psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
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Thema: Psychoanalyse?

  1. #9
    Gast2365
    Gast

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    Also ich habe zwei sehr unterschiedliche Psychotherapien in tiefenpsychologischer Richtung gemacht. Von der ersten will ich am liebsten erst gar nicht reden, die war meiner Ansicht nach einfach schlecht - vielleicht unterziehe meinen damaligen Therapeuten einer zu harschen Kritik; aber er hat einen wichtigen Selbstaspekt von mir nicht akzeptieren können und das kam erst in der letzten Stunde raus, die ich bei ihm machte. Er war am Anfang noch in der Ausbildung, und deswegen geistig wohl etwas flexibler und vielleicht fand er es auch spannend, aber er konnte vielleicht gewisse Entscheidungen, die ich traf nicht nachvollziehen. Später erlebte er mich wohl als eher anstrengend, z. T. sogar ermüdend. Diese "Gegenübertragung" haben wir leider nicht wirklich bearbeitet, weil er sie als solche nicht begriff - ich damals sowieso nicht, da ich davon keinen Begriff hatte!

    Wie dem auch, es war eine verlängerte Kurzzeittherapie - ich glaube keine 200 Stunden insgesamt, die zunächst mit ursprünglich 25 Therapiestunden beantragt wurde.

    Überhaupt ist es Usus, würde ich sagen, erst einmal Kurzzeit zu beantragen: Wenn es nämlich länger dauern sollte und der Therapeut es für angebracht hält, wird er das schon rechtzeitig mitteilen oder erfragen. Du kannst auch gewiß erst einmal Probierstunden machen, die die Krankenkasse gewiß bezahlt, insonders wenn dein jetziger Therapeut der Krankenkasse das begründet darlegen kann, warum er eine psychoanalytisch orientierte Therapie für indiziert hält! In solchen fünf Therapiestunden kannst du schauen, ob es was für dich wäre, und auch, ob der/die Therapeutin etwas für dich ist.

    Das geht als Anstoß vielleicht über Literatur: Marie Cardinal hat ihre Psychoanalyse in dem Buch Schattenmund beschrieben - ein beeindruckendes Buch; besorg es dir mal, vielleicht ist es etwas für dich!

    Wenn ich jetzt etwas über meine zweite, psychoanalytisch orientierte Psychotherpie etwas schreibe, sei aber bemerkt, daß es, glaube ich, eigentlich nicht repräsentativ sein kann, aber es kann einen Eindruck vermitteln.
    Meine zweite Therapie machte ich bei einer "unorthodoxen" Psychoanalytikerin in Ffm. Nachdem ich ihr erklärt hatte, daß ich nicht möchte, daß sie ihre Meinung sagt - diesen Eindruck hatte ich - sondern wenn bitte schön, Deutungen machen solle, achtete Sie in der Tat darauf, und betonte sogar gelegentlich, daß es nur eine Hypothese sei, wenn sie etwas sagte. Das klingt etwas überzogen, aber das war in der wichtig für mich, klar zu stellen, daß sie nicht wissen, sondern nur mutmaßen könne, was ich fühle. So nähert wir uns an und ich konnte Vertrauen fassen. Über diese Erfahrung bin ich sehr glücklich!

    Sympathisch war mir vor allem, daß sie meine Frage nach Alice Miller beantworten konnte: Ja, sie hatte deren ersten Bücher quasi studiert und äußerte sich nicht so abfällig über sie wie mein erster Therapeut. Sie war auch sehr geübt in der "gleichschwebenden Aufmerksamkeit".

    Ich kann nur sagen: laß dich von der Vorstellung nicht abschrecken, daß du aktiv sein müßtest, weil du sprichst. Was wichtig ist, wird dir schon einfallen. Es ist eine spannende Erfahrung, sich kleinste Details von Erlebnissen anzuschauen.
    Geändert von Gast2365 (10.05.2009 um 21:54 Uhr)

  2. #10
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    Das Prodezedere der Therapeutensuche kenne ich ja schon so ungefähr. Allerdings scheint mir, als gäbe es nicht so wirklich viele Psychoanalytische Therapeuten oder Tiefenpsychologen. Ich möchte dies nicht als Abenteuer sehen, sondern ich will wirklich Hilfe um mein Leben positiv zu verändern.
    Hat dir denn die zweite Therapie geholfen, bzw. hilft sie dir noch?
    Wenn Sie mich suchen, ich halte mich in der Nähe des Wahnsinns auf, genauer gesagt auf der schmalen Linie zwischen Wahnsinn und Panik, gleich um die Ecke von Todesangst, nicht weit weg von Irrwitz und Idiotie.

    Ich bin frei und ich l(i)ebe es!!!

  3. #11
    Gast2365
    Gast

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    In der Tat hatte ich sehr lange den Eindruck, daß mir die letzte Therapie, die ich sogar erst letztens wirklich abgeschlossen habe, zunächst nicht so wirklich geholfen hatte. Erinnerst du dich an meine Bemerkung in einem Thread von mir, daß ich als Kriterien einer gelungenen Therapie Beziehungs- und Arbeitsfähigkeit angab? Freilich hatte ich es einmal auch so gelesen, aber es ist auch gewissermaßen meine Erfahrung, allerdings bemerkte ich das erst, nachdem ich meine Therapeutin nicht mehr aufsuchte - was daran lag, daß ich aus Ffm fortzog. Die zugrundeliegende Thematik beider Bereiche ist ja Fähigkeit Konflikte auszuhalten oder - wie es sich psychoanlytisch umschreiben läßt - Ambivalenzen zu ertragen. Diesen Effekt meiner zweiten psychoanalytisch orientierten Therapie sprach ich in meiner Antwort nebenbei mit dem Stichwort Vertrauen an. Natürlich verdanken ich auch sehr guten Freunden aus dieser Zeit sehr viel, aber daß ich Verletzungen in diesen Freundschaften durcharbeiten konnte, daß verdanke ich ihr, weil sie mich in meiner Betroffenheit ernst nahm.

    Die Freunde von mir, die ich erwähnte, machten übrigens auch sehr bald psychoanalytisch ausgerichtete Therapien. Die Freundin ging zu einer eher orthodoxen Psychoanalytikerin, mit der sie ihre psychischen Konflikte durchaus gut durcharbeiten konnte; der Freund hingegen machte zunächst eine quasi richtige Psychoanalyse, d. h. er legte sich auf die Couch - aber das war wirklich nichts für ihn und er und sein Psychoanalytiker verstrickten sich in der Gegenübertragung! Ich glaube, er schloß später eine Gesprächstherapie an, die ihm besser helfen konnte.

    Von einem älteren Psychoanaltiker, zu dem ich beinahe einmal gegangen wäre, habe ich übrigens über eine Freundin später gehört, daß er eine seiner sehr jungen Patientinnen so attraktiv fand, daß er die Therapie beenden wollte, um mit ihr eine Beziehung einzugehen. Die junge Frau war aber so geistesgegenwärtig, von sich aus, die Therapie zu beenden! Aber über solche Kollusionen gab es in den 1990er Jahren einen kritischen Diskurs und ich denke, daß den die meisten Psychoanalytiker verfolgt haben.

    Wenn ich also etwas empfehlen sollte, neige ich aufgrund meiner und der geschilderten Fremderfahrungen dazu, eher Psychoanalytikerinnen als Psychoanalytiker zu empfehlen!

  4. #12
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    Ich arbeite generell lieber mit Männern. Ich finde es auch nicht schlimm, dass er sie attraktiv fand und abbrechen wollte. Auch therapeuten sind nur Menschen. Dass er eine Beziehung mit ihr eingehen wollte, ist etwas seltsam...
    Wenn Sie mich suchen, ich halte mich in der Nähe des Wahnsinns auf, genauer gesagt auf der schmalen Linie zwischen Wahnsinn und Panik, gleich um die Ecke von Todesangst, nicht weit weg von Irrwitz und Idiotie.

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