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Minderwertigkeitsgefühle Sich aussprechen und Erfahrungen austauschen.

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Alt 02.08.2010, 20:19   #1 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 01.08.2010
Ort: Köln
Beiträge: 24
Standard Schwach

Hallo zusammen,

ich könnte quasi überall etwas zu mir schreiben, viele Bereich passen zu mir. Ich entschied mich nun für dieses hier, da ich vermute, der Ursprung liegt mitunter am fehlendem Selbstwertgefühl.

Ich habe kein Selbstbewusstsein. Ob es mein Aussehen angeht, oder meine Persönlichkeit.
Ich habe Übergewicht, immerschon, aber früher fiel es noch unter "etwas pummelig". Sport hatte ich auch lange gemacht, danach wurde es mit dem Gewicht immer mehr. Ich hatte schon mal 25 Kilo abgenommen (und hatte immernoch Übergewicht), dann wieder 15 drauf. Jetzt habe ich wieder meine Ernährung umgestellt, ich will es schaffen. Ich will nicht mehr übergewichtig sein. Aber es wird ein harter Kampf, denn von meinem jetzigen Gewicht müssen schon mind.30 - 35 Kilo weg.

Aber es ist nicht nur das Gewicht, es ist ALLES. Ich bin nicht hässlich, aber gewiss alles andere als schön. Es gibt nichts an mir, was ich auch nur annähernd als schön betrachte.

Charakterlich: ein sehr schwieriger Mensch. Ich kompensierte früher meine Unsicherheit relativ gut mit Frohsinn, Humor und guter Laune. Ich versuche es heute noch, gelingt mir nicht immer.
Ich habe viele schlechte Erfahrungen in Freundschaften gemacht, ebenfalls in Beziehungen. Und diese haben mich noch mehr geprägt. Gerade dies mit Männern, mit meinen Gefühlen wurde gespielt, ich wurde betrogen, psyschich erniedrigt, Handgreiflichkeiten waren auch schon dabei.

Ich finde nichts, was an mir gut ist. Und das erschwert vieles. Ich blocke ab wenn es ums Thema Männer geht.
Im Job bin ich unsicher, im privaten, fast überall. Ausser ich bin zuhause. Da kann mir keiner weh tun.

Manchmal wünsche ich mir ein Talent, wo ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen kann... gibts nicht.

Es folgen immer diese Gedanken... was andere über einen Denken. Man reflektiert sich selber. Man versucht vieles zu ändern und dann: booom. Etwas passiert und man fällt zurück.
Es strengt an, es strengt wirklich an.

Ich könnte so weiter schreiben... Aber ich denke, dass ich vielleicht nicht alleine hier bin!??
Gehts euch manchmal genauso? Wie geht ihr damit um?

Danke fürs Lesen. Es tut gut, wenn man etwas von sich losschreiben kann ohne Sorge, man wird wieder belächelt oder nicht für Voll genommen. Danke :-)

Geändert von KiNa1980 (02.08.2010 um 20:31 Uhr)
KiNa1980 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 02.08.2010, 22:09   #2 (permalink)
Nachwuchs Autor
 
Registriert seit: 30.04.2010
Beiträge: 641
Standard Schwach

Kina, ich kann dir nur sagen, wie ich mit einem nicht sehr ausgeprägten Selbstwertgefühl zurechtkomme. Mein Fitnessprogramm gegen überflüssige Pfunde sieht so aus, dass ich in einem Fitnessclub, der einem Krankenhaus angegliedert ist, 2xwöchentlich an Geräten und auf der Matte mit Bällen trainiere, alles computerisiert, mit sehr gutenTrainern (die eine besonders gute Ausbildung haben, weil sie sich auch die Patienten des Krankenhauses trainieren). Bei der Wahl von Fitnessstudios sollte man sehr kritisch sein. Zudem habe ich mir ein Rennrad zugelegt (wiegt etwas über 7 kg), mit dem ich heute gerade am Timmendorfer Strand war (100 km). Auch gut für das Selbstwertgefühl!
Aber ich habe 1 Punkt für mich entdeckt, wenn ich mich da reinknie, dann hebt sich mein Selbstwertgefühl garantiert wieder. Es geht um das Lernen, das ich nie gelernt habe.

Meine Therapeutin hat mir Mut gemacht, indem sie mir empfohlen hat, von dem Mathebuch wenigstens 2 Seiten am Tag durchzuarbeiten. Die Gefahr ist bekanntlicherweise, dass man sich zuviel vornimmt, es (natürlicherweise) nicht schafft und total frustiert ist.

Jemand hatte mich gefragt, ob ich an einem privaten Englisch-small-talk teilnehmen würde. Hatte ich vorerst aber zurückstellt, da ich den Tick habe, immer nicht genügend vorbereitet zu sein. Das ist leider ein altes Problem von mir. Die Therapeutin: "Da sollten Sie einfach mal reingehen, auch wenn es anfangs viel Überwindung kosten wird."
-----------------------------------------------------------------------
"Wirklichkeit komm morgen wieder, für heute reicht es"

Geändert von Bertrand (02.08.2010 um 22:12 Uhr)
Bertrand ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.08.2010, 18:46   #3 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 01.08.2010
Ort: Köln
Beiträge: 24
Standard

Sport ist wirklich sehr wichtig, um endlich von den Pfunden wegzukommen. Ich weiß auch, dass Sport dahingehend gut ist, sich Frust/Wut/Ärger abzutrainieren. Ich habe damit angefangen, häufiger längere Wege zu Fuss zu gehen. Da kann ich auch gut meinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Überwindung abzubauen... sehr schwer. In allen Bereichen sehr schwer.
Ich kann eh schlecht aus mir heraus, auch wenn ich auf andere als lustig wirke. Alles gespielt (hätte ich vielleicht zum Theater gehen sollen???).

Gerade auf der Arbeit versuche ich vieles zu verstecken, mir nicht anmerken zu lassen, wie es mir tatsächlich geht. Es macht mich müde.

An meinem Gewicht habe ich schon angefangen, etwas zu ändern. Aber weiß ich, ob mein Selbstwertgefühl gesteigert wird, wenn ich abnehme? Ich denke es ist alles nicht nur wegen meinem Gewicht. Wäre schön, wenn nur das die Ursache wäre...
KiNa1980 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 03.08.2010, 23:55   #4 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 22.09.2009
Beiträge: 10
Daumen hoch

Hallo Kina.

Also zuerst möcht ich mal sagen, dass du nicht allein bist. Natürlich tust du dir leicht als "übergewichtig" und "nicht gerade hübsch" (oder was auch immer) dich in die bekannteste Schublade der Minderwertigkeitskomplexe bei Frauen zu schieben.

Aber dem ist alles nicht so ... du solltest einmal deinen Blickwinkel erweitern und dir ein paar Fakten vor Augen halten. Ich kann dir nur spontan ein paar aufzählen, vielleicht kommen wir noch besser ins Gespräch und können mehr besprechen, aber ich fang mal aus meiner Sicht an:

Fakt 1:
Auch die charmanteste, erfolgreichste und hübscheste Frau kann in Wirklichkeit in Häufchen Elend sein. Und umgekehrt: Auch eine korpulente Frau, die nicht gerade maßgeschneiderte Gesichtszüge hat, kann ein enormes Selbstbewusstsein haben.

Minderwertigkeitskomplexe wegzubekommen erfordert viel Selbstreflektion.

Du solltest dir einmal überlegen, WER du sein möchtest.

Erst wenn du dieser Mensch bist, kannst du DU sein.

Weiters solltest du STREICHEN, wer du nicht sein möchtest, aber sein solltest ... weil eben "andere.." es gern so hätten.

Ich werd dir sicher nicht sagen, dass es schon OK ist, übergewichtig zu sein und dass du einfach stark sein solltest, denn wenn es dich belastet, wird es nicht funktionieren.

Also halt dir den mal - nur für dich - vor Augen, dass es DIR wichtig ist, etwas mehr für deinen Körper zu tun.

Wie du das machst, muss ich dir nicht erklären. Ich habe selber fast 30 Kilo abgenommen und ich weiß wie steinig der Weg bisdorthin sein kann, aber ich weiß auch, welches Last von einem fällt, wenn man sich wohler fühlt.

Nicht weil ich dann ein Mädchen bin, das besser in die Norm passt, sondern weil ich dann ein Mädchen bin, das aufgehört hat, andere Frauen um banalste Dinge zu beneiden wie zB:a) kann ein schönes Shirt tragen oder b) kann sich einfach ungeniert bewegen oder c) findet sich selber hübsch und ist dabei nicht eitel, sondern noch wertvoller.

also wichtig: wohlfühlen...(egal, wieviel Kilo deiner Meinung noch wegmüssen)

Dann zu: "was andere über mich denken"

FAKT 2: Nicht alle Menschen denken über dich nach - sehr wohl du über dich (sonst wärst du ja nicht hier im Forum oder?)

Aber bleiben wir bei der großen verbitterten Gesellschaft und deren Normen:

Einige schon, hier gibt es grob gesagt 2 Kategorien:

A) Menschen die selber Komplexe haben:

Zeigst du deine Schwächen, zum Beispiel, wie unwohl du dich eigentlich fühlst, denken sie in die negative Richtung und beschäftigten sich mit dir, um sich selber aufzuwerten.

B) Menschen die zwar selbstbewusst sind, aber merken, dass du sie toppst:

Zeigst du Selbstbewusstsein, Stärke, dann denken sie in die positiv oder negativ. Positiv, weil sie dich bewundern, negativ, weil sie dich darum beneiden.

also, du kommst da sowieso nicht drum herum.

Ich werd hier auch nicht sagen, "******* drauf was andere denken" ... denn schließlich ist der Mensch nunmal so, dass er sich gerne misst...

aber ich werde dir sagen: DU bist dir der wichtigste Mensch und der DU stehst dir am nähesten, also achte lieber darauf, was DU über dich denkst.

Denkst du gut über dich, kannst du dich verteidigen und sei es bloß in der Form, dass du ignorant wirst, weil du dich einfach so gut im Griff hast und dich so sehr mit dir selbst beschäftigst, dass für andere kein Platz mehr ist.

Fakt 3: Schön ist nicht, der schlank ist und super Gesichtszüge hat, schön ist der, der GESUND aussieht.

Und zur Gesundheit gehört ein zu dir passender Körper.
Zur Gesundheit gehört ein Lächeln auf deinem Gesicht, welches aus deiner Seele kommt, die zufrieden ist, mit ihrem Charakter, mit dem Verstand, mit der Welt um sich herum, mit seiner Einstellung ...mit sich selber, wenn es sich im Spiegel betrachtet.

Fakt 4: Akzeptiere Dinge die du nicht ändern kannst.

Na toll, ich hör mich schon an wie ein Ratgeber-Buch

Aber es ist wahr. Schau dich genau an, wenn du sagst, du bist nicht "die hübscheste" aber auch nicht "hässlich.." dann musst du ja Züge an dir finden, die eig. garnicht so schlecht sind.

Kennst du das Gefühl, wenn Menschen eig. garnicht so perfekt sind und trotzdem hübsch sind und man sich fragt, wie er das bloß macht?
Er betont eben das, was hübsch ist. Und schöne Augen und ein liebes Lächeln können weitaus hübscher sein, als das perfekt geschneiderte Gesicht (vl. noch mit einem dummen Ausdruck)

Also, hast du schöne Augen, dann kümmere dich um sie, wenn du umbedingt willst, dass sie leuchten.

Hast du schöne Hände, dann kümmere dich um sie.

Hast du schöne Schultern, dann zeig sie ab und an mal.

Was auch immer es ist..

Du bist nicht nur dein Gewicht und deine Frisur.

Fakt 5: Der Blick in den Spiegel ist kein Schnappschuss aus einem Fotoalbum.

Die Selbstbetrachtung der meisten Menschen erfolgt immer in so einer Foto-Sequenz-Länge... Man schaut sich 2 Sekunden in den Spiegel (von 1. Perspektive) und beurteilt diese paar Sekunden.

So funktionierts nicht. Du hast ein Profil..du hast Gesichtsmuskeln die sich bewegen, die du nie beobachten wirst, zumindest nie genau aus der Perspektive die ein anderer gerade hat..usw... also bitte..kümmere dich einfach um dich... und wenn du das Gefühl hast, ein Spiegel muss oft helfen, dann häng dir gleich 5 im Badezimmer auf, damit du dich aus jeder Perspektive siehst... wenn schon, denn schon, oder? Gehs an und meister solang an Kleidung, Haaren, was auch immer, herum, bis du mal reingehst und statt 20 min nur mehr 5 brauchst, weil es nicht mehr all zu viel zu kritisieren und beobachten gibt.

Ach ..und es gibt noch so viel zu sagen... aber weißt du, du solltest nicht vergessen, dass du keine 2. Chance mehr bekommst ... und dass sich eigentlich NIEMAND ..außer vl. mal ein Mensch der dich liebt oder deine Kinder...bzw. Familie allgemein....aber dass sich echt niemand einen DRECK um dich scherrt...niemand juckts, ob du unglücklich dein Leben runtergebogen hast ..oder ob du erfolgreich warst und zufrieden.... NIEMANDEN... also entscheide dich dafür oder dagegen... und wenn du nicht willst, dass jemand anders dein Leben lebt ...dann fang endlich damit an ... reiss dich zusammen ... und fang dort an, wo es am wichtigsten ist anzufangen ... und wenn du nicht weißt wie, dann frag so lange nach, bis es dir jemand sagt ... und wenn dich jemand daran hindern will, dann geh doch bitte weiter...er hat es in 10 min vergessen und nagt dann wieder an seinem eigenem leben ... und du ... du vergisst auf deins... oder wie? ...

also fang einfach damit an und wenn es noch nicht gut genug ist, dann bleib kurz stehen, atme durch, sag dir, du bist bald dort wo du sein willst, aber geh bitte weiter... weil ..wie gesagt... es intressiert niemanden ...aber ich hoffe mal, ...

dich!

und ich sag dir auch...

es ist schön, wenn du dort bist..wirklich schön...denn dann bist du vollkommen gesund..und kannst dich anderen Dingen widmen ... Dingen die fernab sind...weil du dir um "so etwas" nie wieder Gedanken machen musst ...weil du es schon abgehakt hast ...also fang an.

Ich wünsch dir das Beste... und wenn ich noch mal einen auf Ratgeber machen soll, meld dich ..wenns hilft, mach ichs gerne.

glg ein tee
milchtee ist offline   Mit Zitat antworten
Folgender Benutzer sagt Danke zu milchtee für den nützlichen Beitrag:
KiNa1980 (06.08.2010)
Alt 04.08.2010, 00:23   #5 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 22.09.2009
Beiträge: 10
Standard

ich habe garnichts zu der charakter-sache gesagt:

talente...unsicherheiten kompensieren ... bla bla bla..

wie sollst du dich denn um deine talente kümmern, wenn du dich so unwohl fühlst?

Du wirst auf kein einziges Talent kommen, wenn du immer nur mit deinem akutem Zustand beschäftigt bist ...also schieb das mal hinten an und verlang nicht gleich das perfekte göttliche Abbild von einem zufriedenem Menschen...und das am besten GLEICH ... tz

Humor?... ist gut... dient aber nicht nur zur Vertuschung von Unsicherheiten ...also tu deinen Sinn für Humor nicht ab... er ist da ..und klar hat er geholfen ... aber eben auch nur geholfen ... wenn der humor nicht mehr viel helfen muss ... kann er sich auch mal frei gehen lassen ... und sich frei bewegen ... und der zB macht dich gesund..bringt einen schönen klang in deine augen ... macht dich zufrieden... lässt dich bei anderen unsicherheiten (die ab und an mal wieder auftreten) nicht im stich ...

kümmer dich mal darum, dass du dich wohl fühlst ... und nicht nur zuhause.... dein zuhause sollte im besten fall überall sein ...

natürlich hat jeder schlechte tage, phasen und alles läuft schief... aber zum größten teil solltest du dich überall wohl und zuhause fühlen ... auch wenn die umgebung anstregend ist ... da könnte ja dein humor wieder helfen oder?
du bist perfekt ausgestattet, glaub mir das.

kümmer dich einfach um dich selbst ... kämpfe für dich ..kämpfe für alles, was dir wichtig ist ... und machs schrittweise.

Viele menschen haben das glück, dass andere für sie gekämpft haben ... eltern ... oder wer auch immer...aber sie bleiben dann eben manchmal auch nur "halbstark"...weil die hälfte eben nicht von ihnen selbst erledigt wurde ..(wie zB Kinder / Jugendliche die garnicht wissen was übergewicht oder ungesundes aussehen ist ... )...

aber wenn du dich mal um alles selber gekümmert hast ..und alles was du bist selber auf die beine gestellt hast ... und du zufrieden bist ... kannst du eine Stärke entwickeln ...von der du dich dann wahrscheinlich schon selber fürchtest ... aber die dir keiner mehr nehmen kann...

so, so far, lg

Geändert von milchtee (04.08.2010 um 00:30 Uhr)
milchtee ist offline   Mit Zitat antworten
Folgender Benutzer sagt Danke zu milchtee für den nützlichen Beitrag:
KiNa1980 (06.08.2010)
Alt 04.08.2010, 20:23   #6 (permalink)
Nachwuchs Autor
 
Registriert seit: 30.04.2010
Beiträge: 641
Standard

Ich habe die Erfahrung machen müssen, dass mit schwachem Selbstbewusstsein eine depressive Verstimmung einhergeht. Viele Tips liegen auf dem Tisch, doch die Energie, sie auch in die Tat umzusetzen, ist schwer, wenn nicht fast unmöglich.
sS mit depressiver Eintrübung
+ ein übertriebener Ehrgeiz, dazu kann, quasi als Überkompensation, auch noch ein Schuss Narzismus kommen...und weil man dann auf dieses Ganze, das einem das Leben versaut, mitunter überreagiert, gibt es dann noch einige Kriterien, die zu einem Borderliner passen würden,
ist auch für die berufliche Karriere gefährlich. Ich kann nur die Leute bewundern, die sich mit weniger Kenntnis, als ich sie habe, in eine Übungsgruppe setzen. Die Gefahr besteht, dass man sich praktisch nie für gut vorbereitet hält, sodass es am Semesterende dann auch keine Scheine gibt.

Auf ein Philosophiebuch habe ich mir den Spruch aufgeklebt:
"In der Wissenschaft muss man immer das Beste aus seiner Unwissenschaft machen: Man verfügt ja niemals über alle Tatsachen." (vom Physiker Hermann Bondi).

Trotzdem, wenn ich im Mathebuch einen Beweis vorfinde, den ich nicht verstehe, dann fehlt mir Lockerheit, ihn erst einmal zu überschlagen, um dann später darauf zurückzukommen.

Ich habe auch Lichtblicke erlebt. In diesen Momenten, die fast schon etwas manisch waren, waren mir die o.a.Probleme völlig aus dem Kopf. In dieser Phase totaler Entspannung war ich verwundert, dass ich mich auch ohne diesen Wissens"ballast" wohlfühlen konnte. Aber diese Momente hätte ich nicht ohne Hilfe von außen erleben dürfen.

Deswegen muss jeder für sich entscheiden, wann er die Reißleine zieht, dh., der Leidensdruck ist zu groß geworden. Wenn er meint, er stünde mit dem Rücken zur Wand, dann muss er sich eine Taxe bestellen und sich ggf. auch nachts in die Psychiatrie selbst einliefern.

Geändert von Bertrand (05.08.2010 um 00:43 Uhr)
Bertrand ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.08.2010, 19:59   #7 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 20.11.2006
Beiträge: 15
Standard Ehrlich zu sich und anderen

Hallo Kina,

ich möchte dein Problem mal aus einer ganz anderen Perspektive beleuchten.
Mein Rat an dich: Versuch ab heute, dich so zu nehmen wie du bist und nicht länger einem Ideal hinterher zu hecheln. Abnehmen ist ja schön und gut. Nichts dagegen einzuwenden. Aber du solltest damit aufhören, anderen gegenüber auf locker-lustig zu machen. Nur, um deine Unsicherheiten zu verbergen. Zeig deiner Umgebung ruhig, wenn du dich unsicher fühlst. Das kommt viel sympathischer und ehrlicher rüber als sich immer wieder zu verstellen, in der Hoffung, dadurch anerkannt zu werden.
Es geht überhaupt nicht darum, ob du rundlich oder superschlank, reich oder arm, groß oder klein bist. Es geht vor allem darum, dass du auf andere authentisch wirkst. Denn nur dann sprichst du auch genau jene Menschen an, die jemanden wie dich sehr gern in ihr Herz schließen und dir daher auch guttun werden. Mir scheint, du hast dich in der Vergangenheit eher mit den falschen Leuten umgeben. Solchen, die dich nur noch weiter runterziehen.
Ich bin mir sicher, wenn du dich von wirklich echten Freunden angenommen und in deiner Gesamtheit - also mit all deinen vermeintlichen Fehlern - geschätzt fühlst, bekommt dein Selbstwertgefühl ganz automatisch den Schub, den es braucht, damit du dich gut finden kannst, so wie du bist.
Unter uns: Ich selbst habe zwar genügend Selbstbewusstsein, finde aber Leute, die ihre Schüchternheit oder Unsicherheit offen zugeben können, tausend Mal interessanter als solche, die vor Selbstüberschätzung bald platzen. Letzteren fehlt meistens jene Sensibilität, die gerade etwas stillere, unsicherere Menschen oft so positiv auszeichnet.
Vielleicht kannst du dich ja mal aus dieser Warte betrachten. Also aus der Perspektive von uns ach so munteren "Wir-wuppen-alles"-Typen. Glaub mir, wir mögen uns auch nicht immer, auch wenn das kaum jemand glaubt. Ob ruhig und nachdenklich oder eher draufgängerisch - wir haben alle unsere Durchhänger. Aber wir haben auch alle unsere Daseinsberechtigung, denn das Leben wäre total eintönig, wenn wir alle das gleiche Temperament hätten. Ich find's jedenfalls superschön, dass es so viele unterschiedliche Menschen gibt. Wer mag denn schon immer nur mit Leuten beisammen sein, die haargenauso ticken wie man selbst? Das wird auf Dauer doch öde.
Also hab Mut und steh zu dir - deinem Naturell und zu deiner Optik. Du kannst dadurch nur gewinnen.
Teste es bitte bei nächstbester Gelegenheit, in der du in Gesellschaft bist und spürst wie wieder deine Unsicherheit hochkriecht. Erzähl einfach jemanden, wie du dich fühlst, statt es zu vertuschen. Hinterher wirst du dich schon allein durch die Überwindung, die dich deine Offenheit gekostet hat, gleich um einiges besser fühlen und dadurch ein kleines Stück neues Selbstbewusstsein hinzugewonnen haben. Je öfter du ehrlich mit deinen Gefühlen umgehst, desto mehr wirst du auch erkennen, wer du wirklich bist und welche Talente in dir schlummern.
Ich wünsche dir, dass du dich Schritt für Schritt aus deinem komplexbeladenen Schneckenhaus heraustraust und lernst, dich weniger streng zu beurteilen als bisher.
Liebe Grüße und viel Glück!

Tollkirsche
Tollkirsche ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.08.2010, 20:35   #8 (permalink)
Nachwuchs Autor
 
Registriert seit: 30.04.2010
Beiträge: 641
Standard Schwach

Tollkirsche schreibt:

"Also hab Mut und steh zu dir - deinem Naturell"

Für mich würde das im Umkehrschluss bedeuten, wenn ich dieses "Naturell", das ich bei mir gar nicht genau kenne, nicht wage zu zeigen, dass ich dann feige bin. Wenn ich depressiv bin, dann gehören Begriffe wie Mut oder Feigheit nicht in die depri-Schublade.
Wenn man depressiv ist, dann fehlt es einem u.a. an Energie, die man nicht hat, um mutig sein zu können. Wenn man diesen verlangten Mut nicht aufbringt, dann stellen sich als Folge i.a. Schuldgefühle ein, weil man wieder einmal versagt hat.

Das ist doch das Problem, dass man in gewisser seelischer Verfassung gar nicht genau sein Naturell kennt. Mitunter weiß man doch gar nicht: Was ist soz. normal und was trägt wieder Züge meiner seelischen Erkrankung. Man ist aus der Spur geraten. Das eigene Naturell hat sich maskiert, das ist die Tragik. Die übliche (ambulante) Behandlung bei mehr oder weniger schweren Depressionen besteht aus einer Kombination von Gesprächstherapie und Tabletten, um überhaupt morgens wieder aus dem Bett zu finden und den Alltag einigermaßen gut abwickeln zu können. Insbesondere die Tabletten haben Nebenwirkungen, die das Denken und Verhalten verändern (sollen). Insofern mutiert man in gewisser Weise zu einer anderen Persönlichkeit.

Geändert von Bertrand (05.08.2010 um 21:30 Uhr)
Bertrand ist offline   Mit Zitat antworten
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