psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Ergebnis 1 bis 2 von 2

Thema: Scheidungskind

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    13.06.2011
    Beiträge
    1
    Danke
    0
    0 mal in 0 Beiträgen bedankt

    Standard Scheidungskind

    Hallo liebes Forum,

    ich mache mir grosse Sorgen um meine Tochter, die gerade auch noch mitten in der Pubertät ist.
    Vor 3 Jahren habe ich mich getrennt und samt meiner damals 9-jährigen Tochter ausgezogen.
    Der Auszug war auch komisch so wie mein ganzes Eheleben eigentlich.
    Da mein Ex-Mann an Wutattacken leidet und mir mehrmals gedroht mit dem Krieg und Hölle falls ich samt Tochter ausziehe, blieb mir nichts anderes übrig als erste Zeit unser Wohnort zu verheimlichen und leider Gottes musste ich auch meine Tochter bitten nichts zu sagen. Darunter hat sie auch leiden müssen. Nach einiger Zeit, als sich die Lage entspannt hatte, durfte sie auch über alles reden.
    Nun ist es so, dass mein Ex nur eine oberflächliche Vater-Tochter-Beziehung aufgebaut hat, die väterliche Zuwendung bekam meine Tochter nur in finanzieller Form, ansonsten hat ihn niemand zu stören.
    Und als dann sich rausstellte, dass Tochter keine Interesse an ihm als Person hatte und nur Geschenke wollte und sonst nicht so bestürzt über die Trennung aussah, hat er vieles begriffen und sehr fragwürdige Taktik bestrebte, in dem er mögliche und unmögliche Sachen über mich verbreitet hat und sich als super Daddy aufgespielt hat und was mir keine Ruhe gibt- es kann möglich sein, dass er vor ihr mit dem Messer rumgespielt hat und vermittelt, dass es sich für ihn nicht mehr lohnt weiterzuleben, wenn meine Tochter nicht mehr zu ihm zu Besuch kommt. Sie ist alle 2 Wo am WE bei ihm.
    Ich habe im Prinzip nichts dagegen, nach 9 Jahen hat die Tochter ihren Vater endlich kennen gelernt. Ich bin bloß dagegen, dass es auf meine Kosten geht.
    Dann gab es eine Zeit, wo mich meine Tochter hasste und alles was ich sagte in falschen Hals bekam, regelmäßig ausflippte, bis ich mein Ex angerufen habe und erneut gebeten hab nicht über mich herzuziehen sonst sind wir alle bald beim Psychologen. Danach ist herrliche Ruhe eingetreten. Aber ich habe das Gefühl, dass es immer noch bei meiner Tochter in Knochen sitzt.
    Nach einiger Zeit sind wir in eine andere Stadt gezogen, was auch für Wirbel sorgte. Ich habe erneut geheiratet und noch um noch ein süßes Mädchen reicher geworden. Das alles passierte innerhalb letzten 2 Jahren.
    Meine Tochter scheint gut mit der Situation klar zu kommen und ihre kleine Schwester liebt sie über alles.
    Nun ist es leider so, dass wir jetzt erneut umziehen müssen (mein Mann hat eine viel bessere Arbeitsstelle gefunden und auch dort schon in Probezeit ist), was für meine Tochter erneuten Schulwechsel bedeutet. Und davon ist sie überhaupt nicht begeistert. Fast jeden Tag beteuert sie, dass sie nicht wegziehen will und stellenweise tropfen die Tränen.
    Ich kann sehr gut ihren Zustand nachvollziehen und doch fällt mir keine andere Alternative ein als Umzug ein.
    Ihre Kommentare:
    "ich bin für Euch ein Hund, mich fragt keiner"
    "mein ganzes Leben ist da"
    "ich werde dann nie wieder glücklich"
    " in der neuen Schule werde ich niemanden kennen und alle kennen sich schon jahrelang"
    Und ich habe einfach Angst, dass sie mir in eine Depression wegrutscht und ich gar nicht an sie ran komme und sie bei den grünhaarigen am Bahnhof suchen muss.
    Wie kann ich es ihr erleichtern oder mich richtig einstellen? Wie soll ich mit ihr reden? Was kann ich ihr versprechen? Was mache ich wenn es ernst mir ihr wir?
    Das sind so Fragen, die mir keine Ruhe geben.
    Kann mir jemand einen guten Rat geben?

  2. #2
    Schreiberling
    Registriert seit
    25.03.2011
    Beiträge
    334
    Danke
    38
    89 mal in 69 Beiträgen bedankt

    Standard

    Hallo,

    zunächst einmal: Depressionen und Grünhaarigkeit haben nichts miteinander zu tun, genausowenig ist es auch mit Emos oder Gothics. Solche oder ähnliche Vorurteile sollten schnell beiseite gelegt werden, denn Depressionen sind eine Gemütskrankheit. Ich bin selber Scheidungskind mit Depressionen und habe keinen äußerlich auffälligen Freund, sondern ganz normale.

    Meine Tochter scheint gut mit der Situation klar zu kommen
    Hier aber:
    "ich bin für Euch ein Hund, mich fragt keiner"
    "mein ganzes Leben ist da"
    "ich werde dann nie wieder glücklich"
    " in der neuen Schule werde ich niemanden kennen und alle kennen sich schon jahrelang"
    sehe ich ganz klar die Hilfeschreie; Schein und Sein. Nur mal als Beispiel: Ich sehe von außen auch immer aus, als hätte ich keine Probleme und wäre ich immer froh, in Wirklichkeit aber bin ich in einer Psychotherapie und kam auch schon mal mit der Diagnose "schwere Depressionen" ins Krankenhaus. Ich glaube, eure Tochter ist innerlich weit mehr belastet, als Du Dir vorstellst, nur sie möchte es nicht zeigen, sondern nur in Notfällen, wie eben ihre Kommentare, die Du nanntest, zeigen. Allein die Tatsache, dass zusätzlich noch ihr Vater regelmäßige Wutausbrüche hat/hatte, zieht das Kind ungemein herunter. Wenn sie also keine Depressionen hat, könnt ihr von Glück reden, dass sie die noch nicht hat, drum finde ich es auch gut, dass Du Dich um sie so sehr kümmerst. Jedoch, wie ich zeigte, solltest Du Dich davon loslösen, dass sie so ist, wie sie zu sein scheint.

    Übrigens, nur nebenbei erwähnt: Gerade in diesem Alter - 8, 9, 10, 11, 12 Jahre - ist das Kind generell sehr anfällig in Scheidungen. Ich kann es gern in eigenen Worten erklären, denke aber, dass dieser Abschnitt es auch sehr gut darstellt:
    Zitat Zitat von Wikipedia
    Stadium 4: (bei Freud: Latenzzeit) Werksinn vs. Minderwertigkeitsgefühl (6. Lebensjahr bis Pubertät)

    „Ich bin, was ich lerne.“

    Kinder in diesem Alter wollen zuschauen und mitmachen, beobachten und teilnehmen; wollen, dass man ihnen zeigt, wie sie sich mit etwas beschäftigen und mit anderen zusammenarbeiten können. Das Bedürfnis des Kindes, etwas Nützliches und Gutes zu machen, bezeichnet Erikson als Werksinn bzw. Kompetenz. Kinder wollen nicht mehr „so tun, als ob“ – jetzt spielt das Gefühl, an der Welt der Erwachsenen teilnehmen zu können, eine große Rolle. Demgegenüber steht in dieser Phase die Entwicklung eines Gefühls der Unzulänglichkeit und Minderwertigkeit. Dieses Gefühl kann sich immer dann etablieren, wenn der Werksinn des Kindes überstrapaziert wird. Überschätzung - ob vom Kind oder von seiner Umwelt ausgehend - führt zum Scheitern, Unterschätzung zum Minderwertigkeitsgefühl. Auf beiden Seiten (Werksinn und Minderwertigkeit) können Fixierungen entstehen: Überkompensation durch Arbeit und Leistung, Anerkennung vor allem über Leistung zu holen, Arbeits- und Pflichtversessenheit, Angst vor dem Arbeiten und Leisten, Angst vor Versagen.
    Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Stufenm...bert.C3.A4t.29

    Und genau das wird in diesem Alter im Falle der Scheidung erschüttert. Das Kind lernt nun, am Erwachsenen teilzuhaben - und plötzlich geht der Vater, der ohnehin schon für Terror sorgte; das ist eine Erschütterung. Das ist, als würde man einem Baby, das fröhlich in seinem schönen Kinderzimmer spielt, plötzlich alles wegnehmen: Eine Welt bricht zusammen. Dein Kind reift erst langsam, daher hat es selbst noch nicht so ganz realisiert, was die Scheidung wirklich hinsichtlich ihrer Entwicklung bedeutet.

    Depressionen sind der lateinische Ausdruck für "niederdrücken". Viele wissen aber nicht so ganz etwas mit dem Begriff anzufangen oder denken, man sei selbst niedergedrückt. Was aber niedergedrückt, nach unten gepresst und verborgen ist - häufig unbewusst -, das ist nicht man selbst, sondern die eigenen Emotionen. Wie verhielt sich denn Dein Kind kurz nach der Scheidung und heute? Hatte sie öfters geweint und gesagt, dass sie traurig ist, dass ihre Eltern sich scheiden ließen, obwohl sie ihre Eltern doch so lieb hat?
    Meine Tochter scheint gut mit der Situation klar zu kommen
    Nicht? Jedes Kind ist wegen der Scheidung seiner Eltern traurig und verzweifelt, jedes. Egal, ob der Vater für Schläge sorgte oder der Himmel auf Erden war: Es ist jetzt ein Scheidungskind und wurde in seiner Liebe zu seinen am meisten nahestehenden Personen - Mutter und Vater - erschüttert. Ich möchte bloß nicht einen auf Psychologen machen, Gott bewahre, und kann und will auch keine Garantie auf dies legen, aber mir kommt Dein Bericht so rüber, als wäre Dein Kind auf dem perfekten Weg, bald, in Zukunft, mal depressiv zu werden.


    Versuche also, herauszufinden, was ihre Gedanken sind. Mit diesen Kommentaren von ihr hast Du schon einmal Wertvolles gefunden. Und gib ihr Verständnis dafür, dass es ihr so dreckig geht - denn es geht ihr dreckig, auch wenn sie so unschuldig und niedlich mit ihrer liebevollen Schwester spielt oder etwas anderes unternimmt.

    Auch wenn das jetzt etwas blöde klingt, denn unter Scheidungen leidet jeder, aber denke so: Ihr hattet eure Scheidung, jetzt ist das Kind aber mal dran, etwas sagen zu dürfen. Deine Tochter braucht jetzt die Aufmerksamkeit, die sie so bitter nötig hat und das kannst Du bestimmt am besten. Und lasse sie ruhig weiter ihren Vater besuchen, sei er auch so plötzlich merkwürdig aufgedreht. Denn Dein neuer Mann wird ihren Vater nicht ersetzen können, auch wenn sie untereinander eine gute Beziehung aufbauen können.

    Viel Erfolg also und alles Gute wünsche ich Dir!
    Geändert von Exot (14.06.2011 um 17:53 Uhr)

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Exot für den sinnvollen Beitrag:

    Kaja (14.06.2011)

Ähnliche Themen

  1. Liebesentzugsangst weil Scheidungskind?
    Von sloth im Forum Scheidung / Trennung
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 13.10.2007, 15:26

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!