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Thema: Ständig am Grübeln über diverse Dinge...

  1. #1
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    Standard Ständig am Grübeln über diverse Dinge...

    Nun zunächst einmal weiß ich garnicht ob "Depression" das richtige Unterforum ist, auch "Ängste" oder "Minderwertigkeitsgefühle" hätten wohl gepasst...

    Mit mir stimmt folgendes nicht, ich bin seit kurzem mit dem Abitur fertig, und jetzt regelrecht erschlagen von der Erkenntniss von nun an das Leben alleine managen zu müssen. Sicher, noch sind die Eltern da, aber sie sind beide auch schon Anfang 60. Single bin ich auch wieder. Hier kommen wir zu den "Minderwertigkeitsgefühlen": Manchmal habe ich Momente wo ich fast zusammenbreche weil ich es mir einfach nicht vorstellen kann das ich es tatsächlich schaffen werde ein relativ zufriedenstellendes Leben zu bewältigen. Es gibt z.B. soviele Arbeitslose, auch Akademiker, und da soll ausgerechnet ich es "schaffen"??

    Daneben plagen mich noch unzählige andere Ängste. Angst vor der Arbeitslosigkeit bzw. sozialem Abstieg und Angst vor dem Tod meiner Eltern habe ich ja schon indirekt angesprochen, hinzu kommt noch die Angst vor der Einsamkeit im Alter.


    Allerdings habe ich nicht ständig permanente diese Ängste, es ist auch nicht so das ich mich über nichts mehr freuen kann (was ja anscheinend eine Definition für eine Depression wäre). Nein, es sind immer nur so Phasen. 1 Stunde bin ich glücklich, dann breche ich für 2-3min fast zusammen und fühle mich weiter ~50min beklommen, dann geht es mir wieder gut. Bis ich die nächste Angst-Attacke bekomme. Trotzdem, wenn ich 4mal am Tag so Phasen habe versaut es ihn mir fast genau so gründlich wie wenn ich eine permanente Depression hätte...


    Hat jemand ähnliche Erfahrungen und/oder eine Idee wie ich das bekämpfe? Vielen Dank im Voraus..

  2. #2
    Schreibkraft
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    Standard grübeln

    Hallo "Spender".

    Die Ängste die du da schilderst, nennt man "soziale Ängste".
    Solche gehen meist mit Angst vor Versagen und mit Minderwertigkeitsgefühlen einher. So ist es oftmals nicht ganz leicht, zu erruieren, woher die Ängste ursprünglich stammen.
    Es scheint, als sähe man sich mit einer Welt konfroniert, die einem eine Hürde nach der anderen Stelle. Und die angesagten Entscheidungen vermitteln einem in diesem Zusammenhang Orientierungslosigkeit.
    Das Wissen, das Einige in eben dieser Welt gescheitert sind, steigert diese gedanken noch. Dass sogar "klügere", "gebildetere" und "begabtere" Menschen in dieser Welt (ob beruflich oder privat) scheiterten, scheint einem auch machtlos zu machen. Man weiss es gibt ein Ziel, es wird Etappen geben, aber man weiss nicht, wie der Weg konkret aussehen soll. Geschweige wie er zu bewältigen sei.

    Aber dieser Weg hat schon längst begonnen. Du hast deine Kindheit und deine Pubertät bewältigt und überstanden. Hast dir nun das Potential für einen guten beruflichen Weg erarbeitet! Prinzipiell ist kein Job sicherer als ein anderer. Der Stuhl eines Wissenschaftlers wackelt ebenso wie der des Politikers, des hohen Finanzberaters, des technischen Angestellten, des Hilfskochs oder der der Chefchirurgin. Rein grundsätzlich.

    In unseres individualisierten Gesellschaft wird uns stets das Gefühl suggeriert, wir ständen alleine da, seien vollkommen unabhängig von den Anderen. Jeder für sich, jeder einsam. Nur das Glück sei zweisam. Und da kann man sich schnell mal verloren scheinen, vor der Flut der Entscheidungen, die zu fällen sind.
    Aber manchmal fehlt einem die Entscheidungsfreude, weil es so viele Möglichkeiten gibt. Und so befinden wir uns permanent in Abwägung. Manche wägen solange ab, dass sie den Zeitpunkt der Entscheidung verpassen. Insgeheim kann einem das bewusst werden und so beginnt man sich vor Entscheidungen zu fürchten. Quasi "Solange ich nicht entscheide, kann ich auch nichts falsch entscheiden". Resignation als Folge.

    Doch nun muss man sich fragen, ob man sich dieses ganze Potenzial dafür erarbeitet hat um schlussendlich zu resignieren!
    Und was die Persönlichkeit betrifft : man möchte sich schliesslich entfalten. Seine Bedürfnisse und Wünsche umsetzen.
    Bereits wenn wir auf die Welt "geworfen" werden, verlassen wir den Kokon. Und wenn wir später zur Grundschule gehen, befinden wir uns auf der ersten Etappe zum Verlassen des elterlichen Kokon. Mit jedem Schritt, mit jeder eigenen Entscheidung. In der Metamorphose des Seins. Aber diese Metamorphose endet erst in der Holzkiste. Wir können nie gewiss sein, wie uns geschieht, aber wir wissen um unser Potenzial.

    Ob die (grossen) Entscheidungen auf die man nicht einging besser gewesen wären oder nicht : es bleibt meist Spekulation. Gut hat's wer nicht aus Leid entscheiden muss. Doch ein Leben à la Reisbrettplanung inkl. Kalkulationsformel entspräche nicht dem Leben welches auch Überraschungen bieten würde. Und welcher Witz ist schon lustig, den wir bereits längst kennen? Und welch' Genuss ein gutmundender Wein das erste Mal auf der Zunge? Doch das Leben sollte gleichzeitg so sein, wie ein liebgewordener Song. Vertraut in den Ohren, beflügelt in alten Erinnerungen. Manche Erinnerungen beflügeln, manche stimmen sehnsüchtig. Manche schmerzen. Und jede Erinnerung erinnert uns auch an einstige Entscheidungen. Von der ersten Hausaufgabe, über das "Ja" in der Kirche, bis hin zum Testament.

    Wenn man sich selber nicht entscheidet, entscheidet das Leben selbst über einem. Resignation. Und wenn man selbst nicht entscheidet, entscheiden andere Menschen über einem. Abhängkeit. Aber wofür dann das Potenzial?

  3. #3
    Gast784
    Gast

    Standard

    Hallo Spender,

    die von Genussdenker angesprochene Individualisierung hat leider auch zur Folge, dass inzwischen in unserer Gesellschaft natürliche Entwicklungsübergänge pathologisiert werden. Die Probleme, die Du beschreibst, sind typisch für die Adoleszenz, also für den Übergang in das selbstbestimmte Erwachsenenleben. Nur, dass vieles in früheren Zeiten mehr vorgegeben war, bzw. die Auswahl war noch nicht so groß, daher sind wir heute viel mehr gefordert, und leider oft überfordert, mit Entscheidungen. Und das kann schon lähmen. Aber vll hilft Dir das, das ganze mehr als Entwicklungsprozess zu sehen, anstatt als Störung oder gar Krankheit. Prozesse und Übergänge sind immer von Ängsten begleitet und auch vorübergehende Depressionen können auftreten.

    Gut, was tun? Erstmal gilt eigentlich immer der banale Satz: das Leben ist lebensgefährlich. Also Sicherheit gibt es nicht direkt, andererseits ist es aber ein Grundbedürfnis von uns Menschen.
    Orientier Dich mehr an dem, wo Deine Energie eigentlich hin will, also an Deinen Interessen, Fähigkeiten, Träumen, anstatt sie auf Defizite und lauernde Abgründe zu lenken. Du stehst am Anfang Deines Berufslebens und kannst Dir daher genug Zeit geben, Dich zu orientieren. Wenn Du nicht weisst, in welche Richtung Du gehen sollst, notiere Dir mal alles, was Dich interessiert (es gibt so viel Material über Selbstcoaching u.ä., das kannste ja als Hilfe nehmen). Setze Dir ggf ne Frist z.B. 6 Mo bis 2 Jahre, die Du Dir als Orientierungszeit gewährst. Die zeitliche Begrenzung beugt dem vor, dass man sich im nichtstun verliert. In der Zeit kannst Du Praktiken machen, verschiedene Bereiche ausprobieren usw. Oder mal Abstand nehmen von allem, indem Du ins Ausland gehst und da irgendwas völlig anderes machst, wie archäologische Scherben ausbuddeln oder sonst was (ich spinne jetzt einfach mal wahllos herum). Oder Du nimmst Dir erst mal ein persönliches Projekt vor, eine sportliche Höchstleistung (Marathon, Berg erklimmen usw), bei der Du eine Grenze überschreitest und damit Deinen Mut und Dein Selbstvertrauen erst mal aufbaust.

    Das mal fürs erste

    lg Gaby

  4. #4
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    Standard

    Hallo Spender,

    beim Lesen Deiner Zeilen fällt mir auf, dass Deine Gedanken allesamt die Zukunft im Visier haben. Das ist gut nachvollziehbar – schließlich hast Du gerade einen wichtigen Lebensabschnitt beendet und stehst sozusagen in den Startlöchern des Lebens.

    Vielleicht gelingt es Dir, Deine „Grübeleien“ ein wenig auf die Gegenwart zu lenken?

    Die Befürchtungen um Ereignisse, die noch nicht eingetreten sind (z.B. der Tod Deiner Eltern) und denen, die es womöglich auch niemals werden (z.B. sozialer Abstieg, Einsamkeit im Alter) sind unglaubliche Energieräuber, was Du ja am eigenen Leib spüren kannst.

    Dein Leben findet heute – genau jetzt - statt und Du bringst denkbar gute Voraussetzungen mit, um mit den Eventualitäten von morgen gut klarzukommen. Du hast den höchsten aller möglichen Schulabschlüsse und damit z.B. schon einmal die größtmögliche Auswahl in Sachen Berufslebensgestaltung. Mehr hättest Du beim besten Willen bis heute nicht erreichen können.

    Alle Entscheidungen, die Du heute triffst, sind heute genau richtig für Dich! Stellt sich morgen etwas anderes heraus, ist Dir jederzeit eine Kurskorrektur erlaubt und möglich. In diesem Prozess kannst (und wirst) Du immer und immer wieder die Erfahrung machen, dass Du Dir und Deinen Entscheidungen trauen kannst! Auch und vor allem den scheinbar „falschen“, die es nach meiner Ansicht nicht gibt – sie erscheinen lediglich in einem anderen Zeitabschnitt bzw. Kontext als „falsch“, weil sich die Umstände verändert haben und damit neue Grundlagen für neue, andere Entscheidungen entstanden sind.

    Leider bin ich etwas in Zeitdruck und muß hier abbrechen – vielleicht gelingt es Dir, mal einen Blick nur auf das „Heute“ zu richten und zu schauen, was (genau!!) heute wirklich besorgniserregend ist.

    Lg,elba

  5. #5
    Neuling
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    Standard

    Hm die Sache ist "orientiert" bin ich eigentlich...Zumindest für die nächsten ~6 Jahre. Ich mache eine Ausbildung und dann in ein Studium in einem Bereich der mir viel Spass macht (und sogar auf dem Arbeitsmarkt verhältnismäßig sicher ist).

    Aber wenn ich mir vorstelle was mit mir in 20 Jahren sein soll plagt mich eben trotzdem diese Zukunftsangst.

    Das nervt wirklich gewaltig, ich gehe fröhlich irgendwo lang und plötzlich fällt mir ein "moment mal da gab es doch etwas weswegen du dir Sorgen machen musst...". Und dann fängt die Grübelei wieder an.

    Ich glaube ich steigere mich da auch selbst in etwas rein, bzw. diese Zukunftsangst ausgelöst durch mangelndes Selbstbewusstsein ist meine einzig wirkliche Sorge, und alle anderen Ängste werden während ich darüber nachdenke "im vorbeigehen" zusätzlich "mitgenommen". Da ich ständig versuche alles zu analysieren und im voraus zu planen hat mich die Vorstellung dass die Zukunft eben nicht zu 100% berechenbar ist wohl erschreckt.

  6. #6
    Gast784
    Gast

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    Zitat Zitat von Spender Beitrag anzeigen

    ". Da ich ständig versuche alles zu analysieren und im voraus zu planen hat mich die Vorstellung dass die Zukunft eben nicht zu 100% berechenbar ist wohl erschreckt.
    Diese Angewohnheit ständig alles analysieren zu wollen hängt natürlich mit der Unsicherheit und den Ängsten zusammen. Sie trägt aber nur dazu bei, diese zu verstärken oder vll vorübergehend zu verdrängen. Sinnvoller wäre es, diesen Unsicherheiten ins Auge zu sehen, ohne jedoch ihnen mehr Energie zu geben. Also sagen: "ja es ist so", und sich dann der Gegenwart wieder zuwenden. Das kann man üben, und je mehr man gut in der Gegenwart verankert ist, um so leichter fällt es, mit diesen Ängsten zu leben.

    Es ist nunmal die heutige Realität, dass es den Lebensweg "von der Lehrstelle im selben Betrieb/Beruf bis zur Rente" praktisch kaum noch geben wird. Und das hohe Maß an Flexibiltät und Anpassungsfähigkeit, das heute gefordert wird, ist sehr anstrengend, vor allem, wenn man nicht so sehr der abenteuerliche, sondern eher der bodenständige Typ ist, der nunmal ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis hat. Aber je mehr man selbst an Boden gewinnt, um so selbst-sicherer wird man. Vll ist das ein kleiner Trost für Dich.

    lg Gaby

  7. #7
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    Inzwischen ist es mir sogar gelungen mich mit sämtlichen Problemen und Ängsten abzufinden. Mir ist klar geworden das es keinen Sinn macht sich über Dinge Gedanken zu machen die man nicht beeinflussen kann.

    Leider ist ein neues Problem aufgetreten. Und zwar hat sich jetzt ein beständiges "Hintergrundrauschen" der Beklommenheit eingestellt. Während ich früher, wenn ich z.B. Angst vor Arbeitslosigkeit hatte das Problem ganz konkret bekämpfen konnte indem ich mir z.B. Statistiken angeschaut habe die in dem von mir angestrebten Beruf niedrige Arbeitslosenzahlen aufzeigten, habe ich nun immer dieses diffuse nicht definierbare Angstgefühl (komisches Gefühl im Herz, kennt evtl. wer das Symptom?) das ich einfach nicht wegkriege.

    Naja ich habe jetzt mal einen Termin mit einem Psychater ausgemacht, bin sicher der kann mir helfen bevor das ganze noch zu einer größeren Depression ausartet.

  8. #8
    Gast784
    Gast

    Standard

    Zitat Zitat von Spender Beitrag anzeigen
    . Während ich früher, wenn ich z.B. Angst vor Arbeitslosigkeit hatte das Problem ganz konkret bekämpfen konnte indem ich mir z.B. Statistiken angeschaut habe die in dem von mir angestrebten Beruf niedrige Arbeitslosenzahlen aufzeigten, habe ich nun immer dieses diffuse nicht definierbare Angstgefühl (komisches Gefühl im Herz, kennt evtl. wer das Symptom?) das ich einfach nicht wegkriege.

    .

    Das meine ich aber mit der Verdrängung des GEFÜHLS durch rationale Argumente. Das kann zwar eine Beschwichtigung sein, aber damit kriegt man solche difusen Zukunftsängste nicht weg.Dein Herz sagt Dir das jetzt, denn die Gefühle, die Du versuchst, durch Vernunft wegzumachen, drücken sich bei Dir jetzt körperlich aus. (ich würde das Gefühl im Herz als "Beklemmungen" beschreiben)

    Manchmal ist es auch einfach nur die Angst vor der Angst. Wenn Du z.B. sagst: "ja ich habe Angst vor Krisen wie Arbeitslosigkeit usw., aber trotzdem mache ich jetzt einfach das beste aus der Situation", dann wirst Du vll merken, dass es gar nicht so schlimm ist, diese Ängste zu haben. Sondern, dass es eher die Angst ist, diese Ängste überhaupt zuzulassen.

    Wenn Du Dein Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein stärkst, dann wirst Du keine Pillen gegen Depressionen brauchen. Wenn Du meinst, Dich an Profis wenden zu müssen, dann reicht vll auch eine Kurzzeitige Gesprächstherapie, um Dich besser zu sortieren und Deine Ängste mal wirklich auszudrücken.

    Aber ich kenne ja nicht Deine Biografie und Deine Persönlichkeit und nehme nur Bezug auf diese Lebenssituation. Du weisst natürlich am besten, was Du brauchst.

    lg Gaby

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