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Thema: schlechter Mensch?

  1. #1
    Neuling
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    Standard schlechter Mensch?

    Hallo zusammen,

    ich blubber einfach mal alles raus, was mir so in den Sinn kommt. Wahrscheinlich hängt das sowieso alle irgendwie zusammen. Ich weiss echt nicht mehr weiter.. Ich denke meistens schlecht über andere Menschen. Selbst bei Menschen (Kollegen, Bekannte, Fremde, .. Freunde zum Glück nicht) die nett und offen zu mir sind, bekomme ich oft ein starkes verschlossenes Ablehnungsgefühl und/oder denke dann, während diese Person sich mit mir unterhält so Sachen wie ..Idiot ..***** ..Wixer ..Penner ..usw. Und habe das Gefühl wie bei 2 gleichen Magnethälften, die sich gegenseitig abstossen. Ich werde nicht gewalttätig oder aggressiv, ich fühle einfach nur Abneigung. Das ist jetzt nicht 24h am Tag. Es gibt Zeiten, da habe ich das täglich, manchmal ist es für ein paar Wochen gut. Das geht jetzt schon seit ca. 10 Jahren so. Zwischendurch war es auch mal für mehrere Monate fast weg. Generell fühle ich mich auch oft emotional neutral und/oder leer. Ich kann selten sowas wie Liebe oder Zuneigung empfinden, obwohl ich das sehr gerne möchte. Ich schäme mich oft, wenn ich so schlecht über andere denke. Ich bin auch sehr misstrauisch und denke oft (nur Fremde, keine Freunde), dass Menschen die grundlos freundlich sind, was schlechtes im Schilde führen und sich verstellen um sich einen Vorteil zu veschaffen. Ich nennen sowas die "Verkäuferfreundlichkeit" ;-) Ich bin auf das Schattenprinzip (Jung) gestossen und dachte, evtl. mag ich mich einfach selbst nicht und projiziere das auf mein Umfeld. Aber ich denke schon, dass ich mich mag. Abgesehen von den hier beschriebenen Macken finde ich mich toll, so wie ich bin. Ich habe auch einen großen Bekannten- und Freundeskreis, bin also kein Aussenseiter o.ä. Naja, wenn das wirklich meine Schatten sein sollten, was ich da oben so geschrieben habe.. oje

    Ich finde auch, dass ich ein sehr stark ausgeprägtes Ego habe und es meisten nach meinem Kopf gehen muss, wenn es um dinge geht, die mich sehr interessieren. Ja manchmal denke ich, dass das wohl auch ein Art Kontrollzwang ist?! Auf jeden Fall nervt das total. Btw. Ich habe auch einen kleinen Kontrollzwang. Ich fahre täglich mit dem Zug zur Arbeit und muss unterwegs immer mehrfach kontrollieren, ob meine Schlüssel und mein Portmonee noch im Rucksack sind.
    Ich bin ein spiritueller und naturverbundener Menschen und interessiere mich sehr für Taoismus und solche Dinge und meine Art passt so überhaupt nicht in das Bild, was ich davon habe, wie Menschen miteinander umgehen sollten. Das ist für mich sehr belastend und ich weiss nicht, wo ich ansetzen kann.

    Schon mal danke und viele Grüße!

  2. #2
    Neuling
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    Standard

    Wenns wirklich Wixxer und Penner sind?

    Ist das denn eher affekt-mäßig oder eher bewusst und kontrolliert, wenn du verstehst, was ich meine.

    Ansonsten, immer erst einmal in sich selbst nach den Gründen suchen. Was könnte es sein, welche Veränderung im Leben könnte es ausgewirkt haben, wo habe ich etwas versäumt, wo könnte etwas schief gegangen sein. Es ist halt sau schwierig die wahren Gründe, ohne jegliche Stichpunkte zu bekommen.

    Aber, dass man mal schlecht über jemanden denkt, ist doch normal. Wenn ich jemanden, sehe, der aussieht wie'n Penner, dann denke ich mir auch dass das n Penner ist...

  3. #3
    Verleger Avatar von Darkstar
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    Standard

    Hallo analog,

    es wäre mir lieber, wenn dieses von vornherein Wertende weggelassen werden könnte
    Ob Du ein "schlechter" Mensch bist? Warum sollte das denn so sein?
    Nenne Dich doch in Deinem Verhalten und in Deinem inneren Erleben "anders", nenne es "gehemmt" oder "gespalten" ... verunsichert oder hilf- und ratlos.
    Vielleicht überfordert ...
    Egal, welches Etikett Du da jetzt erst einmal draufkleben willst/musst: es sagt doch nichts über den Menschen analog aus, der dahinter steckt!

    Nur selten fällt ein "Verhalten" aus heiterem Himmel herab: meist ist es das Produkt einer ganzen Kette von Prozessen, die über lange Zeit abgelaufen sind - diese sind aber nicht unabänderlich und "gottgegeben" auf Dauer festgelegt
    Du zeigst in Deinem Post, dass Dich dies alles belastet, dass Du reflektierst und eigentlich das verstehen willst, was Dich zu Deinem momentanen Verhalten erst gebracht hat.
    Wärst Du ein "schlechter" Mensch, so wie Du ihn zu definieren scheinst: dann würdest Du so nicht vorgehen

    Stelle Dir mal vor, Deine Reaktionen wären ein Schutz: weil da vielleicht unbeantwortete Fragen in Dir sind, für die Du keine Antworten finden/bekommen konntest; weil Du Dich in einem Konflikt mit Dir selbst befindest, der sich nicht auflösen lässt, und den Du so von Dir "fernhalten" musst, um nicht ständig durch ihn verletzt zu werden ... etc.
    Es gibt da so viele Ansätze, die eben nicht werten, sondern erst einmal eine "neutrale Bestandsaufnahme" machen können, um dann zu sehen, wo da der Hebel angesetzt werden kann.

    Wie willst Du Dich den eigenen Wurzeln nähern, wenn das, was Du Dir dann ansehen müsstest (oder auch: es Dir eingestehen, es annehmen ...), so negativ besetzt ist?

    Und habe das Gefühl wie bei 2 gleichen Magnethälften, die sich gegenseitig abstossen.
    Stelle Dir mal vor, dass dies nur das Bild Deines eigenen Konfliktes in Dir selbst (und mit Dir selbst) nach außen verlagern würde.
    Du würdest so den "Kampf" zwischen Deinen Hälften, den Du in Dir nicht führen kannst, auf den Umgang mit anderen Menschen übertragen - als "Stellvertreterkrieg"
    Bist Du deswegen ein "schlechter" Mensch?
    Damit wärst Du nicht alleine: sowas geschieht oft, mal mehr, mal weniger krass ...

    Ich finde auch, dass ich ein sehr stark ausgeprägtes Ego habe ...
    Was wäre, wenn dies aber ein Zeichen für das genaue Gegenteil wäre?
    Was, wenn dies "nur" für ausgeprägte Schutzmechanismen spräche, eben weil Dein eigenes Selbstwertgefühl nicht sonderlich stabil sondern verletzbar ist?

    ... es meisten nach meinem Kopf gehen muss, wenn es um dinge geht, die mich sehr interessieren ...
    [...]
    Ja manchmal denke ich, dass das wohl auch ein Art Kontrollzwang ist?!
    [...]
    Ich bin ein spiritueller und naturverbundener Menschen [...] und meine Art passt so überhaupt nicht in das Bild, was ich davon habe, wie Menschen miteinander umgehen sollten.
    Das spricht doch alles eher für Unsicherheit und nicht für ein stabiles "Ego", oder?!

    Mal eine, auf den ersten Blick, "seltsame" Frage:
    Kannst Du Dich selbst wertschätzen; kannst Du Dich selbst respektieren und achten, ohne dies immer im Vergleich mit Anderen zu tun?


    "Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand."
    (mongolisch)
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    Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
    (Immanuel Kant, 1724 - 1804)

  4. #4
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    Standard

    analog schreibt

    Selbst bei Menschen (Kollegen, Bekannte, Fremde, .. Freunde zum Glück nicht) die nett und offen zu mir sind, bekomme ich oft ein starkes verschlossenes Ablehnungsgefühl

    Ich fabuliere mal mit meiner Laiendiagnose drauf los:

    Erscheint mir ein Problem zu sein, dass Du mit Nähe und Distanz zu anderen Menschen hast. Bei zuviel Nähe könntest Du Dich vielleicht vereinnahmt fühlen, fühltest Dich dann wehrlos. Deswegen stößt Du den anderen zurück. Dieses Grundgefühl dafür könnte von innerer Angst und unsicherem Selbstwertgerfühl herrühren. Im Allgemeinen ist dann auch davon auszugehen, dass die Wurzeln für dieses Verhalten in Deiner Kindheit liegen.

    Dazu passt auch Dein treffendes Stichwort "Verkäuferfreundlichkeit". Darunter würde ich die Ängstlichkeit verstehen, seine Interessen für die eigene Sache durchzusetzen. Ingesamt könnte das auch ein Zeichen dafür sein, sein Leben nicht nach den eigenen Wünschen meistern zu können.

    Ich hoffe, dass Du eine Retterin findest, also eine starke Persönlichkeit, die z.B. nur dann eine "Verkäuferfreundlicheit" zeigt, wenn es ihr etwas nützt, nach dem Motto: 'Freundlich im Ton, aber hart in der Sache', die Dich aber, weiß Gott warum, heiß und innig liebt, und Dir einen beschützten Raum bietet, in dem Du Dich so entfalten kannst, wie Du es Dir immer gewünscht hättest.
    Geändert von Bertrand (31.07.2011 um 12:42 Uhr)

  5. #5
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    Zitat Zitat von Bertrand
    Ich hoffe, dass Du eine Retterin findest, ...
    Damit wäre das Problem aber nicht gelöst, sondern nur die Verantwortung für das Lösen delegiert ...
    ... und damit eine neue Abhängigkeit etabliert.

    Die Erlösung (denn mehr wäre es ja nicht: Erlösung kommt von außen und eben nicht aus einem selbst heraus wie eine dauerhafte Lösung) würde nur so lange "funktionieren", wie der Erlöser/Retter sein "Werk" aufrechtzuerhalten beliebt - nach seinen Vorstellungen, Wünschen und Bedürfnissen ...
    Damit er dann möglichst lange bei mir bleibt, muss ich alles vermeiden, was ihn "vertreiben" könnte ...
    ... da ist das sich selbst Verbiegen müssen fast schon vorprogrammiert, oder?!


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