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Neuling
Taxifahrer
Ich beobachtete den Lichtkegel einer Straßenlaterne, wie weißer Dampf aus der Kanalisation aufsteigt und im Schein des Lichtes, vom Wind geführte, Tänze veranstaltet. Einziger Besucher der Vorstellung “ICH“ und selbst dieser konzentriert sich nicht vollends auf das Spektakel.
Ein Duft dämpft meine Aufmerksamkeit. Er könnte von Blumen stammen, oder die sanfte Note eines fein komponierten eau de toilettes darstellen. Schnuppernd versuche ich dem Geruch zu folgen, sauge die aromatisierten Fäden veredelter Luft tief in meine Nüstern, zeichne imaginäre Kreise mit der Nase, bevor mein Blick sie erfasst. Da steht sie, spielt mit ihren dünnen Fingerchen in den Haaren, presst ihr Kinn fest in den Wollschal und wartet, wartet auf mein Eintreffen. “Ich bin schon hier mein Liebling!“ Rufe ich im Geiste “Hier bin ich, dich zu holen.“ Doch sie nimmt mich nicht wahr. Spielt unbeeindruckt weiter mit ihren Haaren, presst weiterhin ihr Kinn fest in den Wollschal und pustet weiße Rauchfetzen in den Wind. Sie nimmt mich nicht wahr, ignoriert mich, verhöhnt meine Gedanken sie könne mich zur Kenntnis nehmen, steht nur da und setzt eine weiße Wolke nach der Anderen in die Welt. Ich starre sie an, versteckt im Schatten einer tief dunklen Gasse, nehme ich sie in mich auf, analysiere ihre Erscheinung, fokussiere all meine Aufmerksamkeit auf sie und warte, warte auf meine Augenblick, meine große Stunde. Ich sollte sie ansprechen, ihr meine Gefühle gestehen, ihr meine Gelüste ins Ohr flüstern um mich schließlich mit ihr zu vereinen, sie fest in meinen Arm zu nehmen, sie an mich zu pressen, heulen, kreischen, lachen.
Ich fasse Mut, trete aus dem Schutz der schwarzen Nacht und einige Schritte auf sie zu. Mache eine charmante Bemerkung, drehe mich dann ab um nicht aufdringlich zu wirken und beschäftige mich nun wieder mit dem Tanz des Kanalisationsdampfes. Der Wind fegt nun rote und gelbe Blätter empor und flocht diese in das Schauspiel ein. Sie kichert und reicht mir die Hand entgegen.
Ich lege sie sanft in die Meine und verabreiche ihr einen Handkuss. Wieder ertönt ihre engelsgleiche Stimme in Form eines fröhlichen Lachens. Die Unterhaltung beginnt. Wir tauschen uns aus, sprechen über belanglose Dinge ohne Bedeutung, lachen.
Ihr Bus trifft in der Station ein, eilig kritzelt sie etwas auf ein Stückchen Papier, steckt es mir in die Tasche und springt in den Bus.
Linie 39 befördert sie aus meinem Blickfeld.
Hastig krame ich den Zettel aus der Jacke, entfalte ihn und lese den Inhalt
“Clara Brown
Bahnhofsweg 3/3/7
01327 426 835
Meld dich mal“
Unter der Botschaft hat sie noch ihre Lippen aufgeküsst. -Wie schlicht und aussagekräftig zugleich-
In Gedanken steht sie noch immer neben mir.
Ich mach mich sofort auf den Weg. Ein Taxi hält an meiner Seite und bringt mich wenige Momente später zu ihrer Behausung.
Ich halte nur wenige Schritte vor ihrer Tür, steige aus dem Fahrzeug und betätige die Klingel ihres Wohnhauses neben dem Namen “Schäffer“ Stock drei Tür 8. Die Stimme einer älteren Frau erklingt aus der Gegensprechanlage und erkundigt sich nach meinem Namen. Einige Phrasen später trifft das Tröten des Türöffnungssystems an mein Ohr und entriegelt die Tür. Hastig springe ich die Treppen hinauf, klopfe drei Mal um mich bei der älteren Frau zu bedanken.
Dann bei Clara. Sie öffnet blickt erstaunt in meine Augen und bittet mich herein.
Ich erwache über und über mit Blut beschmiert. Gierig schlecke ich über meine Finger und ihren Körper. -Miss Schäffer war nicht so süß-. Ihre Haut ist bereits eisig kalt. Ich drücke ihr einen feuchten Kuss auf ihre Stirn bevor ich mich in meinem neuen Taxi zur Arbeit mache. Taxifahrer! Heute bin ich also Taxifahrer.
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