Einen wunderschönen Abend wünsche ich!
Ich hab da ein Problem..hab in den letzten 2h versucht, das Ganze irgendwie in einen (für Außenstehende) sinnvollen Zusammenhang zu bringen und mal aufzuschreiben. (Was mir ziemlich schwer fiel...ich denke jeden Tag daran, doch immer nur an einzelne Sachen. Ich hab nie versucht die ganze Situation mal zusammenzufassen, also sorry, wenn es etwas verwirrend ist.)
Wenn irgendwer, der sich das durchliest, den ein oder anderen Gedanken dazu äußern möchte, würde ich mich freuen. Ich erwarte keine Lösungen oder so...ich wollte einfach mal wissen, was andere, (und da ich mit niemandem darüber rede) völlig fremde Menschen dazu sagen.
Also..es geht um mich (w) und eine sehr gute, wenn nicht sogar meine beste Freundin. Wir haben uns vor ca. 2 Jahren kennengelernt. Wir studieren zusammen. Eigentlich kann man gar nicht sagen, dass wir uns von Anfang an super verstanden hätten. Es hat eine Weile gedauert, bis wir anfingen ab und zu etwas miteinander zu unternehmen. Zu Beginn war nicht so richtig abzusehen, ob wir viel gemeinsam haben. Sie ist ein paar Jahre älter als ich (ich bin 22, sie 30) und hat dementsprechend irgendwie schon mehr Lebenserfahrung als ich.
Wir gingen also immer mal gemeinsam mit Freunden weg, irgendwann dann auch mal zu zweit in einen Pub oder einen Film schauen. Wir fingen an, uns richtig gut zu verstehen, zu vertrauen und erzählten viel. Wir können echt stundenlang miteinander reden, haben in den unterschiedlichsten Dingen den gleichen Geschmack, sind oft einer Meinung...das hört sich jetzt total kitschig an, aber es ist so gar nichts Kitschiges oder Künstliches daran. Ich kannte nie einen Menschen, in dessen Gegenwart ich so ich selbst sein konnte. Ich würde nie behaupten, dass wir alles von dem jeweils anderen wissen, aber wir kennen einander inzwischen sehr gut.
Sie ist ungewöhnlich, unangepasst, nachtragend, mitfühlend, sehr offen und direkt, wenn ich ehrlich bin, ein ziemlich schwieriger Mensch, und trotzdem – wenn ich sie brauche, ist sie immer für mich da. Wir haben in den letzten beiden Jahren miteinander gelacht, geweint, gestritten, viel Gutes und weniger Erfreuliches erlebt.
Sie ist seit mehreren Jahren in einer mehr oder weniger festen Beziehung. Eigentlich müsste man eher sagen, sie steht zwischen zwei Männern. Jeder auf seine Weise liebenswert und jeder hat seine Fehler. Manchmal ist es ein ganz schönes Chaos, manchmal scheint sie sicher zu sein, bei ihrem Freund bleiben zu wollen. Ganz sicher wird sie sich da nie sein, sie kennt den anderen Mann ebenfalls seit vielen Jahren und die beiden haben eine gemeinsame Vergangenheit. Sie liebt ihn. Doch sie liebt auch ihren Freund. (Das wiederum ist eine andere Geschichte...)
In diesem Hin und Her versuche ich, für sie da zu sein, ihr zumindest dadurch zu helfen. Sie war schon oft sehr traurig und mir tut es weh, sie so zu sehen.
Seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, meine Gefühle für sie und unsere Freundschaft werden immer intensiver – sodass ich mir inzwischen nicht mehr sicher bin, ob es wirklich „nur“ Freundschaft ist.
Ich weiß, dass sie Frauen grundsätzlich nicht abgeneigt ist. Sie hatte schon eine feste Freundin und sagt auch offen, wenn sie beispielsweise eine Frau in einem Film attraktiv findet. Ich hatte bisher nur männliche Partner und eigentlich kein Interesse an Frauen. Klar, mal eine Freundin geküsst in der Jugend, aber mehr ist nie passiert. Vor einigen Wochen fing ich an, mir Gedanken zu machen. Ich hatte einen Traum, der mich beschäftigte. Es war kein sexueller Traum – und trotzdem brachte er mich zum Grübeln.
Dann ein paar Tage später ein Kommentar von ihr. Es ging in dem Gespräch irgendwie ums Kuscheln, genau weiß ich es nicht mehr. Dafür erinnere ich mich umso besser an das, was sie zu mir sagte:
„Du würdest mir einen fiesen Korb geben!“
Da war keine Ironie, kein Spaß in der Art und Weise, wie sie es sagte. Einfach, nüchtern und ernst. Seitdem gab es immer wieder diese Situationen...wenn sie mir über die Schulter schaut (um irgendetwas mitzulesen oder so) und mein Puls plötzlich schneller wird...wenn ich meinen Blick nicht von ihr abwenden kann...bei Berührungen fällt es mir schwer, mich noch auf etwas anderes zu konzentrieren und sofort taucht die Frage auf: "Ist das Zufall oder Absicht?"
Das macht mich irgendwie fertig...
Diesen Sommer haben wir uns fast jeden Tag gesehen. Ich habe 2 Monate praktisch bei ihr gewohnt. Eigentlich wohne ich allein, da ich bisher immer der Meinung war, irgendwann geht mir die Gesellschaft anderer auf die Nerven. Sie war der erste Mensch bei dem das nicht so war.
Jetzt fehlt sie mir, wenn wir uns mal ein paar Tage nicht sehen (Semesterferien). Bin vor kurzem durch halb Deutschland gefahren, nur um ein paar Tage bei ihr zu sein. War eine tolle Zeit. Ich weiß, dass sie sich wirklich gefreut hat, mich zu sehen und sie sagt mir, dass auch sie mich vermisst.
Manchmal denk ich darüber nach, ob sie etwas ahnt. Sie hat eine sehr gute Menschenkenntnis. Mal abgesehen davon, dass wir sehr häufig gleichzeitig das Gleiche denken oder sagen, kann sie die Eigenschaften und Stimmung ihrer Mitmenschen gut einschätzen. Und ich bin einfach schnell etwas melancholisch oder traurig, sitze dann da und grüble vor mich hin.
Ich hab mich schon gefragt, ob das Ganze einfach Einsamkeit und Unzufriedenheit ist. Ich bin seit viereinhalb Jahren Single und damit und mit anderen Aspekten in meinem Leben nicht wirklich glücklich. Ich bin unsicher, nicht sehr selbstbewusst, würde nie jemanden, den ich süß finde, ansprechen! Vielleicht suche ich einfach nach jemandem, dem ich nah sein kann. Wahrscheinlich versuche ich auch nur, mir das einzureden, um eine Erklärung zu finden.
Ich hatte nie eine Freundschaft wie diese, hatte nie solche Gefühle für einen meiner Ex-Freunde. Was mich beschäftigt, ist auch gar nicht so sehr der Gedanke, dass ich bisexuell sein könnte...oder doch? Ich weiß es nicht. Ich finde manche Frauen nach wie vor attraktiv, schaue ihnen aber auf der Straße nicht hinterher und würde mich bei der Partnersuche auch immer an die Männer halten. Auf der einen Seite kann ich mir Sex mit einer Frau schwer vorstellen, auf der anderen Seite frage ich mich, wie es wäre, sie zu küssen. Ich weigere mich, das Ganze als „jugendliche Neugier“ abzutun. Die Zuneigung und das Verlangen ihr nah zu sein, resultieren vielmehr aus den tiefen Gefühlen für sie, als aus echter körperlicher Anziehung.
Ich würde auch im Moment (selbst wenn die beiden Männer nicht in ihrem Leben wären) gar keine echte Beziehung mit ihr wollen. Es ist einfach diese Sehnsucht, das Herzklopfen, die Gefühle, die mich immer wieder aus der Bahn werfen.
Es gibt so viele Szenarien, die mir durch den Kopf gehen, wenn ich darüber nachdenke, wie das Ganze mal ausgehen könnte. Kaum eine scheint mir erstrebenswert...


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