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Thema: Sozialversager

  1. #25
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    @Thomas
    Die Sache ist furchtbar kompliziert, aber nur dann, wenn man es gewissermaßen
    wissenschaftlich verstehen will. Sieht man es wissenschaftlich, sieht man es leidenschaftslos und wo keine Leidenschaft ist, da ist kein Leiden. Statt wissenschaftlich könnte man auch sagen philosophisch. Die Philosophie ist der Anfang der Wissenschaft und ihr ewiger Grund.
    Warum jemand zu einem Einzelgänger wird hängt viel mit Pech und Zufällen zusammen. Ein Mal in der Pubertät eine Pechsträhne mit Freundschaften gehabt und man sich sagt "Ihr könnt mich doch alle mal." Rein wissenschaftlich (z.B. verhaltensbiologisch) macht keine Freunde haben nicht mehr und nicht weniger Sinn als welche zu haben. Es ergibt sich alles ganz natürlich. Auch frühkindliche Erfahrungen und Gene spielen dabei eine Rolle, ob einer viele, wenige oder gar keine Freund hat und welche QUALITÄT seine Freundschaften haben oder sein Einzelgängerdasein hat.
    Es ist ja auch gar nicht leicht zu entscheiden, was als Freundschaft gelten darf. Viele treffen sich jahrelang und unternehmen gemeinsam was und wenn man sie dann fragen würde "Seid Ihr Freunde?" wären sie vielleicht verunsichert, weil sie es als Kammeradschaft oder Bekanntschaft sehen.
    Ob Freundschaften in der Regel auf Geschleime und Angeberei basieren vermag ich nicht zu beurteilen. Sicher kommt es oft vor.
    Dass es anstrengend ist Freunde zu finden, das sehe ich genauso. Aber vielleicht lohnt sich die Anstrengung ja. Zur Zeit bin dazu aber nicht in der Lage mich um irgendwen zu bemühen. Und die Bemühungen müssen ja immer weitergehen und das bedeutet: Jede Freundschaft ist akut von Auflösung bedroht, besonders wenn man nachlässig wird. Einzige Ausnahme vielleicht: Freundschaften, die schon sehr lange bestehen.

  2. #26
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    Gene? Soll das bedeuten dass man von der Natur dazu prädestiniert ist mit Ignoranz kämpfen zu müssen? Dass man den Zwiespalt der einem quält unter anderem Mutter Natur zu verdanken hat? Das ist zwar das was ich immer schon ahnte, verstehen tu ichs trotzdem nicht. Könnte das so eine Art Selektion sein, damit's nicht zu viele Nachkommen gibt? - diese werde ich nämlich nie haben. Rein wissenschaftlich macht es vielleicht wirklich keinen Sinn Freunde oder eine Partnerin/Partner zu haben (oder wenigstens schon mal gehabt zu haben), aber es macht gesellschaftlich Sinn. Und da ist dies genauso wichtig wie z.B. einen festen Job zu haben und dem Staat nicht absichtlich auf der Tasche zu liegen. Wer nicht viel mit seiner Spezies zu tun hat - ob freiwillig oder nicht gilt einfach als Außenseiter. Weil man ihm unterstellt dass er Probleme hat. Und mit Depressiven will keiner zu tun haben. Das ist meine Erfahrung.

    (Ich mag klingen wie ein Jammerlappen, aber es ist mir einfach wichtig mal meine Eindrücke zu teilen, auch wenn sie NORMALEN Menschen vielleicht sehr sonderbar vorkommen.)
    Geändert von Thomas250 (05.08.2008 um 17:49 Uhr)

  3. #27
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    Ergänzend muss ich sagen dass es vielleicht auch so klingt als ob ich mich um andere nicht bemühen will. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Ich möchte mich um jemand anders bemühen um Kontakte zu knüpfen (bin kein böses Egoschwein), nur brauch ich dazu ein gewisses Feedback, oder eine Basis wenn man so will. Signale. Denn was nützt es wenn ich auf jemand zugehe und der das dann merkbar nicht will. So sehr ich mich darum bemühen will so verbittert bin ich auf der anderen Seite. Ich neige halt von Zeit zu Zeit dazu mir zu sagen: Gib auf, das läuft in diesem Leben nicht mehr.

    Vielleicht fehlt mir auch einfach das Gespür für die Bereitschaft anderer mit mir in Kontakt zu treten oder eben für ihren Unwillen, ich weiß es nicht. Sind dann aber mal positive Signale bei jemandem da hab ich Angst, dass diese aprupt verschwinden wenn ich mich nicht gut genug darstelle. Kann auch sein dass ich zu zugeknöpft wirke in Gesprächen, weil es mir einfach peinlich ist auf gewisse Details zu kommen, wie etwa jenes was ich in meiner Freizeit mache (was nicht eben spannend ist) oder auch wenns um irgendwelche Erfahrungen mit Frauen geht (da kann ich leider auch nix erzählen). Soll ich die Person etwa beiseite nehmen und sagen: "Du weißt du, mein einziges sexuelles Erlebnis mit einer Frau hatte ich im Puff"?
    Geändert von Thomas250 (05.08.2008 um 17:32 Uhr)

  4. #28
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    *lach*..
    Na jetzt wirds doch mal spannend.... hattest du dein einziges Erlebnis mit einer Frau wirklich im Puff? ^^

    Nee.. mal im Ernst.

    Ich bin fast 23 und habe bis heute, seit dem Beginn der Realschule keine Freunde mehr (das sind etwa 10 Jahre) außer einem den ich bis heute kenne und der selber Probleme zu haben scheint sich ein soziales Umfeld aufzubauen (ich würde ihn nicht als meinen allerbesten Freund bezeichnen aber wir unternehmen ab und zu mal was was auch wichtig ist.)

    Meine gesamte Psychosoziale Entwicklung ist demzufolge noch irgendwo auf dem Stand von vor 10 Jahren. (so meine Theorie).
    Ich versuche dahin zu kommen das ich ein ganz normales Leben führen kann. Das ist mein größter Wunsch. Ich muss mich beeilen denn ich bin schon 23 und meine Entwicklung im psychosozialen bereich müsste eigentlich schon soweit abgeschlossen sein das ich fähig bin ein normales soziales Leben zu fähren.
    Ich hatte z.B. noch nie eine Beziehung! Wer hatte mit 23 noch keine Beziehung?
    Sex hatte ich auch noch nie. Was würde Freud wohl dazu sagen?

    Sowas ist echt selten! Aber es ist momentan auch kaum möglich. Denn eins folgt auf das andere!
    Man kann nicht ein Flugzeug fliegen wenn man es nicht gelernt hat!

    Ungerecht ist nur das die Gesellschaft (nicht in jedem Fall absichtlich) dir gerade im Entwicklungsbereich kaum eine Möglihkeit lässt dinge nachzuholen.
    Wenn du da einmal verpasst hast mitzukommen dann ist es oft nur sehr schwer das wieder auszugleichen und manchmal sogar unmöglich!

    Nehmen wir die Pubertät und Adoleszenz, eine der fundamentalsten und entscheidensten Lebensphasen. In dieser enorm wichtigen Zeit haben bei mir entscheidende Prozesse nicht stattgefunden. Bei mir gab es da einige ungünstige Faktoren die klar als Ursache anzusehen sind wie etwa eine falsche Erziehung.

    In dieser Zeit der Veränderungen ist es so: Wer nicht selbstbewusst und in ist (Gründe dafür gibts sicher einige) kommt vielleicht nicht in eine Peer group. Ohne Peer-group oder wenigstens einige engere Freunde ist es nahezu unmöglich die in diesem Alter enorm wichtigen Entwicklungsaufgaben zu lösen und zu erkennen und wenn deine Eltern oder sonst wer die EAs nicht erkennt und dich daraufhin damit konfrontiert hast du wie ich später ein Problem!
    Diejenigen die dir Entwicklungsaufgaben "auftragen" sind nunmal in erster Linie die Peer Group, die Eltern und die Gesellschaft.

    Überings ist es laut Fachliteratur auch ein recht normales Phänomen das Menschen die mit ihren EAs hinterherhinken oder diese nicht durchlaufen konnten Mitleid oder Ablehnung von jenen erfahren die die EAs erfolgreich durchlaufen sind.
    MOFs (wie ich ^^) sind wahrscheinlich meistens ja auch Kandidaten mit Entwicklungsproblemen und MOFs erfahren Ablehnung.
    Im Übrigen finde ich aber das im dasein als MOF ja auch große Chancen liegen denn als MOF hat man nichts zu verlieren ohne dieses dasein verherrlichen zu wollen denn es ist alles andere als gesund!

    Ich weiß dass ich kein ganz hoffnungsloser Fall bin. Ab und zu habe ich in den letzten Jahren schon Leute getroffen mit denen ich mich gut verstehe und auch eine Freundschaft haben könnte wenn sie nicht so weit weg wohnen würden oder ich nicht noch zuhause wohnen würde was da eher hinderlich ist!

    Also es sollte für dich, thomas250 ja durchaus auch möglich sein leute kennen zu lernen. Ich war z.B. in einem Auslandspraktikum und hab da einpaar wenige aber umso wertvollere Leute besser kennengelernt.
    Dabei habe ich gelernt das man Leute nur kennen lernt indem man aktiv ist.
    Nur wer aktiv ist und dinge Unternimmt und wenigstens einigermaßen vielseitig ist hat was zu erzählen was die Mehrheit interessiert.
    Und erzählen ist nunmal der die Art wie man Kontakte aufbaut.

    Die meisten Gespräche sind keine fachgespräche sondern handeln von den für normale Menschen ganz alltäglichen Dingen. Hast du schon das neue Lied von sowieso gehört oder den und den Film gesehen? Was hast du am Wochenende gemacht? Achso? Das klingt ja spannend!
    Du musst dinge unternehmen von denen du anderen erzählen kannst.
    Wenn du dazu keine Lust hast so tue es trotzdem.
    Nur so kommt man mit den meisten Menschen ins Gespräch!

    Ich habe z.B. Interessen die so gut wie kein Mensch in meinem ALter mit mir teilt. Ich zeichne und lerne ein Instrument spielen. Die meisten Menschen in meinem Alter empfinden das zwar als "interessant" aber letztendlich mit hoher Wahrscheinlichkeit als tot langweilig.
    Deshalb versuche ich vielseitiger zu werden was auch der erste Schritt dazu ist Freunde zu finden was wiederrum die Vorraussetzung bestimmte soziale Mechanismen zu erlernen die einen wiederrum dazu befähigen einen Partner zu haben.

    Wohnst du noch zuhause bei Muttern oder schon alleine?
    Ich z.B. wohne noch zuhause! Das ist in meinem Fall der bedeutenste Blocker für mich ein normales soziales leben zu führen und ich kann es derzeit nicht so einfach ändern da ich noch studiere.

    Wenn du alleine wohnst hast du schonmal einen riesen Vorteil den du ausnutzen solltest.
    Du musst... ich wiederhole... du MUSST alles daran setzen Leute kennen zu lernen und wenn es sein muss das du dich dazu etwas verbiegst dann bitte auch das!

    Am anfang wirst du sicher Leute kennen lernen und schnell wieder verlieren weil du noch übung brauchst.
    Wenns mal nicht geklappt hat, mach dir nicht all zu viel draus.
    Versuche deine Fehler zu identifizieren und machs beim nächsten mal besser aber vergiss es dann auch wieder.
    Es war nur einer von vielen.
    Eine gewisse Gleichgültigkeit ist da angebracht.
    steck es weg. Es gibt noch viele andere! Hinfallen, aufstehen, weitergehen!
    Dabei wächst man und hat dann vielleicht auch wieder einpaar storys zu erzählen die wie wir ja bereits gelernt haben sehr wichtig sind.

    Ein Leben ohne Freunde ist traurig, einsam und meines Erachtens nicht lebenswert (aber das ist nur meine Ansicht). Momentan lebe ich noch ohne Freunde aber ich hoffe auf eine bessere Zukunft und versuche wenigstens in den letzten Jahre bis zu den Mitzwanzigern noch einiges nachzuholen und sozusagen die letzten Züge meiner Jugend noch soweit wie möglich zu genießen.

    Niemand sollte sein leben alleine verbringen wenn es möglich ist!
    Das leben wird durch Freunde so viel reicher!
    Ich glaube das weisst du und auch Frequenzy weiss das!
    Ist es nicht eine trotz und Protest reaktion zu behaupten das Freundschaften nicht so viel wert sind? Wer hat denn nicht gerne menschen bei sich die einen mögen?

    Du musst auch nicht schleimen! Wenn ich leute kennengelernt habe musste ich eigentlich nie schleimen und die Leute die ich kennenlernte waren immer das Gegenteil von mit (also vergleichsweise angesehene Leute mit vielen sozialen Kontakten!). Leider wohnen sie nicht in meiner Nähe oder ich kann mit ihnen keine richtige Freundschaft pflegen weil ich noch zuhause wohne und leute zu sich einladen ist nunmal eine fundermentale Sache in einer Freundschaft!
    Schleimen muss man nur bei Leuten die mit einem wirklich nix zu tun haben wollen aber sich um die zu bemühen ist einfach Zeitverschwendung, auch wenn sie noch so toll wirken und man sie wirklich gerne als Freund hätte.
    Manche Leute sind auch wirklich nett zu einem aber haben kein interesse an einem weil man ihnen einfach nichts zu bieten hat. Das einzigste Mittel was dagegen wirkt it so aktiv wie möglich zu sein.
    In einer Spaß und Konsumgesellschaft ist das eine wichtige Spielregel.
    Und es ist sicher möglich sie zu befolgen und sich dabei dennoch nicht zu verraten.

    EDIT: Eine Sache habe ich noch vergessen obwohl sie doch so wichtig ist!
    Du musst vielleicht an deinem Aussehen Arbeiten.
    Ein gutes aussehen ist das allerwichtigste in unserer Gesellschaft!
    Alle anderen Werte sind zweitrangig! Das betrifft zumindest die große Mehrheit der Menschen in unserer Gesellschaft und es zieht sich auch durch alle Gruppen der Gesellschaft!
    Ich kenne aber auch Leute die tatsächlich mehr auf innere Werte achten.
    Schicke Klamotten machen dich z.B. selbstbewusster und andere Menschen wollen viel eher was mit dir zu tun haben wenn du gut aussiehst.
    Natürlich ist das alles bei weitem nicht so einfach denn was ist schick und was passt zu einem? Und wenn man nicht zu einer bestimmten Gruppe wie gothics oder metaller gehört wird es nochmal etwas schwerer. Ein eigener Kleidungsstil gehört zu einer Identität in unserer Gesellschaft dazu wo wir wieder bei den Entwicklungsaufgaben wären. ^^

    Zum Schluss möchte ich noch sagen das man keinesfalls denken sollte es sei ja alles genetisch bedingt. Das währe ein emotionsorientierter Problembewältigungsstil weil man sich vielleicht damit nur versucht zu beruhigen. Das macht alles aber nur schlimmer weil man dabei zeit verliert und es sich weiter anstaut.
    Ein Problemorientierter Bewältigungsstil ist meistens das beste!

    Ich glaube das die Probleme die wir haben aus einer Fehlentwicklung heraus entstanden sind! Und Fehlentwicklungen kann man ausgleichen wenn es auch schwer ist wogegen genetisch bedingte Verhaltensweisen sind vielleicht kaum oder garnicht veränderbar währen.
    Geändert von new001 (10.11.2008 um 14:09 Uhr)

  5. #29
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    Standard Wille und INteresse

    Auch wenn die Antwort etwas spät kommt, vielleicht hilft sie ja noch.
    Freundschaft entsteht, grade im Erwachsenenalter, durch Wille und Interesse. Interesse haben und Interessant sein heisst hier das Stickwort. Damit ist nicht gemeint, dass man besonders aufregend ist oder besonders tolle Sachen macht. Ich habe gelernt, dass jeder seine Stärken hat und somit auch Interessant ist. Natürlich muss man solche Dinge auch von sich preisgeben. Das wird in manchem Kreisen dazu führen, dass du nicht gemocht oder ignoriert wirst. SUper, dann weisst du schoneinmal, dass du da nicht hingehörtst. Grad im Studium gibts es ein Vielzahl von verschiedenen Typen, die sich unterschiedlich entwickeln. DU schilderst immer die, die auffallen: die Partygänger und die Streber. Da gibt es noch viele andere Leute. Möglichkeiten an der Uni gibt es auch sehr viele. Z.B. Fachschaft, Referate, Theatergruppen. Klar du wirst bei einigen "scheitern" weil du nich reinpasst aber das gehört dazu.
    Wenn du generell einen kleinen Wegweiser fürs Leben brauchst, kann ich "Der Alchimist" von Paolo Coello empfehlen.
    Wichtig ist, dass du den Kopf freikreigst von diesen Versagensängstern und den Eindruck, dass Leute dich nicht mögen. Klar wird das auf den ein oder anderen zutreffen. Die meisten sind jedoch einfach, genau wie du, zu schüchtern oder introvertiert um direkt auf dich zuzugehen und reden von daher lieber mit den bekannten Menschen....

    VIel Erfolg und steck den Kopf nicht in den Sand!

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