Hallo,
ich weiß nicht wie ich anfangen soll. Fürs erste werde ich wohl besser nicht meine komplette Lebensgeschichte darlegen...
Momentan sieht mein Leben so aus, dass ich mit meinen 17 Jahren die 11. Klasse eines Gymnasiums besuche. Eigentlich war ich bis zur 10. Klasse immer sehr fleißig in der Schule, habe alle Hausaufgaben gemacht und fleißig für die Arbeiten gelernt, doch in der Mitte des 1. Halbjahres der 10. Klasse fing das Ganze an mich noch mehr zu belasten, wieder einmal.
Da ich in der 7. Klasse sitzen geblieben bin, wollte ich meine Eltern nicht ein weiteres Mal enttäuschen und setzte mich wieder an den Schreibtisch. Wenns aber nur die Schule wäre, die mich so belastet, dann wäre das okay, aber die Schule ist quasi die Spitze des Eisberges / der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Ich bekomme im Moment einfach gar nichts mehr auf die Reihe. Das letzte Jahr habe ich auch nur geschafft, weil ich mich am Ende nochmal schnell zusammen gerissen habe und bei den Lehrern einen möglichst guten Eindruck hinterlassen habe dadurch. Ich dachte, wenn ich das letzte Jahr durchstehe, dann wären die Probleme endgültig weg und ich würde nicht wieder wie ein Versager nach der Schule vor dem Computer versumpfen, doch es ist jetzt nur noch schlimmer geworden.
Jeden Tag, wenn ich aus der Schule nach Hause komme, setze ich mich an den Computer, schiebe die ganzen Arbeiten, die ich eigentlich noch erledigen müsste, hin und her. Ich bin meistens allein zu Hause, meine Mutter ist immer arbeiten und mein Vater wohnt nicht mehr bei uns. So muss ich den Haushalt quasi alleine schmeißen, aber ich habe einfach keine Kraft mehr dazu. Ich fühle mich ausgepowert, müde, traurig und vor allem aber wie der letzte Versager, weil ich so vor dem Computer versumpfe. Wenn ich es aber nicht tun würde, dann wäre es still und dann würde ich wieder anfangen über alles in meinem Leben zu grübeln. Ich kann mich auf nichts konzentrieren. Mittlerweile geht es schon so weit, dass ich meine Freundin immer anrufe, wenn ich baden gehe, weil ich diese Stille einfach nicht ertrage, die mich dann wieder zu diesen traurigen Gedanken bringt. Ich brauche dauerhafte Ablenkung. Ich hasse es mittlerweile auch einzuschlafen und aufzuwachen, da in diesen Momenten diese Möglichkeit zum Grübeln am meisten da ist. Und dann fange ich auch an darüber nachzudenken alles zu beenden, aber das kann ich nicht wegen meiner Familie, ich will es ihnen nicht antun.
Warum bin ich so ein Versager?
Letzte Woche habe ich eine Chemieklausur geschrieben. Ich hatte soweit eigentlich gelernt und konnte theoretisch alles, doch war ich mir einfach so unsicher, ob ich das auch praktisch umsetzen konnte, denn schließlich gehören Naturwissenschaften alles andere zu meinen Stärken und dann habe ich einen Spicker geschrieben, den meine Lehrerin leider gesehen hat. Nun plagen mich noch mehr Schuldgefühle als vorher. Ich habe Angst, dass mein Abi schlecht wird, nur weil es wieder daran liegt, dass ich zu blöd dafür bin, um die Naturwissenschaften zu verstehen. Ich bin nicht faul! Ich lerne durchaus, ich mache auch meine Hausaufgaben noch irgendwie mitten in der Nacht, aber mein Problem ist einfach, dass ich das Ganze so vor mich hin und herschiebe und ich würde gerne wissen, woher das kommt.
Ich will nicht einschlafen. Ich will nicht aufwachen. Ich will gar nichts mehr machen. Ich ziehe mich zurück, esse kaum noch was, weil ich einfach keinen Appetit habe. Dieses Wochenende habe ich meine Freunde so gut wie komplett ignoriert... Morgen werde ich wohl von allen konfrontiert werden, warum ich nicht auf ihre Anrufe / SMS geantwortet habe... und vor allem aber wegen des Vorfalls in der Klausur...
Schon von kleinauf hatte ich immer mit vielen familiären Problemen zu kämpfen.
Ich fühle mich im Moment einfach so furchtbar überfordert von allen Seiten, vor allem aber im Stich gelassen. Bislang hatte ich meinen Freunden immer zugehört und ihnen konstruktive Ratschläge gegeben, die ihnen auch weiter geholfen haben, doch nun, wo ich Probleme habe, höre ich meistens nur ein "hmmm..." oder, wenn sie mir dann zuhören, brechen sie mittendrin ab und dann heißt es "Oh, mein Freund ist da. Tut mir Leid, ich muss jetzt los, ja! Wir reden nachher, ok?"
Keiner hat Zeit für mich. Oder überhaupt Interesse daran mir zuzuhören. Aber, wenn sie ein Problem haben, dann haben sie plötzlich wieder Zeit und kommen an und ich höre ihnen zu, die ganze Zeit.
Denke darüber nach, wie ich ihnen helfen kann. Aber wo bleibe ich da? Wieso bekomme ich nicht das zurück, was ich gebe?
Manchmal wünschte ich mir, dass ich nie herausgefunden hätte, dass mein Ex-Freund mich betrogen hatte. Auch, wenn er mir nur selten zugehört hat, war ich in der Zeit glücklicher, weil ich mir einbildete trotzdem irgendwie Rückhalt zu haben durch ihn. Und jetzt ist alles weg. Ich habe alles verloren. Ich bin auf mich allein gestellt. Es fühlt sich an wie eine dunkle, kalte Einbahnstraße, auf der ich mich gerade befinde.
Und da stelle ich mir auch wieder die Frage - warum bin ich es wert, dass man mich allein lässt?
Nun habe ich Angst vor der Schule, denn da wird mich erstmal das ganze Gespött erwarten, weil ich erwischt wurde - auch wenn das momentan wohl mein geringstes Problem ist...
Ich will wissen, warum ich plötzlich so versage. Es war nicht immer so. Als ich in der Grundschule war, war ich Turnerin, habe eine Meisterschaft im Landkreis gewonnen und es wäre mehr geworden, wenn die familiäre Lage sich nicht so zugespitzt hätte. Seit ich mit dem Turnen aufgehört hab, seit meine Familie so zersplittet ist, rutsche ich immer mehr in den Abgrund des Versagens ab. Und diese ganzen Vorwürfe von allen Seiten, dass ich mich nicht genug anstrenge... Ja, das mag wohl sein, dass ich zu schwach bin. Doch woher kommt diese Schwäche?


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). Bei mir hat es ganz viel mit Selbstwert zu tun. Ich halte von mir selbst nicht viel, dann muss jemand anderes da sein, der das für mich tut und mir vermittelt, dass ich "gut" bin. 
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