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Thema: Schlechtes Gewissen

  1. #1
    Neuling
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    Standard Schlechtes Gewissen

    Hallo,

    kurz zu meiner Person: Ich bin 49 Jahre alt, arbeite ganztags(bis zu 9,5 Std. täglich, lebe seit 20 Jahren in einer mehr oder weniger guten Partnerschaft, habe 4 Knder, das älteste ist 28, jüngste ist 15. Außerdem habe ich eine 100% schwerst behinderte 22 jährigeTochter, die auf dem Stand eines Säuglings ist und in einem Heim für Behinderte untergebracht ist. Ich habe ein eigenes Haus (noch nicht abgezahlt) und habe wegen jedem und allem ununterbrochen ein schlechtes Gewissen. Das fängt an wenn ich am Wochenende völlig geschafft von der Arbeit vorhabe meine behinderte Tochter heim zu holen , es aber dann doch nicht schaffe, weil ich dann eigentlich mit ihr so sehr beschäftigt bin, dass ich mich nicht erholen kann. Dann plagt mich so mein schlechtes Gewissen, dass es mir den ganzen Tag schlecht geht. Wenn ich nichts Gesundes und Gescheites kochen kann abends weil ich so spät von der Arbeit heimkomme, hab ich ein schlechtes Gewissen meiner Familie gegenüber. Wenn meine 15-jährige sitzenbleibt, fühl ich mich teilschuldig daran weil sie den ganzen Tag alleine zuhause ist. Wenn es nicht ordentlich zuhause ist und mein Mann mir Vorwürfe macht, fühle ich mich als schlechte Hausfrau. Wenn ich meine Mutter nicht jeden 2 Tag anrufe, habe ich wieder ein schlechtes Gewissen. Eigentlich fühle ich mich immer mies und als Versagerin die nichts gebacken kriegt. Dann futtere ich extrem viel Süßigkeiten und hab hinterher wieder ein schlechtes Gewissen weil ich so dick werde. Es macht mir niemand Vorwürfe, die mach ich mir nur selber, aber ich kann es nicht abstellen und will endlich mal kein schlechtes Gewissen haben wenn ich mal nicht für andere da bin, aber ich schaff es einfach nicht. Ich glaube ich in einfach so erzogen worden, immer nett, hilfsbereit und für andee da zu sein, sonst bin ich nicht gut. Wie komm ich denn nur aus dem teufelskreis heraus? Manchmal würd ich am liebsten alles hinschmeissen und alle könnten mich mal gern haben, denn langsam nerven mich alle und ich bin nur noch unzufrieden mit allem. Am Schlimmsten aber ist das schlechte Gewissen das ich wegen meiner behinderten Tochter habe. Schon schlimm genug dass sie in einem Heim leben muss und ich einfachnicht die Zeit und Kraft habe mich ausgibig um sie zu kümmern. Das macht micht total fertig.


    Uschi
    Genau in dem Moment, als die Raupe dachte, die Welt geht unter, wurde sie zum Schmetterling

  2. #2
    Bestseller Autor Avatar von glasheuler
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    Standard Hallo Uschi,

    inwieweit sich Dein Mann bei den Hausarbeiten einbringt bleibt dem Leser
    verborgen weil Du nicht darauf eingehst. Auch ohne Deine Stellungnahme
    dürfte schon mal klar sein : Da ihr beide berufstätig seid wäre es ein Unding
    wenn komplett alles an Dir hängen bleibt.

    Du hast das Wesentlichste schon erkannt : Du fühlst Dich für alles verantwortlich und überforderst Dich masslos. Wenn Du so weiter wirtschaftest mündet das in einem Burnout-Syndrom. Du kannst nicht
    heute abend ins Bett fallen und morgen, ausgerüstet mit neuem Konzept,
    ein neues Leben beginnen.

    Die Arbeiten, welche Dich von früh bis spät fordern, musst Du teilweise
    an Deine Kinder, welche schon zum Teil erwachsen sind, deligieren. Das muss
    schrittweise geschehen, wie sie auf das Nichtmehrvorhandensein des süssen
    Lebens reagieren darf Dich nicht sonderlich tangieren, Deine Gesundheit steht
    auf dem Spiel !

    Gruss
    glasi
    Das Wort "Glück" würde seine Bedeutung verlieren hätte es nicht
    den Widerpart in der Traurigkeit.
    C.G.Jung

  3. #3
    Neuling
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    Standard

    Hallo,

    also mein Mann hilft schon mehr oder weniger mit im Haushalt, aber das Kochen, einkaufen überhaupt dei ganze Planung rund um unser Zusammenleben übernehme ich. Er hat es nie gelernt und sieht auch oft die Arbeiten nicht, wenn ich ihm etwas "anschaffe" fühlt er sich herumkommandiert und es gibt Streit. Meine großen Kinder leben nicht mehr bei uns, nur noch meine jüngste Tochter. Auch sie hilft unter Murren mit, hat halt das typische Teenagerverhalten. Ich weiss das auch alles, dass ich nicht alleine die Verantwortung tragen soll, dass ich irgendwann enen Burnout bekomme usw. aber ich kanns einfach nicht abstellen, ich weiss einfach nicht wie. Ich kann mein schlechtes Gewissen meiner behinderten Tochter gegenüber nicht abstellen und auch sonst fühle ich mich einfach für alles verantwortlich, bin einfach im Laufe der Jahre diese Rolle übernommen. Mein Mann ist eigentlich für mich eher wie ein 5. Kind nicht wie ein Partner. Seit ich ganztags arbeite versuche ich ja immer einen Plan zu machen z. B. wer ist dran mit Kochen usw. aber es klappt nicht. Wenn z. B. mein Mann dran ist, dann ruft er mich in der Arbeit an und frägt was wir essen können und was er dafür einkaufen muss. Da kann ichs gleich selber machen. Dazu kommt, dass ich mich in letzter Zeit extreme Sorgen über alles mache. Wenn ich z. B. mal ein paar Tage nichts von meiner Mutter höre bzw. sie nicht telefonisch erreiche, dann habe ich solche Angst um sie dass ihr etwas passiert ist (sie wohnt 600 km von mir entfernt)und steigere ich mich so rein, dass ich fast zu nichts mehr in der Lage bin und es mir hundeelend ist. Wenn meine Söhne verreisen habe ich panische Angst dass sie einen Unfall haben könnten, oder ich habe die Sorge, dass meine Tochter den Schulabschluss nicht schafft oder das meine behinderte Tochter ins Krankenhaus muss und wenn das Telefon klingelt, dann zuck ich schon zusammen und denke immer, jetzt ist irgendwas mit ihr passiert. Ich finde dass es immer schlimmer wird und ich weiss nicht wie ich meine "negativen" Gedanken abstellen kann. Mir ist meine Arbeit zuviel, aber ich habe nicht den Mumm mich wo anders zu bewerben weil ich Angst vor dem Vorstellungsgespräch habe. Ich will einfach lernen mich nicht so reinzusteigern und ruhiger zu bleiben, aber ich hab keine Idee wie ich das machen soll. Dabei wirke ich ganz und gar nicht ängstlich, wenn ich dass alles meiner Freundin erzähle kann sie es gar nicht glauben, weil ich nach Außen hin immer die starke Selbstbewußte bin.
    Der Hausarzt meinte schon, ich soll Antidepressiva nehmen, aber das will ich auf keinen Fall, denn das löst ja nicht mein ursächliches Problem.

    Uschi
    Genau in dem Moment, als die Raupe dachte, die Welt geht unter, wurde sie zum Schmetterling

  4. #4
    Wunderlampe
    Gast

    Standard

    Hallo Uschi

    Wenn du genug gelitten hast, wirst du an den Punkt kommen, der alles verändert.

    Wenn du dich denen aufopferst, die du liebst, wirst du eines Tages die hassen, für die du dich aufgeopfert hast.



    Solange du nicht stark genug bist für dich und deine Bedürfnisse ohne Gewissensbisse einzustehen, solange wirst du deinen jetzigen Zustand ertragen müssen.

    Ein erwachsener Mann verhungert nicht und er braucht auch keine Mama mehr. Wenn du das tust, dann bist du selber schuld. Und es gibt sicher einen Grund dafür dass du es tust, der tief in dir drinnen sitzt.

    Welchen Selbstwert erfährst du duch seine Unfähigkeit?

  5. #5
    Neuling
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    Standard

    Hallo,

    gerne wäre ich stark genaug um für meine Bedürfnise einzustehen, aber wie soll ich das anstellen? Wenn es so einfach wäre hätte ich hier nicht geschrieben. Ich weiss ja was ich falsch mache, aber ich bin denke, das liegt auch ein Stück weit an meiner Erziehung. Sei brav, sei fleissig, denk immer zuerst an die anderen usw usw...
    Seit 20 Jahren bin ich mit meinem Lebensgefährten zusammen und habe immer alles gemacht. Der Dank dafür ist der, dass er immer unzufriedener wird und mir vorhält, ich wäre faul, die Wohnung ist nicht schön eingrichtet, ich hätte keinen Geschmack, es ist schmutzig und unordentlich usw. Es ist bei mir zuhause zwar nicht immer total sauber, aber ich kann jederzeit Besuch empfangen und es ist aufgeräumt. Wenn ich dann erwähne, dass ich manchmal 9-10 Std.unterwegs bin bis ich von der Arbeit heimkomme, meint er nur, jetzt sehst Du mal wie das st, ich mach das schon seit Jahren so. Bei der Wohnraumgestaltung hat mein Mann immer nur sehr kostspielige Ideen die wir uns nicht leisten können und wenn ich es dann einfacher einrichten möchte, sagt er ich wäre oberflächlich. Er kommt aus sehr ärmlichen Verhältnissen und wohnt jetzt schöner und besser als je zuvor, hat aber total hohe Anspüche und ist extrem penibel was putzen und einrichten angeht. Ich kann und darf in meinem eigenen Haus nichts verändern und anders einrichten wenn es ihm nicht gefällt, d. h. ich kann natürlich schon, aber dann gibt es jedesmal riesen Streit und er hilft mir nicht dabei. Komme mir in meinem Haus vor wie auf Besuch. Ded Garten und alles musste so gestaltet werden wie er das wollte, ansonsten hätte er nicht mitgeholfen. Als ich gerne einen Teich wollte, sagte er nur..... Du kannst Dir ja einen machen.
    Das alles hört sich jetzt ziemlich übel aber es gibt natürlich auch Zeiten wo wir uns gut verstehen. Aber in letzter Zeit immer weniger. Früher fand mein Mann alles toll was ich gemacht habe, auch wenn ich mit ihm Kleider kaufen ging hat er auf meinen Rat gehört. Aber plötzlich ist ales vorbei, er nimmt nichts mehr von mir an und will immer seine Ideen durchsetzen. Wenn ich mich dagegen sträube, dann gibts Streit. Ich weiss auch nicht ob ich so mit ihm zusammenbleiben will Ich bin schon lange nicht mehr glücklich und funktioniere eigentlich nur noch. Wenn ich ihm sage, dass er ausziehen soll und sich eine Wohnung suchen soll, dann ignoriert er das total und tut am nächsten Tag so als wäre nie was gewesen. Außerdem weiss ich ach nicht ob ich das wirklich will und ob es mir hinterher besser geht, denn ich glaube in den 20 Jahren Zusammenleben hab ich mich so an ihn gewöhnt und mein ganzes Selbstvertrauen verloren. Wie schaffe ich es nur, meine Bedürfnisse durchzusetzen und Klarheit zu bekommen was ich wirklich will?

    Uschi
    Genau in dem Moment, als die Raupe dachte, die Welt geht unter, wurde sie zum Schmetterling

  6. #6
    Wunderlampe
    Gast

    Standard

    Hallo Uschi

    Als ich gerne einen Teich wollte, sagte er nur..... Du kannst Dir ja einen machen.
    Womit er Recht hat. Du willst, also mußt du tätig werden.

    es ist schmutzig und unordentlich usw.
    wenn es ihm zu schmutzig und unordentlich ist, dann muß er tätig werden.

    Ihr könnt auch für einander tätig werden und jeder bringt sich so gut es geht ein, dann habt ihr beide was davon. Nur ist es so, dass man für jemand zu dem man kleine emotionale Bindung hat, ungern etwas unentgeltlich tut.

    Du tust nix für ihn, er tut nix für dich.
    solltest du trotzdem etwas für ihn tun und bekommst dafür nix zurück bist du selber schuld. Dann gehört es dir nicht anders.

    Erziehung ist keine unumstößliche Tatsache. Schließlich ist man bis ins hohe Alter lernfähig.
    Was in dir drinn steckt ist die Angst nicht alleine lebenstüchtig zu sein. Deshalb behältst du deine Lebenshilfe ( Mann ) und schluckst tapfer alles, was dir nicht gefällt.

    Wenn du dir erst mal bewußt bist, dass du auch alleine gut durchs Leben kommst, dann läßt du dir nicht mehr alles bieten.
    Bau deinen Teich, du wirst es können und dir damit beweisen, dass du alles kannst, wenn du nur willst und es angehst.

  7. #7
    Gast784
    Gast

    Standard

    hallo Uschi,

    hab grad nachgesehen, es ist tatsächlich schon 2 Jahre her, dass Du geschrieben hast

    http://www.psychologieforum.de/neuanfang-917.html
    http://www.psychologieforum.de/ist-e...heit-2747.html

    Es scheint sich nichts verändert zu haben. Ausser dass Du noch resignierter klingst als damals, wie ich finde. Es kam mal etwas Bewegung auf in eure Beziehung, als Du Dir schwer überlegt hast, nach Bayern zu gehen. Was wurde daraus?

    Du verharrst seit 20 Jahren in diesen Lebensumständen wie ein Hamster im Hamsterrad. Möchtest Du wirklich was anderes? Oder ist was Neues zu angstbesetzt, weil das Alte, auch wenns Dich nicht glücklich macht, zumindest Sicherheit gibt? (Sicherheit gibt das, was wir kennen)

    Ps: wäre es möglich, dass Du beim posten Absätze machst? Ist dann leichter zu lesen. Danke.

  8. #8
    Neuling
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    Standard Sorgen über Sorgen

    Hallo,

    endlich komme ich wieder zum Schreiben. Meine behinderte Tochter liegt seit ein paar Tagen mit Lungenentzündung in der Klinik und ich kenne nur noch Arbeit-Krankenhaus-schlafen...
    Die Sorge um sie macht mich krank, ich kann an nichs anderes denken, habe Magenschmerzen wenn ich die Klinik betrete, könnte auf der Stelle zu heulen anfangen, stelle mir dauernd vor wie es wäre wenn sie sterben würde.

    Ich weiss nicht wie ich die kommende Woche in der Arbeit durchstehen soll, kann leider nicht freinehmen und muss nach Arbeitsende noch 60 km in die Klinik fahren weil ich sonst verückt werde wenn ich nicht sehen kann wie es ihr geht. Sie liegt alleine im Zimmer, kann sich nicht melden, kann sich nicht umdrehen und die Schwestern haben kaum Zeit, es ist für mich unerträglich.

    Wie kann ich nur meine Ängste und Sorgen ein wenig ablegen und zur Ruhe kommen? Der Arzt hat mich gefragt was sie im Notfall machen sollen, sie auf die Intensivstation bringen und künstlich beatmen oder nichts machen, d. h. sterben lassen. Ich konnte ihm keine Antwort geben, bin total damit überfordert.

    Mein Lebensgefährte, ach ja, er ist nur der Stiefvater von meiner Tochter und begleitet mich (wenn ich es wünsche) damit ich nicht alleine hin muss. Aber er tut es nur aus Pflichtbewußtsein und wenn ich es will (weil man es halt so macht) aber nicht weil auch er sich sorgt oder mir zur Seite stehen will. Wenn jemand anders mitgeht ist es für ihn auch recht.

    Ich kann nicht mit ihm über meine Ängste und Sorgen reden, fresse alles in mich hinein und sitze oben im Bad und heule.

    Ja meine Pläne nach Bayern zurückzukehren habe ich (leider) nie verwirklicht. Inzwischen sind schon wieder 2 Jahre vergangen und nichts hat sich geändert.
    Meine Tochter hat nächstes Jahr im Sommer ihren Schulabschluß und will auf keinen Fall mehr mit mir nach Bayern gehen. Ich denke, ich kann erst gehen wenn sie erwachsen ist und auf eigenen Beinen steht und dann auch nur alleine, denn meine erwachsenen Kinder sind alle hier.

    Und meine Mutter in Bayern wird auch immer älter und hatte dieses Jahr einen sehr schweren Unfall mit Kieferbruch. Ihr Lebensgefährte ist letztes Jahr gestorben und um sie mache ich mir auch noch Sorgen. Wie soll das alles werden wenn sie gebrechlicher wird? Sie will auf keinen Fall zu mir ziehen.

    Ich will mir endlich mal keine Sorgen mehr machen und wieder glücklich sein, aber es geht nicht. Ich weiss auch andere haben Probleme, aber ich fühle mich so alleine, habe niemanden mit dem ich darüber reden kann.

    Dazu kommt der Stress in der Arbeit, ich schaffe es einfach nicht mehr ganztags zu arbeiten, aber ich kann nicht reduzieren. Eine neue Stelle zu finden ist auch nicht so einfach, immerhin werde ich bald 50!

    Ich bin total verzweifelt und weiss nicht wo ich anfangen soll etwas zu ändern oder was ich tun soll, damit wieder etwas Ruhe in mein Leben kommt!

    Uschi
    Genau in dem Moment, als die Raupe dachte, die Welt geht unter, wurde sie zum Schmetterling

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