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Thema: Suizid bei Männern

  1. #1
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    Standard Suizid bei Männern

    Lieber tot als schwach - Männer und Suizid
    Von Walter Hollstein

    Die Fakten sind eindeutig: Rund Dreiviertel der Suizidtoten in Deutschland sind Männer. Seit 2006 schwanken die Zahlen zwischen 74,5 und 78%. In der Adoleszenz sind gar 86% der Suizidtoten männlich; Kinderärzte schätzen diese Zahlen noch höher.

    In den vergangenen vier Jahren ist die Suizidquote von Männern und männlichen Jugendlichen noch einmal signifikant angestiegen, während jene, die Frauen und Mädchen betrifft, kontinuierlich abnimmt. Das fügt sich ein in eine gesamthaft desaströse Gesundheitsbilanz von Männern. Die moderne Gesundheitsforschung bezeichnet Männer inzwischen als das kranke oder das eigentlich schwache Geschlecht.

    Eine öffentliche Problematisierung dieser Fakten ist bisher ausgeblieben. Es gehört wenig Fantasie dazu, sich vorzustellen, wie es im umgekehrten Falle wäre. Im Klartext: Wenn die männlichen Zahlen von Suizid-, Unfall- und Mordopfern auf Frauenseite zu Buche stünden, wäre der Aufschrei gewaltig.

    Nun stellt sich natürlich die Frage, warum dem so ist und warum die Nöte des männlichen Geschlechts so eklatant vernachlässigt werden. Dafür dürfte es im wesentlichen drei Gründe geben:

    1. Frauenbewegung und Feminismus verweisen seit rund 4o Jahren deutlich und entsprechend kämpferisch auf die Bedürfnisse der Frauen. Dementsprechend ist der öffentliche Blick heute frauenfokussiert.

    2. Frauenbewegung und Feminismus haben – nicht zuletzt mit dem Instrument der Frauenforschung – für eine florierende Beschäftigung mit Frauenleben, -geschichte und-anliegen gesorgt. Im deutschsprachigen Raum gibt es ca. 25o Lehrstühle für Frauen- und Geschlechterforsung, aber keinen einzigen für die Männerforschung. Wenn Sigmund Freud einst das gesellschaftliche Wissen über Frauen als „dark continent“ bezeichnet hat, so gilt das heute für die Männer.

    3. Während Frauen sich seit mindestens 4o Jahren intensiv für das eigene Geschlecht engagieren, tun Männer das nicht oder allenfalls nur vereinzelt.

    Die geschilderten Tatbestände sind mit der vorgegebenen Struktur der männlichen Rolle eng verknüpft. Die gesellschaftliche Erziehung verlangt von Jungen nach wie, dass sie sich auf Leistung, Sachkompetenz und Erfolg konzentrieren. Dabei müssen Innenwelten abgespalten werden, weil sie bei der Verfolgung der äußerlichen Lebensziele nur hinderlich wären. Der amerikanische Psychologe William Pollack notiert dazu: "Wo auch immer Jungen ihren Kummer oder ihre Angst nach aussen tragen, wird ihnen unmissverständlich bedeutet, dass sie sich beherrschen und ihre Angelegenheit selbständig lösen sollen".

    Eine Folge davon ist, dass Männer signifikant weniger zum Arzt gehen als Frauen, therapeutische Massnahmen scheuen, und es nach Möglichkeit überhaupt vermeiden, um Hilfe nachzusuchen. Insofern kann ein Signal, wie es Ralf Rangnick – der ehemalige Coach von Schalke o4 – mit dem Eingeständnis seines Burn-out gesetzt hat, gar nicht genug gewürdigt werden. Dementsprechend müsste sich gesellschaftlich der Slogan durchsetzen, den der "Deutsche Familienverband" schon seit einiger Zeit propagiert: "Richtige Männer stellen sich ihrem Problem".

  2. Die folgenden 5 Benutzer bedankten sich bei Sagon für den sinnvollen Beitrag:

    Mama Moni (06.02.2012),Mori (11.03.2012),shadowsoldierwarrior (26.03.2012),Thessa (07.02.2012)

  3. #2
    Ste
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    Ja, es ist bekannt, dass Männer häufiger Suizid begehen, aber auch dass sie früher sterben und stärker von sozialem Elend bedroht sind (Obdachlosigkeit).

    Ich habe auch jahrelang daran geglaubt das Mädchen und Frauen auf dieser Welt besonders bedroht und in Gefahr wären, Männer wurden mir als stark und mächig vermittelt. Hab 20 Jahre gebraucht um zu erkennen, dass das ein Schwindel ist.

    Heute bin ich viel sensibler geworden gegenüber den Problemen der Männer und ich habe aufgehört immer die Frauen als Opfer zu sehen. Eigentlich logisch, bin ja auch ein Mann, der genug gelitten hat.

    Grüße

    Ste

  4. #3
    Neuling Avatar von Regentänzer
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    Ich zähle mich selbst zu jener "Besser tot als Krüppel"-Gruppe. Weder spreche ich jemandem damit sein Recht auf Leben ab noch soll das Wört "Krüppel" irgend jemanden beleidigen oder niedermachen. Nicht falsch verstehen.

    Was ich damit sagen will: Wenn jemand - aus welchen Gründen auch immer - in die Situation kommt, freiwillig und gerne sein Leben beenden zu wollen, wenn ihm (ihr) dies gut und richtig scheint, ist das einzige Wort das seinen Zustand beschreibt, eben dieses: Ein Krüppel. Irrelevant ob geistig oder körperlich.

    Frauen scheinen dies leichter akzeptieren zu können, was wohl daran liegt dass beim männlichen Geschlecht der Faktor Stolz ungleich höher ist, was wiederum in dem seit Kindesalter vermitteltem männlichen Stereotyp unserer Art wurzelt - seinerseits ein Produkt der Evolution. Doch für hinterlistige Krankheiten wie diese hat uns die Evolution schon gar nicht ausgesgattet.

    Oder aber der Prozess ist gerade im Gange.

    Man wird sehen.

  5. #4
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    Zitat Zitat von Regentänzer Beitrag anzeigen
    Ich zähle mich selbst zu jener "Besser tot als Krüppel"-Gruppe. Weder spreche ich jemandem damit sein Recht auf Leben ab noch soll das Wört "Krüppel" irgend jemanden beleidigen oder niedermachen. Nicht falsch verstehen.

    Was ich damit sagen will: Wenn jemand - aus welchen Gründen auch immer - in die Situation kommt, freiwillig und gerne sein Leben beenden zu wollen, wenn ihm (ihr) dies gut und richtig scheint, ist das einzige Wort das seinen Zustand beschreibt, eben dieses: Ein Krüppel. Irrelevant ob geistig oder körperlich.

    Frauen scheinen dies leichter akzeptieren zu können, was wohl daran liegt dass beim männlichen Geschlecht der Faktor Stolz ungleich höher ist, was wiederum in dem seit Kindesalter vermitteltem männlichen Stereotyp unserer Art wurzelt - seinerseits ein Produkt der Evolution. Doch für hinterlistige Krankheiten wie diese hat uns die Evolution schon gar nicht ausgesgattet.

    Oder aber der Prozess ist gerade im Gange.

    Man wird sehen.
    Ein schwacher, kranker, nicht mächtiger, armer, statusloser Mann hat keinerlei gesellschaftlichen Wert.

    Wie auch eine alte häßliche, unweibliche, kinderlose Frau.

    Was mich die Gesellschaft und deren Meinung interessiert ?

    http://www.jiggle.de/vb/attachments/...eakingnews.jpg

    Mein Vater hat mir einen Satz für´s Leben eingeprägt:

    "Jung, du mußt viel öfter denken LMAA"

    Danke, lieber Papa !!!

  6. #5
    Neuling Avatar von Regentänzer
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    Die beste Einstellung, bleib so. Ich kann deinem Link leider nicht folgen, würde mich interessieren was sich dahinter verbirgt...

  7. #6
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    Zitat Zitat von Regentänzer Beitrag anzeigen
    Die beste Einstellung, bleib so. Ich kann deinem Link leider nicht folgen, würde mich interessieren was sich dahinter verbirgt...
    Der link geht nicht.........das war ein Bild von einem Sack Reis, der in China umgefallen ist

  8. #7
    Neuling Avatar von Regentänzer
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    Mein Gott, welch Tragödie. Wen juckts?

  9. #8
    Neuling Avatar von Regentänzer
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    Allerdings beginnt das Problem an dem Punkt, an dem du dir selbst den Krieg erklärst. "Die Gesellschaft" und "das System" können dich zwar hindern das zu tun was du tun willst (ich meine nicht plündern und morden), so zu sein wie du bist, doch in meinen Augen ist das nur das Randproblem.

    In Disharmonie mit sich selbst leben zu müssen ist weiß Gott anstrengend, macht das Leben um ein Dutzendfaches anstrengender, und wird selbst mittelfristig nicht funktionieren. Es gibt nur zwei Pfade: das Problem zu lösen oder zu sterben.
    Natürlich hat ein nicht funktionierender Mensch - sowohl Mann als auch Frau - keinen Platz in der Todesmaschinerie, in der Mühle des Systems. Doch was Menschen wirklich tötet ist der verlorene Stolz, die Demütigung, der ständige verzehrende Kampf gegen sich selbst.

    Und die Einsamkeit, die all dem folgt.

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