
Zitat von
Gabiannarele
hallo,
ADs müssen genau auf die Patienten eingestellt sein und dann sind sie auch verträglich und erfüllen ihren Zweck, nämlich den Betroffenen den Freiraum geben, damit sie psychotherapeutisch an sich arbeiten können.
Pflanzliche ADs - da kenne ich nur Johanniskraut, das gerne verschrieben wird. Ich habs selber mal gegen Winterdepressionen genommen, da es die Lichtempfindlichkeit erhöht und sich daher hervorragend gegen Winterdepressionen eignet, die aufgrund des Lichtmangels entstehen können und nichts mit den "echten" Depressionen zu tun haben. Wenn es pflanzliche ADs gäbe, die ebenfalls in die Hirnchemie eingreifen, dann wären die Nebenwirkungen auch die selben, egal ob pflanzlich oder nicht.
Dass Johanniskraut oft verschrieben wird, finde ich das insofern gut, weil heute der Zeitgeist dahin geht, jede Krise, jede depressive Verstimmung sofort zu pathologisieren. Ich bin sicher, vielen Leuten ist schon geholfen, wenn sie ihr gefordertes Pillchen bekommen und erhöhte Lichtempfindlichkeit ist zwar im Sommer nicht das gelbe vom Ei, aber es richtet auch keinen Schaden an.
Dass immer mehr Jugendliche ADs bekommen, finde ich grundsätzlich auch besorgniserregend, weil sich dadurch meiner Beobachtung nach die pubertären Probleme nicht mehr DURCHLEBEN lassen, und daher auf spätere Lebensphasen verschieben. Da dazu auch noch gelernt wird, dass Probleme grundsätzlich medikamentös angegangen (bzw unterdrückt) werden können, ist davon auszugehen, dass die Unfähigkeit mit Schwierigkeiten umzugehen, bleiben wird, was wiederum eine Reifung der Persönlichkeit und die dazugehörige Entwicklung verschiedener Kompetenzen zur Folge haben wird. Aber das ist nur meine persönliche Ansicht.
Trotzdem würde ich es mir nicht rausnehmen zu behaupten, wenn einer 15jährigen nach einem halben Jahr ambulante Therapie eine stationäre Therapie nahe gelegt wird und sie unter ziemlichen Hämmern steht, dass dies alles einfach nur aus der Luft gegriffen wird. Es gibt nunmal auch sehr viele Jugendliche, die nicht viel von zuhause mitbekommen haben, und wirklich absolut hilflos und ohne guten Rüstzeug, dafür aber vll mit Gewalt- und Mißbrauchserfahrungen, durchs Leben trudeln. Das können Außenstehende alles nicht wissen und auch die Erzählungen der Betroffenen selbst sind mit Vorsicht zu genießen, weil die immer vom eigenen Filter und Krankheitsbild gefärbt sind. Ich würde mich da mit Parteilichkeit äußerst zurückhalten.
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