Hallo zusammen, vielleicht hat jemand Zeit und Muse meine Ausführung zu lesen und mir Tipps oder Anregung zu geben.
Ich musste von klein auf sehr viel Verantwortung tragen, da ich bei sehr alten, kranken Großeltern aufwuchs. Schon damals fühlte ich mich maßlos überfordert, schutzlos und voller Ängste. Meine Kindheit war voller Entbehrungen und ich wuchs in Armut auf, die nicht nur materiell vorhanden war, sondern auch emotionell.
Habe auch sehr jung und unüberlegt geheiratet und Kinder bekommen, die ich mit Mühe und Not alleine durchbrachte. Immerhin ohne Zuhilfenahme von Staat und von meinem Ex-Mann, der sich nach kurzen Zeit als völliger Fehlgriff entpuppte.
Mir fällt überhaupt sehr schwer Hilfe anzufordern, weil ich mit Abweisung (die ich erlebte) gar nicht umgehen kann. So mache ich das nur in äußersten Not, also fast nie.
Meinen Kindern wollte ich alldas geben, was ich als Kind vermisste: Wärme, vertrauen, Liebe, Geborgenheit und sorgenfreies Leben. Das letztere war nicht ganz so erfolgreich, da ich in meinem Beruf sehr wenig verdiente, die Kinder sind jedoch wenigstens emotional stabil und tolle Menschen geworden.
Seit aber Kinder aus dem Haus sind, ist bei mir auch die Luft raus.
Nach einer sehr unglücklich verlaufenen Liebesgeschichte (mit Wissen von meinem jetzigen Partner) und einer über zwei Jahren andauernden Sterbebegleitung bin ich nur noch müde und lust- und antriebslos.
Ich bin seit einiger Zeit selbstständig, was natürlich Disziplin, Fleiß und Engagement erfordert. Nichts davon habe ich. Damit folglich auch kein Erfolg. Mein jetziger Mann (der 2. in meinem Leben, mit dem ich in einer freundschaftlichen, jedoch relativ distanzierten Beziehung lebe) kommt für unser Lebensunterhalt auf, was ihm auch verständlicherweise nicht so gefällt. Meine persönliche Ausgaben habe ich auf das alle mindeste runter geschraubt, damit ich ihn nicht noch mehr belaste. Ich gehe noch nicht mal zum Arzt, kaufe mir keine Klamotten, keine Kosmetik, nichts, damit sich meine Kosten nahezu bei Null befinden.
Mir fällt alles schwer: zu denken, meine Termine einzuhalten, Kunden zu werben und vor allem kontinuierlich zu arbeiten. Ich beschäftige mich dann mit anderen Dingen, die mit den Aufträgen nichts zu tun haben und leide permanent unter schlechtem Gewissen und bin zerknirscht und unglücklich über mich.
Zuerst war das nur dann der Fall, wenn ich die Aufgaben zu erfüllen hatte, die meine Kenntnisse überschreiten und ich was Neues lernen und mich darin einarbeiten müsste.
Aber mittlerweile ist es so, dass das auch in den Bereichen der Fall ist, die ich sehr wohl beherrsche.
Und ich arbeite nur gut, schnell und effizient, wenn ich etwas kostenfrei (für Freunde) zu erledigen habe. Sobald Geld im Spiel ist, lahmt meiner ganze Kraft, ich schiebe alles vor mir her und muss immer neue Entschuldigungen erfinden, damit ich mein Gesicht wahren kann (vor den Anderen - denn vor mir habe ich es schon längst verloren).
Meist gebe ich mir selbst Fristen und verkünde das dann auch bei Kunden, damit ich wenigstens aus Stolz einigermaßen die Termine einhalte. Dann arbeite ich zeitweise 16-18 Stunden am Tag, bis ich fertig bin (nicht nur mit der Arbeit, sondern auch mit den Nerven und am Ende meiner Kräfte).
Dann folgt die nächste Hürde: eine Rechnung zu schreiben. Der reinste Qual! Manchmal vergehen Wochen, bis ich die Rechnung geschrieben habe, obwohl ich das Geld ganz dringend brauche. Ich schäme mich so viel Geld zu verlangen und denke, dass meine Arbeit nicht gut genug ist - obwohl ich in allgemeinen gute Ergebnisse abliefere und weit mehr arbeite als erforderlich.
Vieles stelle ich gar nicht in Rechnung. Das Geld, was ich erhalte ist sehr schnell weg: um Schulden zu bezahlen, die sich dazwischen anhäufen und meinen Kindern was zu geben, da ich kein regulären Unterhalt bezahlen kann (die sind zwar erwachsen, befinden sich aber noch in Ausbildung, so schmerzt es mich umso mehr, dass ich ihnen keine Stütze mehr sein kann).
Jetzt scheint mir, dass das ganze einen Gipfel erreicht hat. Ich sitze hier schon seit Tagen vorm Computer, sollte arbeiten, aber ich fange einfach nicht an. Ich bin so müde, dass ich buchstäblich im sitzen einschlafe! Dann bekomme ich regelmäßig Angstattacken, das fühlt sich an wie ein echter Stromschlag, mein Herz rast, ich fühle Panik in mir aufsteigen, weil ich schon wieder STUNDEN vertrödelt habe, kein Geld da ist und ich nichts dafür tue um die Situation zu ändern. ich fühle mich wie gelähmt.
Und anstatt mich - nach dem Schock - daran zu machen, meine Arbeit zu tun, halte ich mich eher in den Fachforen und beantworte fachbezogene Fragen, anonym und umsonst.
Mittlerweile habe ich einen riesen Berg Arbeit vor mir und auch wenn ich non-stop arbeiten würde, ist es nicht mehr zu schaffen. Oft wünsche ich mir einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen.
Eine reguläre Arbeit zu bekommen, das habe ich als Lösung in Betracht gezogen (um damit mein Problem zu lösen), ist nahezu ausgeschlossen. Alle Bemühungen verliefen schon seit Jahren erfolglos. Jüngeren und besser Ausgebildeten haben in meinem Metier den Vorzug.
Mein Problem: ich BIN erwachsen, fühle mich aber immer noch als hilfloses Kind, der am liebsten auf den Arm möchte. Ich wünsche mir in tiefen meines Herzens, dass mir jemand hilft, sich um mich sorgt - von Herzen und mit Liebe.
Ich wünsche mir ein sorgloses Leben, das ich nie kannte.
Aber ich weiß, dass nur ICH selbst dafür verantwortlich bin. Es gibt keine Arme, die mich tragen können! Nur, WIE bringe ich mich dazu, mich zu sammeln und endlich in Bewegung zu kommen?
Wenn ich mir das Ganze durchlese, kann ich es selbst nicht fassen, so irre hört sich das alles. Bin ich verrückt? Oder einfach nur faul, ignorant und fruchtbar? Jedenfalls fühle ich mich wie in einem Käfig und weiß nicht wie ich da raus komme.
AyeAye


LinkBack URL
About LinkBacks
Zitieren

Lesezeichen