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Thema: Probleme mit dem Umgang mit dem Tod

  1. #1
    Gast3125
    Gast

    Standard Probleme mit dem Umgang mit dem Tod

    Ich habe das auch schon in einem anderen Forum gestellt. Leider aber keine Antwort erhalten. Also nicht wundern, wenn Ihr denkt, Ihr hättet das vielleicht schon einmal gelesen.

    Im Moment sind in meinem näheren Umfeld habe ich drei Menschen, die wahrscheinlich bald sterben werden.

    Ein Mensch ist schon sehr alt. Der Tod ist absehbar.

    Ein Mensch ist im mittleren Alter. Aber durch eine schwere Erkrankung liegt die Lebenserwartung bei ca. 2 Jahren.

    Einer ist schon älter und heute bekam ich die Mitteilung, dass er vielleicht Krebs hat. Das hat mich jetzt vollendends aus den Socken gehauen.

    Warum ich keine Namen nenne oder wer es genau ist? Ich habe das Gefühl, wenn ich genaueres über die Menschen erzähle, dann wird das mit dem Tod nur noch realer.

    Ich weiß nicht mehr wohin mit meiner Trauer. Es tut schon körperlich weh. Mein Umfeld reagiert nur mit Platitüden. Von "ist doch schon alt", "so ist das Leben halt" usw.

    Ich möchte die Menschen festhalten u nd nicht loslassen. Dann können sie mich nicht verlassen, oder? Und dann bin ich wieder wütend. Oder heule mir die Augen aus dem Kopf. Dann werde ich wieder für ein paar Augenblicke ganz ruhig und hoffe, dass alles bald vorbei ist. Keine Krankenhausbesuche mehr. Kein Erschrecken vor jedem Telefonklingeln. Und vor allem diese furchtbare furchtbare Angst ist weg. Und dann schäme ich mich. Wie kann ich soetwas nur denken!

    Ich möchte schreien. Ich möchte mit den Fäusten gegen die Wand tormmeln. ich habe solche schreckliche Angst. Ich fühle mich so einsam. Ich will das nicht.

    Was soll ich tun? Soetwas macht doch jeder einmal durch. Ich bin da doch nicht alleine. Die anderen sind so verdammt tapfer. Ich kann einfach nicht mehr. Ich will auch nicht mehr. Es tut so verdammt weh!

    ****
    Ich möchte den tod akzeptieren können. Und nicht so dagegen angehen. Andere erzählen immer von den würdevollen letzten Stunden die sie mit ihren Angehörigen hatten. Das sie die letzte Zeit intensiv genutzt haben. Das fällt mir so unendlich schwer.

    Und das auf und ab macht mich fertig. Wie jetzt: Wieder eine Einweisung ins Krankenhaus. Ich hoffe, dass noch einmal alles gut geht. Stundenlanges warten, keine klaren Antworten. Dann wieder Erleichterung. Und drei Tage später geht dieses Spielchen wieder von vorne los. Bis es eben einmal nicht mehr gut gehen wird, was ich ja weiß. Es ist eine Anspannung die mich fertig macht.

    Ich müsste gleich wieder losfahren. Aber ich kann einfach nicht. Ich habe jetzt ca. 12 Stunden am Stück, die ganze Nacht durch, geweint. Ich kann mich nicht wieder in ein Wartezimmer setzen und drei Stunden auf ein Gespräch mit dem Arzt warten. Da breche ich total zusammen. Ich kann da doch nicht sitzen und heulen. Die halten mich ja für total hysterisch (was ich wahrscheinlich bin!)

  2. #2
    Neuling
    Registriert seit
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    Danke
    0
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    Standard

    Hallo Ina72,

    ich kann nur ansatzweise nachfühlen, wie es Dir gehen muss. Und weiß leider keinen Rat, der Dir die Angst und Trauer und Wut abnehmen kann. Einen Rat, der auf alles und jede Person zutrifft, den wird es so nicht geben - leider.

    Wenn eine liebe Person stirbt, fällt man in ein unendlich tiefes Loch - und wenn man den Tod auch noch "angekündigt" bekommt, wird das Loch dadurch nicht weniger tief!!!! Aber vielleicht kann man die verbleibende Zeit noch nutzen - einfach füreinander da sein, auch wenn man Angst hat, und Zeit miteinander verbringen - vielleicht kann Dir auch so Deine Angst genommen werden?!

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Kraft, vielleicht hast Du ja auch eine vertraute Person, der Du Dich anvertrauen kannst und die Dich einfach mal in den Arm nimmt?!

    Liebe Grüße
    Sandra

  3. #3
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Ina,

    nein, Du bist nicht hysterisch.

    Wir haben den Umgang mit dem Tod so sehr aus unserer modernen Gesellschaft verbannt, dass wir ihn nicht mehr als was natürliches erleben und keine Strukturen und Rituale mehr haben, um mit ihm und mit unserer Trauer klarkommen zu können.

    Der Umgang mit solchen Erlebnissen ist leider reine "Privatsache" geworden, obwohl gerade hier Gemeinschaft und reden unglaublich wichtig wäre.

    Ich habe in den letzten 10 Tagen in einer Klinik mein Zimmer mit Brustkrebsoperierten Frauen geteilt und bin daher sehr intensiv mit diesen Fragen in Kontakt gekommen. Diese Frauen hatten alle das Problem, dass sie nicht über ihre Krankheit reden können, weil die Öffentlichkeit damit nicht umgehen kann. Die Leute, die mit so was noch nie konfrontiert waren, sind schlichtweg überfordert. Die Medien sagen uns Krebs = Tod. Und niemand weiss, wie man mit den angeblich totgeweihten umgehen soll. Damit hilft man den Betroffenen nicht und sich selbst auch nicht.

    Ist es Dir möglich, mit diesen Menschen ins Gespräch zu kommen, wie es ihnen mit ihrer Krankheit geht, wie sie damit umgehen etc? Das könnte Dir helfen neue Sichtweisen zu finden und den Betroffenen hilft es auch, wenn man nicht verschreckt vor ihnen zurückweicht, sondern sich ehrlich für sie und ihre Prozesse interessiert.

    Es ist nicht immer alles so, wie es scheint. Für den alten Menschen ist vielleicht die Lebensqualität viel entscheidender als die noch verbleibende Lebensdauer, weil er geistig im günstigen Fall ja auch ganz woanders steht als ein junger Mensch.

    Krebs ist viel mehr ein Weg als eine Todesart.

    Und bei dem Menschen mit der verringerten Lebenszeitprognose kann es auch mehr um die Frage der Qualität gehen.

    Bei den krebskranken Frauen habe ich auch gelernt, dass die Frage der Qualität sehr wichtig. Ist. Sie haben auch schon ihre Mütter gepflegt und in den Tod begleitet und da stand Würde weit über Lebensverlängerung.

    Würde ist etwas unglaublich wichtiges, vielleicht das wichtigste überhaupt. Vielleicht hilft es Dir, wenn Du Dich so verhältst, dass Du ihnen hilfst, ihre Würde zu spüren und zu bewahren. Das wird auch auf Dich zurückstrahlen.

    lg Gaby

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