformen".

    Ich muss mich ja schon zurückhalten und darf das nicht ausschreiben.

  7. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Sandsturm für den sinnvollen Beitrag:

    Fernsehturm (23.10.2011)

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