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Thema: Religion und Glaube als Genesungsfaktor

  1. #1
    Gast5559
    Gast

    Standard Religion und Glaube als Genesungsfaktor

    Hallo!

    Zuerst einmal hat es mich sehr gefreut, beim Einstieg ins Forum eine Ecke für "Religion und ..." vorzufinden; in einem anderen Psych.-Forum, in das ich vorher 'reingeschaut hatte, wurde eigentlich alles nur niedergemacht, was mit Glauben zu tun hat - es sei denn, es war eine der modischen Selbstbedienungs-"Religionen", Esorterik etc., dafür bestand Toleranz; Christen wurden aber regelrecht weggemobbt. Christentum gilt offensichtlich als altmodisch, verstaubt, vorgestrig ...

    Um auf den Thread-Titel zu kommen: Bei mir selbst hat entscheidend bei der Genesung mitgewirkt, in meinen Erwachsenenjahren zurückzufinden zum Glauben an Gott, an Christus. Ich finde den Satz von C.G. Jung deshalb bemerkenswert, in dem er bei all seinen Psychiatriepatienten das Fehlen jeglicher religiösen Bindung als einen Faktor benennt, der die Gesundung erschweren kann - der Umkehrschluss liegt auf der Hand.

    So, und nun werde ich die Rubrik hier mal ein wenig durchforsten ...

    Bis später,
    sagt Biggi
    Geändert von Gast5559 (15.08.2010 um 12:21 Uhr)

  2. #2
    Verleger Avatar von Natz
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    Standard

    Ich finde den Satz von C.G. Jung deshalb bemerkenswert, in dem er bei all seinen Psychiatriepatienten das Fehlen jeglicher religiösen Bindung als einen Faktor benennt, der die Gesundung erschweren kann - der Umkehrschluss liegt auf der Hand.
    Sehr interessanter Aspekt. Es leuchtet natürlich ein, wenn man an etwas glaubt, das Leben unter Umständen besser zu bewältigen ist.
    Ich glaube, das Christentum verstaubt deshalb etwas, weil viele, die es vertreten auch verstaubt sind und die Ansichten ebenso. Wenn ich da an den Pabst und Verhütung denke....
    Grundsätzlich finde ich es gut, wenn man einen Glauben hat, der einem durchs Leben hilft. Ich habe da aber auch so meine Probleme mit dem ganzen Engelsgedöns, usw. Da habe ich manchmal genau den umgekehrten Eindruck: das sind meistens Frauen, wo realitätsfremd und in meinen Augen nicht gerade gesund sind.
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

  3. #3
    Gast5559
    Gast

    Standard

    Ja, Christen gibts natürlich sonne und sonne

    Mir sind beileibe nicht alle nur deswegen sympathisch, weil sie gläubig sind. Ich selbst kann keine religiöse Schwärmerei ab, wenn es zu "gefühlig" wird, mache ich eher zu. Es gibt aber zum Glück auch einige handfeste, liebenswerte und tatkräftige Mitchristen, die mitten im Leben stehen und zudem sehr viel für andere tun, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

    Da der Papst nicht zu meiner eigenen Glaubensrichtung gehört, mag ich dazu nichts sagen ... Kritikpunkte gibts natürlich auch reichlich, ich will da gar nichts beschönigen. Glaube kann auch immer nur so sein wie die Menschen, die ihn ausüben, fehlerhaft und angreifbar. Gerade das Christentum rechnet aber mit dem Versagen - und hat genau dazu eine (für mich) überzeugende Haltung.

    LG Biggi

  4. #4
    Verleger Avatar von Natz
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    Standard

    Hallo Biggi!
    So, jetzt treffen wir uns nochmal "drüben"
    Also: micht interessiert einfach Deine Aussage, die Dinge in die Hände Gottes oder einer höheren Instanz zu legen. Gehört das nicht zu diesem 12-Schritte-Programm?
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

  5. #5
    Gast5559
    Gast

    Standard

    Hallo Natz!

    Zitat Zitat von Natz Beitrag anzeigen
    Also: micht interessiert einfach Deine Aussage, die Dinge in die Hände Gottes oder einer höheren Instanz zu legen. Gehört das nicht zu diesem 12-Schritte-Programm?
    Natz = heller Kopf: Ja.

    Ich bin in dieser Richtung sicherlich "geimpft", da ich mich damals mit meiner Tablettensucht viel mit den Grundsätzen der 12-Schritte-Gruppen beschäftigt habe. Ich habe damals auch einige dieser Gruppen besucht und gesehen, wieviel die Menschen, die mit der Überwindung der Sucht so immens gefordert waren, dort mit ihrer - Achtung, jetzt kommt ein gaaaanz altmodisches Wort - neuen Haltung der DEMUT - sicherlich für viele die allerschwerte, vorher undenkbarste überhaupt - erreicht haben.

    Das hat mir imponiert, und als ich in meinem Herzen Christin wurde, war so ganz und gar folgerichtig, Gott gegenüber demütig zu werden, meine anmaßende Haltung, alles am besten zu wissen, aufzugeben; die Demut vor Gott aber bitte nicht verwechseln mit "Unterwürfigkeit", damit hat sie nichts zu tun. Im Gegenteil, die Last des Lebens zu einem Gutteil an IHN abzugeben, ließ mich zumindest innerlich ein Stückchen wachsen.

    Demut heißt in diesem Fall vielmehr "Loslassen und Gott machen lassen". Es bedeutet wie gesagt im Grunde nichts anderes, als nicht immer zu meinen, selbst die allerletzte Weisheit "gefressen" zu haben und eigensinnig vorgeben zu wollen, wie die Dinge zu laufen haben. Wie oft haben sich in meinem Leben gerade die höchsten Hürden, gegen die ich mich am meisten gestemmt habe, im Nachhinein als die hilfreichsten Weichen erwiesen ... Es geht also in erster Linie um ein grundsätzliches Einverstandensein mit dem, was geschieht, und gleichzeitig um die Akzeptanz, dass es sehr wohl mehr gibt, als sich "unsere Schulweisheit träumen lässt", wie es der alte Herr Goethe ausdrückte.

    In diesem Sinne noch den Leitspruch der 12-Schritte-Gruppen:

    "Gott gebe mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann - und die Weisheit, beides voneinander zu unterscheiden"
    Geändert von Gast5559 (21.08.2010 um 09:16 Uhr)

  6. #6
    Gast5147
    Gast

    Standard

    Hi Sweetmama,

    ja, in der Hinsicht finde ich, ist Glaube eine gute Hilfe, um etwas besser zu ertragen, besser zu verarbeiten etc. Natürlich hilft die Vorstellung, es gäbe eine höhere Macht, die etwas in die Hand nehmen kann, die lenken und richten kann.
    Es gibt aber auch den umgekehrten Fall:
    - Religion als Krankheitsfaktor. Ich meine damit nicht den Glauben. Der Glaube an sich und die Religion (mit Institution) sind zwei unterschiedliche Dinge.

    Meist ist Glaube als Genesungsfaktor ansehbar, wenn man denn aus eigenem Interesse heraus daran teilnimmt, sich diesem hingibt.
    Und das scheint bei Dir der Fall zu sein: Du hast für Dich etwas gefunden, was Dir hilft.

  7. #7
    Gast5559
    Gast

    Standard

    Hi Madness!

    Ja, was mir hilft und mein Leben um eine neue Dimension bereichert hat - so möchte ich es ausdrücken.

    Sicher ist der Glaube eine sehr subjektive Erfahrung. Und ich selbst bin immer erschüttert und fassungslos, wenn Religion missbraucht, verzerrt und entstellt wird und Menschen damit geknechtet und / oder für eigensüchtige Zwecke benutzt werden - schlimm! Religion ist aber das, was die Menschen aus dem Glauben gemacht haben, bitte nicht vergessen.

    Ich hatte wohl das Glück, selbst ziemlich unberührt von Religion aufzuwachsen (wenn auch in einer schwer belasteten Familie, das gehört aber hier nicht hin) und somit als reifer Mensch sozusagen ganz neu mit Gott beginnen zu können, verstehe aber absolut, wenn andere, die selbst schlechte Erfahrungen gemacht haben mit ihrer Religion, dem Glauben ablehnend gegenüberstehen. Aber auch dort kann eine Heilung stattfinden, man muss sich allerdings im Herzen dafür öffnen, und das ist nicht leicht, umso schwerer, je schlimmer die Verletzungen waren.
    Geändert von Gast5559 (21.08.2010 um 09:27 Uhr) Grund: Zusatz

  8. #8
    Gast5147
    Gast

    Standard

    Ah, da muss ich etwas korrigieren:
    Ich stehe dem Glauben nicht abgeneigt gegenüber, im Gegenteile! Ich glaube!
    Auch ich hatte das Glück, deshalb verstehe ich Dich, mich erstens zu lösen von dem ganzen Irrsinn meiner Erziehung und dann im zweiten Schritt meinen Glauben wiederzufinden.

    Mir ist es auch äußerst zuwider, wenn ich daran denke, wie viel eine Institution kaputt machen kann, wie viel Manipulation und Wahnsinn dahintersteht, wie viel Machtbesessenheit.

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