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Thema: Problem mit Eltern und Umgang damit (lang)

  1. #1
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    Standard Problem mit Eltern und Umgang damit (lang)

    Hallo!

    Ich war seit fast einem 3/4 Jahr nicht mehr hier. Damals ging es eigentlich um das gleiche Thema wie jetzt: Mein Problem mit meinen Eltern. Ich bin eigentlich ein Meister der Verdrängung (auch wenn das alles andere als gut ist) und seit damals ging es mir wieder sehr gut. Bis gestern.

    Meine Mutter hatte mir einen mehrseitigen Brief geschrieben. Zum einen ging es darum, dass ich mit ihr kurz zuvor über Dinge gesprochen habe, die mich auf meiner Arbeit stören. Das sind keine weltbewegenden oder sehr schlimme Dinge. Das war so eine kurze Phase, wie sie wohl jeder hat und die dann wieder vorbei ist, wenn man kurz darüber gesprochen hat.

    Sie hat sich dann wohl einen ziemlichen Kopf darüber gemacht und mir gestern einen Brief geschickt (meine Eltern wohnen mehrere 100 km weit weg) und mir meinen Job erklärt (von dem sie keine Ahnung hat!), dass ich doch glücklich bin in meinem Job (das ist ein typischer Studentenjob - wie glücklich kann man da sein???), im Sommer mehr arbeiten soll, wenn meine Chefs das wollen, trotz Studium und Diplomarbeit. Sie würde ja auch viel arbeiten etc. Ich würde das schon alles hinkriegen.

    Dann kam die Frage, warum ich denn nicht sie besuchen möchte. Ich kann meinen Eltern darauf keine Antwort geben. Die Probleme liegen bei meinen Eltern, auch wenn sie alles für mich taten, mir beim Studium finanziell unter die Arme greifen etc. Aber es war halt immer nicht alles rosig. Meine Mutter hat mich öfters geschlagen, mich kontrolliert, konnte mir nie vertrauen, mich gedemütigt auch in aller Öffentlichkeit, mich beleidigt etc. Meine Vater hat selbst schwere psychische Probleme und mich damit indirekt und auch direkt belastet.

    Ich kann meinen Eltern aus mehreren Gründen keine Antwort darauf geben:

    - Sie blocken jede Kritik ab. Ich habe es schon probiert und es wurde alles abgeblockt. Ich habe einmal versucht mit meiner Mutter darüber zu reden, dass sie mich geschlagen hat und wie schlimm das für mich war. Ihre Antwort: "Ach, das war ja nicht so oft und ein paar Schläge schaden niemanden."

    - Mein Vater hat schwere psychische Probleme und meine Mutter ist auch in Therapie. Ich habe einfach Angst, besonders bei meinem Vater, dass sie sich etwas antun könnten, wenn ich ihnen die Wahrheit sage.

    Mein Freund rät mir zu einer Therapie und ich habe mich auch erkundigt nach Therapiemöglichkeiten und war auch beim Hausarzt, der mir eine Überweisung schrieb, aber ich bin irgendwie nicht bereit, mit jemand fremden darüber zu reden. Mein Freund war der Erste und auch bislang Einzige, mit dem ich darüber reden konnte. Hier in anonymer, digitaler Form fällt es mir leicht, aber bei einem Therapeuten weiß ich nicht...

    Habt ihr vielleicht einen Rat, wie ich mit dieser für mich sehr schwierigen Situation umgehen soll? Ich wäre wirklich sehr dankbar!

  2. #2
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Sonnenblume,

    bevor ich Rückschau auf Deine alten Freds halte, erstmal nur Gedanken, die mir zu diesem einen Post von Dir kommen:

    Hier in anonymer, digitaler Form fällt es mir leicht, aber bei einem Therapeuten weiß ich nicht
    was weisst Du nicht? Warum Dir das hier leicht fällt und beim Therapeuten nicht? Kann das damit zu tun haben, dass Du Konsequenzen fürchtest, die Du selbst ziehen müsstest und wozu Du nicht bereit bist?

    Mir ist nämlich bei Deinem Schrieb eines aufgefallen: Du achtest sehr auf die Reaktion Deiner Eltern. Es ist aber so: dass sie Deine Kritik nicht annehmen - geschweige denn umsetzen können - heisst ja nicht, dass Du Dich ihrem Weltbild nun anpassen musst und Deinen Konflikt mit ihnen untern Teppich kehren sollst.

    Mir fiel das nur an folgendem Beispiel auf:

    Ich habe einmal versucht mit meiner Mutter darüber zu reden, dass sie mich geschlagen hat und wie schlimm das für mich war. Ihre Antwort: "Ach, das war ja nicht so oft und ein paar Schläge schaden niemanden
    Sie muss das für sich so festhalten, ansonsten würde ihr gesamtes Gefüge zusammen brechen. Sie wird an der Seite Deines Vaters nicht viel Spielraum für psychische Flexibilität haben. Vll hatte sie die noch nie und so konnten die zwei sich erst finden. Aber das tut jetzt nix zur Sache.

    Du könntest aber darauf hin trotzdem sagen: "doch mir haben sie geschadet". Und dann stehen eben die zwei Wahrheiten nebeneinander. Die Frage ist: kannst DU das aushalten?

    Du erhoffst vermutlich, dass sie Deine Sichtweise annimmt, und sich vll sogar entschuldigt oder zumindest Verständnis zeigt. Also irgend eine Genugtuung für das, was Du erleiden musstest. Das kann sie jedoch aufgrund ihrer Welt, in der sie lebt, nicht. kannst Du das annehmen? Wenn sie Dir diese Genugtuung geben könnte, dann gäbe es vermutlich gar nix, was wieder gut zu machen wäre.

    Es ist verdammt schwer, und wir lesen es hier fast täglich, das, was uns unsere Eltern angetan haben, zu akzeptieren, stehen zu lassen und uns unserem eigenen Leben zuzuwenden. Manchmal haben wir als Erwachsene die Infos und den Blick, um die Handlungsweisen aufgrund ihrer eigenen biografischen Themen nachvollziehen zu können. Manchmal haben wir das aber auch nicht. Dann hilft es nur zu akzeptieren, dass sie Kinder ihrer Geschichte sind und wir vieles davon abgekriegt haben, aber uns ja nicht den Rest unseres Lebens damit identifizieren müssen.

    Leichter gesagt, als getan. Aber wir können lernen, mit unserer Sozialisierung zu leben und uns selbst etwas eigenes aufzubauen, in dem wir uns wohl fühlen. Mit Defiziten ist das zwar scheinbar schwieriger, aber es können sich auch genau daraus persönliche Stärken entwickeln.

    Dazu ist es aber erstmal erforderlich, sich von den Eltern auch im negativen zu lösen. Also nicht ständig der inneren Vorwurfshaltung, so berechtigt sie auch sein mag, alle Aufmerksamkeit geben, sondern sie als Menschen sein zu lassen, die es eben nicht besser konnten.

    Der Kontakt wird trotzdem nicht einfach sein, aber Du kommst dann aus dieser Wartehaltung und des Enttäuscht-seins raus, in dem Du anscheinend immer noch bist.

    Und in einer Therapie kann es nur um die Verbesserung DEINER Lebensqualität gehen. Der Kontakt zu Deinen Eltern wird dazu gehören, aber das Leben Deiner Eltern ist dabei nicht von Belang. Denn darauf hast Du keinen Einfluss. Das ist ihr Päckchen, das sie zu tragen haben.

    PS: Vll kannst Du einen etwas sanftmütigeren Blick zu Deiner Mutter hin bekommen, weil sie nun in Therapie ist. d.h. ja vermutlich, dass sie selber gemerkt hat, dass einiges in ihrem Leben schief läuft.
    Vll solltet ihr eure Themen auch nur darauf beschränken, wo ihr Übereinstimmungen habt.
    Geändert von Gast784 (18.12.2010 um 15:18 Uhr)

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Gast784 für den sinnvollen Beitrag:

    ullakind (20.12.2010)

  4. #3
    Neuling
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    Standard

    Hallo Gabiannarele!

    Vielen Dank für deine Antwort! Du hast mir schon etwas geholfen.

    was weisst Du nicht? Warum Dir das hier leicht fällt und beim Therapeuten nicht? Kann das damit zu tun haben, dass Du Konsequenzen fürchtest, die Du selbst ziehen müsstest und wozu Du nicht bereit bist?
    Ich glaube, ich habe Angst davor, dass der therapeut sagen würde: "Es ist doch nicht schlimm gewesen und was stellst du dich so an?" Es ist ein Satz den ich sooft gehört habe von meinen Eltern. Wenn ich krank war kam der Satz, wenn ich Schmerzen hatte oder auch wenn ich mit ihnen über Dinge reden wollte. Ein Beispiel habe ich ja schon gegeben.

    Mir ist nämlich bei Deinem Schrieb eines aufgefallen: Du achtest sehr auf die Reaktion Deiner Eltern. Es ist aber so: dass sie Deine Kritik nicht annehmen - geschweige denn umsetzen können - heisst ja nicht, dass Du Dich ihrem Weltbild nun anpassen musst und Deinen Konflikt mit ihnen untern Teppich kehren sollst.
    Mein Freund hat mir gestern das gleiche gesagt. Er hat mir gesagt: Es ist deine Entscheidung, die Meinung deiner Eltern nur eine von vielen. Er hat mich da auch gefragt: "Was machst du denn, wenn jemand genau die gegenteilige Meinung hat?"

    Aber es ist eben schwierig. Ich habe von meinen Eltern schon sooft Dinge vor den Kopf geworfen bekommen, die einfach nicht stimmten. Ich sei faul oder zu gut für einen Job. Meine Mutter hatte mich mal gezwungen, Prospekte zu verteilen. Ich wollte das überhaupt nicht, da ich mit meinem Taschengeld gut auskam und damals ebenfalls kurz vor dem Abitur stand und viel für die Schule zu tun hatte. Naja, da gab es ein riesen Theater. Als ich nicht zur Abschlussmesse für die Abiturienten in die Kirche gehen wollte, weil ich einfach nicht gläubig bin, hat sie herumgeschrien und herum geheult. Als ich ihr sagte, wie ich über Kirche und Religion denke, das gleiche Spektakel. Da wurde ich sogar noch gefragt, wer mir diesen Blödsinn eingeredet hat.

    Daher habe ich immer so eine Angst vor ihren Reaktionen. Ich habe jetzt schon Angst bzw. bin kurz davor, wirklich im Sommer fast doppelt so viel zu arbeiten, weil sie es von mir will.

    Und wenn ich noch bei Ihnen leben würde, bzw. sie öfters sehen würde, würde ich es mit Sicherheit auch tun. Aber da ich so weit weg lebe, fühle ich mich wirklich in Sicherheit meine eigenen Entscheidungen zu treffen oder es zumindest zu versuchen.

    Meine Eltern will ich nicht damit belasten. Wei du richtig sagst: Ihr Realität würde zusammenbrechen, wenn sie sich der Kritik stellen würden und das kann ich nicht verantworten.

    Die Gespräche mit meinen Eltern halte ich auch auf platonischer Basis, weil ich mehr einfach nicht ertragen kann. Mir wird das zu viel.

    Ansonsten bin ich eigentlich sehr glücklich in meinem Leben. Mir geht es ja auch meistens sehr gut, bis mich diese Vergangenheit einholt. Ich arbeite an meiner Zukunft und will eigentlich nicht mehr zurückschauen.

  5. #4
    Gast784
    Gast

    Standard

    Meine Eltern will ich nicht damit belasten. Wei du richtig sagst: Ihr Realität würde zusammenbrechen, wenn sie sich der Kritik stellen würden und das kann ich nicht verantworten
    nein, ihre Realität wird nicht zusammen brechen, weil so weit Deine Realität gar nicht zu ihnen vordringen kann. Sie werden daher gar nicht verstehen können, was Du eigentlich sagst. Das hab ich damit gemeint.

    Und es ist auch nicht Deine Verantwortung, sondern ihre eigene. Da bist Du wieder in der Abhängigkeitsposition. Du bist einfach noch nicht von ihnen abgenabelt.

    Darum...
    Ich arbeite an meiner Zukunft und will eigentlich nicht mehr zurückschauen.
    ... schaust Du auch nicht zurück, sondern Du bist in der Gegenwart immer noch das Kind und das beisst sich mit Deinen Zukunftsplänen.

    Ich glaube, ich habe Angst davor, dass der therapeut sagen würde: "Es ist doch nicht schlimm gewesen und was stellst du dich so an?"
    Eben. Du bist noch so wenig abgenabelt, dass Du alles, was Du tust oder bist, immer noch mit der Stimme Deiner Eltern erlebst. Es gibt zwar auch unter Therapeuten einige Schwachmaate, aber so einen Satz traue nicht mal ich einem Therapeuten zu Das ist der Satz Deiner Eltern, der wie ein Mantra immer noch in Dir wirkt, wie Du schon selber festgestellt hast.

  6. #5
    Neuling
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    Ja, du beschreibst die Situation eigentlich ziemlich gut: Die Abnabelung ist noch nicht so weit da, dass ich sagen kann: Es ist mir egal, was meine Eltern denken und sollen sie ruhig meckern.

    Meine Vater ist in diesem Punkt eh absolut einfach. Bei ihm sind es eher die psychische Probleme, die mich mit fertig machen. Ich kann damit einfach nicht umgehen.

    Meine Mutter hat eben einen sehr starken Kontrollzwang und dies immer versucht in allen Punkten ihres Lebens und auch meines und das meines Vaters umzusetzen. Das fing bei kleinen Alltäglichkeiten an (wie man die Kühlschrank zu zu machen hat, die Fernbedienung muss immer sie haben etc.) und endete bei massiven Kontrollen / Machtausübungen: Sie bestimmt, wann ich heiraten darf und wann nicht (und dass ich das nicht will, will sie nicht wahrhaben), sie bestimmt, was ich glaube. Seit ich klein war, hat sie Jungs, später Männer ausgesucht, die ich heiraten soll und die sie sich als Schwiegersohn gut vorstellen kann und dies auch noch jedem erzählt.

    ein Satz, der auch hin und wieder gefallen ist: "Wenn du das oder das machst, hole ich dich zurück nach Hause". Wobei ich mir die Frage stelle, wie sie eine vollmündige, erwachsene Frau gegen ihren Willen irgendwo hinbringen will.

    Die Frage ist nun, was ich tun soll: Ich kann sie nicht erreichen und will es auch nicht. Ich bin es auch leid und müde, mit ihnen über Dinge zu reden, die mich stören und dann immer die gleiche Reaktion zu bekommen.

    Nur wie kann ich mich endlich von ihnen abnabeln?

  7. #6
    Gast784
    Gast

    Standard

    Sonnenblume, das sind so viele grundsätzliche Dinge, das würde doch dafür sprechen, dass Du Dir einen Therapeuten hinzu ziehst, findest Du nicht?

    Wenn ich das in den alten Freds richtig gelesen habe, hat Dein Vater Depressionen und Du hast oder hattest auch welche. Das kann durchaus systemisch sein, aber das zu lösen, wäre in einer Therapie eher möglich als hier. Du kannst Dir hier nur Tipps und Anregungen holen.

    Auch hattest Du früher einiges aus Deiner Beziehung erwähnt, da scheinen sich auch Themen durchzuziehen. Wie läufts da jetzt eigentlich? Immer noch bei den "Schwieger-"Eltern?

  8. #7
    Neuling
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    Standard

    Die Beziehung läuft eigentlich sehr gut. Mein Freund will aber auch nicht mehr mit mir über das Problem mit meinen Eltern reden, da er sagt, dass wir darüber so viel geredet haben und ich mir professionelle Hilfe suchen muss. Da hat er ja auch irgendwie recht, nur bin ich derzeit nicht bereit dazu.

    Mit den Schwiegereltern komme ich auch besser klar, auch wenn ich mich manchmal noch über eine Dinge wundern muss und manche dinge sehr komisch finde. Aber gut, das hat wohl jeder und ist auch nicht so schlimm.

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