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Thema: Tag 6 ohne Affirmationen/Zwangsgedanken

  1. #1
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    Standard Tag 6 ohne Affirmationen/Zwangsgedanken

    Liebes Tagebuch,

    6 Tage habe ich es nun ohne diese Affirmationen/Zwangsgedanken/Atemübungen ausgehalten, die mich 19 Jahre lang in den Bann gezogen haben. Ich habe mich meinen Gefühlen gewidmet, wie ich es so vorher noch nie so intensiv gemacht habe. Die unendlich vielen Zigaretten, die hektoliter an Kaffee und die unendlich vielen Flaschen an Wein, die ich getrunken habe, beschäftigen mich überhaupt nicht mehr.
    Aber dieses Festhalten an Gedanken, diese Monotonie, diese Schwere verfolgt mich. Mir kreisen Eindrücke, Bilder, Gefühle, Mitmenschen aus meinem ganzen Leben durch den Kopf. Ich fühle mich von diesen meinen Mitmenschen genötigt, verfolgt an diesen Gedanken festzuhalten. Ich bin wütend auf diese Menschen. Ich merke, dass ich projeziere, ich war derjenige der sich seine Gefühle, seine Assoziationen, seine Worte nicht gegönnt hat.
    Es kommen Bilder aus meinem Abitur, aus meiner Bundeswehrzeit, meinen Beziehungen, meinem Studium, meinem Arbeitsleben. Diese Bilder, diese Eindrücke sind schwer.
    Meine Eltern und meine letzte Partnerin hatten nie Zeit, Muße, Platz für meine Gefühle. Sie hatten Erwartungen, sehr hohe Erwartungen an mich. Ich sollte für sie da sein. Ich habe es mitgemacht. Mir kommen diese Affirmationen wie Kniefälle vor diesen Erwartungen vor. Menschen, die mich beleidigt, abgewertet haben, kommen mir wie Wächter dieser Gedanken vor. Ich fühle mich von ihnen allen verfolgt. Ich habe Angst. Diese Affirmationen waren wie ein Schutzmantel, ich fühle mich hilflos. Was wird aus mir? Ich habe ein Recht auf meine Gefühle, auf meine Assoziationen, auf meine Gedankensprünge. Mir kommen diese Affirmationen vor wie ein Gefängnis. Mir gehen alle Menschen auf den Keks. Kommt mir alle bloß nicht zu nah. Ich will allein sein, nur für mich. Ihr habt mich alle angelogen, mit Euren Erwartungen. Ich merke wie ich wieder projeziere.
    Bilder meiner letzten Beziehung. Diese Bilder kommen mir weit entfernt vor. Sie war eine Wächterin dieser Affirmationen. Sie wollte, dass ich mich daran festhalte. Ich merke wieder wie ich projeziere. Meine Gefühle ihr gegenüber vermischen sich. Die Schwere des Festhaltens an Gedanken und ihre hohen Erwartungen werden eins. Ich will sie nie wieder sehen. Sie hat mich so tief verletzt. Sie hatte sich das Gefühlsmonopol herausgenommen. Für meine Gefühle und Gedankensprünge war nie platz
    Meine Glieder schmerzen nicht mehr und die Schwindelgefühle haben nachgelassen. Ich habe immer noch den Eindruck den Überblick verloren zu haben. Es schwimmt alles irgendwie.
    Wieder Bilder aus meinem Studium. Die Vorlesungen, bei denen ich nur mit einem Ohr zugehört habe. Es fühlte sich alles so schwer an. Es macht mir Kopfschmerzen.
    Ich will endlich leben, fühlen, über Horizonte hinausdenken. Ich fühle mich momentan mit meiner Arbeit überfordert. Ich will im Augenblick leben.
    Meine Finger und Gelenke fühlen sich immer noch einwenig taub an. Ich muss an meine Eltern denken, meine Eltern haben mich nie wirklich ernst genommen, nie wirklich etwas von mir mitbekommen. Sie haben mir erklärt, wie die Welt aussehen muss, nicht wie die Welt ist. Ich will das nicht mehr, ich will die Welt kennenlernen wie sie ist. Ich bin traurig, ich muss weinen.
    Ich möchte mich ernstnehmen, mich meine Gefühle ernstnehmen, den Augenblick genießen und in Worte fassen. Darf ich das überhaupt? Wer sollte es mir verbieten. Was passiert mit mir? Es ist alles so ungewohnt, so neu. Ich fühle mich von meiner letzten Partnerin verfolgt. Sie will mich daran hindern. Ich merke wie ich projeziere. Aber nein sie hat mich wirklich daran gehindert, mich ernstzunehmen, meinen Gefühlen und Bedürfnissen nachzukommen. Sie ist jetzt 500 km weit weg.
    Ich fühle mich kraftlos, total erschöpft.

    Ich habe den Eindruck sehr vielen Menschen Unrecht getan zu haben, ihnen nicht richtig zugehört zu haben. Sie falsch beschuldigt zu haben, projeziert zu haben. Ich möchte mich bei ihnen entschuldigen, ihnen sagen, dass es mir leid tut. Ich bin traurig, ich muss wieder weinen.

    Die Sonne scheint draußen vom Fenster herein. Mir kommt der Standartspruch meiner Exfreundin durch den Kopf, ich fühle mich einsam. Es trifft nicht auf mich zu, ich fühle mich eingeengt, unter Druck gesetzt, manipuliert und immer noch ein bisschen verfolgt. Das ist etwas anderes als Einsamkeit. Ich habe Hunger

    Was macht mein Gefühl, meine Assoziationen mit mir? Mir laufen Begriffe wie Selbstliebe durch den Kopf. Ich möchte keine körperliche Nähe mit jemanden anderes haben. Ich möchte mit mir selber kuscheln, mich selbst ganz feste drücken.

    Mir fehlt meine letzte Partnerin. Ihre Gefühlsausbrüche, ihr dominanter resuluter belehrender Ton, ihre Achtsamkeit für die Dinge des Augenblicks fehlen mir. Peter Schellenbaum hat mal geschrieben, man verliebt sich grundsätzlich in Menschen die etwas haben was einem zu einem abgerundeten ganzen fehlt
    Geändert von Augenblick (20.11.2009 um 15:14 Uhr)

  2. #2
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    Standard 7. Tag

    Ich fühle mich immer noch ziemlich schwach. Das taube Gefühl in meinen Unterarmen ist gestern schwächer geworden. Gestern spät abend war ich noch auf dem Kinderspielplatz und habe seit Jahren zum ersten mal wieder geschaukelt. Es war anstrengend.
    Ich hatte mich gestern abend teilweise wieder die Gefühle, die ich als kleiner Junge hatte. Ich fühlte mich wie ein Füllkörper für die Ängste und Sorgen meiner Eltern. Meine Eltern hatten sich immer sehr viele Sorgen gemacht, Sorgen die krankmachen. Ich liebte Filme mit Happy End. Solche Filme zeigten mir, dass man etwas innerhalb von 2 Stunden schaffen kann. Probleme werden alle gelöst. Diese Affirmationen habe mich vor den Sorgen meiner Eltern geschützt. Ich möchte diese Sorgen alle aus mir rauslassen. Ich möchte sie mir alle anschauen. Ich weiß, dass sie größtenteils unberechtigt waren. Es wird Kraft kosten, sich diese Sorgen anzuschauen. Sie sind alle in meinem Unterbewußten gespeichert. Ich habe gerade nicht die Kraft sie mir anzuschauen.
    Gestern abend habe ich zwei junge Paare beobachtet. Die Frau, das Mädchen des ersten Paares erzählte von ihren Zukunftsplänen zwecks gemeinsamen Studiums. Die Frau, das Mädchen, des zweiten Paares lästerte über ihre Freundinnen. Die Jungs wirkten von Körperhaltung, Mimik und Redeanteil verunsichert und überfordert, völlig hilflos. Wie hatten es diese Mädchen geschafft sie zu ihren Marionetten zu machen? Erpressung? Wenn nicht Du, dann habe ich noch Duzend andere Verehrerer, die Deinen Platz einnehmen? Hatten sie es von ihren Müttern gelernt oder waren sie durch Gespräche mit ihren besten Freundinnen besser geübt. Die Jungs taten mir leid. Ich wollte nicht in ihrer Rolle stecken.
    Ich fühle mich sehr empfindlich, ich habe den Eindruck, ich kriege wahnsinnig viel mit. Mein Körper fühlt sich empfindlich an. Ich habe den Eindruck, ich könnte eine Erbse unter 7 Matratzen spüren. Letzte Nacht habe ich geträumt. Ich habe von einer Verfolgung geträumt, in der die Rolle des Verfolgten und des Verfolgers wechselten. Mein Verfolgter stellte sich schließlich als eine Diaprojektion heraus, die jemand anderes künstlich hergestellt hat. Ich träumte von meiner ehemaligen Partnerin, die sich in meinem Elternhaus aufhielt. Ich beobachtete sie aus einem Abstand. Ich wollte kein Gespräch, keine Nähe mit ihr.
    Die Affirmationenen, die Zwangsgedanken, die Atemübungen hängen immer noch wie ein dunkler Schleier über allem was ich tue. Ein Meer von Monotonie, welches sich hinter jeder Tätigkeit auftut.
    Morgen sind die Tabletten gegen die Sinusitis leer. Ich hatte sie mir am Montag gekauft. Auf der Packungsbeilage stand nichts von tauben Gefühlen in den Gelenken. Als ich vor 19 Jahren mit den Atemübungen angefangen bin hatte ich zum ersten Mal arge Schwierigkeiten mit Schmerzen in den Nasennebenhöhlen.
    Ich werde mich in meiner Verhaltensstruktur ändern, wenn ich es durchhalte. Wie reagieren andere auf meine neue Verhaltensstruktur?
    Ich habe immer noch ein taubes Gefühl in meinen Gelenken, Konzentrationsstörungen, Antriebslosigkeit, leichte Kopfschmerzen und einen leichten Tinitus und leichte Schwindelgefühle. Es hat abgenommen. Ich müßte mich um so viele Dinge kümmern, aber ich habe immer noch nicht die Kraft dazu. Ich spüre ein Zwicken im Brustkorb, vermutlich die Lungenbläschen, die sich vom Teer lösen.
    Ich kann P. K. nicht ausstehen. Sein Avatar und seine Beiträge erinnern mich an die Zwangsgedanken, die ich seit 19 Jahren geführt habe. Ich habe das Bedürfnis, ihn fertig zu machen und zu brechen.
    Ich fühle mich von meinen Zwangsgedanken verfolgt. Vor 3 Stunden habe ich mich dabei erwischt, wie ich mir vorstellte wann und wo ich nächste Woche meine Atemübungen machen könnte. Ich war zum ersten Mal alleine einkaufen ohne immer und immer wieder den gleichen Gedanken zu wiederholen. Es waren Schwindelgefühle dabei. Es ist alles so neu. Langsam kommt eine Wut auf dieses Festhalten an den Gedanken. Diese Wut gibt mir Kraft.
    Der Gedanke an das Festhalten fühlt sich an wie ein Schwimmen auf Seifenlauge. Langsam habe ich den Eindruck auf etwas trockenem zu kommen und mich den unberechtigten Sorgen meiner Eltern zu stellen.
    In einigen Stunden habe ich es eine Woche ausgehalten. Wenn ich auf diese Woche zurückblicke habe ich sehr, sehr viel erlebt.
    23 Uhr durch. Ich habe eine Woche überstanden und spüre eine leichte Kraft, die in mir aufsteigt. Die Finger fühlen sich heute abend nicht mehr so taub an. Hat Jesus Christus durch sein Auftreten nicht auch Lahme zum gehen gebracht. Ich bin einwenig aufgedreht. Ich habe zum ersten Mal seit 19 Jahren ferngeschaut ohne an Gedanken festzuhalten. Es fühlt sich eigenartig an. Es ist eine Mischung aus den Gefühlen, die ich als Junge hatte und den Erfahrungen, die ich in den letzten 19 Jahren gesammelt habe.
    Es macht mir Angst wie blind ich einige Situationen in den letzten Jahren angegangen bin. Mit dem Kopf durch den Wand, hat mich ein Mitstudent mal ziemlich passend charakterisiert.
    Geändert von Nala (22.11.2009 um 12:21 Uhr) Grund: Namen durch Initiliaen ersetzt

  3. #3
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    Standard 8. Tag

    Das Schlafen letzte Nacht hat mir gut getan. Ich habe geträumt und weiß nicht mehr worüber. Ich war heute morgen Joggen und einige Situationen, Menschen bei denen, gegenüber denen ich an Gedanken festgehalten habe, kamen wieder hoch. Es wird weniger. Die Kopfschmerzen haben nachgelassen, der Tinitus ist fast weg. Das Taubheitsgefühl in den Gelenken hat nachgelassen. Gestern nacht war ich noch mal auf dem Kinderspielplatz. Es hat diesmal richtig Spaß gemacht. Die Dunkelheit war ein pflaumig, aber es war gut.
    Heute morgen bin ich mit dem leichten Gefühl verfolgt zu werden aufgewacht. Es scheint ein großes Thema zu sein. Da ich selbst auch gnadenlos verfolge, zumindest im Kopf: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich hatte mit dem Gedanken gespielt The work (Byron Katie) hier inbezug auf Patrick Kümmerer zu machen. Sein Avatar erinnert mich an 3 Männer, die mir tierisch auf die Nerven gegangen sind und fürchterliche Angst hatten. Sie hatten sich ähnlich wie Patrick hinter Befehlen und hohlen Phrasen versteckt. Der Unterschied zwischen Patrick und diesen 3 Männern ist, dass ich bei diesen Männern in einem Abhängigkeitsverhältnis stand und Patrick ziemlich schutzlos hiersteht. Er müsste als klassischer Prügelknabe herhalten.
    Warum fühle ich mich verfolgt? Als Kind hatte ich sehr oft diese Verfolgungsträume, wo ich nicht weglaufen konnte und irgendwelche Monster hinter mir herwaren. Wenn ich an meine Mutter denke fühle ich mich benutzt, als Prestigeobjekt benutzt. Ihre schrille Stimme ging mir auf die Nerven. Mein Vater hat eine Froschstimme, die einem auch irgendwie auf die Nerven geht.
    Ich fühle mich wieder, wie ich mich als kleiner Junge gefühlt habe. Sonntag vormittags. Ich habe Sonntagvormittage gehasst. Meine Mutter ergötzte sich damit die Herrin der Küche zu sein und mein Vater war zu hause. Ich kann meinen Vater nicht ausstehen. Es ist so ungeduldig, so zappelig und hat eine quitschige Stimme, ich habe ihn gerne als Quitschboy bezeichnet. Es liegt eine Ruhe im Haus eine trügerische Ruhe. Hoffentlich will mein Vater nicht mit mir rumalbern. Ich hasse es. Er demonstriert dann immer was er alles mit mir machen könnte, wie er mich brutal zusammenschlagen oder umbringen könnte. Er unterhält sich mit meiner Mutter und erzählt ihr seine lächerlichen Heldengeschichten aus dem Büro. Die beiden sprechen nicht wirklich nicht miteinander. Meine Mutter hört nur mit einem Ohr zu. Ich habe etwas schönes aus Lego gebaut, bin stolz darauf und wünsche mir die Aufmerksamkeit meines Vaters. Mein Vater vertröstet mich. Er wird nicht schauen. Er hat nie geschaut. Naja er ist mit meiner Mutter beschäftigt, da belästigt er mich wenigstens nicht mit seinen Geschichten aus der Arbeit, wie man sich auf der Arbeit aufführen muss. Er druckst immer so komisch herum. Er hat eine ganz komische Aussstrahlung. Ich fühle mich in seiner Gegenwart fürchterlich unwohl. Ich möchte nichts mit ihm zu tun haben. Es ist eine Art von Angst, fürchterliche Angst die von ihm ausgeht. Er versucht es vor mir zu verheimlichen, zu verstecken. Er wirkt arrogant. Ich hasse Sonntagvormittag, mein Vater soll wieder zur Arbeit. Ich mag es nicht, wenn er zu hause ist. ICH HASSE SEINE VERSTECKTE ANGST. Du Riesenarschloch, sei doch mal endlich natürlich und zeig Deine Angt und Unsicherheit. Es ist unerträglich mit Dir, ich spüre es doch so deutlich. Du wirkst unberechenbar, gefährlich mit dieser Angst. Ich habe Angst vor Dir und Deiner Angst. Ich bin doch noch so klein und kann mich nicht gegen Dich wehren. Ich fühle mich von Deiner Angst verfolgt. All dies macht mich traurig, ich muss weinen.

    DA MUSS MAN... wie oft habe ich diesen arroganten, oberflächlichen, realitätsverleugnende Einleitung dummer Befehle anhören müssen. Wieviele Sackgassen bin ich gelaufen, weil ich zu klein war mich gegen diese stumpfsinnigen Befehle zu wehren. Ich hasse diese Einleitung, sie ist grundsätzlich erstmal falsch und schwingt dennoch überall mit. Es waren die Drohungen, die Machtdemonstrationen meines Vaters die mich blind gehorchen ließen. Gehorsam ist gefährlich, vor allem wenn der Befehler Angst hat.

    Sapre aude, habe den Mut Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen, ist also der Wahlspruch der Aufklärung. Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn sie nicht am Mangel des Versandes, sondern am Mut und der Entschließung liegt sich seiner zu bedienen.

    Die Kultur von Sparta ist seit über 2000 Jahren tot!!!!

    Das taube Gefühl in den Gelenken löst sich auf. Meine Hände fühlen sich kalt an. Anstelle des Taubheitsgefühl kommt Wut. Es ist eine langsam wachsende Wut. Gedanken an die Vergangenheit, an Begegnungen erfüllen sich mit Wut. Ich ging spazieren und suchte in den Passanten Grenzüberschreitungen, Nötigungen, Müsse. Alle wichen meinem Blick aus. Mir ist schwindelig vor Wut. Ich habe den Überblick verloren. Es ist eine gute Wut, eine sanfte Wut. Dieses Wut läßt mich innehalten, mich umdrehen. Ich bin auf alles wütend. Ich bin auf die Tastatur meines Computers wütend wie auf Enten im Teich. Diese Wut durchflutet meinen Körper. Es ist angenehm. Ich will diese Wut zulassen. Bilder meiner ehemaligen Partnerin tauchen auf und verschwinden in dieser Wut. Wo führt dies hin?
    Das Harmoniegeschwalle meiner Mutter taucht auf und verschwindet langsam in dieser Wut. Ich habe den Eindruck ich bade mich in Drachenblut wie einst Siefried aus der Niebelungensaga. Drachenblut welches unverwundbar macht.

    Alles will mich irgendwie in die Knie zwängen. Alles erinnert mich an mein Festhalten an Gedanken. Der Fahrbahnstreifen auf der Straße, die Balkons an den Hochhäusern, der Vater der mit seiner Tochter spazieren geht. Alles scheint mich dazuzuzwingen wieder an den Gedanken festzuhalten und den Augenblick zu verleugnen. Ich will nicht! NEIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIN ich will nicht mehr in die Knie gehen vor niemandem und nichts.
    Diese festen Gedanken sie hatten immer das letzte Wort, sie waren der Schluss, die Konstanz und die Verbündeten derer, die meine Grenzen übertraten.
    Sie, diese festen Gedanken haben einen Zirkelschluss mit meiner letzten ehemaligen Partnerin gemacht. Wir kannten uns bereits 3 Jahre bevor wir zusammenkamen und insgesamt 4 Jahre zusammen waren. Sie ist mir fast pausenlos über die Grenzen getreten. Es schien ihr Lieblingsbeschäftigung zu sein Grenzen zu suchen, die sie dann übertreten konnte. In den Momenten in denen ich Zeit für mich hatte, war es das Festhalten an Gedanken, die mich in die Knie zwing. In den Momenten in denen ich mit ihr zusammen war, war sie es, die mich in die Knie zwang. Wir hatten sehr, sehr viel Zeit miteinander verbracht. Nach der Beziehung erinnerte mich das Festhalten an die Gedanken an sie und der Gedanke an sie erinnerte mich an das Festhalten an die Gedanken. Ich will endlich loslassen.
    Ich will wollen!! Kinder die was wollen, kriegen etwas auf die Bollen, hat mir meine Mutter, die arrogante Ziege oft gedroht. Eltern die drohen
    sind noch nicht ausgegoren

    Ich will wollen, ich will dürfen, ich will können, ich will mögen. Ich will ans Sterben denken. Sterben ist ein wichtiger Prozess, der Platz für neues. Wir haben Herbst, die Blätter fallen von den Bäumen sterben ab und machen platz für neues. Ich will das Hilfsverb muss in mir sterben lassen. Ich will die monotonen Gedanken in mir sterben lassen, ich will das Gefühl gegenüber meiner ehemaligen Partnerin sterben lassen. Ich will dies alles verhungern lassen, damit es abfällt wie die Blätter der Bäume. Dies alles soll platz machen für mein Gefühl, für meine Kreativität, für meine Lebensfreude, für Spaß und für wilde Gedankengänge.
    Eine Depression ist wie eine Dame in schwarz. Wenn sie anklopft, bitte sie zu Tisch und hör ihr zu was sie zu sagen hat. (John Bowlby)
    Meine erste große Liebe, meine erste sexuelle Fantasie, war meine Kunstlehrerin. Trotzdem hat sie es erst in der letzten Arbeit in der Abschlussklasse geschafft meine Faszination für Kunst zu wecken. (Wie war das noch, man verliebt sich in Menschen, die etwas haben was einem zu einem abgerundeten Ganzen fehlt) Jedenfalls hatte sie eine Arbeit mit dem Thema Geburt gestellt. Worauf ich emsig gebastelt und gemalt habe. Das Resultat war eine Plastik, die einen wunderschönen, lebendigen kleinen Planeten darstellte, um den herum die verbrauchten, hässlichen und toten Reste seiner Schale lagen, die er einst darstellte. Meine geliebte Lehrerin hat dies mit der besten Note honoriert, die sie vergeben konnte und diese Plasik auf einigen Ausstellungen gezeigt.
    Diese tausende von Menschen, die mir in den letzten 19 Jahren begegnet, sie verändern sich. Menschen, die ich bewundert habe, werden zu Witzfiguren, Menschen die ich kaum beachtet habe, wachsen in ihrer Bedeutung. Mir kommen Gespräche durch den Sinn, die ich in den letzten 19 Jahren geführt habe. Ich schäme mich für die Gesprächskultur und die Themen die ich angerissen habe.

    Meine Eltern und meine ehemalige Partnerin haben mir für nahezu alles, was schief lief die Verantwortung in die Schuhe geschoben. Sie haben mir die Schuld gegeben. Wer schuld ist, darf bestraft werden und schwuppdiwupp fühlte ich mich wieder verfolgt. Ich will nie wieder die schuld annehmen, wenn es nicht in meinem Ermessen lag. Ich will dafür kämpfen, dass die Schuld gerecht verteilt wird.
    Geändert von Augenblick (22.11.2009 um 19:09 Uhr)

  4. #4
    Neuling
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    Standard 9. Tag

    So 23 Uhr durch! Der 9. Tag hat angebrochen. Ich fühle mich gut. (Wie neu geboren Man sagt das Unterbewußtsein braucht 3 Wochen, 21 Tage bis es etwas neues gespeichert hat, das wären noch 12 Tage an denen es bergauf geht. Klingt gut
    Ich bin müde und wahnsinnig aufgedreht zu gleich. In der ARD lief der Film über den Bader Meinhof Komplex mit anschließender Diskussion bei Anne Will. Gefühlschaos, absolutes Gefühlschaos. Es wurden Bilder aus der Tagesschau eingespielt. Diese Bilder waren mir sehr vertraut. Bei der Ermordung von Martin Bubback war ich zwar erst 3,5 Jahre alt, aber es war mir sehr vertraut. Die Entführung von Hans Martin Schleyer und anschließende Ermordung ist mir völlig bewußt. Hierüber wurde auch diskutiert.
    Wir hatten im Geschichte Leistungskursus über die Bader Meinhof Gruppe (Bande) gesprochen, sie behandelt. Das war als ich schon mittendrin in meinen Atemübungen war, naja sie sich voll etabliert hatten.
    Die Informationen des Films und der Diskussion waren nicht neu. Die Themen Studium, Studentenproteste, Anwälte, Gerichtsverhandlungen, WG-leben, Grundausbildung durch den Schlamm robben habe ich alle selber erlebt unter der Betäubung meiner festen Gedanken
    Die Drohungen, die Morde, die Schuldzuweisungen waren mir gefühlsmäßig ebenfalls sehr vertraut. Einerseits hat mich dieser Film, diese Diskussion fürchterlich aufgedreht, andererseits auch ziemlich kalt gelassen. Es kommt alles irgendwie hoch, bruchstückchenhaft. Gestört haben mich die Verschwörungstheorien in der Diskussion. Das halte ich für einen absoluten Blödsinn. Die Mitglieder der RAF seien lediglich Marionetten irgendwelcher Geheimdienste.
    Mein Gefühlschaos: Die Verbindung von kindlicher Erfahrung in den Nachrichten und Thema im Geschichtsunterricht sowie als Film und Diskussion bei Anne Will geht mir ziemlich nah. Das sind 4 Bereiche, die sich auf einmal vereinen. Die Morde haben mich ziemlich kalt gelassen. Es kam mir nur konsequent vor. Wie oft habe ich mir von meinem Vater gewünscht, er würde mal wirklich zuschlagen, als immer nur zu drohen oder anzudeuten. Die konsequente Vermischung von Schuldzuweisung, Drohung und Mord von Moritz Bleibtreu in der Rolle des Andreas Meinhof hatte etwas befreiendes an sich. Ein Extremwert, welcher wirklich existierte. Ich hatte schon oft Todesängste, Existenzängste durchgestanden. Wie es aussieht, wenn wirklich mal jemand abdrückt hat wirklich etwas befreiendes. Wir müssen alle mal sterben, wir wissen nicht ob wir ermordet werden oder in Ruhe in einem Bett dahinscheiden. Dieses klare Bild von einem möglichen Ende aus 4 Bereichen meines Lebens ist gut. Ich bin mir sicher ich war vor 18 Jahren noch nicht so weit. Diese meine Kälte gegenüber einem Mord fördert innere Schuldzuweisungen durch meine Mutter, durch viele Frauen, viele Menschen, die ich kennengelernt habe. Sie könnten mich bestrafen, vielleicht töten, hinrichten Ein schöner Katzenschwanzbeißer nicht. Es macht das ganze Schuldzuweisungsgehabe lächerlich.
    Die einzelnen Schuldzuweisungen und -abweisungen in der Diskussion machten die Diskussionsmitglieder menschlich. Es war so offensichtlich, dass mit einer Schuldzuweisung, eine Annahme der Schuld auch ein Recht auf Bestrafung eingeklagt wurde. Jeder hatte sich vehement gegen die ständigen Schuldzuweisungen des Martin Bubback Sohnes gewehrt. Es macht wütend wie nah die psychologischen Zusammenhänge in diesem Film, die Schuldzuweisungen, die Drohungen und die Morde mit meinen Kindheitserfahrungen zusammenhängen und noch wütender macht mich wie vehement meine Mutter mir mein Gefühlsleben als falsch dargestellt hat. Ich hatte Todesängste in meiner Kindheit und damit haben sie mich gefügig gemacht.
    Meines Erachtens ging es in dem ganzen Film nur um die Frage, wer hat Schuld und wer darf bestraft werden. Ich will dieses Spiel nicht mehr mitspielen! Mir kommt mein 19 jähriges Festhalten an Gedanken wie ein verzweifelter Versuch vor, die Regeln dieses Spiel zu brechen. Beim Schuldzuweisungsautomatismus scheint mir die Frage nach einer Bestrafung, die Lust oder das Bedürfnis nach einer Strafe sinnvoll. Hat Jesus Christus nicht mal etwas ähnliches gefragt, wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein.
    Puh, da habe ich mir erst meine eigene Ermordung vorstellen müssen, um loszulassen. Mir scheint mein Festhalten an Gedanken auch so etwas wie Verleugnung des eigenen, meines Todes. Es hatte etwas mit dem Wunsch zu tun ewig auf diesem Planeten leben zu wollen. Viele Filme wie Star Wars oder Highlander behandeln dieses Thema. Es ist keine Todessehnsucht, die ich verspüre im Gegenteil ich will leben. Aber vielleicht will ich dem Tod in die Augen sehen.
    In der Diskussion bei Anne Will hätte ich wesentlich mehr Schuldzuweisungen erwartet. Eine neue Wahrnehmung!

    Ich wollte hier erst die Drohungen und Sorgen meiner Eltern und meiner letzten Exfreundin aufschreiben. Ich habe sie wieder gelöscht. Ich will diese Drohungen und Sorgen in mir sterben lassen, indem ich ihnen die Nahrung der Erinnerung verweigere. Ich will endlich leben mit all meinen Gliedmaßen und gesund!
    Geändert von Augenblick (23.11.2009 um 01:41 Uhr)

  5. #5
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    Standard 9. Tag Abends

    Liebes Tagebuch,

    schlecht geschlafen habe ich letzte Nacht. Der Satz wer Schuld hat, darf bestraft werden hat mich noch lange beschäftigt, ich habe mich gewälzt.
    Wer Schuld hat, darf bestraft werden, scheint auch ein Glaubenssatz meiner Eltern und meiner letzten Partnerin gewesen zu sein. Es würde ihre vehementen Schuldzuweisungen erklären. Mir sind sehr viele Situationen mit den 3 en durch den Kopf geschossen. Es war eine Art Verachtung die ich verspürte: Diese Feiglinge. Dieser Glaubenssatz hat mich ziemlich lange beschäftigt, ich hatte schon einwenig Angst rückfällig zu werden. Ich blieb standhaft.
    Heute hatte ich mein erstes Vorstellungsgespräch ohne feste Gedanken. Es fühlte sich eigenartig an. Die erste Zugfahrt ohne feste Gedanken. Ich habe den Eindruck innerlich zu sterben. Dazu kommt ein Gefühl von Verachtung, Scham und Wut gegenüber meinen Mitmenschen. Es ist alles sehr anstrengend. In das Abteil hat sich ein Paar gesetzt, welches sich lauthals unterhielt. Ich habe es nur eine halbe Stunde lang ausgehalten. Ich musste weg, ich konnte und wollte es mir nicht anhören. Mir ist eine Beziehung im Moment viel zu anstrengend, selbst eine von außen zu erleben. Mein Frauenbild wackelt.
    Nach dem Vorstellungsgespräch hatte ich mir einen Kakao gegönnt. Ganz kurz kam der Gedanke, die Sehnsucht nach einer Zigarette, nach Alkohol und Kaffee auf. Der Kakao hat mir gut getan. Den Weihnachtsmarkt habe ich besucht. Es war heftig einen Weihnachtsmarkt ohne festhalten an Gedanken zu besuchen. Es flammten Erinnerungen an die Weihnachtsmarktbesuche mit meiner letzten Partnerin auf. Ohne festhalten an Gedanken wirkt sie in der Erinnerung nur noch gewöhnlich bis nervig. Die Silhouetten einiger Frauen erinnerten mich an sie. Ich musste an ihr pausenloses Gejammer denken. Zugegebenermaßen haben mir einige Jammerbegriffe, die sie laufend benutzte gefehlt, bzw. es tut gut sie zu benutzen, um Gefühle auszudrücken. Ihr alleiniger Anspruch auf Jammern hatte mich zurückgeworfen. Es tut gut hier im Forum unkommentiert rumjammern zu können. Ich bin gerade völlig erschöpft und freue mich auf einen Abend auf meiner Couch mit Fernseher und sonst nichts. Keine anstrengenden Gespräche, kein Anschmiegen an irgendeinen weiblichen Körper, keine Vorwürfe, keine hysterischen Anfälle, keine unlösbaren Probleme, einfach nur ich.
    In der ARD lief der zweite Teil des Bader Meinhof Komplexes. Es war meine Kindheit. Susanne Albrecht, Hans-Martin Schleyer, Jürgen Pronto, die Entführung der Lufthansamaschine von Mallorca nach Frankfurt, die Videoaufnahmen von Hans-Martin Schleyer in seiner Gefangenschaft in Mogadischu und das klare NEIN zum zuhören der Politik unter Helmut Schmidt. Diese Bilder habe ich mir als Kleinkind und Kind anschauen dürfen. Ich kann mich genau an meine Frage erinnern: Warum hört man den Terroristen nicht zu
    Die Antworten der Erwachsenen war, weil man sich dadurch beugen würde und noch mehr Terrorismus damit fördern würde. Ist das so? Waren die politische Ziele der RAF es nicht wert angehört zu werden? Die Gruppe hatte eine Eigendynamik entwickelt.
    Ich kann mich erinnern das Gefühl ist klar da, politische Entführungen, Flugzeugentführungen, Hinrichtungen gehören zu der Welt in die ich geboren wurde. Es ist normal, dass Flugzeuge entführt werden.
    Parallel dazu gab es den Iran und Irak Krieg, immer wieder Vergeltungsschläge der Israelis gegen die Terroraktionen der Palästinenser. Als Kind habe ich mich gefragt, ob sich nicht vielleicht die Palästinenser Vergeltungsschläge erlauben. WER SCHULD HAT, DARF BESTRAFT WERDEN Dazu kam das Wettrüsten. In der Tagesschau und in den heute nachrichten wurde gezeigt, wieviel SS 20 auf das Gebiet der BRD gerichtet waren. Und da das ganze ungefiltert beziehungsweise mit der Aufforderung, psssst, Ruhe meines Vaters auf mich zu kam, brauche ich mich wohl gar nicht zu wundern, wenn ich manchmal verfolgt fühle.
    Ich habe noch nicht genügend platz, um mich um mein Inneres altes Kind nach Erika Chopich richtig zu kümmern.
    Geändert von Augenblick (23.11.2009 um 21:46 Uhr)

  6. #6
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    Standard 10. Tag

    Der zehnte Tag hat angebrochen. Heute nacht ist Halbzeit, dann übernimmt das Unterbewußtsein. Die Tabletten gegen die Sinusitis sind vorgestern leer geworden. Das Taubheitsgefühl in den Gelenken ist immer noch einwenig vorhanden. Der Schleier mit dem Festhalten an den Gedanken, die Atemübungen ist dünner geworden. Ich glaube bald habe ich genug Kraft und platz um die Inneres Kind/Innerer Erwachsener Übungen nach Erika Chopich zu machen.
    Meine Mutter hatte gestern abend noch angerufen und vorgestern und am Samstag. Sie hat es vorgestern und am Samstag bis zum Anschlag, zum tütütütüt durchklingeln lassen. 10 Mal. Die Ziege ist so aufdringlich. Gestern abend bin ich drangegangen und habe meine Erschöpfung in meiner Stimmlage Ausdruck verliehen. Sie wollte hören, was meine Sinusitis macht. Ich habe ihr davon erzählt. Es geht mir auf die Nerven. Beim nächsten Anruf werde ich ihr sagen, dass sie mich bitteschön in Ruhe lassen soll und gefälligst mal warten soll bis ich anrufe, und das auch ruhig mal ein halbes Jahr sein kann. Ich fühle mich von ihr verfolgt, sie ist so taktlos.
    Heute nacht hatte ich wieder geträumt, meine ehemalige Partnerin tauchte wieder auf. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern. Mir graust es vorm Einschlafen, vorm kleinen Sterben. Ich träume in letzter Zeit so viel.
    Heute morgen hatte ich Schwierigkeiten mit dem Aufstehen, ich fühlte mich verfolgt, eingeengt, eingesperrt, mir kamen Menschen aus der Zeit vor den festen Gedanken in den Sinn, die auf mich so wirkten. Ich drehte mich noch mal um und träumte von einer Frau, es könnte eine der Terroristinnen von gestern gewesen sein, die mich zwang die Rollläden hochzuziehen. Ich drohte mit Anzeige wegen Nötigung. Es waren noch andere dabei, die mich belächelten.
    Es tut gut hier zu schreiben ohne kommentiert zu werden, obwohl die ganze Welt dazu die Möglichkeit hätte. Lediglich die Bitte des Moderators ist als Grenze da. Klasse, dankeschön.
    Junge, junge, schon 89 Besucher und kein einziges Warum machst Du oder das verletzt mich oder so etwas sagt man nicht In mir machen sich verbotene Worte breit. Klare Beschreibungen meiner Mutter, die sich Kritik immer mit so etwas sagt man nicht, überleg mal was Du da sagst und so spricht man nicht mit seinen Eltern, entzogen hat. Sie ist eine Schlange und ihre Giftzähne ist ihre Stimme mit der sie mich lähmt. Ich kann sie nicht ausstehen, sie ist herrisch und selbstgefällig. Sie sperrt mich immer wieder ein. Es ist ein Gefängnis, ein Käfig ähnlich wie das in welches Hannibal Lektor gesperrt wurde als er in Schweigen der Lämmer in ein anderes Gefängnis transportiert werden sollte. Dieser mein Käfig ist aus Metall mit einem Bewegungsspielraum der gleich 0 ist. Teilweise schneidet das Metall in mein Fleisch, es sind ausdauerende Schmerzen. Ich habe viele Bilder von Gittern vor mir, die mir im Laufe meines Lebens begegndet sind. Ich will da raus, ich will da endlich raus. Ich spüre eine Wut in mir. Es ist eine kleine und zarte Wut, kaum spürbar, fast zerbrechlich und es ist eine alte Wut, 35 Jahre ist sie alt. Niemand wollte sie hören. Meine Eltern, meine ehemalige Partnerin, meine Freunde, meine Zigaretten, mein Kaffee, mein Alkohol und meine festen Gedanken haben sie fast erstickt. Ich möchte mich um diese Wut kümmern.
    Die Arbeit ging mir heute wesentlich leichter von der Hand. Es kamen 1000 Eindrücke der Zeit, wo ich an Gedanken festgehalten habe. Meetings bei denen ich nicht mit beiden Ohren zugehört habe. Ich schäme mich dafür. 1000 Eindrücke bei denen ich in festen Gedanken versunken wie Hein Blöd neben meiner ehemaligen Lebensgefährtin hergelaufen bin. Ich schäme mich dafür! Ich bin heute abend irgendwie erschöpft, es ist eine angenehme Erschöpfung. Das Festhalten an Gedanken ist weiter weg gerutscht.
    Ein Weihnachtsmarktbesuch mit Freunden, ohne Alkohol und mit zwei offenen Ohren. Ich kriege alles mit. Anschließend an einer Theke ein O-Saft und 2 offene Ohren und 2 offene Augen. Ich kriege die Unsicherheiten, die Verlegenheiten, die Schönfärberei, die Sehnsucht nach Aufmerksamkeit und Anerkennung der anderen mit. Es scheint alles wie in einem Fluß zu sein. Das ist neu. Wer sind diese Leute, wer bin ich. Ich habe noch ein bisschen Kraft. Das ist neu.
    Geändert von Augenblick (24.11.2009 um 21:51 Uhr)

  7. #7
    Neuling
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    Standard 11. Tag

    Liebes Tagebuch,

    der elfte Tag ist überstanden, Halbzeit bis das Unterbewußtsein übernimmt, der Autopilot. Es war ein harter Tag. Der erste Tag mit Überstunden und 2 offenen Ohren und zwei offenen Augen. Ich hatte heute kurz den Eindruck ich würde zusammenbrechen, innerlich zusammenbrechen. Ich war in meinem Lieblingsrestaurant essen. Heute gab es Apfelschorle und Bruschettas. Kein Wein, kein Bier, keine Zigarette danach und fließende Gedanken. Es war neu, es war so etwas neu. Es ist eine Art Leere, die ich immer noch spüre. Es ist eine angenehme Leere, eine Leere die Platz macht.
    Es ist noch nicht genug Platz da, um den Verstand dran zulassen und ihn auf scharf zu stellen. Ich liebe meinen Verstand. Bis ich vor 19 Jahren mit diesem Festhalten von Gedanken angefangen bin, war ich jahrelang Klassenbester, na ja bis auf Kunst
    Während der Arbeit kam mir der Gedanke, das Gefühl hoch: Das muss schneller gehen Eine Art Sklaventreiber stand hinter mir und rief es laut und deutlich. Es hängt garantiert mit meinem Verfolgungsgefühl zusammen. Ich habe noch nicht genug Platz, mir dies genauer anzuschauen.
    Im Internet habe ich mir zum ersten Mal mit meinen neuen fließenden Gedanken und Gefühlen nackte Frauen angeschaut. Es wurde nach einer Viertelstunde langweilig bis nervig. Mein Frauenbild scheint kurz vor dem Kippen zu sein.
    Insgesamt geht es mir heute abend ziemlich gut. Ich bin einwenig erschöpft von der vielen Arbeit. Nein ich bin sehr erschöpft, aber es ist eine angenehme Erschöpfung, die mir einwenig platz läßt.
    Das taube Gefühl in den Gelenken ist ganz weg. Das Nichtloslassen können von meiner ehemaligen Freundin scheint tatsächlich mit diesen fixierten Gedanken zu tun zu haben. Ich hatte heute einige Male das Gefühl innerlich zu sterben und es kam wieder Scham. Jede Menge Scham für mein Verhalten durch die fixen Gedanken. Es ist vorbei, ich kann es nicht mehr ändern. Dazu kam Wut, meine ehemalige Partnerin hat es tatsächlich mal selbst zugegeben, dass sie einen Besitzanspruch auf mich gestellt hat. Sie war ganz schön eifersüchtig. Es ist vorbei! Es lebe der Augenblick! Ich fange an Menschen fundamental in Frage zu stellen. Was versteckt sich hinter ihren Aussagen, hinter ihrer tiefer gelegten Stimmen. Ich will nur noch für das Anerkennung geben, was ich wirklich mit meinem Gefühl und meinem Verstand vereinbaren kann. Die Schönfärberei nur weil jemand so sehr nach Anerkennung und Aufmerksam, hascht möchte ich einstellen. Gute Nacht
    Geändert von Augenblick (26.11.2009 um 14:31 Uhr)

  8. #8
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    Standard 12. Tag

    Liebes Tagebuch,

    heute nacht habe ich geschlafen, wie ein Stein. Und hatte bis eben nur wichtige nervige Telefonate. Ich bin fix und alle und stolz, alles ohne Zigarette, ohne Kaffee und mit fließenden Gedanken. Meine Exfreundin hatte nie unbekannte Menschen angerufen. Mir ist heute ein Spruch durch den Kopf gegangen, der mich sehr verletzt hat:Nie bist Du für mich da, wenn es mir mal schlecht geht Es ist eine Schuldzuweisung. Wer Schuld hat, darf bestraft werden. Es war eine falsche Schuldzuweisung. Es ist ein Vorwurf, der Beziehungsunfähigkeit und Egoismus unterstellt. Im Vordergrund meiner Wahrnehmung stand ihre Hilflosigkeit: Das arme Hascherl, was hat sie heute nur wieder durch machen müssen. Sie hatte doch auch so eine beschissene Kindheit und ihre Angstzustände, ihre nächtlichen Panikattacken habe ich ja auch mitbekommen. Wenn ich mich nicht sofort und umfassend um sie kümmere gehen vielleicht die Panikattacken wieder los und ich darf mir wieder 3 Nächte mit Dauertrösten, um die Ohren hauen. Das war schon einige Male so schlimm, dass ich Angst hatte sie könnte dabei drauf gehen. Es gibt doch auch einen Paragraphen der Unterlassenen Hilfeleistung, die Geschichte vom barmherzigen Samariter und Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst.
    STTTTTTTTTTTOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOPPPPPPPPPPPPPPP PPPPPPP!
    wie mich selbst. Wo bleibe ich bei der ganze Sache. Nie bist Du für mich da, wenn es mir mal schlecht geht. Es ist ein totaler Egoismusvorwurf, Aberkennung von Empathie und Vorwurf der absoluten Kaltherzigkeit. Durch das enge Zusammenleben, Beziehung, die spezielle Nähe bekommt der Vorwurf an Härte und Nachhaltigkeit. Das total vernachlässigte Opfer nimmt sich den Mut heraus sich zu beschweren. Es gehört Überwindung dazu sich als hilflos darzustellen. Somit stellte sie eine gewisse Form von Nähe her. Der Ausdruck für die Nähe lautet Mir geht es schlecht Der Ausdruck mal unterstreicht die beziehungsbereitschaft. Ihr geht es nicht immer schlecht, sie könnte sich also, wenn es ihr gut geht auch um einen Partner kümmern. Durch die Forderung da sein unterstrich sie seit Immanuel Kants kategorischen Imperativ als auch durch die goldene Regel im NT (Handle so, wie Du behandelt werden möchtest) die Bereitschaft selbst da zu sein, wenn es mir mal schlecht gehen würde.
    Die Nachhaltigkeit dieses Vorwurfes liegt in der allgemeinen Formulierung Nie O, Zero, Rien, Nichts, Leere. Es kommen Gedanken, daran wann ich Zeichen von ihr übersehen habe und nur in meinem Interesse gehandelt habe. Ich kann mich an keine einzige Situation erinnern oder vielleicht doch. Es kann doch nicht sein, dass sie mir eine so massive Grundsatzfrage gestellt hat und dabei nur ein Hüstechen gehabt hat. Ich versuche zwischen den Zeilen, zwischen den Worten des Satzes Nie bist Du für mich da, wenn es mir mal schlecht geht Es war ihr Wunsch, dass ich mich mehr um sie kümmern sollte. Dazwischen Schuldgefühle aus ihrer Sicht, da das Kümmern um sie ein Dauerzustand war STTTTOOOOOOPPPPPP
    Ihre Schuldgefühle sind richtig! Ich hatte kaum noch Kraft, ich hätte ein Königreich für ein paar Tage, ein paar Stunden nur für mich gegeben. Sie ist mir so etwas von auf den Senkel gegangen mit ihrem ewigen Gejammer und dann kriege ich noch eine Beleidigung ein Daueregoist und beziehungsunfähig zu sein, mit einem selbstgemachten falschen Kompliment ihrerseits.
    Wieso bin ich für die Beleidigung Daueregoist und beziehungsunfähig so empfänglich? Es ist vielleicht auch durch mein Festhalten an Gedanken, noch mehr gegeben haben zu können, um dann in den Genuss der allgemeinen Versprechung Da sein, wenn es schlecht geht zu kommen. Warum bin ich dieser Versprechung so verfallen? Sie hatte doch gar nicht die Werkzeuge, um diese Versprechung einzuhalten. Ich hätte die Beziehung schon wesentlich früher aufgeben müssen, wenn ich dieser Versprechung misstraut hätte. Warum bin ich dieser Versprechung so verfallen? Sie hatte Ansätze, viele Ansätze geliefert, dieser Versprechung zu entsprechen. (Im Zeugnisjargon sie hat sich bemüht=ungenügend) Von meinen Großeltern kenne ich es Versprechungen einzuhalten.
    Ihre Hilflosigkeit beschäftigt mich. Ich weiß nicht wie ich mit Hilflosigkeit anderer umgehen soll. Meine Hilfsbereitschaft geht über meine eigenen Kräfte hinaus. Wenn jemand hilflos wirkt, fühle ich mich genötigt zu helfen. Wenn ich nicht helfe werde ich verfolgt. Es ist eine Art Helfersyndrom. Bei diesem Helfersyndrom scheinen zwei Dinge wichtig zu sein. Als erstes möchte ich mir ab jetzt sofort anschauen, wie real und aktuell das Verfolgungsgefühl ist und zweitens ob ich die Hilfe überhaupt geben kann, die ich geben soll. Mit den Angstzuständen meiner ehemaligen Freundin war ich hoffnungslos überfordert. Ich hätte damals sämtliche Therapeuten und Kliniken in unserer Stadt abklappern müssen, damit sich jemand über sie kümmert. Es war 3 bis 4 Nummern zu groß für mich.
    Geändert von Augenblick (26.11.2009 um 17:13 Uhr)

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