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Thema: Selbstwertgefühl -Gründe und Verbesserungstipps?

  1. #1
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    Reden Selbstwertgefühl -Gründe und Verbesserungstipps?

    Hallo,
    ich habe mich durch das Forum gewühlt und muss jetzt erst einmal fragen, woran es liegen kann, wenn das Selbstwertgefühl, so schlecht ist, dass einen Misserfolge wie z.B. eine Trennung oder eine Kündigung, so umhauen können?

    In meinem Fall geht es um eine Trennung; hier genauer:

    http://www.psychologieforum.de/liebe...den-12984.html

    Ich lese hier ständig von problematischen Erfahrungen in der Kindheit. Was aber, wenn keiner der Elternteile Alkoholiker waren, man nie geschlagen oder übermäßig angeschrien wurde? Wenn man als Kind gewollt, geplant, gewünscht war? Ich kenne Errikson und Piaget, usw., aber ich finde keinen Grund warum mein Urvertrauen nicht ausgebildet sein sollte.
    Ich hatte liebevolle, stolze Eltern, bin auf dem Land aufgewachsen, hatte/habe Freunde, habe eine Schwester, Haustiere ...nicht reich, aber auch nicht bettelarm, wurde trotz Migrationshintergrund nie gemobbt, habe obwohl beide Eltern ohne Schulabschluss waren, Abitur gemacht und studiert, wenn auch nicht sehr gut, habe Hobbies und Interessen ... ok, ich war eine Frühgeburt

    Welche Gründe gibt es denn sonst noch? Und vor allem, was kann man tun, um sein Selbstwertgefühl zu stärken, wenn beziehungstechnisch, beruflich, usw. alles übel aussieht, wenn man z. B. keinen Leistungssport mit Medaillen macht bzw. sich nicht zutraut irgendwo eine Medaille zu gewinnen?

    Aus beruflichen Gründen möchte ich eig. vermeiden, offiziell "psychisch krank" zu sein; deshalb hoffe ich hier in diesem Forum auf brauchbare Tipps zur Selbsthilfe. Danke schon einmal.

  2. #2
    Nachwuchs Autor Avatar von martinspin
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    Hallo Rosine

    Hab den oben erwähnten Thread auch gelesen und werde nicht ganz schlau aus deiner Beschreibung der Situation

    Klar, dich macht es fertig, dass dein Freund jetzt mit deiner ehemaligen Nachbarin in der alten Wohnung zusammen lebt. Du bist zutiefst verletzt. Du erhältst kein wirkliches Feedback von ihm, was ihm gefehlt hat bei dir.

    Deine Situation Ist auch schwieriger, da er dich verlassen hat und nicht umgekehrt. Andererseits scheint es so, als ob du alles gut im Griff hast. Du hast natürlich auch mal mit anderen Männern rum gemacht, was offenbar nicht vergleichbar war mit deinem Ex. Ist auch schlecht möglich, da du eigentlich sehr lange mit ihm zusammen warst und er deine erste richtige Beziehung war.

    Du hast nach der Trennung darauf gewartet, dass er zu dir zurück kommt und um dich kämpft. Mir scheint es fast so, als ob du davon ausgehst, dass er irgendwann wieder zu dir zurück kommt. Dein Kopf weiss, dass das nicht geschehen wird. Dein Herz glaubt jedoch immer noch daran.

    Vielleicht warst du all die Jahre mit ihm gezwungen, ihm einen grossen Spielraum einzuräumen, den er offenbar braucht? Vielleicht hast du dich zu stark zurückgenommen, um ihn nicht zu verlieren?

    Verlustangst führt dazu, sich übermässig anzupassen und dann passiert genau das, wo vor man sich unbewusst immer gefürchtet hat.

    Mit diesem Hintergrund ist es gut zu verstehen, warum du nicht von ihm loskommst. Du hast dich jahrelang angepasst, angestrengt und viel von dir investiert. Wieso soll das jetzt plötzlich alles weg sein?

    Eigentlich stehst du vor einem Scherbenhaufen und hast das noch nicht mal richtig realisiert, was verständlich ist. Die Verletzung ist riesig und keine Frage von Schuld und Scham.

    Was kannst du nun tun, ausser abwarten und Tee trinken?

    Ich würde beginnen, die Trennung ohne wenn und aber zu akzeptieren. Da ist viel Schmerz und Trauer mit im Spiel, was du in einem geschützten Rahmen zulassen solltest. Es wird dich nicht umbringen. Wie heisst es doch so schön, was dich nicht umbringt, macht dich stärker.

    Wenn du aus dem Gröbsten raus bist, kannst du die Situation besser beurteilen, verstehen und sogar daraus für eine nächste Beziehung lernen .

    Wünsche dir viel Kraft
    Liebe Grüsse, Martin

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  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei martinspin für den sinnvollen Beitrag:

    mops (29.12.2011)

  4. #3
    Neuling
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    Unglücklich

    Lieber Martin, erst einmal Danke fürs Lesen.

    Hab den oben erwähnten Thread auch gelesen und werde nicht ganz schlau aus deiner Beschreibung der Situation

    Was irritiert dich denn/ verstehst du nicht?


    Andererseits scheint es so, als ob du alles gut im Griff hast.

    [B]Nein, sonst wär ich nicht hier. Wie kann man denn sagen, dass ich es gut im Griff habe, wenn ich nach 1,5 Jahren -obwohl ich die Trennung mE akzeptiert habe- immer noch jede Sekunde an ihn denke und meine Lebensqualität/mein Selbstwertgefühl allein aus dem Grund, dass er nicht da ist, darunter leidet.?


    Vielleicht warst du all die Jahre mit ihm gezwungen, ihm einen grossen Spielraum einzuräumen, den er offenbar braucht? Vielleicht hast du dich zu stark zurückgenommen, um ihn nicht zu verlieren?
    Verlustangst führt dazu, sich übermässig anzupassen und dann passiert genau das, wo vor man sich unbewusst immer gefürchtet hat. [...]Du hast dich jahrelang angepasst, angestrengt und viel von dir investiert.


    Nein, auch das nicht. Klar, habe ich investiert, zehn Jahre lang, natürlich und sicher gab es Kompromisse. Aber keine von uns beiden musste sich übermäßig anpassen oder hatte krankhafte Verlustangst. Ich denke sogar, dass es weniger der Fall war als ich es in anderen Beziehungen von außen erlebe. Wir hatten zwischendurch zwei Jahre lang eine Wochenendbeziehung, ich war einmal für 12, einmal für acht Wochen auf reisen. und selbst in dieser Zeit hatten wir uns blind vertraut. Von daher würde ich auch sagen, dass ich mir mehr Freiheit genommen hab als er.

    Eigentlich stehst du vor einem Scherbenhaufen und hast das noch nicht mal richtig realisiert, was verständlich ist. [...]Ich würde beginnen, die Trennung ohne wenn und aber zu akzeptieren.

    Doch, ich habe es realisiert und akzeptiert...Die Frage ist ja jetzt nur, wie ich es schaffe mein Leben lebenswert zu leben, mein Selbstwertgefühl nicht von ihm abhängig zu machen/bleiben zu lassen (hätte ich während der Beziehung ja schließlich auch nicht)...bzw, wenn du denkst ich hätte es nicht akzeptiert, wie ich diese Akzeptanz dann ereeichen kann? Schmerz und Trauer kenn ich keine, Sorge...sonst wär ich nicht in diesem Forum.
    Geändert von Rosine (01.12.2011 um 09:01 Uhr)

  5. #4
    Roman Verfasser
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    Das man nichts bemerkt heißt icht daß da nichts ist. Problematische Erfahrungen in der Kindheit sind eine Massendiagnose. Paradoxerweise haben es diejenigen mit wirklich gravierenden schlechten Erfahrungen oft leichter, weil die können wenigstens klar auf etwas zeigen und sagen, aha, daher kommen also meine Probleme. Bei Menschen bei denen sich die Eltern nichts außergewöhnlich hartes haben zuschulde kommen lassen sind die ganzen belastenden Erfahrungen, nicht richtig angenommen worden sein, zu wenig Aufmerksamkeit bekommen zu haben, etc., unter einer Fülle positiven Materials quasi verschüttet, und auch leicht relativierbar. Man kann sich leicht sagen, aber die Eltern haben ihr bestes getan, jeder Mensch hat eben Fehler, kann nicht immer perfekt sein... man bringt also die Entschuldigungen gleich selbst mit, und das stimmt auch alles, an der Mangelerfahrung, die man aber erlitten hat (ausnahmslos jeder), ändert das trotzdem alles nichts.
    Die wichtigsten und tiefgreifendsten Erfahrungen werden im Alter bis zu 3 Jahren gemacht, eine Frühgeburt hat das Zeug da dazu zu gehören. In aller Regel sind zu stark belastende frühe Erlebnisse nicht mehr zugänglich, weil sie zu belastend sind. Selbstschutz.

    Und es geht in der Psychotherapie nicht darum als psychisch krank zu gelten, sich gar eine Diagnose an die Backe kleben zu lassen. Diagnosen darf man als Patient nie an sich heranlassen, gute Ärzte verschonen einen auch mit der Diagnose bzw. relativieren die Bedeutung gleich selbst, daß man sich nicht darauf fixiert. Man hat ja schließlich bisher auch normal gelebt.

  6. #5
    Nachwuchs Autor Avatar von martinspin
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    Zitat Zitat von Rosine Beitrag anzeigen
    Wie kann man denn sagen, dass ich es gut im Griff habe, wenn ich nach 1,5 Jahren -obwohl ich die Trennung mE akzeptiert habe- immer noch jede Sekunde an ihn denke und meine Lebensqualität/mein Selbstwertgefühl allein aus dem Grund, dass er nicht da ist, darunter leidet.?
    Hey Rosine

    Fühl dich doch mal in deinen eigenen Satz hinein!

    In einem kleinen Nebensatz erwähnst du, dass du die Trennung akzeptiert hast.

    Sorry, aber dieser kleine Satz kommt nicht aus deinem Herzen und entstammt deinem Kopf. Da vermischt sich irgendwie dein Wollen mit der gefühlten Realität. Du willst, dass du die Trennung akzeptiert hast, weil es sonst zu fest weh tut, was ich verstehe.

    Du denkst jede Sekunde an ihn, heisst mindestens für mich, dass du ihn nicht los lässt in deinem Inneren. Du möchtest ihn zurück!

    Stelle dir die folgende Situation vor:

    Deine Türglocke läutet, du machst auf und dein Ex steht vor der Türe. Er sieht irgendwie runtergekommen aus, hält einen Bund roter Rosen in den Händen und murmelt: "Darf ich reinkommen?" - Du bist baff und gleichzeitig erregt. "Klar Schatz, komm doch rein".

    Er erzählt, wie er sich von der Nachbarin getrennt hat, weil die ihn nur verarscht hat. Dabei ist ihm bewusst geworden, dass er nur dich lieben kann und er einen riesen Fehler gemacht hat. Er entschuldigt sich auf Knien, streckt dir die Rosen entgegen und wimmert um Vergebung. Er möchte dich unter allen Umständen zurück haben und alles dafür tun.
    Hand aufs Herz...

    Würdest du ihm vergeben und dich wieder auf ihn einlassen?

    Würdest du im sagen, dass dich seine Geste zwar freut, du mit ihm abgeschlossen hast und du dich auf dein jetziges Leben konzentrierst?
    Liebe Grüsse, Martin

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  7. #6
    Neuling
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    @ Martin
    Das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Wäre er in den ersten drei Monaten "zurückgekommen", sicherlich. Aber inzwischen, nachdem ich solange wegen ihm leide, möchte ich ihn eigentlich nicht mehr als Partner zurück, vllt als Freund, den ich nicht jeden Tag sehe, sondern nur zu speziellen, besonders schönen Unternehmungen oder tragischen Gelegenheiten. Aber für mich ist das irgendwie auch kein sinnvoller Gedanke, weil die Wahrscheinlichkeit, dass er angekrochen kommt nun mal gegen null ist. (und ich froh bin, dass dieses Warten auf sein Kämpfen immerhin seit mind einem Jahr vorbei ist).
    Und diesen Nebensatz habe ich eingefügt, weil du dies geschrieben hattest.

    @Erwin
    Also sind es sozusagen wirklich immer nichtverarbeitete Kindheitstraumata? Wie gut kennst du dich denn aus mit Psychotherapie? Bist du ein Psychotherapeut/Psychologe oder selbst betroffen? Falls ersteres, was macht man denn in der PT um seinen Selbstwert aufzumöbeln bzw. sein Leben wieder richtig genießen zu können?

  8. #7
    Roman Verfasser
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    Zitat Zitat von Rosine Beitrag anzeigen
    @Erwin
    Also sind es sozusagen wirklich immer nichtverarbeitete Kindheitstraumata? Wie gut kennst du dich denn aus mit Psychotherapie? Bist du ein Psychotherapeut/Psychologe oder selbst betroffen? Falls ersteres, was macht man denn in der PT um seinen Selbstwert aufzumöbeln bzw. sein Leben wieder richtig genießen zu können?
    Zweiteres, davon betroffen wie jeder. Du wirst zu dieser Meinung, Kindheit als Ursache, mehr als genug Spott und auch Häme finden, ganz klar. Für manche ist es der Treppenwitz, manche weisen es empört von sich. Ich kann nur aus meiner therapeutischen Erfahrung, habe einige Gruppentherapien hinter mir, das so mit dieser Selbstsicherheit vertreten, es ist der zentrale Dreh und Angelpunkt. Manche Dinge sind im Kern ganz simpel.

    Im Grunde ginge eine Analyse, Aufarbeitung der Kindheit, usw. erst einmal gegen eine eine Aufmöbelung des Selbstwertes. Das sind unangenehme Themen denen man sich da stellen müsste, das geht nicht ohne Belastung ab. Es geht dabei im Grunde darum, sich grundlegend zu hinterfragen. Und da scheiden sich die Geister. Jemand, der so wieder auf die Beine kommt, der sich irgendwie wieder aufmöbeln und erfolgreich weitermachen kann, hat diese ganze Selbstbetrachtung nicht nötig. Nötig wird es erst dann, wenn man scheitert, wenn man wirklich nicht mehr weiterkommt. Wenn man es macht, geht es um mehr Eigenverständnis, es ginge darum zu verstehen WARUM, im Detail, die Krise Dich so mitnimmt.

  9. #8
    Neuling
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    hm... irgendwie streube ich mich dagegen, jetzt auch noch dort zwanghaft nach Problemen zu suchen, wo es für mich bisher keine gab und ich Halt hatte.

    Gibt es denn keine Möglichkeit, meinen Selbstwert zu steigern, ohne meine Kindheit/ die Erziehung meiner Eltern durch den Dreck zu ziehen, so dass ich es trotzdem schaffe, mein Leben erfolgreich und für mich selbst zufriedenstellend alleine in die Hand zu nehmen, Verantwortung für mich zu übernehmen, das Leben leben und genießen zu können?

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