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Thema: Problem mit dem Therapeuten

  1. #1
    Neuling
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    Unglücklich Problem mit dem Therapeuten

    Liebe Leserin, lieber Leser,

    ich möchte euch an dieser Stelle eine problematische Situation schildern, wo ich alleine nicht die Kraft habe eine weitreichende Entscheidung zu treffen. Ich schildere die Sachlage folgend aus meiner Sicht. Vielleicht nehme ich die Sache auch falsch wahr.

    Ich bin nun seit einiger Zeit in therapeutischer Behandlung, wegen einer generalisierten Angststörung. Das angewendete Therapieverfahren ist die Verhaltenstherapie. Zu Anfangs hatte ich ein super Verhältnis zu meinem Therapeuten. Schnell war das Vertrauen aufgebaut und ich konnte offen über meine Probleme reden. Die Sitzungen bestanden zum Teil aus Fragen, eigener Erzählung und auch ein wenig Humor seitens des Therapeuten.

    Der Therapeut versicherte mir, dass die Therapie größtenteils aus praktischen Übungen, als auch aus persönlichen Gesprächen bestehen wird. Mittlerweile sind viele Therapiestunden vergangen. Als ich einmal etwas nicht machen konnte, weil es mir schwer fiel, drohte der Therapeut mit mir einem Therapieabbruch seinerseits, was mich schon verunsichert hat.

    Da dachte ich mir aber noch nicht viel dabei, weil es auch zu keinem Abbruch kam. Allerdings folgten keinerlei praktische Übungen mehr. Er geht nur noch mit mir spazieren und unterhält sich mit mir. Teilweise geht er während der Therapiestunde alleine in ein Geschäft und bleibt dort 5-10 Minuten. Zwar fragt er mich unterschwellig um Erlaubnis. Er weiß aber, dass ich niemals ablehnen würde. Teilweise beendet er die Therapiestunde auch eher oder fängt später an, was letztendlich alles von meiner Zeit abgeht und auch nie nachgeholt wird. Soweit, so schlecht. Die Therapie kommt also nicht voran.

    Letztens meinte mein Therapeut dann, dass ein anderer Patient mit dem selben Problem bereits nach 12 Therapiestunden „geheilt“ war und er mit mir nicht voran käme. Außerdem sagte er unterschwellig, dass er mich nicht leiden könne, bzw. meine Art nicht leiden kann. Außerdem meinte er ich würde andere Menschen ausnutzen und somit verärgern. Dabei muss ich sagen, dass ich so etwas gewiss nicht tue. Die Inanspruchnahme therapeutischer Hilfe hat meines Erachtens nach keineswegs etwas mit „Menschen ausnutzen“ zu tun. Oder irre ich mich da etwa?

    Er macht mir also immer deutlicher, dass er nicht mit mir arbeiten möchte, mir nicht helfen will und vor allem habe ich das Gefühl, dass er meine Probleme nicht (mehr) ernst nimmt. Den Eindruck gewinne ich auch dadurch, dass er alles damit begründet, dass er ja Geld dafür bekäme und die Sache dadurch erträglicher wäre. Nun wurde in den Raum geworfen, ich soll doch das Gespräch mit dem Therapeuten suchen und ihn auf diese Dinge ansprechen, weil die Aussagen evtl. Teil der Therapie sind.

    Das Problem ist nur: Ich bin in einem absoluten Panikzustand deswegen. Ich habe (nach Jahren wieder) Migräne. Ich kann überhaupt nicht mehr richtig schlafen (nur noch wenige Stunden und nur aus reiner Erschöpfung) und habe regelrecht Angst vor dem nächsten Termin. Nun frage ich mich natürlich:

    Macht die Therapie bei diesem Therapeuten noch Sinn? Ist das Vertrauensverhältnis nicht unwiederbringlich zerstört, weil immer im Hinterkopf bleiben wird „Der Therapeut kann mich nicht leiden“? Auf der einen Seite habe ich den Wunsch einen Therapeutenwechsel vorzunehmen, auf der anderen Seite habe ich aber auch davor wieder Angst.

    Die Therapie ist sozusagen der Punkt in meinem Leben, an dem ich mich festhalte, der mir Kraft und Hoffnung gibt meine Ängste zu überwinden. Nun tritt ausgerechnet da eine Situation auf, mit der ich nicht umgehen kann.

    Ich hoffe ihr könnt mir einen Rat geben um mir die Entscheidung eventuell leichter zu machen. Ich sitze zwischen zwei Stühlen, weil ich das Gefühl habe, dass alle Entscheidungen ohnehin falsch sind.

    Freundliche Grüße,
    Diamond

  2. #2
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    Guten Morgen,

    da Du nicht darauf eingehst was Deine Problematik ist, fällt es schwer eine konkrete Aussage zu treffen.

    Es ist durchaus möglich, dass sein Verhalten Teil der Therapie ist (je nachdem was Dein Problem ist) und die Frage ist an welchem Punkt Du reagierst und ihn ansprichst auf das was er tut. Das wäre dann ein Erlernen aus der Situation heraus.

    Mit nur dem geschilderten Auszug von Dir möchte ich das nicht näher bewerten.
    Beachte nur, dass Dir offensichtlich sein Verhalten sehr große Probleme macht und Dich an Situationen und vor allem Reaktionen (Migräne) von früher erinnert.
    Das zumindest könnte ein Indikator sein, dass er sehr wohl Vergangenes mit Dir aufarbeitet.

    LG

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    Darkstar (27.11.2010),Exot (18.02.2012)

  4. #3
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    hallo,

    Er weiß aber, dass ich niemals ablehnen würde. Teilweise beendet er die Therapiestunde auch eher oder fängt später an, was letztendlich alles von meiner Zeit abgeht und auch nie nachgeholt wird
    ich hab auch nur ne 3/4Std, was für mich aber ok ist, schließlich wird sie auch Zeit für Vor- und Nachbereitung brauchen. Und allein, wenn ich den Schriftkram einkalkuliere, kann ich gut damit leben, dass die Zeit nicht komplett für Gespräche verwendet wird.

    Daran kann eine Therapie aber nicht scheitern. Wenn sie das tut, dann entweder, weil man keine Basis mit dem Therapeuten hat. Die hattest Du aber anfangs. Oder weil man nicht klar hat, dass man selbst die Hauptarbeit macht und daher auch seinen Anteil an Verantwortung in der Kommunikation hat.

    d.h. wenn Dir das Tempo zu schnell ist, dann sag ihm, dass Du Dich überfordert fühlst, oder der Kurs Dir nicht behagt. Gerade aus solchen "Konflikten" mit dem Therapeuten kann man unglaublich viel für sich gewinnen. Denn sie sind das im geschützten Raum, was wir draussen meist nicht hinkriegen: lernen, wie man für sich selbst sorgt.

    Das allermeiste, was Du schreibst, finde ich ok, und mit dem Filter einer Angststörung erzählt. Vieles von deinen Reaktionen ist sehr wahrscheinlich Teil Deines Krankheitsbildes. Gut, manches finde ich auch befremdlich, wie den Vergleich mit anderen Patienten, oder dass Du ein ausnützendes Wesen hast. Ich kann mir zwar in etwa vorstellen, was er damit sagen wollte (evtl Deine mangelnde Mitarbeit), aber als Profi sollte er Dich schon da abholen können, wo Du stehst, und insofern war das vll eine etwas deplazierte Äußerung

    Jedenfalls werden wir Dir von Aussen keinen Rat geben können, da Du diesen Konflikt mit Deinem Therapeuten klären musst, um zu einer Entscheidung zu kommen. Hier wird sich zeigen, wie tragfähig eure Beziehung und Kommunikation untereinander ist. Und genau darauf kommts an.

  5. #4
    Verleger Avatar von Natz
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    Es tun sich tatsächlich eine Menge Fragen auf.
    Wie hat er denn unterschwellig anklingen lassen, dass er Dich nicht mag-kannst Du das etwas konretisieren?
    Geht er mit Dir spazieren, weil Du ev. Angst hast, unter Leute zu gehen?
    Ansonsten haben meine Vorschreiber eigentlich schon alles gesagt. Es ist eben sehr schwer, das Ganze zu beurteilen.
    Wenn es wirklich so ist, wie Du sagst, dann wechsel den Therapeut. Man muss sich natürlich trotzdem auch immer selbstkritisch fragen: liegt das Stagnieren auch ein Stück an einem selbst?
    Die Aussage mit dem Geld finde ich allerdings unterirdisch und das wäre für mich schon ein Grund, zu wechseln. Dann soll er sich einen anderen Job suchen und abgesehen davon verdienen Therapeuten immer noch ganz gut.
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

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    Diamond (27.11.2010)

  7. #5
    Schreiberling Avatar von Schatten
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    Hi Diamond.

    Ich will hier nicht einseitig Partei ergreifen, aber ich habe mit meinem Verhaltenstherapeuten etwas sehr ähnliches erlebt.
    Erst eine gute Vertrauensbasis, nach ersten erfolgreichen Übungen wurde die Latte schnell in (damals für mich) unerreichbare Höhen gelegt.

    Als die Therapie wohl auch aus seiner Sicht nicht den gewünschten Erfolg brachte, bekam ich auch „Vorwürfe“ zu hören, ich würde die Übungen nicht richtig durchziehen, würde über Gefühle reden, statt Gefühle zu erleben (zu zeigen), sei kalt, zuzüglich der Versicherung, er sei ein erfahrener Therapeut und in 8 Jahren Therapie hätte er so jemanden wie mich noch nie erlebt (was kein Kompliment sein sollte ).

    Ich muss dazu sagen, dass die VT nicht meine erste Therapie war und ich von der vorangehenden Therapie sehr profitiert habe.

    Nun bin ich ja offen dafür, dass all das, was er sagte zu einem gewissen Teil gestimmt haben mag, die Frage ist nur: darf jemand mit einer Angststörung nicht genau diese Probleme haben?
    Wenn man das volle Spektrum seiner Emotionen frei und spontan zum Ausdruck bringen kann, hat man in der Regel keine Angststörung.
    Eine emotionale Distanz (Kälte) ist natürlich nur ein Schutzmechanismus der Psyche, aber wenn man ihn mal eben abstellen könnte, bräuchte man keine Therapie.

    Die Therapie habe ich nach 24 Stunden (zu spät) abgebrochen, meine Symptome haben sich verschlechtert und ich braucht etwa ein halbes Jahr um wieder auf dem Stand vor der Therapie zu sein.

    Dazu muss ich zwei grundsätzliche Dinge anmerken:
    Ideologisch war ich damals eher gegen VT eingestellt, habe aber zur Kenntnis genommen, dass die VT zu dieser Zeit als die beste Therapie bei Angststörungen angesehen wurde.
    Die (kurzzeitige und intensive) Therapie davor brachte mir eine stetige Besserung, die etwa vier Jahre anhielt und dann von meinem Empfinden her stagnierte.
    Meine Einstellung habe ich dem Therapeuten in der probatorischen Sitzung erzählt, er sagte, das sei kein Problem, die heutige VT sei völlig anders, zudem habe er Zusatzausbildungen in allerlei anderen Verfahren, so mechanistisch wie in meiner Phantasie würde das nicht ablaufen. Ich war beruhigt.

    Die Therapiestunden bei mir waren dann allerdings ausgesprochen „klassisch“ - einfach immer das üben, was die größten Probleme bereitet (zudem hatte ich das Pech, dass zu dieser Zeit etwa um die Jahrtausendwende, eine „neue Erkenntnis“ in der VT griff: Wenn man etwas schafft, was einen nur ein wenig fordert, hat immer noch und immer wieder Angst vor der nächsten Hürde, also sollte man gleich Nägel mit Köpfen machen und das Schlimmste ansteuern, was man sich vorstellen konnte, ich glaube diese Mode ist inzwischen überwunden).

    Der zweite Punkt ist der: 10 Jahre und zwei weitere Therapien (und eine Ausbildung zum Therapeuten) später, muss ich kritisch und selbstkritisch sagen, dass der Therapeut den Fehler machte, sich auf einen Machtkampf mit mir einzulassen, ich aber andererseits – damals unbewusst – diesen Machtkampf gesucht habe.
    Ich wollte ihm – auch weitgehend unbewusst – zeigen, dass er mich mit seiner dämlichen Therapie nicht heilen wird und ich habe gewonnen und natürlich gleichzeitig verloren.
    Es war ein etwas sadomasochistischer Triumph von mir, damals, bei dem ich es in kauf genommen haben, dass es mir schlechter ging als zuvor um dem braven Mann, er hat sich wirklich Mühe gegeben, zu zeigen, was eine Hake ist.


    Das war also die komplexe Gemengelage in der ich mich damals befand.
    Ich bin nach wie vor sehr skeptisch, was die VT angeht, ich nehme zur Kenntnis, dass offenbar viele von ihr profitieren, mein Eindruck ist, dass dies eher bei oberflächlichen und eher kurzfristig bestehenden Problemen der Fall ist (so wie in einigen anderen Fällen, die ich übergehe).
    Die VT ist m.E. ungeeignet komplexere Charakterpathologien anzugehen und die sollte man bei Angststörungen immer auch im Blick haben.

    Ich war damals nicht in der Lage, meinen Anteil an der Geschichte zu erkennen (obwohl ich über einiges psychologisches Wissen verfügte), die VT war nicht in der Lage, mir diesen Anteil zu spiegeln, oder ihn zu tolerieren. Mein Eindruck ist, entweder es geht sehr schnell und zielführend mit der VT, oder es geht nicht. Die „Vorwürfe“ waren wohl ein Ausdruck echter Hilflosigkeit, aber es ist die Aufgabe eines Therapeuten mit dieser Hilflosigkeit klarzukommen und sie nicht zu agieren.
    (Es ist etwas anderes authentisch Gefühle zu spiegeln, das kann eine sehr wichtige Hilfe sein, um zu kapieren, wie das, was man gerade abzieht auf andere wirkt – und es ist ein Glückfall, wenn man einen Therapeuten hat, der damit umgehen kann. )

    Der Hinweis, dass man das was man tut, ja für Geld macht, kann der Versuch sein, sich emotional nicht verwickeln zu lassen, dem Patienten damit nicht das Gefühl zu geben, er könne einen emotional manipulieren, allerdings glaube ich, dass das mehr oder weniger plump geschehen kann, hier scheint es mir plump zu sein, oder Du kommst in eine bildschöne Übertragungssituation hinein, für die Dein Verhaltenstherapeut mit größter Wahrscheinlichkeit allerdings nicht ausgebildet ist.

    (Eine Übertragungssituation ist durchaus erwünscht und wird in sogenannten aufdeckenden Therapieformen bewusst gesucht: Die Ängste und Probleme des normalen Lebens, werden dann in oft sogar gesteigerter Form auf den Therapeuten projiziert, er scheint plötzlich so zu sein, wie alle anderen auch sind. Das wird dann in aufdeckenden Verfahren gedeutet, aber das ist ein anderer Ansatz, als der der VT.)

    Die Drohung des Abbruchs der (therapeutischen) Beziehung verunsichert stark und sollte nicht vom Therapeuten ausgehen. Wenn das explizit so geäußert wurde (und nicht von Dir phantasiert) halte ich es für einen ernsten Kunstfehler.
    Eine therapeutische Beziehung findet nicht unbedingt auf der Basis von Sympathie statt (es ist nicht falsch, wenn die vorhanden ist), sondern von Ehrlichkeit. Der Therapeut muss den Mut besitzen, seine momentanen Empfindungen wertfrei zu äußern und gleichzeitig die Äußerungen und das Agieren des Patienten tolerieren können, d.h. er darf keine heimliche Abneigung gegen die Untiefen der menschlichen Psyche haben.
    Hier scheint mir ein grundsätzliches Defizit der VT zu liegen, da diese Erfahrungen offenbar keine Zufälle sind.


    Viel (hoffentlich nicht zu viel, aber mir scheint das ein Thema von grundsätzlichem Charakter zu sein) von mir, nun kurz zu Dir:
    Wie schätzt Du denn Deine Lage gegenwärtig ein? Was bekommst Du im Alltag hin, was nicht?
    Könntest Du mit Freunden/Familie in Eigenregie üben? Was meinst Du, wie es Dir gehen würde, wenn Du thematisierst, dass Du ernsthaft in Erwägung ziehst die Therapie abzubrechen (aus der Reaktion würde sich zeigen, ob Deine Therapeut in Sorge ist, oder ob er eher zynisch eingestellt ist, was es leider auch gibt.)
    Lass Dir nicht einreden, Dir sei ohnehin nicht zu helfen, es gibt im Zweifel immer die Möglichkeit in eine Klinik zu gehen, die auf Angststörungen spezialisiert ist und die wirklich gut ist.
    Bist Du berufstätig, lebst Du in einer Beziehung?

    Gruß,

    Schatten

  8. Die folgenden 2 Benutzer bedankten sich bei Schatten für den sinnvollen Beitrag:

    Darkstar (27.11.2010),Diamond (27.11.2010)

  9. #6
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    Der Therapeut muss den Mut besitzen, seine momentanen Empfindungen wertfrei zu äußern und gleichzeitig die Äußerungen und das Agieren des Patienten tolerieren können, d.h. er darf keine heimliche Abneigung gegen die Untiefen der menschlichen Psyche haben.
    Hier scheint mir ein grundsätzliches Defizit der VT zu liegen, da diese Erfahrungen offenbar keine Zufälle sind
    Schatten, ich kann mir kaum vorstellen, dass dies eine Schwäche einer METHODE sein kann Das kann doch immer nur die Schwäche der Therapeuten sein, die diese Methode durchführen, oder nicht? Jede Methode kann auch immer auch nur so gut sein, wie die Menschen, die sie anwenden.

  10. #7
    Schreiberling Avatar von Schatten
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    Hallo gabiannarele.

    Zitat:
    Der Therapeut muss den Mut besitzen, seine momentanen Empfindungen wertfrei zu äußern und gleichzeitig die Äußerungen und das Agieren des Patienten tolerieren können, d.h. er darf keine heimliche Abneigung gegen die Untiefen der menschlichen Psyche haben.
    Hier scheint mir ein grundsätzliches Defizit der VT zu liegen, da diese Erfahrungen offenbar keine Zufälle sind

    „Schatten, ich kann mir kaum vorstellen, dass dies eine Schwäche einer METHODE sein kann Das kann doch immer nur die Schwäche der Therapeuten sein, die diese Methode durchführen, oder nicht? Jede Methode kann auch immer auch nur so gut sein, wie die Menschen, die sie anwenden.“

    Das sicher auch, das beste Verfahren kann man vermasseln und noch die merkwürdigste Therapie profitiert von einem genialen Therapeuten.
    Dennoch gibt es Stärken und Grenzen der jeweiligen Verfahren und es ist m.E. gut diese Stärken und Grenzen zu kennen.

    Darüber wurde und wird ja auch vergleichsweise intensiv geforscht.
    Die Aufarbeitung von Übertragungen und tieferen Störungen ist mit Sicherheit keine Domäne der VT. Ich würde da immer pragmatisch herangehen und schauen, wann und wo es passt.

    Gruß,

    Schatten

  11. #8
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    Hallo,

    zunächst einmal vielen dank für eure Beiträge. Dann werde ich direkt mal auf einige gestellte Fragen eingehen.

    Zitat Zitat von Natz Beitrag anzeigen
    Wie hat er denn unterschwellig anklingen lassen, dass er Dich nicht mag-kannst Du das etwas konkretisieren? Geht er mit Dir spazieren, weil Du ev. Angst hast, unter Leute zu gehen?
    Er hat praktisch gesagt, er kann meine Art nicht leiden. Folglich kann er mich nicht leiden, weil meine Art ein Großteil meiner gesamten Persönlichkeit ist. Bleibt de facto nur noch das Aussehen.

    Meine Ängste finden sich in vielerlei unterschiedlicher Situationen wieder:
    Ich kann real keine Kontakte aufbauen / Keine anderen Menschen ansprechen.
    Ich habe oft Angst vor Prüfungen und allgemein Situationen die mich verunsichern.
    Ich hab eigentlich keinerlei soziales Umfeld, außer zu Mutter, Therapeut, Großvater,...
    Ich versuche meist es allen Menschen Recht zu machen und verzweifel, wenn das nicht klappt regelrecht.

    Das Spazieren gehen hat aber vermutlich mehr damit zu tun, dass ich auf Grund diesem fehlenden Umfeldes die meiste Zeit zu Hause bin. (Wohne mit meiner Mutter und meinem Großvater in einem Haus mit drei Etagen mit jeweils einer Wohnung). Darum finde ich auch durchaus gut, dass er mit mir raus geht. Nur das ist nicht was abgesprochen war.

    Anfangs wollte er noch mit mir praktische Übungen machen. (In Geschäften einkaufen, Essen bestellen, Leute ansprechen,...), was er aber scheinbar kommentarlos verworfen hat. Stattdessen bleibt nur noch reden und dabei spazieren gehen.

    Zitat Zitat von Schatten Beitrag anzeigen
    Die Drohung des Abbruchs der (therapeutischen) Beziehung verunsichert stark und sollte nicht vom Therapeuten ausgehen. Wenn das explizit so geäußert wurde (und nicht von Dir phantasiert) halte ich es für einen ernsten Kunstfehler.
    Ja, die Aussage ist definitiv nicht von mir phantasiert. Ich habe immer alles exakt so gemacht, wie er gesagt hat und mich bei allem sehr bemüht. Als dann einmal etwas nicht funktionierte, bzw. ich ihm mitteilte ,,Das kann ich (noch) nicht.“, antwortete er gleich (sinngemäß) ,, Ich gebe dir noch X Tage um das hin zu bekommen, sonst muss ich die Therapie abbrechen.“


    Zitat Zitat von Schatten Beitrag anzeigen
    Der Therapeut muss den Mut besitzen, seine momentanen Empfindungen wertfrei zu äußern und gleichzeitig die Äußerungen und das Agieren des Patienten tolerieren können, d.h. er darf keine heimliche Abneigung gegen die Untiefen der menschlichen Psyche haben
    Eine solche Situation gab es ebenfalls, wo ich den Eindruck hatte der Therapeut würde eine Abneigung mir gegenüber haben, weil ich ihm von gewissen Zwangsgedanken (Gewalt) und bestimmten sexuellen Phantasien erzählte. Ob das tatsächlich so ist kann und will ich natürlich nicht beurteilen. Auf jeden Fall verhielt er sich da auch sehr merkwürdig und wollte partout vermeiden, dass die anderen Passanten etwas davon mitbekommen, was ich ihm erzählte, obwohl das rein logisch betrachtet kaum bis gar nicht möglich gewesen wäre, weil niemand so nah stand.


    Zitat Zitat von Schatten Beitrag anzeigen
    Wie schätzt Du denn Deine Lage gegenwärtig ein? Was bekommst Du im Alltag hin, was nicht?
    Könntest Du mit Freunden/Familie in Eigenregie üben? Was meinst Du, wie es Dir gehen würde, wenn Du thematisierst, dass Du ernsthaft in Erwägung ziehst die Therapie abzubrechen (aus der Reaktion würde sich zeigen, ob Deine Therapeut in Sorge ist, oder ob er eher zynisch eingestellt ist, was es leider auch gibt.)
    Lass Dir nicht einreden, Dir sei ohnehin nicht zu helfen, es gibt im Zweifel immer die Möglichkeit in eine Klinik zu gehen, die auf Angststörungen spezialisiert ist und die wirklich gut ist.
    Bist Du berufstätig, lebst Du in einer Beziehung?
    Meine derzeitige Lage ist insoweit kaum auszuhalten, dass ich kaum etwas alleine erledigen kann. Ich kann nicht mit dem Bus irgendwo hinfahren, zu keinen Verabredung gehen, teilweise nicht mal irgendwo anrufen um beispw. Termine zu machen/abzusagen.

    Da ich nicht (mehr) wirklich reale Freunde habe, fällt das schon mal weg. Mein Großvater darf (auf Grund seiner Art) die meisten meiner Probleme gar nicht wissen, weil er sonst sehr ablehnend reagieren würde, praktisch nach dem Satz „Früher gabs son Quatsch ja auch nicht..“

    Du hast natürlich Recht. Anhand der Reaktion des Therapeuten, wenn ich ihn direkt drauf anspreche, würde ich vermutlich merken, ob eine weitere Zusammenarbeit Sinn macht. Das Problem ist nur, umso näher der nächste Termin anrückt, desto mehr überkommt mich die Angst die Sache überhaupt anzusprechen. Angst vor der Reaktion. Angst davor, wie ich damit dann umgehen soll. Angst das ich dem Therapeuten nicht (mehr) glaube bzw. nicht glauben kann. Andererseits quält mich die Sache auch zu sehr, als dass ich einfach weiter machen könnte wie bisher.

    Achso eins noch: Nein, ich bin nicht berufstätig. Im Grunde bin ich noch Schüler, aber derzeit für ein Schuljahr vom Unterricht beurlaubt, da ich auf Grund dieser Angststörung den Unterricht kaum bis gar nicht mehr besuchen konnte.

    In einer Beziehung lebe ich auch nicht, auch wenn ich schätze, dass mir das Kraft und Mut geben würde. Aber wie soll man jemanden kennenlernen, wenn man nie raus geht und bei einer Verabredung per Internet/Telefon ohnehin kalte Füße bekommt. Irgendwie schon... schlimm für mich.

    Ich hoffe jetzt mal, nichts relevantes vergessen zu haben.
    Die wahren Optimisten sind nicht überzeugt, dass alles gut gehen wird, aber sie sind überzeugt, dass nicht alles schief gehen kann. (Friedrich Schiller)

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