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Thema: Sind es Persönlichkeitsstörungen und Halluzinationen?

  1. #1
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    Standard Sind es Persönlichkeitsstörungen und Halluzinationen?

    Hallo, freundliche Psychologie-Community,

    vorab: bitte entschuldigt, wenn dies ein unpassender Forenbereich ist. Ich bin mir nicht sicher, wo ich mein Anliegen hinschreiben sollte.

    Kurz zu meiner Person, damit ihr euch ein besseres Bild von mir machen könnt: Ich bin 18 Jahre alt und Schüler. Habe zwei Brüder und meine Eltern sind seit über acht Jahren geschieden. (Besonders) seit August 2009 leide ich oft an Magen-Darm-Beschwerden, allen voran Übelkeit, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen. Letztere beide habe ich inzwischen besser im Griff, im zweiten Halbjahr 2009 und ersten Halbjahr 2010 allerdings war ich total platt. Zum Teil so heftige Depressionen, dass ich den ganzen Tag heulte und ich mich fragte, wie sinnvoll es wäre, sich doch das Leben zu nehmen. Diese Suizidgedanken und Depressionsausbrüche habe ich heute nicht mehr so plötzlich ausbrechend wie ein Vulkan, sondern sich entwickelnd, also in einer Form von Vorwarnung.
    Nun, früher wog ich gute 65 Kilogramm, ja sogar ein bisschen mehr, wiege heute weniger als 60 Kilogramm, was sich meiner Meinung nach mit der Appetitlosigkeit erklären lässt. Mein Schlaf war chaotisch: mal schlief ich von abends bis morgens und ein paar Tage später wieder für einige Tage von morgens bis abends, hatte also kaum mehr eine Norm im Leben. Die psychosomatischen Symptome waren im letzten Jahr so stark, dass es sich wie eine monatelange Magen-Darm-Grippe anfühlte und ich dauerhaft im Bett gefesselt war. Das begann kurz vor Ende der Sommerferien 2009, als ich die 11. Klasse beendete.
    Die Reise von Arzt zu Arzt war auch lang. Im Juli diagnostizierte mir ein Psychiater eine mittelschwere neurotische Störung mit somatoform autonomer Symptombildung (wodurch ich erfreulicherweise ausgemustert wurde ).

    Seit der Diagnose rückte immer mehr eine Depression ins Zentrum. Zwar wurde keine Depression direkt diagnostiziert, jedoch hatte ich sie damals noch nicht so dolle. Im Befundbericht laut EEG steht diesbezüglich auch nur affektiv eingeschränkt schwingungsfähig, Stimmung gedrückt.
    Und ich bin innerlich stets äußerst angespannt und nervös, als brodele es in mir.

    Soviel dazu. Was mich aber zu diesen Thread anregt, ist etwas anderes. Seit nicht langer Zeit begleiten mich Gedanken und Gefühle, die überwiegend unangenehm sind und ich leider sehr schwer in Worte fassen kann. Seit ich sie das erste Mal an mir auffallend bemerkte, überlege ich, wie ich sie allgemein beschreiben kann:



    1.
    Zum Einen sind es Formen von Störungen des Ichs. Die hatte ich schon gemerkt, noch bevor ich an der Neurose erkrankte, allerdings ereignen sie sich im Durchschnitt ganz grob geschätzt nur etwa ein- bis zweimal im Monat. Zum Beispiel im Schulunterricht oder in der Bahn, wenn ich plötzlich für ein paar Sekunden - fünf bis zehn oder mehrere Sekunden - nicht mehr das Gefühl habe, vollständig ich selbst zu sein. Am auffälligsten ist mir dabei aber folgendes Gefühl: Ich bin mir innerhalb dieser Situation zwar bewusst, dass ich auf der Schulbank oder in der Bahn sitze, jedoch habe ich das Gefühl, dass ich in diesem Moment eigentlich woanders sein sollte. Etwa folgendermaßen: "Ich bin jetzt ein 18jähriger Schüler mit Neurose und Depressionen in der Bahn, möchte bald mein Abitur machen, studieren, mache gleich zuhause erstmal Hausaufgaben und dies und das und jenes..., aber: Ich könnte mich mehr mit mich selbst identifizieren und mein Ich könnte besser mit der Umwelt interagieren, wenn all dies oben genannte nicht meiner gegenwärtigen Situation entsprechen würde, sondern ich (zum Beispiel) jetzt als 5jähriger zu Hause sitzen, Babybrei essen und mit meinen Brüdern spielen würde."

    Das, was ich damit meine, sind aber nicht Wünsche, die ja jeder normale Mensch hat (klar, wer will sich schon nicht gern zuhause so wohl fühlen und verwöhnt werden), sondern Situationen, in denen ich die Interaktion zwischen mir als Mensch und der Welt allein von der Begrifflichkeit her nicht mehr nachvollziehen kann. In dieser Zeit habe ich wahrscheinlich auch eine kurzfristige, aber starke Konzentrationsschwäche.



    2.
    Vor ein paar Wochen versuchte ich mal, mich erstmals seit langer Zeit zu entspannen, als ich ins Bett ging, indem ich beruhigende Musik hörte. Je länger ich aber versuchte, mich zu entspannen, umso größer wurde der innere, typisch unruhige Druck, sodass ich diese Maßnahme später abbrach und so einschlafen wollte. Als ich mich im Halbschlaf befand, sah ich zum Beispiel die ganze Zeit vor mir (also im Traum) eine verzerrte und nicht identifizierbare Gestalt. Ich sah sie die ganze Zeit, wusste nicht, was sie ist, aber hielt sie die ganze Zeit für selbstverständlich (ungefähr so, als würde man die ganze Zeit auf eine Uhr schauen, zuschauen, wie sie tickt, und erst nach einigen Minuten die Uhrzeit erkennen). Und der Moment, an dem ich erkannte, wie überhaupt diese verzerrte Gestalt aussah, trotz Uneinigkeit, was sie ist, brachte mich zum Erschrecken. Angemerkt sei, dass ich mir in diesem Szenario bewusst bin, dass es nur ein Bildnis meiner Phantasie ist, jedoch - und das ist das entscheidende, was mich anregt - hat es mich trotzdem erschrocken, so, als wäre es für kurze Zeit mit mir in einer selben Realität.
    In der selben Nacht hörte ich noch ein Geräusch, wovon ich auch erschrak. Später gegen morgens ging es mir dann sehr schlecht, hatte wieder depressive Anfälle und ging für zwei Tage nicht in die Schule. Kurz darauf ließ ich mir auch vom Hausarzt Antidepressiva verschreiben, nehme seitdem eine Tablette jeden Morgen.
    Einmal hörte ich auch an einem Wochenende eine Tür ganz laut zuknallen. Ich weiß bis heute noch nicht, ob es nur ein Traum oder echt war. Jedenfalls war das so ein Tag, der mich den ganzen Tag zum Heulen brachte, weil ich wieder depressive Anfälle, viel Angst, Schwäche, Kreislaufprobleme und Ohnmachtsgefühle hatte.

    Seit gewisser Zeit habe ich zudem noch andere Erlebnisse. Die habe ich etwa einmal alle ein bis zwei Wochen, auch wieder nur sehr grob geschätzt. Nachts, wenn ich im Bett liege und (zumindest merkte ich es an mir) nach oben auf die Decke schaue, denke ich über einiges nach, bevor ich einschlafe. Entweder geht es um den Tag, den ich durchmachte, um Vergangenheit, um meine psychischen Krankheiten oder um Zukunftsgedanken - eigentlich wie gewöhnlich. Manchmal aber passiert es, dass ich Dinge sehr schnell oder sehr langsam denke. Ich meine es so: wenn ich einfach an oder über Dinge denke, beschleunigen oder verlangsamen sich die Gedankenprozesse in mir. Nicht unbedingt so wie ein Supercomputer, sondern die Gedanken wiederholen sich nach einer Zeit immer wieder, wenn sie schnell sind. Ungefähr nach dem Prinzip: A, B, C, D, A, B, C, D, A, B, C, D, E, F, G, H, E, F, G, H... (evtl. nochmal A, D, H, B, E...). Aber wenn ich die Gedanken auffällig langsam denke, wiederholen sie sich nicht, sondern werden einzeln einfach nur sehr verlangsamt gedacht. Solche Geschwindigkeitsänderungen von Gedanken empfinde ich als faszinierend, wenn auch ungewollt, zugleich aber unangenehm und werde sie am besten los, wenn ich von den Gedanken an sich wegdenke und stattdessen zum Beispiel körperliche Bewegungen normaler Geschwindigkeit mache, indem ich meine Arme hin und her bewege oder einfach mal durch die Wohnung gehe. So gebe ich meinem Körper sozusagen zu verstehen, dass diese geänderten Gedankenprozesse Phantasieprodukte und Streiche des Gehirns sind und daher nichts mit der Realität zu tun haben. Dann (wenn auch nicht immer) verschwinden diese Gedanken wieder und ich denke relativ normal.



    Nun meine Frage: Kann man Fall 1 als eine Art Persönlichkeitsstörung und Fall 2 als eine Art von Halluzinationen bewerten (beide zumindest in geringem Maße)? Wie seht ihr es?

    Angemerkt sei noch: Nächsten Monat starte ich eine Psychotherapie für Neurosen. Dort werde ich natürlich auch meine von mir vermuteten Depressionen und die anderen beiden Gelegentlichkeitssituationen ansprechen. Selbstverständlich ist das Forum kein Ersatz für ein Gespräch in einer Therapie, aber ich würde gern schon eure Meinung dazu hören. Denn ich habe auch ein bisschen Angst, dass ich irgendwann mal durch die ganze innere Last an eine Psychose oder so leiden könnte.



    Beste Grüße
    Neuro
    Geändert von Neuro (21.10.2010 um 23:00 Uhr)

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