Also ich habe zwei sehr unterschiedliche Psychotherapien in tiefenpsychologischer Richtung gemacht. Von der ersten will ich am liebsten erst gar nicht reden, die war meiner Ansicht nach einfach schlecht - vielleicht unterziehe meinen damaligen Therapeuten einer zu harschen Kritik; aber er hat einen wichtigen Selbstaspekt von mir nicht akzeptieren können und das kam erst in der letzten Stunde raus, die ich bei ihm machte. Er war am Anfang noch in der Ausbildung, und deswegen geistig wohl etwas flexibler und vielleicht fand er es auch spannend, aber er konnte vielleicht gewisse Entscheidungen, die ich traf nicht nachvollziehen. Später erlebte er mich wohl als eher anstrengend, z. T. sogar ermüdend. Diese "Gegenübertragung" haben wir leider nicht wirklich bearbeitet, weil er sie als solche nicht begriff - ich damals sowieso nicht, da ich davon keinen Begriff hatte!
Wie dem auch, es war eine verlängerte Kurzzeittherapie - ich glaube keine 200 Stunden insgesamt, die zunächst mit ursprünglich 25 Therapiestunden beantragt wurde.
Überhaupt ist es Usus, würde ich sagen, erst einmal Kurzzeit zu beantragen: Wenn es nämlich länger dauern sollte und der Therapeut es für angebracht hält, wird er das schon rechtzeitig mitteilen oder erfragen. Du kannst auch gewiß erst einmal Probierstunden machen, die die Krankenkasse gewiß bezahlt, insonders wenn dein jetziger Therapeut der Krankenkasse das begründet darlegen kann, warum er eine psychoanalytisch orientierte Therapie für indiziert hält! In solchen fünf Therapiestunden kannst du schauen, ob es was für dich wäre, und auch, ob der/die Therapeutin etwas für dich ist.
Das geht als Anstoß vielleicht über Literatur: Marie Cardinal hat ihre Psychoanalyse in dem Buch Schattenmund beschrieben - ein beeindruckendes Buch; besorg es dir mal, vielleicht ist es etwas für dich!
Wenn ich jetzt etwas über meine zweite, psychoanalytisch orientierte Psychotherpie etwas schreibe, sei aber bemerkt, daß es, glaube ich, eigentlich nicht repräsentativ sein kann, aber es kann einen Eindruck vermitteln.
Meine zweite Therapie machte ich bei einer "unorthodoxen" Psychoanalytikerin in Ffm. Nachdem ich ihr erklärt hatte, daß ich nicht möchte, daß sie ihre Meinung sagt - diesen Eindruck hatte ich - sondern wenn bitte schön, Deutungen machen solle, achtete Sie in der Tat darauf, und betonte sogar gelegentlich, daß es nur eine Hypothese sei, wenn sie etwas sagte. Das klingt etwas überzogen, aber das war in der wichtig für mich, klar zu stellen, daß sie nicht wissen, sondern nur mutmaßen könne, was ich fühle. So nähert wir uns an und ich konnte Vertrauen fassen. Über diese Erfahrung bin ich sehr glücklich!
Sympathisch war mir vor allem, daß sie meine Frage nach Alice Miller beantworten konnte: Ja, sie hatte deren ersten Bücher quasi studiert und äußerte sich nicht so abfällig über sie wie mein erster Therapeut. Sie war auch sehr geübt in der "gleichschwebenden Aufmerksamkeit".
Ich kann nur sagen: laß dich von der Vorstellung nicht abschrecken, daß du aktiv sein müßtest, weil du sprichst. Was wichtig ist, wird dir schon einfallen. Es ist eine spannende Erfahrung, sich kleinste Details von Erlebnissen anzuschauen.


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