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Alt 30.07.2007, 12:18   #1 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 30.07.2007
Beiträge: 2
Standard selbstkritik

zunächst einmal hallo!

schon seit längerem beobachte ich bei manchen mitmenschen von mir und auch an mir selbst, dass ich mich ständig selbst kritisiere. das fängt bei harmlosen sachen wie zb. gutem aussehen an, entwickelt sich dann aber soweit, dass man über sitationen in der vergangenheit nachdenkt, bei denen man glaubt, sich irgendwie falsch verhalten zu haben - auf welche art auch immer - und man ist darüber im nachhinein (obwohl es vllt. schon einige tage, wochen her ist) unzufrieden.

für mich hat das irgendwie mit selbstkritik und selbstbewusstsein zu tun und ich würde gerne wissen, was ihr so darüber denkt!
sollte man überhaupt selbstkritisch sein?

grüße
lycaner90 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.07.2007, 14:24   #2 (permalink)
Verleger
 
Benutzerbild von Waris
 
Registriert seit: 12.01.2007
Ort: Köln
Beiträge: 2.314
Standard

Ich denke selbstkritisch sollte man schon sein, sonst kann man sich ja nicht weiterentwickeln. Bei manchen geht es aber soweit, dass sie sich regelrecht fertig machen und sehr hart und ungerecht zu sich sind. Das ist falsch, das raubt einem das Selbstvertrauen. Ich mache es so, dass,wenn ich mal wieder mich selbst fertig mache(du bist dumm, du kriegst nichts hin, du bist bekloppt, du verhälst dich wie ein kleiner Idiot usw.), ich mir selber innerlich einfach den Mund verbiete. Ich kenne das Gedankenkarussel, dass sich bei mir oft um Peinlichkeiten aus der Vergangenheit dreht. Vergangenes kann man nicht ändern, es hilft rein gar nix darüber zu grübeln, man kann es nur beim nächsten mal besser machen. Man sollte zwar seine Fehler erkennen und daran arbeiten, aber man muss sich auch loben und seine guten Seiten rauskehren. Das vergessen die meisten.
Waris ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 30.07.2007, 18:45   #3 (permalink)
Gast784
Gast
 
Beiträge: n/a
Blinzeln

Selbstkritisch sein - ja, aber auf konstruktive Art und weise, damit es uns weiter bringt. Wenn ich was vorhabe, muss ich mich selbstkritisch hinterfragen, ob ich das kann und/oder will, ganz vereinfacht ausgedrückt. Wenn ich mich ständig selbstkritisch hinterfrage, z.B. mein Aussehen, finde ich es ganz nett, auch mal zu mir selbst zu sagen: "gut, ok, damit kann ich leben, basta." Entspannt mit der Zeit ungemein. Hat mit Selbstliebe zu tun.

Warum das ständig bei vielen Menschen so ist, hat meiner Meinung nach mit unserer jüdisch-christlich-geprägten Kultur zu tun. Wir sind es gewohnt, uns zu ducken und schuldig zu fühlen - und das sitzt noch viel mehr in unserer Erziehung, als wir bewußt wahrnehmen. Dazu kommt noch das Schaffen von Bedürfnissen, die wir vorher gar nicht hatten, einfach aus Profitgründen.

Ich habs woanders schon mal geschrieben: diese Angewohnheit, sich selbst ständig runterzumachen - man sollte sich schon zwischendrin fragen, WER konkret davon einen Nutzen hat! Und es ist auch mal interessant zu beobachten, wieviel und was ich aus diesen gefühlten Defiziten heraus konsumiere.

Deshalb: Selbstkritik ja, aber aufpassen, dass es nicht eigentlich eine Manipulation von außen ist.
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Alt 30.07.2007, 22:04   #4 (permalink)
Neuling
 
Registriert seit: 20.07.2007
Beiträge: 96
Standard So wachsen wir auf!

Hallo Ihrs!

Ich denke, dass beginnt ja schon in unserer Kindheit... worauf liegt denn das Augenmerk vor allem? Auf dem was wir falsch gemacht haben... ob das nun zuhause ist oder in der Schule... anstatt, dass man sich auf das konzentriert, was man gut macht und kann und dort noch besser wird, ist man gezwungen, sich auf das zu konzentrieren, was man nicht kann...
Beispiel: jemand ist gut in Mathe aber schlecht in Sprachen... worauf liegt nun das Augenmerk? er muss in Sprachen Nachhilfe nehmen etc. und pulvert dort so viel Energie rein, dass für Mathe fast nichts mehr bleibt...
oder: ein Kind kann toll malen, aber nicht singen... wie oft wird es hören: "Du singst falsch" verglichen mit "Du malst toll"... zweiteres wird zur Selbstverständlichkeit und geht damit irgendwie unter, während ersteres sicher jedes Mal erwähnt wird wenn es singt... und auch dort könnte man loben, wenn es gewisse Töne trifft anstatt nur diese hervorzuheben, die nicht getroffen wurden...
Das ist die Gesellschaft in der wir leben... gewisse Dinge müssen erfüllt werden, um anerkannt zu werden, es reicht lange nicht, nur in einer Sache gut zu sein... ich denke auch, dass deshalb so viele Kinder kein Selbstvertrauen haben, weil sie immer nur hören, was sie alles falsch machen und nicht, was sie alles richtig machen...
Gott sei Dank ist dies bereits ein wenig im Wandel begriffen, ob das nun Montessori Pädagogik ist oder Waldorf oder einfach nur, dass sich die Menschen in der heutigen Zeit bereits mehr mit den psychologischen Folgen dessen auseinandersetzen, was Worte auslösen können...
und so zerbrechen wir uns auch oft den Kopf über vermeintliche Peinlichkeiten, die die anderen schon längst vergessen haben... in dem Moment, in dem so etwas passiert, hilft oft die Frage: "Wie werde ich in 2 Wochen darüber denken? Wird das dann immer noch so wichtig sein, oder längst vergessen?"
Ich denke, es tut uns viel besser, wenn wir mal die positiven Seiten an uns beleuchten und uns dafür loben, auf die negativen werden wir ja eh ständig hingewiesen... denn im Endeffekt entscheide ich, wie ich bin, ich muss mit mir zufrieden sein, meine Voraussetzungen sind ja ganz andere als die der anderen, es macht keinen Sinn mich mit fremdem Maß zu messen oder mich mit anderen zu vergleichen... und Gabiannarele hat schon recht wenn sie fragt: Wer zieht tatsächlich Nutzen aus der ganzen Selbst-Unzufriedenheit?
Mein Tipp: Mehr Konzentration auf das Positive, eine gesunde Portion Egoismus und ganz viel Selbstliebe - der kritische Blick ist das einzige, an den wir nicht bewusst denken müssen, der wurde uns allen so gut anerzogen, dass er ganz von alleine kommt!

Kyeema
Kyeema ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 31.07.2007, 08:00   #5 (permalink)
Gast784
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

liebe Kyeema,
Du sprichst mir aus der Seele (mal wieder). Das Schulsystem finde ich auch furchtbar. Bei uns total veraltet, statt individueller Förderung werden die Kids auf das getrimmt, was angeblich die Gesellschaft braucht, und gnadenlos ausgesiebt. Nur ist das total unkreatives - und unmenschliches - Denken und macht unglaublich viel Potential zunichte, bevor es überhaupt entwickelt ist. Drum hab ich mein Kind auch auf der Waldorfschule. Und die hat sich prächtig entwickelt. Gesunde Selbstkritik und Eigenliebe.

Mir fällt zu dem Thema noch ein schwäbisches Sprichwort ein:

Nicht geschimpft ist schon genug gelobt.

Ist doch furchtbar, oder?!
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