psychologische Beratung von erfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, psychologe.de
Ergebnis 1 bis 3 von 3

Thema: Stinkfaul oder völlig gestört?

  1. #1
    Neuling
    Registriert seit
    05.04.2011
    Beiträge
    1
    Danke
    0
    Bedankte sich ein mal in einem Post.

    Standard Stinkfaul oder völlig gestört?

    Hallo zusammen, vielleicht hat jemand Zeit und Muse meine Ausführung zu lesen und mir Tipps oder Anregung zu geben.

    Ich musste von klein auf sehr viel Verantwortung tragen, da ich bei sehr alten, kranken Großeltern aufwuchs. Schon damals fühlte ich mich maßlos überfordert, schutzlos und voller Ängste. Meine Kindheit war voller Entbehrungen und ich wuchs in Armut auf, die nicht nur materiell vorhanden war, sondern auch emotionell.

    Habe auch sehr jung und unüberlegt geheiratet und Kinder bekommen, die ich mit Mühe und Not alleine durchbrachte. Immerhin ohne Zuhilfenahme von Staat und von meinem Ex-Mann, der sich nach kurzen Zeit als völliger Fehlgriff entpuppte.

    Mir fällt überhaupt sehr schwer Hilfe anzufordern, weil ich mit Abweisung (die ich erlebte) gar nicht umgehen kann. So mache ich das nur in äußersten Not, also fast nie.

    Meinen Kindern wollte ich alldas geben, was ich als Kind vermisste: Wärme, vertrauen, Liebe, Geborgenheit und sorgenfreies Leben. Das letztere war nicht ganz so erfolgreich, da ich in meinem Beruf sehr wenig verdiente, die Kinder sind jedoch wenigstens emotional stabil und tolle Menschen geworden.

    Seit aber Kinder aus dem Haus sind, ist bei mir auch die Luft raus.

    Nach einer sehr unglücklich verlaufenen Liebesgeschichte (mit Wissen von meinem jetzigen Partner) und einer über zwei Jahren andauernden Sterbebegleitung bin ich nur noch müde und lust- und antriebslos.

    Ich bin seit einiger Zeit selbstständig, was natürlich Disziplin, Fleiß und Engagement erfordert. Nichts davon habe ich. Damit folglich auch kein Erfolg. Mein jetziger Mann (der 2. in meinem Leben, mit dem ich in einer freundschaftlichen, jedoch relativ distanzierten Beziehung lebe) kommt für unser Lebensunterhalt auf, was ihm auch verständlicherweise nicht so gefällt. Meine persönliche Ausgaben habe ich auf das alle mindeste runter geschraubt, damit ich ihn nicht noch mehr belaste. Ich gehe noch nicht mal zum Arzt, kaufe mir keine Klamotten, keine Kosmetik, nichts, damit sich meine Kosten nahezu bei Null befinden.

    Mir fällt alles schwer: zu denken, meine Termine einzuhalten, Kunden zu werben und vor allem kontinuierlich zu arbeiten. Ich beschäftige mich dann mit anderen Dingen, die mit den Aufträgen nichts zu tun haben und leide permanent unter schlechtem Gewissen und bin zerknirscht und unglücklich über mich.

    Zuerst war das nur dann der Fall, wenn ich die Aufgaben zu erfüllen hatte, die meine Kenntnisse überschreiten und ich was Neues lernen und mich darin einarbeiten müsste.

    Aber mittlerweile ist es so, dass das auch in den Bereichen der Fall ist, die ich sehr wohl beherrsche.

    Und ich arbeite nur gut, schnell und effizient, wenn ich etwas kostenfrei (für Freunde) zu erledigen habe. Sobald Geld im Spiel ist, lahmt meiner ganze Kraft, ich schiebe alles vor mir her und muss immer neue Entschuldigungen erfinden, damit ich mein Gesicht wahren kann (vor den Anderen - denn vor mir habe ich es schon längst verloren).

    Meist gebe ich mir selbst Fristen und verkünde das dann auch bei Kunden, damit ich wenigstens aus Stolz einigermaßen die Termine einhalte. Dann arbeite ich zeitweise 16-18 Stunden am Tag, bis ich fertig bin (nicht nur mit der Arbeit, sondern auch mit den Nerven und am Ende meiner Kräfte).

    Dann folgt die nächste Hürde: eine Rechnung zu schreiben. Der reinste Qual! Manchmal vergehen Wochen, bis ich die Rechnung geschrieben habe, obwohl ich das Geld ganz dringend brauche. Ich schäme mich so viel Geld zu verlangen und denke, dass meine Arbeit nicht gut genug ist - obwohl ich in allgemeinen gute Ergebnisse abliefere und weit mehr arbeite als erforderlich.

    Vieles stelle ich gar nicht in Rechnung. Das Geld, was ich erhalte ist sehr schnell weg: um Schulden zu bezahlen, die sich dazwischen anhäufen und meinen Kindern was zu geben, da ich kein regulären Unterhalt bezahlen kann (die sind zwar erwachsen, befinden sich aber noch in Ausbildung, so schmerzt es mich umso mehr, dass ich ihnen keine Stütze mehr sein kann).

    Jetzt scheint mir, dass das ganze einen Gipfel erreicht hat. Ich sitze hier schon seit Tagen vorm Computer, sollte arbeiten, aber ich fange einfach nicht an. Ich bin so müde, dass ich buchstäblich im sitzen einschlafe! Dann bekomme ich regelmäßig Angstattacken, das fühlt sich an wie ein echter Stromschlag, mein Herz rast, ich fühle Panik in mir aufsteigen, weil ich schon wieder STUNDEN vertrödelt habe, kein Geld da ist und ich nichts dafür tue um die Situation zu ändern. ich fühle mich wie gelähmt.

    Und anstatt mich - nach dem Schock - daran zu machen, meine Arbeit zu tun, halte ich mich eher in den Fachforen und beantworte fachbezogene Fragen, anonym und umsonst.


    Mittlerweile habe ich einen riesen Berg Arbeit vor mir und auch wenn ich non-stop arbeiten würde, ist es nicht mehr zu schaffen. Oft wünsche ich mir einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen.

    Eine reguläre Arbeit zu bekommen, das habe ich als Lösung in Betracht gezogen (um damit mein Problem zu lösen), ist nahezu ausgeschlossen. Alle Bemühungen verliefen schon seit Jahren erfolglos. Jüngeren und besser Ausgebildeten haben in meinem Metier den Vorzug.

    Mein Problem: ich BIN erwachsen, fühle mich aber immer noch als hilfloses Kind, der am liebsten auf den Arm möchte. Ich wünsche mir in tiefen meines Herzens, dass mir jemand hilft, sich um mich sorgt - von Herzen und mit Liebe.

    Ich wünsche mir ein sorgloses Leben, das ich nie kannte.

    Aber ich weiß, dass nur ICH selbst dafür verantwortlich bin. Es gibt keine Arme, die mich tragen können! Nur, WIE bringe ich mich dazu, mich zu sammeln und endlich in Bewegung zu kommen?

    Wenn ich mir das Ganze durchlese, kann ich es selbst nicht fassen, so irre hört sich das alles. Bin ich verrückt? Oder einfach nur faul, ignorant und fruchtbar? Jedenfalls fühle ich mich wie in einem Käfig und weiß nicht wie ich da raus komme.

    AyeAye

  2. Der folgende Benutzer bedankte sich bei AyeAye für den sinnvollen Beitrag:

    No.Name (18.08.2011)

  3. #2
    Schreiberling
    Registriert seit
    14.05.2010
    Beiträge
    533
    Danke
    45
    203 mal in 129 Beiträgen bedankt

    Standard

    hallo ayeaye,

    zuerst einmal, du bist weder gestört noch stinkfaul, du bist einfach nur völlig ausgebrannt. ich kenne das gefühl, vor jahren hatte ich diesen totalen zusammenbruch. schon der weg vom wohnzimmer ins bad oder in die küche war mir zu weit, er schien fast unmenschliche anstrengungen zu bedeuten. es hatte nichts mit dem körper zu tun, die seele war so erschöpft, dass anstrengung nicht mehr auf meinem plan zu stehen schien. die erste zeit habe ich nur rum gesessen und so wenig getan wie irgend möglich war.

    ständig hatte ich das denken im kopf, dass ich etwas tun müsste, einen job finden, dies, das, jenes tun, mich immer noch mehr anstrengen. die erschöpfte seele in mir hat sich dagegen gewehrt, weiterhin ständig etwas zu müssen, in dem sie mich einfach ausser funktion gesetzt hat. es war bei mir wie wohl bei dir, der hauptmotivationsgrund, der einen vorwärts getrieben hat, war plötzlich nicht mehr da. dein nicht arbeiten wollen ist meinem empfinden nach einfach die weigerung deiner seele, sich nicht weiter kaputt machen zu lassen, sondern endlich mal ruhe zu bekommen und das einzige, was dabei helfen kann, heisst ruhe ruhe und nochmals ruhe.

    irgendwann hatte ich wieder so viel kraft, dass ich mich drum kümmern konnte, wie ich in zukunft leben kann, ohne solche zusammenbrüche befürchten zu müssen. ich ging in ein krankenhaus, was mir aus heutiger sicht vor allem eine erkenntnis beschert hat, nämlich die, nicht zu wissen, wer ich bin. daran habe ich die letzten jahre gearbeitet, hab mich hinterfragt, muster erkannt, einstellungen, glaube usw in frage gestellt und gelernt, widerstände und deren zweck zu erkennen und zu hinterfragen. ich hab das ohne therapeuten getan, weil ich, wie ich inzwischen begriffen habe, ein generelles problem mit autoritätspersonen habe und generell keinem menschen vertraue, aber es ist mit sicherheit besser, einen therapeuten in anspruch zu nehmen.

    solltest du keine krankenversicherung haben, gibt es in den meisten städten auch stellen der kirche oder der stadt, zu denen man gehen und bei denen man teilweise sogar eine therapie machen kann, ohne etwas bezahlen zu müssen. wusste ich damals auch nicht, hab ich erst später herausgefunden.
    in karlsruhe ist das zum beispiel "die brücke", eine einrichtung der katholischen und evangelischen kirchen, die psychisch kaputte menschen betreuen, die kurzfristig einen anlaufpunkt brauchen.

    in jeder stadt oder wahrscheinlich sogar jedem viertel gibt es auch sozialarbeiter, die dafür da sind, leuten zu helfen, die sich gerade nicht selbst helfen können. schliesslich kannst du nicht ewig von deinem partner leben, selbst wenn du länger brauchst, um dich zu erholen. diese leute wissen normalerweise, wie man dir am besten helfen kann.

    der wichtigste tipp, den ich dir geben kann, ist, hol dir hilfe bei fachleuten, die dafür da sind. such dir einen therapeuten, eine sozialarbeiterin und sorg dafür, dass du dich in ruhe erholen kannst. das ist wahrscheinlich das beste, was du für dich tun kannst.

    lg

  4. Der folgende Benutzer bedankte sich bei chrissi21366 für den sinnvollen Beitrag:

    No.Name (18.08.2011)

  5. #3
    Neuling
    Registriert seit
    27.07.2011
    Beiträge
    6
    Danke
    0
    Bedankte sich ein mal in einem Post.

    Standard Mir geht es ähnlich...

    Hallo AyeAye,

    ich habe dieses Forum heute Abend entdeckt, als ich bei einer Suchmaschine die Frage eingab "wie besiege ich meine Faulheit"... So landete ich bei diesem Eintrag. Mir geht es ähnlich. Ich hatte zwar keine besonders schwere Kindheit und mein Leben verlief eigentlich eher ruhig - dennoch gab es einige Ereignisse in den letzten Jahren, die mich auch irgendwie "blockiert" haben.

    Vor rund 10 Jahren zog ich aus meiner Heimatstadt (einer Großstadt) der Liebe wegen, aber auch aus anderen familiären Gründen in eine Kleinstadt. Ich hoffte auch hier bald einen netten Freundeskreis aufbauen zu können, wie ich es bis dahin gewohnt war, doch es blieb bei wenigen Kontakten, die auch nicht sehr aktiv sind. Auch ich bin selbständig, auch ich bin völlig antriebslos. Jeden Abend nehme ich mir vor, am nächsten Tag alles anders zu machen. "Wie jeder normale Mensch" die täglichen Aufgaben zu verrichten und auch ein wenig Sport zu treiben - zumindest etwas spazieren zu gehen -, um ein wenig agiler zu werden... Und täglich überkommt mich das gleiche Dilemma... Nachdem ich meinen Sohn in die Schule gefahren habe, lege ich mich wieder ins Bett... Stelle den Wecker auf mittags... Erledige - wenn überhaupt - schnell Dinge wie "rasch durchfegen", die Spülmaschine einräumen oder noch kurz etwas einkaufen gehen, damit Sohn und Mann nicht denken, ich "hänge nur herum"... - und hole dann meinen Sohn von der Schule wieder ab. Danach schleppe ich mich durch den Tag... Wenn mein Sohn unterwegs ist, lege ich mich wieder ins Bett und verschlafe den Tag. Ich bin komplett motivationslos... könnte nur schlafen, schlafen, schlafen.. .Bin zu nichts mehr zu begeistern. Nur wenn ich wirklich einen Auftrag bekomme, kann ich mich aufrappeln und mache meine Arbeit dann auch gern. Regelmäßige Erledigungen wie Rechnungen schreiben, Umsatzsteuererklärungen etc. sind auch für mich beinahe eine unüberwindbare Hürde... Ich müsste akquirieren, da auch ich derzeit überwiegend von den Einnahmen meines Mannes lebe, doch ich packe das nicht. Auch ich habe meine Ausgaben auf ein Minimum herunter geschraubt. Private Krankenkasse, Telefonrechnung und ein paar kleinere monatliche Belastungen. Auch wenn ich es hasse, mich finanziell so abhängig zu fühlen - mir von morgens bis abends selbst in den Hintern treten könnte... ich habe keine Kraft, gegen den inneren Schweinehund anzukämpfen. Ich bin fast 50 und eigentlich ein positiv denkender Mensch. Mein Mann ist sehr liebevoll - mein Sohn fantastisch. Zu meiner Ursprungsfamilie habe ich keinen Kontakt mehr, seit mein Vater vor einigen Jahren starb. Meine Schwiegereltern "akzeptieren mich irgendwo", hätten sich aber lieber eine Einheimische für ihren Sohn gewünscht. Ich ernähre mich überwiegend sehr bewusst - vegetarisch -, rauche nicht, trinke überhaupt keinen Alkohol, nehme keinerlei Tabletten.. Allerdings habe ich mir hier in den 10 Jahren gute 20 kg Übergewicht angefuttert, die auch nicht gerade dazu beitragen, aktiver zu sein. Ich hätte es auch mal mit einer Therapie versucht, habe aber bei der priv. Krankenkasse einen hohen Eigenanteil, den ich nicht so einfach aufbringen kann. Ich fühle mich auch nicht depressiv, lese viel, lebe aber nun seit 10 Jahren weitestgehend isoliert und nur für meine Familie, wogegen ich bis wir hierher zogen, ein sehr lebenshungriger Mensch war, gereist bin und in der Großstadt irgendwie immer interessante Menschen traf.

    Mich würde interessieren, ob Sie den Schritt gegangen sind.. sich Hilfe geholt haben. Wie geht es Ihnen heute? Haben Sie einen Weg aus Ihrer Misere finden können? Vielleicht haben Sie einen Rat für mich. Ich fühle mich derzeit wie ein "Hamster im Rad"... Meine Wohnung ist zwar sauber, aber chaotisch. Überall liegt etwas herum. Ich nehme mir täglich vor, etwas zu ändern... aber immer diese Müdigkeit... Lustlosigkeit...

    Ich hoffe, es geht Ihnen besser und sende ganz liebe Grüße...

Ähnliche Themen

  1. völlig fixiert
    Von shawty im Forum Liebe & Partnerschaft
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 16.02.2011, 13:13
  2. Bin ich gestört/verrückt?
    Von Bella05 im Forum Ängste
    Antworten: 21
    Letzter Beitrag: 04.02.2011, 12:59
  3. Bin ich gestört?
    Von Berlinerin im Forum Liebe & Partnerschaft
    Antworten: 16
    Letzter Beitrag: 03.01.2011, 09:07
  4. Völlig verzweifelt
    Von Suny86 im Forum Liebe & Partnerschaft
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 23.12.2009, 14:18
  5. Neue Liebe aber das Glück wird gestört
    Von dmxforflesh im Forum Liebe & Partnerschaft
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 12.11.2007, 07:32

Stichworte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  
Psychologen beraten am Telefon und im Chat. Jetzt testen!