Hallo alle miteinander!
Ich lese schon seit einer Weile hier mit und habe mich heute Morgen entschieden, mir auch mal etwas von der Seele zu schreiben. Ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, sonst wird das bestimmt ein halber Roman, aber es würde mich wirklich interessieren, ob jemand meine Gedanken nachvollziehen kann – mittlerweile überlege ich auch ernsthaft, ob ich mir professionelle Hilfe holen soll.
Jedenfalls habe ich letztes Jahr Abitur gemacht, konnte aber noch nicht sofort mit dem Studium anfangen, weil mehrere Operationen gemacht werden mussten, von denen ich mich recht lange erholen musste. Also musste ich mir dieses eine Jahr zwangsläufig freinehmen. Ich habe gehofft, mir dadurch über meinen Berufswunsch klar zu werden, aber wirklich Erfolg hatte ich damit nicht. Ich habe zwar ein Praktikum gemacht, aber das war für mich eine Qual, weil ich viel aus eigener Tasche bezahlen musste und mit den Leuten nicht wirklich klar kam.
Seit Februar stecke ich nun in einem Tief fest, aus dem ich einfach nicht herauskomme.
Ich habe vor allem Angst.
Ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll, deswegen schreibe ich mal drauf los, hoffentlich wird es nicht zu zusammenhangslos.
Ständig frage ich mich, ob ich gut genug bin, ob mich die Leute mögen, wenn ich mit dem Studium anfange, was ist, wenn ich die Leistungen nicht bringen kann, die ich von mir selbst erwarte, ob ich nett, schlau und hübsch genug bin usw.
Ich hab das Bedürfnis, alles so gut wie möglich zu machen – da kann es schon mal sein, dass ich mich zwei Stunden frisiere und schminke, Nagellack erneuere usw nur um noch mal einkaufen zu gehen. Ich hab Angst, abgelehnt zu werden, mich falsch zu entscheiden, später arbeitslos zu werden, weil ich in meinem Job nicht so gut bin wie die anderen…
Mir ist klar, dass ich mir nicht jedes Szenario ausmalen kann, dass es sowieso immer anders kommt als man denkt, aber deswegen verschwinden meine Befürchtungen ja nicht…
Mit meiner Mutter rede ich darüber, einfach um es ausgesprochen zu haben, aber das endet in Streit und Diskussionen…Sie findet dann sofort, dass sie an allem Schuld ist, weil ein Elternteil die Aufgabe hat, das Kind auf solche Situationen vorzubereiten und dass sie versagt hat. Deswegen erzähl ich ihr gar nicht mehr so viel, weil ich ihr damit nur ein schlechtes Gewissen mache, obwohl ich ihr daran nicht die Schuld gebe. Das ist doch mein Problem.
Gestern hat sie mich gefragt, woher das kommt, weil sie glaubt, dass der Ursprung bei meinem Vater liegt, der abgehauen ist als ich 2 Monate alt war. Auf ihn ist sie so verdammt sauer, im Gegensatz zu mir.
Er lehnt mich ab, weil er kein Kind wollte und nicht, weil er mich kennt…Letzteres fände ich tausendmal schlimmer.
Ich glaube, es liegt daran, dass ich es in der Grundschule recht schwer hatte. Ich war ein schüchternes Kind und hatte nur eine Freundin in der Klasse – ich wurde nicht gemobbt, aber gemocht hat man mich trotzdem nicht.
Meiner Mutter hab ich damals nie davon erzählt, weil sie in diesen Jahren sehr, sehr viel Stress mit ihrem damaligen Freund und dann auch noch ihre Arbeit verloren hatte. Sie hat so viel geweint und geschrien, wann hätte ich ihr da klarmachen sollen, dass es mir auch schlecht geht?
Gesagt habe ich es ihr nicht, dann hätte sie sich noch mehr Vorwürfe gemacht.
Am liebsten würde ich einfach mal raus hier, zwei Wochen an die Ostsee – dort gibt es einen Ort, der wie mein zweites Zuhause ist, um einen freien Kopf zu bekommen…aber dazu fehlt das Geld, denn meine Mutter ist seit zehn Jahren arbeitslos und die Reserven müssen in die Operationen gesteckt werden. Sie hat mir zwar angeboten, dass sie mir einen Urlaub spendieren würde, aber das kann ich nicht annehmen…ich kenn unsere finanzielle Situation ja und will nicht, dass wegen mir die letzten Reserven den Bach runtergehen, zumal noch zwei bis drei OP’s anstehen.
Ich hoffe, der Text ist nicht zu lang geworden (hab mich zusammengerissen und die Dinge nur angeschnitten)…könnt ihr meine Gedanken nachvollziehen? Glaubt ihr, es wäre sinnvoll, mich mal mit einem Fachmann darüber zu unterhalten? Diese ganzen Ängste sind schon immer da, seit ich denken kann, aber in der Schulzeit konnte ich sie gut unterdrücken, weil ich da gelernt habe bis zum Umfallen…und jetzt kommt das ganze Ausmaß bei mir durch und ich bin es leid, seit vier Monaten ständig ausgelaugt und unsicher zu sein, andauernd zu weinen und mich so seltsam zu fühlen.
LG!


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