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Thema: Spätfolgen - Fragen und Hilfe?

  1. #1
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    Standard Spätfolgen - Fragen und Hilfe?

    Hallo,

    zunächst mal die Vorgeschichte: Ich verbrachte die ersten Jahre meiner Kindheit im gemeinsamen Haus meiner Eltern, mein Vater führte direkt nebem dem eigenen Haus einen Betrieb. Als ich circa drei Jahre alt war, litt mein Vater unter
    extremen Alkoholproblemen. Ich habe daran keine konkreten Erinnerungen, glaube aber, dass bereits dieser Vorfall Auswirkungen für mich hatte. Mein Vater überwand innerhalb eines Jahres seine Trunksucht, dafür litt meine Mutter inzwischen unter starken Depressionen. Daran habe ich durchaus noch einige wenige Erinnerungen, die allerdings stark verwaschen sind. Ein weiteres Jahr später wurde es sehr chaotisch. Warum die Dinge so vorgefallen sind, weiß ich bis heute nicht, und ich traute mich bis heute nicht, meine Eltern danach zu fragen. Die Depressionen meiner Mutter waren mittlerweile extrem stark, und mein Vater sah sich (vermutlich) nicht in der Lage, ihr zu helfen. In dieser schwierigen Phase nahm sich ein Angestellter aus dem Betrieb meines Vaters ihrer an. Meine Mutter war anscheinend der Meinung, in der Beziehung zu meinem Vater keinen ausreichenden Rückhalt mehr zu haben, und sie zog in die Wohnung des Angestellten. Nach dem Kommentar meines Vaters, der mir noch sehr in Erinnerung ist ("Es kann sein, dass die Mama jetzt bei ... wohnt) bin ich mit zu meiner Mutter und ihrem neuen Lebensgefährten gezogen. Dieser kümmerte sich sehr um mich, und half mir in der Folgezeit sehr über die Trennung hinweg. Ich durfte auch meinen Vater regelmäßig (so gut wie täglich) sehen, und soweit mir das in Erinnerung ist, fechteten meine Eltern auch keinen Kleinkrieg aus, wie das sonst der Fall ist. Beide waren nach wie vor sehr fürsorglich und verständnisvoll. Vielleicht hätte die Trennung in diesem Fall gar keine so schlimmen Auswirkungen gehabt, doch nun geschahen weitere Ereignisse. Mein Vater fand ebenfalls eine neue Lebensgefährtin. Auch diese war mir gegenüber sehr verständnis- und rücksichtsvoll. Ich hatte mit ihr keinerlei Probleme und mochte sie. Dann geschah das, was meiner Meinung nach die schlimmsten Auswirkungen hatte: Der Betrieb meines Vaters ging zusehends den Bach hinunter und er entschloss sich schließlich dazu, mit seiner neuen Lebensgefährtin einen Neuanfang in einer weiter entfernten Stadt zu wagen. Er brach den Kontakt nicht ab, trotz der großen Entfernung besuchte er mich noch häufig, und ich konnte ihn in den Schulferien immer besuchen. Doch ein anderes Problem ergab sich. Ich kenne bis heute die Gründe nicht, und traute mich wie gesagt nicht, sie anzusprechen. Jedenfalls zog meine Mutter mit ihrem Lebensgefährten in unser altes Haus, und sie versuchten zusammen den Betrieb zu sarnieren. Ab hier war alles aus. Ich war sieben Jahre alt, und die Tatsache, wieder im alten Elternhaus zu wohnen, machte mir schwer zu schaffen. Ich hatte ständig Alpträume und begann wieder in die Hose zu machen. Meine Mutter und ihr Lebensgefährte reagierten verständnisvoll aber auch hilflos. Ein Kinderpsychologe wäre vielleicht keine schlechte Idee gewesen, aber beide hatten mit der Sarnierung und dem Haus viel um die Ohren. Ich hörte nicht auf, in die Hose zu machen, nässte und kotete absichtlich ein. Das geschah immer zuhause, wenn ich alleine in meinem Zimmer war. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt auch nur wenig Freunde, und in meinen Erinnerungen stellen sich diese zwei Jahre Kindheit so dar, dass ich mich zusehends in meine eigene Phantasiewelt flüchtete. Ich war auch oft krank während der Schulzeit. Mein Vater kam mich nach wie vor oft besuchen, und ich ihn ebenfalls. Allerdings wissen er und seine Lebensgefährtin bis heute nichts von meinen Problemen. Er sah mich trotz allem zu wenig, um darüber etwas mitzubekommen. Nach zwei Jahren war der der Betrieb insolvent, und meine Mutter, die ihren Lebensgefährten inzwischen geheiratet hatte (Die Scheidung von meinem Vater war vor zwei Jahren vollzogen worden) zog mit ihm und mir in eine andere, weiter entfernte Stadt um neu anzufangen. Hier besserte sich meine Situation. In der Schule lief es besser, und ich bekam viele neue Freunde. Nur das "In-die-Hose-machen" blieb bestehen. Nach wie vor nur zuhause, für mich allein. Meine Mutter und mein Quasi-Stiefvater warteten einfach ab, in der Hoffnung, dass Problem möge sich geben. Meine Mutter schimpfte manchmal, war aber überwiegend rücksichts- und verständnisvoll. Ich besuchte meinen Vater (auch er hatte seine Lebensgefährtin inzwischen geheiratet) nach wie vor in allen Schulferien. Solange ich bei ihm war, bestand das Problem übrigens nicht. Vor allem deswegen weiß er bis heute nichts davon. Es hörte aber nicht auf. Als ich in die Pubertät kam, wuchs sich das ganze zu einer sexuellen Paraphilie aus. Bis heute mache ich in die Hose und befriedige mich danach selbst. Das kam in der Pubertät sehr oft, mittlerweile weniger (ca. 1x im Monat) vor. Dieses Verhalten blockiert mein Sexualleben. Ich hatte bis heute keinen Geschlechtsverkehr und nur sehr wenige Beziehungen zu Frauen. Ich denke, dass da doch einiges aus der Vergangenheit reinspielt.
    Zur derzeitigen Situation: Ich wohne noch bei meiner Mutter und Quasi-Stiefvater, habe in dieser Konstellation zwei Halbbrüder, mit denen ich mich sehr gut verstehe. Auch Mein Vater und meine Quasi-Stiefmutter haben einen Sohn mit dem ich mit gut verstehe. Meinen Vater sehe ich wie immer, sobald ich Zeit habe, was durch mein Studium mittlerweile etwas weniger oft stattfindet.
    Zusätzlich zu den sexuellen und beziehungstechnischen Problemen vermute ich mittlerweile ein gestörtes Verhältnis zu meiner Mutter, da ich übertrieben fürsorglich reagiere, wenn es ihr schlecht geht. Ich habe das Gefühl, mich von ihr lösen zu müssen, um hier wieder eine normale Situation herzustellen (Ich mache ab Februar für ein halbes Jahr ein Praktikum in einer anderen Stadt, das ist schon mal ein Anfang)
    Außerdem beobachte ich oft, dass es mich völlig mitgenommen hat und mitnimmt, wenn meine Brüder weinen (sie sind 9, 11 und 12) Vermutlich spielen hierbei unbewusste Erinnerungen eine Rolle.

    Wie man sieht, liegt bei mir einiges im argen. Ich habe deshalb einige Fragen:
    - Ich denke, es ist ratsam, eine Psychotherapie zu machen?
    - Ich möchte diese unabhängig von meinen Eltern (vor allem meiner Mutter)
    durchziehen, habe aber bedingt durch mein Studium kein Geld. Übernimmt sowas die Krankenkasse?
    - Wie sieht soetwas zeitlich aus? Ich möchte mein Studium nicht vernachlässigen
    - Muss man die Behandlung später angeben (beispielsweise Einstellungen) Ich habe keine Lust, gebrandmarkt zu werden
    - Ich habe Angst, mich einem Psychotherapeuten anzuvertrauen (Es war schon schwierig, alles hier reinzuschreiben)

    So, vielen Dank an alle, die sich diesen langen Text durchgelesen haben. Ich hoffe ihr habt ein paar Ratschläge bezüglich der Psychotherapie, aber auch für Vermutungen hinsichtlich meiner Situation bin ich dankbar.

  2. #2
    Gast784
    Gast

    Standard

    Guten Morgen Chris,

    erstmal danke für Deine Offenheit. Dass das schwer war, glaub ich Dir.

    Wenn Du zu einem Therapeuten gehst, kannst Du dieses Post ja mitnehmen und ihm zu lesen geben, wäre das eine Möglichkeit?
    Wenn Du in der gesetzl. Krankenkasse bist, müssten die die Therapie übernehmen.
    Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass ein späterer AG das erfahren kann, weil es unter ärztl. Schweigepflicht fällt. Und schon gar nicht, wenn Du das nicht stationär machst. Aber vll gibts ja spezielle Berufsgruppen und jemand anders kennt sich hier besser aus damit.
    Therapiesitzungen sind i.d.R. 1x die Woche, vll auch öfter, wenn es dringlich ist. Dürfte zeitlich also kein Problem sein.
    Vll wäre eine psychol. Beratungsstelle erst mal nicht schlecht, um sich für die Art der Therapie zu entscheiden bzw. für einen Therapeuten. Im Netz gibts da aber auch ganz gute Seiten dazu. z.B. http://www.psychotherapiesuche.de/

    Zu Deinem Problem kam bei mir noch der eine oder andere Gedanke: alles, was wir tun, speist sich prinzipiell aus bestimmten Grundbedürfnissen z.b. das Grundbedürfnis nach Harmonie, Anerkennung, Respekt, Authentizität, Autonomie, Sicherheit usw. Kannst Du benennen, welches Grundbedürfnis hinter diesem Einkoten stecken könnte? Das Bedürfnis nach Wahrgenommen werden, nach sich-sicher-und geborgen fühlen oder vll etwas ganz anderes? Gibt es noch andere Dinge, die dieses Grundbedürfnis in Dir befriedigen können?

    LG Gaby
    Geändert von Gast784 (12.12.2007 um 07:21 Uhr)

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