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Thema: Schule/soziale Phobie

  1. #1
    pkc
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    Standard Schule/soziale Phobie

    Hallo zusammen,
    ich möchte mich kurz vorstellen:
    Ich bin männlich, 23 Jahre alt und leide seit ungefähr 8 Jahren an einer sozialen Phobie. Als es anfing war ich ungefähr 15 Jahre alt. Bereits vor dem ausreifen der sozialen Phobie war ich schon verglichen zu anderen Mitschülern eher schüchtern und verschlossen, was bis dorthin nicht weiter tragisch war.

    In der gesamten Zeit war ich mehrfach bei verschiedenen Psychiatern in Behandlung, das heißt dass es sich bis vor kurzem ausschließlich um medikamentöse Behandlungen mit verschiedenen Präparaten handelte und ich in Bezug auf die Therapie meiner Krankheit nicht wirklich weiterkam.
    Ich habe ein sehr geringes Selbstwertgefühl, zumindest sobald ich nicht für mich selber arbeiten kann und durch andere Menschen bewertet werden könnte.

    Von der Wehrpflicht und dem Zivildienst wurde ich bereits vor der Musterung durch psychologische Gutachten befreit, war auch zwischendurch in einer Psychiatrie für 3 Monate stationär wegen ähnlicher Probleme.

    Meine Schulzeit verlief damals eher problematisch. Ich versuchte damals meine Probleme wegzudrängen durchs Kiffen, welches ich dann aber nach 2 Jahren Konsum mit 17 Jahren beendete, da es mich nicht wirklich weiterbrachte und in meinen Augen nur Geldverschwendung war. Seit 6 Jahren trinke ich sehr selten Alkohol und nehme auch keine anderen Drogen, abgesehen von Nikotin sowie Koffein zu mir.

    Wie schon oben angedeutet, habe ich mehrfach Klassen wiederholt. Ich bin sehr selten zur Schule gegangen. Für andere war ich einfach der typische Schwänzer ohne komplexere Hintergründe. Die Lehrer wussten nichts von meinen Problemen, auch die Mitschüler hatten keine Ahnung.

    Ich war auf einigen Schulen und habe erst mit 19Jahren begonnen meinen Hauptschulabschluss nachzuholen. Dann war ich wieder ein Jahr „arbeitslos“, finanziert durch meine Mutter ohne ALG zu beanspruchen. Mit 21 Jahren habe ich dann einen weiteren Anlauf genommen und begonnen meine Fachoberschulreife nachzuholen. Beides konnte ich sehr erfolgreich, mit einem guten Notenschnitt (1,x) und sehr wenigen Fehlzeiten abschließen.

    Das Jahr darauf fing ich dann meine Fachhochschulreife (Fachabitur) Richtung Informationstechnischer Assistent (3Jahre + Ausbildung) an, welche ich aber nach kurzer Zeit aufgrund von medikamentösen Nebenwirkungen wie extremes Schwitzen, was mir sehr peinlich war abbrach. Also war ich den Rest des Jahres „arbeitslos“.

    Dadurch dass ich bis jetzt keine Ausbildung habe und gerne studieren würde, habe ich mich aber nicht aufgegeben und mich direkt im Jahr darauf für einen Platz am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung stark gemacht, dass nach zwei Jahren Schulzeit zur Fachhochschulreife führt. An dieser Schule wurde ich auch angenommen.

    Seit zwei Wochen läuft dort der Unterricht und es gefällt mir auch sehr gut, was die Mitschüler und die Lehrer angeht. Der Unterrichtsstoff ist auch okay und easy für mich zu lernen.

    Doch recht schnell durfte ich feststellen, dass dort meine schlimmsten Alpträume regelmäßig praktiziert werden. Wir arbeiten viel in Gruppen und stellen unsere Texte und Rechnungen bei nahezu jedem Fach vorne vor der gesamten Klasse vor via Projektor. Nun habe ich aber keine andere Wahl (mehr) und die erlernten Strategien zum Vermeiden von Situationen entfallen, ich kann mich dem Ganzen also nicht mehr entziehen und möchte es auch nicht (mehr), denn ich würde auch gerne für mich endlich mit der regulären Schule abschließen.

    Allerdings habe ich panische Angst vor dem Vortragen der Aufgaben/Lösungen und der Bewertung durch Mitschüler und Lehrer und weiß nicht recht wie ich damit umgehen soll. Auch die Angst zu Versagen ist vorhanden, weil ich mir Sorgen mache das es mir zu viel werden könnte und mich die Sache mit den Vorträgen überfordern könnte.

    Gleichzeitig besteht natürlich auch der Druck, etwas zu schaffen und mit 23 Jahren endlich weiter vorwärts zu kommen, nach dem Motto: der Zug ist bald abgefahren.

    Bräuchte hier ein paar Ratschläge, wie es euch vielleicht in ähnlichen Situationen erging und wie ihr diese gemeistert habt. In einer Verhaltenstherapie/Psychotherapie befinde ich mich übrigens jetzt seit ca. 2-3 Monaten.

    Bereits tagelang vorher kreisen meine Gedanken permanent um die Vorstellung was alles passieren könnte, wenn ich den Vortrag bzw. das Referat halte. Ich steh dann unter zusätzlichen und unnötigen Stress und zähl quasi die Minuten bis zum festgesetzten Termin zum Vortrag halten.

    Danke schon mal und sorry wegen der langen Vorstellung.
    Chris
    Geändert von pkc (14.09.2010 um 11:48 Uhr)

  2. #2
    Gast5147
    Gast

    Standard

    Hallo Chris ,

    das erinnert mich ein wenig an meine eigene Schulzeit, ebenso verbunden mit einem sozialen Problem (das Wort "Phobie" will ich nicht unbedingt benutzen).
    Ich habe das auch sehr lange verheimlicht und Strategien gefunden, um solchen Dingen wie Vorträge oder Gruppenarbeit zu umgehen. Irgendwann habe ich gedacht ... ach, was solls ... und habe es meinem damaligen Tutor erzählt.
    Ich habe ihm gesagt: "Ich schreibe lieber für alle Schüler eine Textinterpretation als dass ich fünf Minuten vor der Klasse stehe!"
    Natürlich hatte ich deswegen keinen Freifahrtschein, musste also weiterhin auch Dinge tun, die meine Mitschüler ebenso praktizieren mussten, aber der massive Druck der Verheimlichung war von mir abgefallen.

    So etwas zu verheimlichen bedeutet ja auch, erstens etwas darzustellen, was man nicht ist, und zweitens eine gewisse Perfektion auszustrahlen.
    Als es mein Tutor wusste, habe ich mir gedacht: "Nun ja ... wen scherts, dass ich nicht perfekt bin? Was sollte den das schon interessieren?"
    Irgendwann musste ich eine Analyse einer Zeichnung vorstellen, da habe ich mich vor die Klasse gestellt und gesagt: "Mir geht der ***** auf Grundeis, aber ... jeder ist irgendwie gestört!"
    Abgesehen davon, dass meine Mitschüler dann lachten, hat dieses "Geständnis" auch jeden Druck von mir genommen.

    Vielleicht konnte ich Dir ein wenig Mut machen, dass es anderen auch so ergeht und dass man damit umgehen kann

    LG

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Gast5147 für den sinnvollen Beitrag:

    pkc (14.09.2010)

  4. #3
    pkc
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    Zitat Zitat von Madness Beitrag anzeigen
    So etwas zu verheimlichen bedeutet ja auch, erstens etwas darzustellen, was man nicht ist, und zweitens eine gewisse Perfektion auszustrahlen.
    Als es mein Tutor wusste, habe ich mir gedacht: "Nun ja ... wen scherts, dass ich nicht perfekt bin? Was sollte den das schon interessieren?"
    LG
    Hallo, danke für deine Antwort.
    Ja, ich bin derzeit auch am überlegen, ob es vielleicht sinnvoll wäre den Lehrer über meine Probleme aufzuklären bzw. ihn über die Vorgeschichte zu unterrichten. Das würde vielleicht Missverständnisse ausschließen, da ich unter dem ganzen Stress auch mal unfreundlich und aggressiv bzw. desinteressiert rüberkommen kann (entspricht meiner Maske die ich mir über die Jahre angewöhnt habe), falls er mich zusätzlich mit Fragen löchert, was der Klassenlehrer sehr gerne macht. Angst -> Stress -> noch mehr Stress durch Löchern -> in die Ecke gedrängt fühlen und nicht weiter wissen -> Aggression, zumindest verbal.

    Was die Schüler angeht... da sind einige darunter die das ohnehin nicht verstehen würden... daher lass ich das erstmal bis die "Klassenclowns" entschärft und aus der Klasse geflogen sind, und so gut kennen wir uns alle noch nicht, das man sowas erzählen könnte.
    Geändert von pkc (14.09.2010 um 11:37 Uhr)

  5. #4
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    Standard

    hi pkc,

    ich leide selbst nicht unter einer sozialen phobie, aber unter einer selbstunsicheren persönlichkeitsstörung und mangelnder selbstsicherheit.
    obwohl ich als kind schon immer auf leute zugegangen bin, hatte ich auch probleme bei referaten etc.

    das, was mich bei wahrscheinlich vor der sozialen phobie geschützt hatte, war die tatsache, dass ich immer schon als kind gezwungen war auf leute zuzugehen, um sie kennenzulernen.
    in der schule hatte ich mich im unterricht immer viel gemeldet und war münlich gut dabei, was auch wieder geholfen hat.
    mein grösseres problem ist das der konfliktunsicherheit. damit komme ich kaum zurecht.

    ich mache seiut 2008 verhaltenstherapie(selbstunsicherheit, zwänge) und mache bei sogenannten konfrontationsübungen mit. heisst zb. in die stadt gehen und leute nach einem taschentuech fragen und nach einer partnervermittlung bzw. ne rede vor unbekannten leuten halten. das ist zwar sehr hart, aber danach fühle ich mich immer besser, weil ich eine angst bekämpft habe. nämlich die angst unangenehm öffentlich aufzufallen, was ich grade durch diese mir unanehmen situation hervorrufe.

    das würde für dich bedeuten mehr referate halten bzw. auf eine gruppe von menschen mal ansprechen, eben da wos dir schwer fällt. dadurch kommst du auch wieder in die situation durch andere bewertet zu werden und zwar so, wie du es eigentlich nicht wolltest.
    noch besser ist es, wenn du versuchst peinlich aufzufallen und das gefühl des unangenehmen erträgst. also nicht aus der situation fliehst.( d.h. zb. eine gruppe fremder menschen mit hallo grüssen und dann kurz stehenblieben und gucken, wie du dich fühlst)es ist im ersten moment super unangenehm, aber es hat nach mehr übungen den effekt, dass dir die bewertung der anderen nicht mehr so wichtig wird. ich habe selbst die erfahrungen gemacht, wenn ich solche übungen gemacht habe und bin wieder in mein altes verhalten zurückgefallen, wenn ich die übungen längere zeit nicht gemacht hatte.
    es hilft wirklich und ich habe in den gruppentherapien (war in 3 verschiedenen gruppen beim gleichen psychologen) rasante fortschritte der mitleidenen in der selbstsicherheit gesehen.

    auch solltest du lernen mit der zufireden zu sein. dich zum beispiel selbst loben ist nicht so leicht. ich kenn das selbst. aber wie willst du von der meinung/lob anderer unabhängig werden, wenn du vielleicht selbst nicht mit dir zufrieden bist?
    es ist alles ein lernprozess, der etwas dauert, aber viel bringt.

    oi, das war jetzt nen sehr langer text, aber ich fand alles wichtig.

    ich wünsche dir noch viel glück und würde dir ein selbstsicherheitstraining empfehlen. guck am besten mal bei google.de nach


    mfg
    Geändert von dieter25 (28.09.2010 um 09:25 Uhr)

  6. #5
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    Standard Verantwortung für die entscheidenden Lebenskräfte

    Dafür dass Du so oft mit so wenig erwünschtem und so viel unerwünschtem Erfolg behandelt wurdest, ist das, was Du zustande bringst, eine beachtliche Leistung. Wer braucht den Psychiater nötiger als der Psychiater?
    Du siehst ja: Deine so feinen, genialen TALENTE werden von medikamenten nicht satt und verhungern davon. Sie brauchen was Vernünftiges zu essen. Und es fällt allein in DEINE Zuständigkeit, es ihnen zu geben. Bisher haben sie sich aber nur mit dem durchbringen müssen, was von anderen mal gelegentlich als Anerkennung abfiel.
    Wann hast DU Deinen Talenten zuletzt gesagt, dass sie GUT sind? Dass Du sie brauchst? Dass sie wichtig für Dich und Dein Leben sind? Was sie tun sollen? Welche Hilfe Du benötigst? Wann zeigstb Du ihnen Deine Achtung?
    Du schämst Dich für sie! Dabei sind sie nur so, weil DU sie verwahrlosen lässt. DU bist nicht auf ihrer Seite gestanden. DU hast sie alleingelassen. DU hast gar nicht geschaut, was Du an ihnen hast. Und dennoch arbeiten sie bereits ein ganzes Leben lang FÜR DICH. Auf Notprogramm, weil Du sie nicht aufgetankt hast.
    Ich will es kurz machen. Die beste Anleitung für aufbauende Selbstgespräche auf dem Markt ist seit 90 Jahren Coués kleines Buch über Autosuggestion. In das tät ich mal reinschauen, Du bekommst es in jeder Buchhandlung. Guten Erfolg!
    Franz Josef Neffe

  7. #6
    Verleger Avatar von Natz
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    Standard

    Franz-Josef, ist das die Antwort auf jedes Problem? Etwas einfach...
    LG, Natz




    Manche Leute drehen nie durch-was müssen die doch für ein grauenhaftes Leben führen (Bukowski)

  8. #7
    Wunderlampe
    Gast

    Standard

    Hallo Chris

    Eine gute Vorbereitung ist schon mal die Halbe Miete. Wenn du sicher im Thema stehst, kann dich nichts so schnell aus der Fassung bringen. Schon das Wissen allein, "ich habe für alles eine Antwort" kann dich sicherer werden lassen. Wähle eine Methode, die du gut meistern kannst. Visuelle Hilfen wie Moderationskärtchen oder ähnliches.

    Wenn du deinen Vortrag hältst, dann such dir in der Menge die freundlichen Gesichter, und lächle zurück. Halte deinen Vortrag für diese und ignoriere die langweilig, starren Gesichter, derjenigen, die sowieso halb schlafen. Das verunsichert nur.

    Mach dir klar, dass jeder von denen die vor dir sitzen mindestens genauso fühlt wie du, wenn er vor einer Gruppe sprechen muß.
    Lehrer sind im allgemeinen für ihre Schüler da und wollen sie nicht in die Pfanne hauen. Sie erkennen ehrliches Bemühen an und honorieren es. also keine Angst vor der Obrigkeit

    Bereits tagelang vorher kreisen meine Gedanken permanent um die Vorstellung was alles passieren könnte, wenn ich den Vortrag bzw. das Referat halte.
    Die Betonung liegt auf könnte. Muß ja nicht. Und wenn du nicht nur denkst, was passieren könnte, sondern dir auch schon mal eine Strategie überlegst, was du tust, wenn das Unmögliche eintrifft, dann kann dir nichts passieren, weil du auf alle Eventualitäten vorbereitet bist.
    Geändert von Wunderlampe (07.10.2010 um 20:23 Uhr)

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