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Thema: Scheu gegenüber Fremden, unsicher, mutlos

  1. #1
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    Standard Scheu gegenüber Fremden, unsicher, mutlos

    Hallo,

    es ist immer das selbe. Wenn mich jemand fragt, ob wir uns treffen wollen, suche ich eine Ausrede, warum ich keine Zeit habe.Ganz gleich, ob ich Zeit hätte oder nicht. Ich habe einfach nicht den Mut zb. mit einer ehemalig besten Freundin und ihren Freunden (die ich nicht kenne) in die Disco zu gehen, obwohl ich gerne mal würde.

    Außerdem sagen viele Leute, dass ich mehr aus mir rauskommen soll und mehr Interesse zeigen solle. Das heißt, wenn ich mit jemandem rede antworte ich sehr knapp und stelle eigentlich keine Fragen. Das liegt daran, dass mir zu der Zeit einfach keine Fragen einfallen. Wenn die Situation dann vorbei ist fällt mir wieder so viel ein, was ich hätte sagen/fragen können. Ist übrigens bei Arbeiten in der Schule meist genau so, ich kann lernen wie ich will, in der Arbeit selbst ist alles weg und ich schreibe eine schlechte Note. Im Nachhinein weiß ich alles wieder. Wenn ich mich in der Schule melde klopft mir immer das Herz ganzschön doll. Früher war's noch so, dass ich mich gar nicht erst gemeldet habe, weil ich immer unsicher war, ob die Antwort stimmt. Und wenn ich dann mal dran genommen wurde ohne mich zu melden habe ich meist gesagt "weiß ich nicht." - jemand anders hat die Frage beantwortet und es war genau meine eigene.
    Ich spreche auch sehr leise und undeutlich, obwohl es mir schon total laut vorkommt.

    Laut Aussage von neutralen Personen (Leute, bei denen ich Schulpraktika gemacht habe) komme ich sehr desinteressiert rüber, was die Chefs dann natürlich darauf zurückführen, dass mir der Beruf einfach keinen Spaß macht. Aber das ist nicht so, auf keinen Fall. Beide Chefs sagten, dass ich folgendermaßen rüberkomme: "guck mich nicht an, sprich mich nicht an, lass mich einfach in Ruhe meine Arbeit machen damit ich nach Hause kann." ich bekomme davon allerdings nicht viel mit, denke immer ich sehe ganz normal aus. Ich hab auch keine Gedanken von wegen "guck mich nicht an" oder so.

    Ich kann auch keinen Augenkontakt halten sondern schaue nur kurz hin und wieder weg.
    Wenn ich auf der Straße entlang gehe und mir jemand entgegen kommt schaue ich starr geradeaus.

    Da ich ungefähr 1.84 groß bin bei 17 Jahren und weiblich, alle um mich herum kleiner sind und ich generell die Größte unter den Mädchen und den meisten Jungens bin gefällt mir das natürlich gar nicht. Ich wünsche mir immerzu kleiner zu sein und komme damit gar nicht klar, auch wenn ich weiß, dass es besser wäre.
    Auch schon allein wenn andere sagen "Riese" oder so was. Nach außen hin lache ich zwar darüber und antworte mit "Zwerg" (auch wenn die Person nicht klein ist) aber innerlich macht mich das ganzschön fertig. Ich komme mir einfach nur hässlich, plump und wie ein Mädchen im Männerkörper vor.
    Ich kann mich gar nicht damit einigen, so groß zu sein. Das bekomme ich einfach nicht geregelt. Und ich denke daran liegt auch ein Teil, dass ich nicht so gerne zu anderen, fremden Menschen Kontakt aufnehme. Weil ich irgendwie nicht damit klar komme, dass der Mensch ja sowieso kleiner ist als ich.
    Mit meiner besten Freundin zusammen bin ich dafür ziemlich selbstbewusst und gehe schonmal zu anderen Menschen hin und quatsche die an. Auch wenn die Freundin entfernt von dem anderen Menschen und mir steht. Warum weiß ich nicht.

    Ich weiß nur, dass ich das ändern will. Ich möchte, dass mir vor Aufregung nicht immer alles entfällt, ich möchte einfach mal mit anderen etwas unternehmen und auch mit noch fremden Menschen normal reden können. Und ich möchte mich vorallem endlich akzeptieren. Ich habs schon mit gut zureden versucht von wegen "sei doch stolz, du bist nicht wie jeder andere" oder "andere haben auch ihre Ecken und kanten" und so was alles versucht aber das klappt nicht. Nur so kann und soll das nicht weiter gehen, als Kind bin ich schließlich auch immer auf andere zugegangen, habe einfach drauf los geredet, wollte alles wissen, habe mich für alles interessiert (egal ob ich was damit anfangen konnte oder nicht) und nichts auf das gegeben, was andere denken könnten. Das hat mich nie gejuckt, ob ich zb. die größte war. Warum das plötzlich so gekippt ist weiß ich nicht, auf jeden Fall soll es nicht so bleiben und wenn es möglich ist zumindest annähernd wieder in die Richtung gehen wie früher. Damals bin ich auch vor tausenden von Leuten auf die Bühne gelaufen (bei einem Musical in der Pause) und hab wild getanzt. Das muss heute echt nicht mehr sein aber so vom Selbstbewusstsein her...

  2. #2
    Gast784
    Gast

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    guten Morgen, liebe Coco,

    erstmal: ich war als Kind und als Jugendliche auch immer die Größte und dazu noch klapperdürr, drum kann ich Dir das nachfühlen. Ich kann Dir nur sagen - mit der Zeit können wir davon profitieren
    Nimm Dein Äußeres als Herausforderung, in Deine Größe sozus. hineinzuwachsen. Im Moment bist Du damit etwas überfordert, aber Du hast viel Substanz, die Du mit Leben ausfüllen kannst, sieh es mal so Und wenn Du Deine Größe mit Präsenz ausfüllst, können auch kleine Menschen neben Dir sich entspannt ausstrecken. Wenn wir unsere Größe nicht annehmen, kriegen wir irgendwann Kreuzweh vom vielen Kleinermachen. So wars jedenfalls bei mir.

    Machst Du Dir in Gesellschaft zu viele Gedanken drüber, wie Du jetzt rüberkommen könntest und kannst deshalb nicht einfach nur neugierig sein auf die Anderen oder auf die Arbeit und entsprechend darauf reagieren?

    Was für Dich vll nicht schlecht sein könnte, wäre Theaterarbeit. Keine Angst, da geht es nicht darum, einen bühnenreif zu machen oder Texte zu lernen. Es ist viel Körper- Atem- und Stimmarbeit. Das könnte Dir auch in Prüfungssituationen helfen, ruhiger und konzentrierter zu werden. Du könntest bewusster und achtsamer Deinen Körperausdruck und Deine Präsenz einsetzen sowie Deine Stimme steuern und dadurch Dich etwas sicherer fühlen.
    Und wenn Du früher gern "herumgehüpft" bist, wird Dir das wahrscheinlich richtig Spaß machen und daher stärken. Kann es sein, dass Du durch Bewegung eher an Deine Kraft kommst? Dann solltest Du da ansetzen. Es ist nämlich nicht nur so, dass sich Unsicherheit im Ausdruck zeigt (bei Dir z.B. Stimme, Blick), sondern die Wirkung kann auch anders herum funktionieren: dass wir über unseren Ausdruck unser Inneres beeinflußen können.

    Übrigens gibts jede Menge im Netz zum Thema "große Menschen". z.B. http://www.google.de/Top/World/Deuts...en/Gro%C3%9Fe/

    Weiss zwar nicht, ob Du mit 1,84 schon dazu gehörst , aber vll findest Du da ja interessantes und mutmachendes. Jedenfalls könnte der Austausch mit Gleichgesinnten zusätzlich Dein Selbstbewusstsein stärken.

    LG Gaby

  3. #3
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    1,84 ist nicht groß, zwar 1cm größer als ich, aber ich bin ohnehin ein hässlicher Zwerg. Ich habe bei uns in der Firma im Werk mal eine Frau gesehen, die völlig normal aussah nur, dass die mit Sicherheit nicht kleiner als 2m (!) war.

    "Beide Chefs sagten, dass ich folgendermaßen rüberkomme: "guck mich nicht an, sprich mich nicht an, lass mich einfach in Ruhe meine Arbeit machen damit ich nach Hause kann." ich bekomme davon allerdings nicht viel mit, denke immer ich sehe ganz normal aus. Ich hab auch keine Gedanken von wegen "guck mich nicht an" oder so.

    Bei mir haben das nicht beide Chefs gesagt, sondern die Abteilungen, in denen ich Praktikum gemacht habe, haben es dem Personalchef gesagt. Damit konnte ich den Beruf als Industriekaufmann vergessen, nachdem ich wochenlang ohne Frühstücks- und Mittagspause bis zu 9 Stunden umsonst für die Leute gearbeitet habe und immer nett zu denen war.

    Einigen, den meisten Menschen kommt man eben irgendwie vor, nach innen eine interessante Person zu sein ist schwer, sich nach aussen gut zu verkaufen noch sehr viel schwerer. Bzw., beides zu sein ist schwer und erst recht, dann noch akzeptiert zu werden.

    "Ich kann auch keinen Augenkontakt halten sondern schaue nur kurz hin und wieder weg. Wenn ich auf der Straße entlang gehe und mir jemand entgegen kommt schaue ich starr geradeaus."

    Ich auch nicht, immer, manchmal glotze ich aber einfach starr Leute an, auf dem Fahrrad. Dann gucken die weg. Ich frage mich öfters, warum mich jeder Vollidiot anglotzt, als ob ich verstrahlter, atomarer Abfall wäre, guckt man aber genauso blöd zurück, ziehen die den Schwanz ein.

    Früher hat es dich nicht gestört, größer zu sein, weil es da noch kein merkmal war, mit dem sich eine Frau verkauft. Eine Frau muss 1,70 groß sein, blondes langes Haar haben und aussehen wie irgendeins von den Topmodels aus dem Fernsehen oder zumindest halbwegs so. Versteh den Sarkasmus, ich meine, dass es heute darum geht, sich zu verkaufen. Das hat nichts damit zu tun, dass man gleich im Mittelpunkt stehen will, sondern nicht ausgegrenzt werden will, das liest man bei deinem Beitrag ja klar heraus.

    Das einzige, was du da machen kannst, ist üben. Üben, unter Menschen immernoch möglichst so frei zu sein, wie für dich selber auch, Gedanken mal auszusprechen.

    Wenn du auch nur ein paar Freunde hast, mach einfach was mit ihnen. Es muss ja nicht gleich die Disco sein, wo man sich untereinander nicht mehr versteht, einfach was, wo man sich automatisch wenigstens irgendetwas erzählt...

  4. #4
    Schreiberling Avatar von Oligo
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    hu, coco.

    ich kenne das auch ungefähr wie es erzählst, vorallem was das mit der größe ist. Ich bin männlich und ca. 1,92m groß - das mag fürn Mann gehen, aber dafür bin ich recht, sagen wir dünn, was dann noch besonders wirkt. Ichhabe auch schon von einem Mitgliedern des holden Geschlechts und auch meiner ehemaligen Freundin gehört das ich einfach zu groß wäre... klar, ich fühlte mich in demmoment nicht besonders gut usw. - aber ich bin halt so wie ich bin! und was daran zu ändern - unmöglich und will ich auch nicht, denn das bin halt ich. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt allen immer über die schultern blicken zu können. finde es auch komisch wenn plötzlich jemand größer ist als ich....

    ne, dumme fragen: sind deine ehemalig beste freundin die mit dir in die disco will und deine beste freundin bei der du auch lockerer bist, identisch?

    früher war ich auch eher jemand sehr stilles, habe mich auch nicht getraut was zu sagen, und wenn dann nur ein ja oder nein, oder ein "hmm-hmm" bei lehrern. Auch fremden gegenüber war und bin ich noch sehr scheu, teilweise sogar angst sie kennen zu lernen...
    irgendwann im laufe der pupertät (eine richtig schön bittere - also mit den selbstzweifeln, der scheu usw.) bin ich dann ins praktikum gegangen in nem buchladen, wo ich mich selber dazu zwang beim eintreten der leute ihnen einen guten tag zu wünschen und zu lächeln... das habe ich dann immer gemacht und sozusagen mut gewonnen und dann immer weiter... nachher habe ich mich im laufe der zeit immer mehr getraut und mich auch in der schule so gemausert das ich den Q-Vermerk bekommen hab (vorher schon wegen dem mündlichen unmöglich) usw.
    auch habe ich mir mit der zeit angewöhnt es mir egal zu sein, was die anderen leute denken und einfach gemacht - wobei das vorallem im schul-/berufsleben war... im privaten habe ich immer noch ne art scheu gegenüber fremden, vorallem wenn es um ein 2. treffen geht oder schon um den austauschen von hy- nr. usw. ... ich verstehe dich auf jedenfall... aber das zu dem schule/beruf dürfte helfen *dickeres fell*

    darf man fragen ob du schule weiter machst oder ne ausbildung in nem beruf machst, wo man mit menschen um geht?



    achso in ne disse gehe ich auch nicht, kann nicht tanzen


    p.s.: manchmal hilft darüber nachdenken nicht viel, sondern einfach fragen / etwas sagen / reden / machen ....
    Geändert von Oligo (09.12.2007 um 02:41 Uhr)
    When did I realize I was God?
    Well, I was praying and I suddenly realized I was talking to myself.

    Peter O'Toole

  5. #5
    Gast784
    Gast

    Standard

    Zitat Coco:
    Auch schon allein wenn andere sagen "Riese" oder so was. Nach außen hin lache ich zwar darüber und antworte mit "Zwerg" (auch wenn die Person nicht klein ist) aber innerlich macht mich das ganzschön fertig.

    Hi ihrs,

    zu diesem "Gewäsch" unserer Mitmenschen wollt ich noch was sagen: ich kenne das insofern, dass Leute meinen mich in etwa folgendermaßen ansprechen zu müssen: "Bist du aber dünn!" Ich denke alle sehr schlanken Leute hier kennen das. ich gehe inzwischen dazu über, diese Personen zu fragen, ob sie auch zu dicken Menschen sagen: bist du aber dick. Das verbietet ihnen nämlich meist die gute Erziehung. Dünne Menschen werden da nicht so geschont.

    das selbe gilt auch in Cocos Fall: Coco frag doch mal diese "Intelligenzbestien" die so was zu Dir sagen, ob sie kleine Menschen auch so direkt angehen. Falls die nicht stutzen oder sich vll sogar schämen (was sie ruhig tun sollen in dem Moment, grrr), kann man ihnen ruhig ihr Fettnäpfchen, in dem sie grad stehen mit noch deutlichen Worten zeigen. Ich schone da niemanden mehr.

    LG Gaby

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