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Schwund der Hochbegabung?
Guten Tag erstmal,
ich weiß nicht recht ob mein Anliegen hier klar und deutlich herauskommen wird, aber ich will mein Bestes versuchen. Dazu muss ich dann doch etwas weiter ausholen.
Meine aktuelle Situation sieht so aus, dass ich an einer Hochschule in Berlin Business Administration (auch als BWL zu umschreiben) studiere.
Dort musste ich im ersten Semester einen Kurs belegen, welcher am Ende ein Abschlussgespräch (welches persönliche Einschätzung und weitere Persönlichkeits-/Berufsentwicklung) beinhaltete - auf welches der Kursleiter bereits im Vorhinein anspielte - es stellte sich dann heraus, das seine Anspielung darauf hinauslief, dass ich entweder ein "Genie" oder ein absoluter "Blender" sei. Nun erst einmal zurück in meine Kindheit - ich will von dem Teil ihn mir erzählen, welches wohl als "Genie" gesehen wird.
Als Kind war ich wohl anders als die meisten in meinem Alter. Habe Rechenbücher freiwillig aber und abermals im Kopf gerechnet, habe Bücher gelesen, die weit über meinem Alter lagen. Habe mir die Grundlagen von Schreiben und Lesen vor der Schule selbst beigebracht. Vor der Schule konnte ich bereits 3-stellige Zahlen im Kopf addieren, Mal-Rechnen und einfache Wurzeln ziehen. Sprich - ich war meinem Alter weit voraus.
Dies machte sich dann auch in der Schule bemerkbar, wo ich ich überdurchschnittlich gut war und spielend gute Noten erreichte. Hausaufgaben machten mir Spaß und ich hatte einen extremen Wissensdurst zu stillen. Ich gewann Mathematikolympiaden am laufenden Band und hatte viele Interessen und Dinge für die ich mich faszinieren konnte.
Im Unterricht war ich oft derjenige der schwatzte, der ermahnt wurde - im Nachhinein spekuliere ich wohl auf Langeweile.
Doch ich war auch ein wenig der Außenseiter, war es wohl lange Zeit in meinem Leben - und fühle mich auch heute noch anders als andere und distanziere mich oft.
So lief es bis zum Wechsel auf das Gymnasium (7te Klasse) - wo ich dann schlagartig einen Sprung machte, und kein Interesse mehr an den schulischen Dingen, Hausaufgaben hatte. Hatte ich sie vorher immer gern gemacht und stand oft als Streber und arroganter Besserwisser da, drehte sich die Situation komplett und ich wurde auch von den Noten her schlecht.
Gleichzeitig distanzierte ich mich noch weiter von der Außenwelt bis mein Freundeskreis auf ein Minimum schrumpfte.
In der Schule blieb ich weiterhin schlecht, hatte kein Interesse daran irgendetwas für diese zu tun - sei es lernen oder Hausaufgaben. Nein - ich hatte keine Muße dafür, bin lieber meinen Hobbys nachgegangen. Und da liegt auch bis heute noch ein Knackpunkt - selbst wenn ich wollen würde kann ich mich einfach nicht auf Lernen bzw. Hausaufgaben konzentrieren - nur wenn ich es unbedingt (zeitlich bedingt) unter Druck muss. Sobald ich versuche zu Lernen fang ich an zu träumen, während ich meine Materialien anstarre, kann nicht durchhalten und fange doch wieder an, etwas zu tun was mir Spaß macht. Erst als ich in der 12ten Klasse merkte, wie schlecht ich im Vergleich zu den Anderen war, gab es bei mir erneut einen Knackpunkt und das Messen in mir - was mir so wichtig ist - immer der Beste zu sein - war wieder erwacht. Und wenn dieses erwacht erwarte ich Perfektion von mir, auch wenn ich gar nicht imstande dazu bin diese zu leisten.
Somit riss ich das Ruder noch herum und bestand mein Abi gut. Viel habe ich nicht gemacht dafür (wenn auch mehr als vorher) und habe deswegen viel Neid zu spüren bekommen - viele blieben ungläubig darüber wie ich die ganze Sache denn so locker nehmen könne, so wenig für die Schule tun könnte.
Ein neuer Knackpunkt - Sachen wie Noten, Bewertungen - waren mir einfach nicht mehr wichtig - und so ist es auch jetzt im Studium - es ist mir nicht vollkommen egal, aber mein ganzes Herzblut steckt sicherlich nicht dadrin. Ich kann es einfach nicht ernst nehmen, ich plätscher vor mir dahin, während andere sich den Allerwertesten wund schuften dafür.
Viele nehmen dies als Arroganz war, indem ich mich als etwas besseres fühle. Und gelinde gesagt leider sind diese Einschätzungen oft richtig und ich fühle mich wirklich als etwas besseres . Noch einmal zurück zum Abitur - nein nicht nur für diese Lockerheit war ich bekannt - auch dafür, ständig unruhig zu sein, zu schwatzen - ich fühle auch immer eine innerliche Unruhe in mir. Ständig kann ich nicht still sitzen und fange unbewusst an mit den Fingern zu trommeln oder andere den Bewegungsdrang stillende Tätigkeiten.
Somit war es nur ein kurzer Schritt zur weiteren Schlussfolgerung im Abschlussgespräch - entweder ich langweilige mich aufgrund der Hochbegabung und schalte im Unterricht ab und bin deswegen so unruhig - oder ich bin nicht hochbegabt und habe einfach das vielzitierte ADS, welches sich nun auch in meiner unglaublich ausgeprägten Konzentrationsschwäche äußert.
Wenn ich nun an früher denke - dann bin ich fast davon überzeugt als Kind hochbegabt bis höchstbegabt gewesen zu sein - doch jetzt fühle ich mich nicht mehr so - das Studium fällt mir zum Teil leicht - andere Teile dagegen beherrsche ich überhaupt nicht.
So war es auch in der Schule bzw. im Abitur - genau in diesen Fächern habe ich auch nie versucht etwas mehr zu erreichen, ich habe es einfach dahinplätschern lassen.. ich kann also nicht alles so spielend wie es vielleicht für manch anderen aussehen mag - also ist für meine keine Hochbegabung mehr gegeben, auch wenn vieles für mich leichter fällt als für Andere.
Ich habe nie einen Gedanken daran verschwendet ob ich wirklich ein "Genie" sein könnte oder "ADS" haben könnte. Doch seit diesem Abschlussgespräch gehen mir diese Gedanken nicht mehr aus dem Kopf.
Mir wurde dort geraten einen professionellen IQ test zu machen um Klarheit zu gewinnen. Jedoch erkenne ich jetzt mit einiger Distanz die Tragweite diesen. Habe ich ein Ergebnis welches eher zur 120 tendiert, ist die Hochbegabung meiner Kindheit nur eine zerronnene Erinnerung und gleichzeitig bedeutet es, das irgendetwas anderes mit mir nicht stimmt.
Deswegen habe ich nun doch gelinde gesagt ein wenig Bammel davor, das Ergebnis dann definitiv in den Händen zu halten. Ich weiß das diese IQ tests sehr in den Ergebnissen schwanken können (Tagesform etc pp).
Allerdings wurde mir in dem besagten Abschlussgespräch ein IQ von ca. 140-150 prophezeit. Nun werden viele von den Lesern vielleicht auf einen Quacksalber tendieren, der dies doch nicht einschätzen könne, aber dieser Mann hatte Psychologie studiert, was ihn zumindest mehr gefeit gegen Halbwissen macht als einen Laien 
Desweiteren ist mir immer wieder aufgefallen in welchen Extremen ich lebe.
Den einen Tag gut gelaunt und freundlich und den nächsten Moment trübselig, aggressiv reagierend, distanzierend. Ich kann es nicht einmal erklären warum es so ist. Genauso extrem sehe ich manchmal komplett den Sinn in meinem Tun während ich mich manchmal frage was das Ganze (bspw Studieren) eigentlich bringen soll. So schwanke ich mich hin und her durch mein Leben. Beispielsweise wenn ich mich in einer Situation wohl fühle, dann bin ich sehr offen und bin auch mal einer der gern nen Spruch reißt - dagegen wenn ich mich unsicher / unwohl fühle distanziere ich mich komplett von der Umwelt und sage lieber gar nicht mehr. Dies kam im Abschlussgespräch auch zum Tragen - ein Mensch der Extreme - doch wie es mit meinen anderen angesprochenen Themen zusammenhängt kann ich nicht interpretieren.
Auffällig an mir ist außerdem geworden, das ich es auch ungemein schwer habe auf neue Situationen und besonders auf neue Menschen einzustellen.
Menschen einen anzusprechen - das hat bei mir eine sehr hohe Hemmschwelle, auch wenn ich genau weiß das mir nichts passieren könnte.
Vieles an mir kann ich einfach nicht erklären, und hoffe hier deswegen wenigstens auf einige Interpretationsansätze an denen ich mich in Richtung Lösung entlanghangeln kann.
Was meinen Sie, nachdem ich meine Situation relativ ausführlich geschildert habe - IQ test machen oder nicht? ADS oder "Genie"?
Und kann solch eine Hochbegabung mit der Zeit einfach schwinden - und einen (ich kann keinen Grund ersehen) einfach an einem Knackpunkt zerbrechen? (Stichpunkt 7te Klasse)
Ich freue mich auf Antworten, und danke im Voraus
Mfg Tiamat
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hallo Tiamat,
erstmal. sch...egal, was es nun ist. Es ist Fakt, dass Du mit diesen Extremen in Dir aufgewachsen bist, davon geprägt bist, diese auch ein Lebensthema bleiben werden, und Du deshalb sehr bewusst Dich damit auseinandersetzen musst. Also erstmal die Sache erforschen durch Tests, oder was auch immer, und dann lernen, daraus das beste zu machen.
Bezüglich ADS/ADHS, das ist ja ohnehin so ein Krankheitsbild - naja - ich halts ja meist eher für das Symptom, als für die Ursache. Es gibt da recht widersprüchliche Aussagen dazu und die Forschung ist noch lang nicht durch damit. Auf jedenfall wäre ich vorsichtig, denn das ist so eine "Krankheit", die sich wunderbar von der Pharma vermarkten lässt. Wäre ich an Deiner Stelle, würde ich das als erstes von der Checkliste streichen, da eigentlich nicht wirklich relevant. Es geht in erster Linie darum, wie Du Dich jetzt mit Deinen Fähigkeiten, die nunmal da sind, im Leben platzierst. Und wo nun wirklich Deine Stärken liegen.
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Lieber Tiamat,
zum Glück hast Du Spezialisten in Berlin! Schau ´mal auf www.leuchtfeuer-berlin.de. Annegret Mahn hat auch im rbb ein Interview gegeben :-)
Alles Gute zu Dir und geh dem Thema Hochbegabung nach!
LG, Violetta
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