Hallo zusammen ...
... eigentlich bräuchte ich einen Thread aus der Mischung "Stress" und "Depression". Da Depressionen in meinem Fall zu 99,9% durch Stress verursacht werden, denke ich das ich in diesem Thread ganz richtig bin.
Wo fange ich am besten an?! Vielleicht ganz vorne?! Nun denn ...
ich arbeite seit insgesamt 2 1/2 Jahren bei einer Firma, die Befestigungsmaterial für Dachdecker herstellt, im Lager. 1 1/2 Jahre als Aushilfe auf 400,-€ Basis und 1 Jahr als Praktikantin. Als ich das Praktikum anfing, wohnte ich noch zuhause bei meinen Eltern. Die Firma liegt von meinem Elternhaus 45 Minuten Autofahrt entfernt. Da ich leider kein eigenes Auto mehr hatte, mussten meine Eltern und ich uns das Auto teilen. Das war zu diesem Zeitpunkt ja noch kein Problem, doch als das Praktikum anfing, begann auch der Stress. Ich musste zunächst meine Mutter morgens zur Arbeit bringen, dann meinen Vater und anschließend selber zur Arbeit fahren. Nach 9 Std. Arbeit musste ich beide auch wieder von der Arbeit abholen, wodurch ich meistens erst ab 21.00 Uhr zuhause war. Ich war dann meistens so kaputt, das ich keine Lust und auch keine Kraft mehr für meine Hobbys hatte. Ich kam abends nach, ging duschen, stopfte mir noch schnell was zu futtern rein, ging dann schlafen und stand morgens um 3 Uhr wieder auf. Wieder die Eltern zur Arbeit bringen, selber arbeiten gehen, abends beide wieder abholen usw. Das ging ganze zwei Monate so, bis ich einfach nicht mehr konnte. Ich hatte das Gefühl ich lebte nur noch um arbeiten zu gehen. Keine Hobbys, keine Freunde mehr, keine Lebensfreude!
Ich entschloss mich also auszuziehen, um meine Eltern und mich zu entlasten. Doch ab diesem Punkt begann der große Stress.
Dieses Praktikum was ich mache, ist eine Initiative der Agentur für Arbeit. Man macht ein Jahrespraktikum in einer beliebigen Firma, besucht wie ein Azubi im 1. Lehrjahr die Berufschule und erhält sein Gehalt vom Arbeitsamt. Es hört sich zwar jetzt total bescheuert an, aber es ist nun mal eine Tatsache: mit meinen 24 Jahren bin ich zu alt um eine Ausbildung zu machen, denn die meisten Firmen wollen natürlich lieber jemanden, der gerade mit der Schule fertig ist und nicht so wie ich die ganze Zeit von Job zu Job gesprungen ist, um überhaupt Geld in der Tasche zu haben. Daher sagte mir meine Berufsberaterin (die wirklich ausgesprochen nett war und sich extrem für mich eingesetzt hat - was soooo selten ist!), das dies Praktikum, was sich EQJ (Einstiegsqualifizierung) nennt, meine letzte Chance auf eine Ausbildung wäre.
Nun denn ... wie gesagt, das Gehalt bekommt man vom Arbeitsamt, welches nicht gerade der Hit ist. Als 400,-€ Jobberin, die am Tag 3,5 Std. arbeiten geht, habe ich das Doppelte verdient, als das was ich jetzt in der Tasche habe. Soviel schon mal dazu. Doch ich habe das in Kauf genommen, weil mich das Ziel der Ausbildung gelockt hat. Die Firma kann halt nach diesem Praktikum sagen, dass sie mich in die Ausbildung übernehmen und ich dann direkt ins 2. Lehrjahr rutsche. Aber dazu später.
So ... Praktikum hatte ich also in der Tasche - nun musste eine Wohnung her. Aber von welchem Geld bezahlen?! Von 212,-€?! Wohl kaum! Also musste ich mir Hilfe besorgen. Ich rannte also zur ARGE und schilderte mein Anliegen. Erstmal musste ich in meiner alten Heimatstadt eine Genehmigung organisieren, dass ich überhaupt umziehen darf. Dafür wurde ich von Amt zu Amt geschickt und niemand fühlte sich wirklich für mich zuständig. Ich wurde wie ein Tennisball hin und her geschleudert. Als ich dann endlich die Genehmigung besaß, mussten natürlich Unmengen an Formularen ausgefüllt werden. Wer von euch selber Unterstützung vom Amt bekommt, weiß sehr gut wovon ich Rede. Privatsphäre ist ab hier ein nicht existierendes Wort. Man muss alles vorlegen ... wirklich ALLES! Nun ja ... was halt muss, das muss halt!
Es dauerte genau 1 1/2 Monate bis ich endlich den Antrag durch hatte.
Ich bin nicht stolz drauf das ich Unterstützung vom Amt benötige - um ehrlich zu sein, schäme ich mich dafür. Doch auf der anderen Seite bin ich froh, dass es so etwas überhaupt gibt. Stempelt mich nicht als Schmarotzerin ab! Denn ich gehe genau wie andere jeden gottverdammten Tag arbeiten und will auch arbeiten! Ich liebe meinen Job und bin mehr als froh das ich ihn habe! Nicht so wie manch andere, die den ganzen Tag faul auf der Haut liegen und schön das Geld vom Amt versaufen, verrauchen oder sonstiges.
Weiter im Text ... eine Wohnung, die den Kriterien der ARGE entsprach, war komischerweise schnell gefunden. Die Wohnung war in einem sehr schlechten Zustand und meine Mutter, mein Freund und ich investierten viel Zeit und Liebe um sie wieder einigermaßen herzurichten. Niemand von uns hatte Urlaub und mein Freund ist auch nur am Wochenende da, da uns 60km (vor dem Umzug 95 km) voneinander trennen. Also war ich hauptsächlich nach der Arbeit bis manchmal spät in der Nacht in der Wohnung am arbeiten. Wieder verging ein Monat bis ich endlich einziehen konnte. Nun lebe ich seit knapp 6 Monaten in einer anderen Stadt wo ich niemanden außer meinen Arbeitskollegen kenne. Ich fühle mich hier recht einsam.
Wie ich schon sagte liebe ich meinen Job, doch er schlaucht mich ziemlich. Wir haben nun auch nicht immer pünktlich Feierabend und wenn ich dann mal zuhause bin, bin ich einfach nur noch platt. Gehe duschen, setze mich auf die Couch will etwas essen und schlafe mit der Gabel in der Hand ein. Wenn ich dann wach werde, zeigt die Uhr meistens 1.00 Uhr morgens an – schleppe mich dann selbst ins Bett und stehe vier Stunden später wieder auf um zur Arbeit zu gehen. So in etwa kann man sich meine Arbeitswoche vorstellen. Wirklich aufregend ist sie nicht. Da lernt man natürlich nicht wirklich viele Leute kennen :/
Weiter … heute ist schon mal eine große Last von mir abgefallen, indem ich meinen Ausbildungsvertrag unterschrieben habe. Die Ungewissheit was die berufliche Zukunft betrifft, ist nun endlich vergangen. Zumindest für die nächsten zwei Jahre!
Das Einzige was jetzt noch bleibt ist die ständige angst meine Eltern mit meinen Entscheidungen und Handlungen zu enttäuschen. Vor allem meinem Vater gegenüber. Er hält sehr viel von mir und möchte natürlich das ich es in meinem Leben zu etwas bringe. Er vermittelt mir manchmal das Gefühl, dass das was ich tue, ihm nicht ausreicht. Ich versuche halt ständig ihm alles recht zu machen und das obwohl ich jetzt mehr oder weniger mein eigenes Leben führe. Das ist so ziemlich der größte Stressfaktor in meinem Leben. Es an allen Recht machen. Mein Chef erwartet auch ständig große Leistungen von mir, mein Vater sitzt mir genauso im Nacken und ich fühle mich einfach nur noch ganz klein und weiß manchmal einfach nicht mehr was ich tun soll.
All diese Gedanken schwirren ständig in meinem Kopf herum und lassen mich nicht mehr los. Als ich den einen Tag nach der Arbeit unter der Dusche stand bin ich weinend zusammengebrochen und habe tatsächlich mit dem Gedanken gespielt einfach allem ein Ende zu setzen. Ich hätte nur in die Küche gehen und „ES“ aus der Schublade nehmen müssen. In diesem Moment hatte ich zum ersten Mal angst vor mir selbst. Ich war den Rest des abends total verwirrt und konnte es einfach nicht fassen, das ich tatsächlich einen Gedanken daran verschwendet habe. Ich rief mir wieder ins Gedächtnis das es Menschen gibt, die wesentlich größere Probleme haben als ich und selbst die schaffen es alles zu überstehen. Also schaffe ich das auch! Ich habe eigentlich viel zu große angst vor dem Tod um mir selber was antun zu können. Trotzdem frage ich mich seitdem ob ich mir vielleicht professionelle Hilfe holen sollte?!


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