Tanztherapie
Die Wurzeln der Tanztherapie entwickelten sich Anfang des 20. Jahrhunderts im Zeitgeist des Expressionismus. Tanztherapie geht auf die deutsche Ausdruckstanz- und rhythmische Gymnastikbewegung zurück. Natürlichkeit als neu entdeckte Verbindung von Atmung und Bewegung im eigenen Bewegungsfluss begründeten damals ein schöpferisches Lebensgefühl, das allerdings jäh im aufkeimenden Nationalsozialismus ausgelöscht wurde. So kommt es, dass sich die Tanztherapie erst einmal in anderen Ländern entwickelte. Rudolf von Laban, ein Begründer der Bewegungsanalyse, verließ Deutschland, aber auch Trudi Schoop, Ausdruckstänzerin, die in der Schweiz lebte, Elaine V. Siegel, damals in Berlin ansässig, Lilian Espenak, ihre Lehrerin, ursprünglich aus Norwegen, emigrierten in die USA bzw. nach England. Im angelsächsischen Sprachraum entwickelten v. Laban und Lisa Ullman Bewegungsanalyse und Bewegungsnotation.
Aus:
http://tanztherapie.de/
TanztherapeutInnen initiieren einen Heilungsprozess, in dem sie im Besonderen über Tanz und Bewegung intervenieren und strukturieren.
Sie beginnen bei den gesunden Persönlichkeitsanteilen und fördern damit die psychische Stabilität und die Ich-Stärke einer Person.
Im weiteren Therapieprozess werden gemeinsam durch neue Bewegungsmöglichkeiten alternative Handlungsmuster erarbeitet.
Diese Veränderungen auf der Bewegungsebene wirken auf die gesamte Persönlichkeit der Person und fördern somit das ganzheitliche Erleben des Selbst.
Die Verbalisierung des Bewegungsgeschehens und das reflektierende therapeutische Gespräch werden den KlientInnen und dem jeweiligen tanztherapeutischen Ansatz entsprechend unterschiedlich intensiv genutzt. Verbale Reflexion wird eingesetzt, um die Bewusstwerdung des Erlebten zu fördern und neue Bewegungserfahrungen in kognitive Prozesse zu integrieren.
Aus:
http://www.btd-tanztherapie.de/index.html
Aus „Tanztherapie“ von Petra Klein:
„Die Tanztherapie geht von den gesunden Lebensenergien des Menschen aus. Aufgrund dieser Annahme setzt sie bei den gesunden Anteilen an. Dies wirkt auf den Menschen stabilisierend, so dass er lernt, mit mehr Ich-Stärke seinen Schwierigkeiten auf eine neue schöpferische Weise zu begegnen, damit sie ihn nicht mehr unterdrücken, sondern er sich immer wieder als ihr Meister erleben kann. Sensibilisierung für die körperlichen Signale und Ausdrucksmittel führt zu größerem Selbstvertrauen und zu mehr Selbstsicherheit im Umgang mit sich selbst und der Umwelt.Mehr Infos:
http://www.jardin-mariposa.com/ausbildungtt.htm
So, liebe Leute, mit der Einleitung habe ich es mir leicht gemacht. Man könnte über Definition und Geschichte der Tanztherapie Seiten schreiben. Darum für alle, die das genauer interessiert, die entspr. Links. Es gibt natürlich noch viel mehr zu dem Thema.
Ich werde aber viel mehr gefragt: „Was macht man denn da genau?“ Aus dem Grund will ich mehr Zeit und Speicher verwenden, um zu versuchen, das anhand von praktischen Beispielen, meiner eigenen Motivation und meines eigenen Prozesses während meiner Ausbildung zur kreativen Tanz- und Ausdruckstherapeutin aufzuzeigen.
Viele reagieren sofort mit dem Satz: „ich kann nicht tanzen.“ Dazu sei gesagt, dass es in der Tanztherapie nicht um zu erlernende Choreografien geht. Man arbeitet eher mit Bildern. Die Bewegung selbst ist Improvisation. Man kann durch diese Bilder das Bewegungsrepotoir erweitern. Aber man entwickelt die Bewegung ständig aus sich selbst heraus.
Das ist es, was ich persönlich so an der Tanztherapie schätze: es werden die eigenen gesunden Kräfte angesprochen, man lernt aus sich selbst zu schöpfen, indem man in die (Eigen-)Wahrnehmung kommt. Diese ist fundamental wichtig, wenn ich wieder zu Selbstliebe, Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein kommen will, alles Begriffe, die hier im Forum ständig fallen und Ursache vieler Probleme sind.
Was heißt das – mit Bildern tanzen?
In einer Atmosphäre von Achtsamkeit, Respekt und frei von Bewertungen tanzen wir unsere Gefühle und seelischen Erlebnisse. Dies geschieht allein, im Kontakt zu zweit oder zu mehreren, im Kontakt mit Objekten, im Spiel mit Raum und Zeit.
Um dem inneren Erleben auf die Spur zu kommen, kann man die eigene Anatomie erforschen, oder verschiedene Bewegungsqualitäten. Auch Improvisationstechnik, wie Kontaktimprovisation kann eingesetzt werden, um das eigene Bewegungsmuster zu erweitern, und damit sich selbst auch weiter zu erfahren.
Einige von euch kennen schon die 5 Rhythmen von Gabrielle Roth. Das sind 5 Tanzübungen, die jeder selbst für sich praktizieren kann:
Fließend/flowing : runde, fließende Bewegungen
Staccato: Bewegungen mit Richtung und Ziel
Chaos: scheinbar ohne Struktur, alles loslassen
Lyrik: schwebend, ruhig, gemächlich
Stille = Stille
Diese Rhythmen durchziehen unser ganzes Leben, jeden Tag aufs Neue. Eine physische Geburt durchläuft diese Rhythmen, genauso auch jede Krise. Man kann mit diesen Rhythmen wunderbar spielen: z.B.
Tanzt fließend, rund, euch drehend, ihr werdet euch wahrscheinlich harmonisch und entspannt fühlen. Probiert aber mal auf die Weise Kontakt mit einem anderen harmonisch fließenden Tänzer aufzunehmen, der da um euch herumkreiselt. Merkt ihr was?
Dann macht das selbe im Staccato-Rhythmus. Der Kontakt wird wahrscheinlich sehr unmittelbar und direkt ausfallen, vielleicht sogar aggressiv. So könnt ihr euch im Alltag immer wieder beobachten, in welchem Rhythmus ihr gerade unterwegs seid, und was ihr daraus macht.
Sehr hilfreich können auch die verschiedenen Raumebenen sein. Ich habe durch die Ausbildung den Boden entdeckt und – so blöd es sich anhört – damit auch mehr Lebensqualität. Weil ich vorher überhaupt nicht geerdet – nicht boden-ständig war. Ich flirrte immer irgendwo herum, auch innerlich, ohne Halt und Ziel. Es war für mich Anfangs eine Überwindung, mich auf den Boden zu begeben, dort herumzurollen, mich von ihm gehalten zu fühlen, ihn als Widerstand zu benutzen, als Stütze, zu spüren, wie er mich trägt, und mir die Basis gibt, um mich in die Lüfte abzustoßen.
Kontakt ist das, wovor die meisten Angst haben, aber es doch auch am meisten begehren. Kontakt ist vielleicht das unmittelbarste Element, den Kontakt ist wie ein Spiegel, in den wir blicken. Da bietet die Tanztherapie eine wunderbare Spielwiese. Die Angst vor Ablehnung, die Angst vor den eigenen Ansprüchen, die Angst nicht zur Gruppe gehören, das alles sind essenzielle Erfahrungen, mit denen ich in der Therapie konfrontiert wurde. Und die dort sehr ganzheitlich erfahren und auch gelöst werden können.
Tanztherapie ist sehr direkt, sehr unmittelbar, und im wahrsten Sinne des Wortes sehr Bewegend. Für viele ist sie zu direkt. Obwohl bzw. .weil nicht so viel geredet – nichts zerredet wird. Hinter seiner Sprache kann man sich vielleicht noch verstecken, Teile von sich zurückhalten, in der Bewegung ist das schwieriger. Um etwas verständlicher zu machen, was beim Tanz in einem vor gehen kann, gefällt mir das Bild des Kindes sehr gut:
Ein kleines Kind fällt hin und heult, weil es so weh tut. Im nächsten Moment aber lacht es wieder, weil der Schmerz durchgestanden ist und es sich von etwas neuem in den Bann ziehen lässt.
Es ist so: wenn wir den momentanen Zustand mit seinen Gefühlen wahrnehmen, und somit durch ihn hindurchgehen können (was hier mit Hilfe von Bewegung und Ausdruck geschieht), dann kann etwas anderes kommen, bzw. dann können wir sehen, spüren, was hinter diesem Gefühl verborgen liegt. Denn oft hängen wir ja in unseren Mustern drin, weil wir nicht zum Kern der Sache kommen.
Im therapeutischen Prozess kann die Arbeit mit dem inneren Kind einfließen und z.b. auch Familienstellen, sowie div. Arten von Körperarbeit. Da gibt es verschiedene Richtungen. Auch die Form des verbalen Austausches wird sich unterscheiden. Wir hatten da eine schöne rituelle Form. Das gibt Geborgenheit.
Zum Schluss noch ein Wort zur psychotherapeutischen Zielsetzung aus dem Buch „Tanztherapie“ von Petra Klein:
„
Meine Erfahrungen zeigen jedoch immer wieder, dass selbst Menschen mit einschneidenden Kindheitserlebnissen in die Lage versetzt werden können, ihre oftmals erlebte Begrenzung auszuweiten und ihren Handlungsspielraum zu vergrößern. Mein Ziel ist: eine Realität erfahrbar zu machen, für die es sich lohnt zu leben – trotz möglicherweise ungünstiger Kindheitsprägungen – und dabei kann der Tanz eine entscheidende, integrierende und versöhnende Rolle spielen.“
Fragen zu einzelnen Krankheitsbildern bzw. zu Adressen von Kliniken, die Tanztherapie integrieren, könnt ihr an die Verbände stellen (z.B. Link oben) .
Wenn ihr an einer Ausbildung interessiert seid – es werden immer Orientierungstermine angeboten. Die unbedingt wahrnehmen! Die Ausbildung ist vor allem für diejenigen interessant, die schon einen pädagogischen oder heilerischen Basisberuf haben, und damit die Möglichkeit, die Methode in ihrem Berufsfeld zu integrieren. Sich freiberuflich damit über Wasser zu halten, verlangt viel Netzwerkarbeit, Disziplin und charismatische Persönlichkeit. Darum arbeite ich im Moment auch nicht mehr in dem Beruf.
Die Inhalte meiner Ausbildung könnt ihr dort nachlesen:
http://die-tanztherapie.de/index.html
So, genug getextet. Das ist jetzt nur ein kleiner Ausschnitt des großen Themas. Ich geh dann lieber noch genauer auf eure Postings ein.
Damit wünsche ich euch einen bewegten Tag
LG Gaby