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Thema: Sigmund Freud - Bücher/Irrtümer

  1. #1
    Neuling
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    Standard Sigmund Freud - Bücher/Irrtümer

    Hallo!
    Ich hab mir jetzt zwei Bücher von Siegmund Freud gekauft – „Einführung in die Psychoanalyse“ und „Das ich und das Es“.
    Nun ist mir des Öfteren zu Ohren gekommen, dass sich Sigmund Freud – trotz seines Genies – nicht selten in seinen Annahmen und Theorien geirrt haben soll.
    Nun zu meiner Frage:
    Kann ich mir diese Bücher lesen ohne wirklich „falsche“ Lehren zu übernehmen oder sollte ich das Lesen besser bleiben lassan und stattdessen eine ander Lektüre zur Hand nehmen?
    Freue mich auf eure Antworten!

  2. #2
    Verleger Avatar von Darkstar
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    Standard

    Hallo,

    jetzt mal ganz davon abgesehen, wie man zu Freud und/oder der Psychoanalyse steht: ich zitiere da mal einen Satz von Dir, der mir von prinzipieller Bedeutung ist:
    Kann ich mir diese Bücher lesen ohne wirklich „falsche“ Lehren zu übernehmen ...
    Wenn ich mich für etwas interessiere, dann möchte ich zuerst einmal Informationen über dieses Thema bekommen.
    Die Infos allein bringen mir aber noch nicht wirklich etwas: sie müssen ja auch "ausgewertet" werden

    Wenn ich etwas nicht nur (kritiklos) nachplappern will, das mir andere vorgesetzt haben, dann muss ich auch verstehen können, was das denn jetzt ist, wovon ich rede. Ergo muss ich mich mit dem Thema und den zugehörigen Informationen auseinandersetzen.
    Letztendlich will ich mir ja meine eigene Meinung (auf der Basis eigenen Verstehens) bilden - denn nur die kann ich auch begründen und somit vertreten.

    In Deinem Satz steht das Wort "Übernehmen" - warum etwas ungeprüft übernehmen wollen?
    In Deinem Beispiel: was würde es denn bringen, wenn Dir jetzt jemand die Frage, die dahinter steckt, beantworten würde?
    Deine Frage lautet ja eigentlich: ist dies die "richtige" oder "falsche" Lehre ...

    Da Du dies nicht beurteilen kannst, fragst Du also jemanden.
    Nur, egal, was er Dir antwortet: könntest Du Dir sicher sein, dass seine Antwort dann auch "richtig" ist? Auch das könntest Du nicht beurteilen - wie denn auch?
    Selbst wenn Du da eine Begründung bekommen würdest (also Argumente): könntest Du diese denn ebenfalls hinterfragen, wenn Du Dich mit der Materie selbst nicht auseinandersetzen kannst?

    Deine Frage reduziert sich also auf einen ganz anderen Aussageinhalt: kann ich Freud glauben oder nicht?
    Und jede Antwort, die Du jetzt bekommen könntest, würde das gleiche bewirken: kann ich dem Antwortenden glauben oder nicht ...
    Letztendlich läuft es so aber immer auf die "Glaubensfrage" hinaus - "Glaube" ist aber nicht "Wissen" (im wissenschaftlichen Sinne), auch nicht "eigene fundierte Meinung".

    Diese eigene Meinung bildest Du Dir ja erst dadurch, dass Du unvoreingenommen alle Pros und Contras in den Argumenten sammelst und gegeneinander abwägst, sie gewichtest und dann, am Ende, zu Deiner eigenen Synthese verarbeitest.
    Es geht ja schließlich auch um das "Warum" hinter den Aussagen und Meinungen.

    Was das mit Freud zu tun hat? Einerseits nichts, andererseits alles ...
    "Richtig" oder "falsch": jede Theorie steht ja auch in einem Kontext - einem historischen, kulturellen, persönlichen (also dem desjenigen, der die Theorie formuliert hat), wissenschaftlichen etc. ...
    Wenn sich dieser Kontext wandelt, kann damals "Falsches" heute "richtig(er)" sein und umgekehrt. Auch da gibt es also viel zu hinterfragen
    Ein schlichtes "Ja" oder "Nein" - kanns also wohl nicht geben. Nicht ohne eigenes "gedankliches Durchdringen des Themas" ...

    Zurück zu Freud: aus heutiger Sicht gibt es viel Kritik an seinen Theorien (berechtigt, zwingende, unberechtigte ...) ... aber nicht alles muss deswegen grundsätzlich "falsch" gewesen sein ...
    Es kommt ja auch darauf an, was man aus ihnen entwickelt hat - oder: wie sie sich in neuen Kontexten und vor dem Hintergrund neuerer Erkenntnisse weiterentwickelt haben. Oder dabei auch an ihre Grenzen gestoßen sind.

    ... oder sollte ich das Lesen besser bleiben lassan und stattdessen eine ander Lektüre zur Hand nehmen?
    Wenn Dich diese Materie interessiert, dann befasse Dich ruhig weiter mit ihr: arbeite Dich in sie ein, erwirb die Kompetenzen, die Du brauchst, um aus reinen Daten Informationen, und aus diesen dann "Wissen" machen zu können.

    Wenn es Dir aber darum geht, ohne diese Arbeit (die mühsam sein kann/wird) zu einem "so isses" zu gelangen (und das auch noch von außen vorgegeben): dann beschäftige Dich vielleicht doch besser mit anderen Dingen. Dingen, bei denen Glauben alleine reicht.

    Nicht falsch verstehen: dies war jetzt keine persönliche Kritik an Dir!
    Es fällt mir nur immer stärker auf, dass man zwar heute (in der sog. "Informationsgesellschaft") jederzeit auf eine täglich weiter ins Unendliche wachsende Datenmenge zugreifen kann - aber immer weniger Kompetenzen hat, aus diesen dann relevante Informationen herauszufiltern und diese wiederum zu Wissen/Erkenntnis weiterzuverarbeiten.
    Wir können diese Flut wohl immer weniger filtern oder kanalisieren ...

    Je mehr Daten, desto weniger "Wissen" - und ein immer größer werdendes Verlangen nach präsentierten einfachen Wahrheiten: nach "glauben reicht" ...

    Ist ungefähr so, als ob der Berg Blätter vor uns nur groß genug sein muss, damit wir den Baum erkennen und sein "Funktionieren" verstehen können - und am besten auch gleich noch das Ökosystem Wald dazu ...

  3. Die folgenden 3 Benutzer bedankten sich bei Darkstar für den sinnvollen Beitrag:

    Knobeljule (02.04.2012),scorpio (02.04.2012),So Ham (12.04.2011)

  4. #3
    Schreiberling
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    hallo,

    sieh es mal so. du wirst kein einziges buch finden, das nicht in irgendeiner variante jetzt falsch ist, mal falsch war oder irgendwann mal falsch sein wird. menschen entwickeln sich und was sie heute denken, war mit sicherheit nicht der wahrheit letzter schluss, so wie nichts der wahrheit letzter schluss ist, was als wissen existiert.

    auch das wissen von psychologen ist sehr oft von den eigenen erfahrungen geprägt und jeder wird patienten anderes behandeln als der nächste. freud war also nicht der einzige, der falsch gelegen hat, schliesslich war die psychologie damals erst ganz am anfang und die wahrscheinlichkeit gross, dass noch vieles gefunden wird, das sich sehr von seinen theorien unterscheidet. lies die bücher, hol dir das raus, was dir sinnvoll und logisch erscheint und lies dann das nächste. die werden dann das, was du gelesen hast, relativieren, deine meinung verändern und dir entwicklung bringen.

    lg

  5. #4
    Neuling
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    wow, danke für eure Antworten!
    Die haben mir wirklich weitergeholfen!
    Ich werd mir die Bücher auf jeden fall lesen und mich weiter mit diesem Thema auseinandersetzen!

  6. #5
    Gast9159
    Gast

    Standard Buchtipp

    Meiner Meinung nach gibt es kein "falsch" oder "richtig", es handelt sich vielmehr um verschiedene Theorien und Ansätze in der Forschung und Therapie, um menschliches Verhalten zu verstehen. Da hat jeder Forscher seinen Schwerpunkt des Ansatzes - ob mehr genetisch (Anlage) oder umweltbedingt. Das ist ein alter "Streit", zeitweise dominiert die Genetik, dann wieder die Umwelt, seit Beginn des letzten Jahrhunderts war die Psychoanalyse die vorherrschende Forschungsrichtung, im Moment ist es wieder die neue neurowissenschaftliche Forschung (vgl. Eric Kandel u.a.). Auch das Thema der Epigenetik ist sehr interessant und ist gerade wieder in den Vordergrund gerückt.

    Wenn Freud etwa den analytischen Erklärungsansatz begründet hat, muss man außerdem beachten, ob man "frühe" Werke von ihm liest oder spätere, denn aktuelle psychoanalytische Theorien unterscheiden sich wieder sehr von sehr frühen klassischen Ansätzen (Ich-ES-Überich). Viele Antworten findet man auch bei den Entwicklungspsychologen (Oerter/Montada, Siegler, Lohaus et al. usw.), um einiges auch im eigenen Verhalten besser zu verstehen. Sehr gut zu lesen ist auch Hartmut Kasten, eigentlich alles von ihm, vor allem gefallen mir seine Bücher zur Geschwisterrolle usw.. Gerade hier gibt es auch im Internet sehr gute Lektüre, die er sogar zum download anbietet (auf seiner homeopage). Ich will damit nur sagen, dass es so viele Ansätze und Theorien gibt, die sich letztendlich immer als nicht alleingültig herausstellen, weil es "den einen" Annsatz nicht gibt und geben kann. Man kann sich das Interessanteste persönlich überall heraussuchen und genauso verhält es sich mit den Therapien: Eine analytische Therapie unterscheidet sich sehr von einer sogenannten Gesprächstherapie (klientenzentriert/personzentriert nach Rogers) usw.., und eine analytische Therapie ist daher nicht für jeden Menschen gleich gut geeignet. Letztendlich, so mein Eindruck heute, nähern sich auch viele Therapien aneinander an, so räumen Sozialisationswissenschaftler (Hurrelmann u.a.) mittlerweile ein, dass es auch genetische Ursachen gibt, und Genetiker und Biologen haben eingesehen, dass es sozialisationsbedingte Entwicklungen gibt, die Verhalten und sogar Synapsen im Gehirn verändern (Kandel u.a.).

    Um herauszufinden, welcher Ansatz einem am besten "zusagt", oder auch - mit welcher Theorie und Therapie man selbst am besten klarkommt, und wo man anfangen soll zu lesen, wäre es meiner Meinung nach sinnvoll, sich erst einen Überblick zu verschaffen. Wer wirklich etwas verstehen möchte, dem würde ich also persönlich raten, sich einen möglichst einfachen und "ideologisch wenig gefärbten" sachlichen Überblick über die verschiedenen Ansätze zu verschaffen. Im Fach Psychologie gibt es sehr gut lesbare Lehrbücher, die auch für Nichtfachleute gut zu lesen sind, ich denke da an Zimbardo (Psychologie), oder für die, die etwas mehr erfahren möchten, beispielsweise Oeter/Montada als Übersichtswerk. Um die richtige Therapie für sich zu finden, helfen Bücher wie "Welche Therapie? vom Psychologie Heute Verlag, da werden alle Formen der Therapie kurz vorgestellt (Psychoanalyse, Gesprächstherapie, Gestalttherapie, Rational-Emotive Therapie, Familientherapie, Verhaltenstherapie, Hypnose, Musiktherapie und andere...

    So, das war jett viel und sollte auch nicht besserwisserisch klingen, aber mir ging es ganz früher mal genauso und ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte zum Lesen...

    LG Tina
    Geändert von Gast9159 (17.06.2011 um 12:17 Uhr) Grund: ...Fehlerteufel!

  7. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Gast9159 für den sinnvollen Beitrag:

    gemeingefährlich (08.08.2011)

  8. #6
    Neuling
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    danke für deine antwort!

  9. #7
    Neuling
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    Ich kann nur kurz und knapp antworten: Sigmund Freud bzw seine Bücher sind ihr Geld wert. Ich selbst habe bereits 5 Bücher von ihm und ich hoffe meine Sammlung wächst!
    Wunderbar zu verstehen, gut nachvollziehbare Beispiele und ein menschliches sein des Mannes in seiner Art und Weise zu reden/schreiben.
    In dem Augenblick, in dem ein Mensch den S i n n und den W e r t des Lebens bezweifelt, ist er krank.

  10. #8
    Neuling
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    Hallo Swlabr,

    leider habe ich ausser der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse keinen Freud gelesen,
    ich denke es ist aber auf jeden Fall ratsam nach dem Einschnuppern die einzelnen Unterfelder, die Dich interessieren, peau á peau
    näher zu beleuchten und dabei auch sekundäre Informationsquellen zum Haupttext zu nutzen, wenn Du unsicher bist und Dir weitere Fertigkeiten zum
    kritischen Lesen aneignen möchtest bzw. der Kenntnissstand der Lektüre für Dein Empfinden veraltet/unzureichend o.ä. ist. Wenn Dich zum Beispiel Freuds Traumtheorie beschäftigt werfe mal einen Seitenblick auf das, was C.G.Jung dieser entgegenzusetzen bzw. anzufügen hatte.

    Ich kann mich erinnern das mich nach dem Freud- Buch eine
    Zeit lang die Aktmalereien seines Enkels Lucian Freud intensiv beschäftigt haben, ohne das ich damals
    überhaupt wusste das die Beiden direkt miteinander verwandt waren. Für mich sind seine Gemälde eine ganz besondere Illustration der Freudschen Annahme dass das was Widerwille in uns hervorruft unser "im ungefilterten Zustand" leidenschaftlichstes Begehren sei, eben wegen der Ästhetik des eigentlich durch die Betonung von "ungünstigen" Details menschlicher Körper gebräuchlich als "unästhetisch" Wahrgenommenen, aber, wenn man dann genau hinsieht, doch Hyperrealistischen.

    Viel Spass beim Schmökern,
    Jule
    Geändert von Knobeljule (02.04.2012 um 23:39 Uhr)

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