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Thema: Telefonphobie - nicht ganz, aber fast

  1. #1
    Neuling Avatar von Telefonphobie
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    Standard Telefonphobie - nicht ganz, aber fast

    Hallo.

    Zur Einleitung: Ich arbeite für ein weltweites Unternehmen im Vertrieb, speziell im Außendienst. Wie alle Vertriebler arbeiten wir nicht in der Konzernzentrale sondern von unserem Homeoffice aus. Die meiste Zeit sind wir ohnehin draußen bei Kunden.

    Der Druck erhöht sich ständig, etwa alle drei Monate werden die Vertriebsziele "angepasst" und mehr Umsatz erwartet. Die Gehaltszahlungen sind unmittelbar an die erfüllten Ziele gekoppelt. Seit meinen Einstieg bei diesem Unternehmen muss ich um das gleiche Gehalt zu bekommen etwa 70% mehr Umsatz bringen als zu Beginn, nach nicht einmal drei Jahren. Arbeitszeiten haben wir nicht im Vertrag stehen. Effektiv bin ich allerdings zwischen 55 und 60 Stunden pro Woche für die Firma im Einsatz, da man sonst die Ziele auch niemals schaffen könnte. Meetings und Telefonkonferenzen finden stets irgendwann zwischen 19:00 und 21:00 Uhr statt, da man sonst ja die wertvolle Zeit beim Kunden verbringen soll. Ab 7:00 morgens wird erwartet, dass man erreichbar ist.

    Mein Handy ist stets eingeschaltet. Auch im Urlaub bin ich verpflichtet, auf "Abruf" einsatzklar zu sein. Wichtige Fragen und ggf. Reklamationen müssen auch wärend dem Urlaub binnen 48 Stunden beantwortet UND final bearbeitet sein.

    Ich leide seit mehreren Monaten unter Hypernervösität, kann nachts kaum länger als drei Stunden schfalen und bin komplett zitterig am Körper. Meinen letzten Urlaub hatte ich an Weihnachten, das war eine Woche. Ansonsten lasse ich mir den Urlaub immer auszahlen, genau wie alle meine Vertriebskollegen auch, da man während der Urlaubszeit ja keinen Umsatz bringen kann und somit auch einen schlechten Monat hätte was das Einkommen betrifft.

    Bei einer Routineuntersuchung bei meinem Hausarzt stellte dieser fest, dass ich Herzflattern habe und meinte, dass er als Allgemeinmediziner hier keine Diagnose stellen möchte, er mir aber dringend empfieht eine Kur zu machen. Ziel soll sein, dass ich sechs Wochen ganz ohne "Kontakte" abgeschieden bin. Kein Telefon, kein Internet. Meine Familie dürfte mich nur am Wochenende besuchen. Es gibt da wohl eine spezielle Einrichtung. Ansonsten würde ich wohl auf lange Sicht entweder einen Herzinfakt erleiden oder schlichtweg zusammenbrechen.

    Was der Arzt nicht versteht ist, dass ich keine 6 Wochen aus dem Job raus kann. Denn erstens werde ich dann gnadenlos ersetzt und zweitens bringe ich in dieser Zeit wieder keinen Umsatz.

    Jetzt zu der Telefonphobie:

    Das Telefon ist mein Arbeitsmittel. Ich erhalte an einem regulären Arbeitstag etwa 35 bis 40 Anrufe und führe selber etwa 50 ausgehende Gespräche. Inzwischen ist es so, dass mein Handy grundsärzlich lautlos ist und ich nur noch zurückrufe. Beim Klingeln eines Telefons fährt mir ein Schauer über den Rücken und ich bekomme Herzrasen. Wenn ich auf der Toilette bin überkommt mich ein schlechtes Gewissen weil ich einen Anruf verpassen könnte und ich muss alle zwei Minuten auf dem Display nachsehen, ob auch tatsächlich nichts eingegangen ist.

    Wenn Vorgesetzte anrufen (etwa 3 bis 5 mal am Tag) zucke ich zusammen und denke, es könnte wieder um Ziele und Umsatzerwartungen gehen. Immer Freitags müssen wir einen Report abgeben, wieviel Umsatz wir in der kommenden Woche zu machen gedenken, und außerdem erfolgt auch Freitags immer in einer Telefonkonferenz die Gruppenanalyse, weshalb dieser oder jeder sein Ziel nicht erfüllt hat und wie er es sich vorstellt, dieses Defizit aufzuarbeiten.

    Kunden rufen meist nur dann an, wenn Reklamationen oder Störungen vorliegen. Die Problematik ist, dass die Kunden genau dann einen Punkt der Unzufriedenheit haben und ich als erster Ansprechpartner diese Unzufriedenheit voll abbekomme. Ich habe Verständnis und Mitgefühl für die Kunden meiner Firma, dass sie in diesem Moment verärgert sind. In meinem Datensatz sind mir etwa 11.000 Kunden zugewiesen. Ich weiß, dass die Mehrheit zufrieden ist, das ist mir klar. Aber diejenigen, die dann anrufen, entladen ihren Frust an mir ab, weil sie in mir nicht dem Menschen sehen, sondern die "Firma" mit der sie sprechen.

    Leider zeigt sich meine psychische Instabilität nun auch im Unsatz, der seit ein paar Monaten zurückgeht.

    An wen kann ich mich wenden, dass die Angst vor dem Telefon wieder weg geht und ich wieder voll arbeiten kann wie zu beginn an?

  2. #2
    Gast784
    Gast

    Standard

    An wen kann ich mich wenden, dass die Angst vor dem Telefon wieder weg geht und ich wieder voll arbeiten kann wie zu beginn an?
    hallo,

    es steht Dir natürlich frei, zu dem Thema eine Therapie anzustreben. Aber was, wenn dabei dann rauskommt, was für Unbeteiligte vll offensichlicher ist, als für Dich? Nämlich, dass Dein Job einfach nicht gesund ist?

    Vll zahlt es sich gehaltsmäßig ja aus, aber selbst dann werden vermutlich Deine Kollegen nur eine bestimmte Zeit in diesem Tempo und zu diesen unmenschlichen Bedingungen arbeiten, oder nicht? Gibt es in Dem Job auch Ältere? Und wenn ja, wie sind die beinander?

    Die Rundumbereitschaft und die harten Vorgaben bezüglich Umsatz, die fordern nun eben ihren Tribut. Dein Arzt muss das gar nicht verstehen, dass Du dann aus dem Job draußen bist, wenn Du zur Kur gehst. Er muss Dich bezüglich Deiner Gesundheit beraten und das hat er anscheinend gewissenhaft getan. Was Du daraus machst, ist natürlich Deine Sache.

    Die Telefonphobie ist da wahrscheinlich nur ein weiterer Hinweis, dass Du dabei bist, Dich zu vergaloppieren. Du kannst natürlich weiter alles ausblenden und Deine ersten Warnhinweise wie ein Flickwerk behandeln. Aber ob Du Dich so noch lange im Sattel halten wirst können.. Und ob der Preis dafür nicht zu hoch ist?

    Bei dem Einsatz und dieser Rundumbereitschaft, da würd ich mir eher überlegen, ob ich nicht in irgend einer anderen Sparte mein eigener Chef sein kann, ehrlich gesagt.

  3. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Gast784 für den sinnvollen Beitrag:

    Darkstar (21.07.2011)

  4. #3
    Neuling Avatar von Telefonphobie
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    Standard

    Meine Kollegen sind eigentlich alle recht jung. Ich bin mit meinen 31 Jahren schon einer der Älteren. Intern sagt man sich, dass die durchschnittliche "Überlebensdauer" bei uns im Vertrieb 4 Monate beträgt. Das ist statistisch auch etwa so. Ich sehe das ja bei den Schulungen. Viele kommen und Manche sind schon nach zwei oder drei Monaten wieder raus. Nach den Zahlen zu urteilen haben die auch einfach nicht den Biss gehabt im Vertrieb zu überleben. Wer nicht viel verkauft (oder es nicht kann) verdient eben nicht viel und kann so auch nicht so gut überleben. Außerdem bedeutet bei uns zwei Monate in Folge weniger als 50% Erfüllungsgrad: Kündigung. Steht auch so im Vertrag. Daher ist der Druck schon sehr hoch.

    Ich habe meinen Vorgesetzten mal auf die Situation angesprochen, zweimal. Er hat mir zugehört und in beiden Fällen nur gesagt: "Wenn ich Ihre Papiere fertig machen soll, sagen Sie es mir. Ich stehe niemandem im Weg."

    Ich mache mir eben sorgen, dass ich aufgrund der Situation bald auf 50% fallen könnte, was dann wiederum noch mehr Druck und schlaflose Nächte bedeutet. Entweder man ist bei uns eine "Vertriebs-Sau" oder es beginnt die Abwärtsspirale. In unserem Team von etwa 20 Leuten ist außer mir nur ein weiterer Vertriebler verheiratet. Mein Frau ist jetzt für zwei Wochen mit unseren beiden Kindern in Urlaub gefahren. Sie sagt mir immer, wie sehr die Kinder ihren Papa vermissen. Aber ich tue doch schon alles was ich kann damit es denen mal besser geht.

  5. #4
    Gast784
    Gast

    Standard

    Aber ich tue doch schon alles was ich kann damit es denen mal besser geht.
    vll solltest Du Dich darüber mal mit Deiner Frau unterhalten, was darunter genau zu verstehen ist

    denn im Gegensatz zu den Kindern vor 100 Jahren gehts unseren Kindern heutzutage ja nicht sooo schlecht, auch wenn wir uns nicht zu Tode schuften

    Hast Du denn keinen Plan B? Also einen Plan, was Du beruflich für eine Alternative hast? Denn dass das kein Job bis zur Rente ist, scheint Dir ja auch klar zu sein, oder?

  6. #5
    Verleger Avatar von Darkstar
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    Standard

    Hallo,

    spontan fiel mir bei Deinem Post eines ein: warum das Symptom "wegbekommen" wollen, aber seine Wurzel unangetastet lassen

    Das, was Du "Telefonphobie" nennst: es ist doch nur ein Signal (um es genauer zu sagen: ein Alarmsignal!) - ein Signal Deiner Seele, das Dir zeigen soll, dass da etwas ganz gewaltig aus dem Ruder und in eine ungesunde Richtung läuft.
    Du bekommst sogar noch ein weiteres Signal, diesmal von Deinem Körper: die Herzprobleme.

    An wen kann ich mich wenden, dass die Angst vor dem Telefon wieder weg geht und ich wieder voll arbeiten kann wie zu beginn an?
    Das ist ungefähr so, als ob Du einen Rat bekommen willst, wie Du den Feueralarm abschalten kannst - in der Hoffnung, dass so auch das Feuer erlischt

    Wieder so arbeiten können "wie zu Beginn"?
    Du hast doch selbst geschrieben, dass sich Deine Arbeitsbedingungen seit diesem Beginn drastisch verschärft haben - Du könntest also nur dann wieder so "wie damals" arbeiten ...
    ... wenn auch Deine Arbeitsbedingungen wieder auf den alten Stand zurückfahren würden.
    Nicht gerade sonderlich realistisch diese Vorstellung, oder?

    Mal ne kleine Geschichte über jemanden aus meinem alten Leben:
    Er fing in einer EDV-Firma an, im Einkauf (gut, er war der einzige in dieser Abteilung ...). Die Arbeit war okay: nicht gerade wenig, aber ohne sonderliche Probleme zu bewältigen; der Stress war noch gesund und der "Spaß" vorhanden.
    Im Laufe der Jahre wurde das Personal immer mehr abgebaut - immer weniger ausgebildete Kräfte, die über das erforderliche know-how verfügten, dafür genügend Azubis, die Texte schreiben konnten.

    Die eigentliche Arbeit wurde aber immer mehr und immer ansdpruchsvoller. Er blieb nicht mehr nur auf den Bereich des Einkaufs beschränkt: Vertrieb im allgemeinen, technische Beratung, Betreuung internationaler Kunden, 5+ Ausschreibungen pro Woche, Kundenakquise ...
    Kurzum: alles, womit der Rest nicht klar kam - er hat sich das alles selbst beigebracht.
    Aus 40 Wochenstunden mit gelegentlichen Überstunden wurde nach und nach erst 50, dann auch mehr - alles bei unverändertem Lohn.

    Er konnte und wollte sich nicht dagegen wehren: es gab eine Familie zu ernähren, Kredite zu bezahlen. Der Job durfte nicht riskiert werden.
    Die Kinder sahen den Vater kaum noch, die Ehe bestand immer mehr nur noch auf dem Papier, weil er in der wenigen Zeit, die er noch am Familienleben hätte teilnehmen können, kaum noch ansprechbar war - oder so ausgelaugt, dass er nur noch seine Ruhe wollte.
    Der Job bedeutete Kommunikation - permanent und nach allen Seiten. 10 Stunden am Tag, 11, 12 ...

    Es tat ihm nicht gut, zog ihn immer tiefer in den Frust, dann ins Getriebensein, in die Angst (auch in die Angst, andere wichtige Menschen in seinem Leben zu enttäuschen)...
    Kaum Urlaub (der könnte ja den Arbeitsplatz gefährden - selbst wenn er mal genehmigt wurde), permanente Erreichbarkeit (wer sonst hätte denn Fragen beantworten können, wer sonst hat die Prozesse gekannt ...) ...
    Er fühlte sich für alles verantwortlich: für die Firma, die "Kollegen", die Zufriedenheit der Kunden, für einen zuverlässigen Lieferantenstamm ... für seine Frau, seine Kinder, für deren Zukunft ... für alles, was sein Chef und alle anderen um ihn herum von ihm forderten oder erwarteten (zumindest glaubte er dies ...)

    Irgendwann, nach langen Jahren, fingen dann die wirklichen Probleme an: die Kinder entfremdeten sich von ihm, Eheprobleme, Schlafstörungen, Herzrasen, Angstzustände, Depressionen ...
    Der Rat der Ärzte, kürzer zu treten: geht nicht, er darf den Job nicht riskieren (sein Chef war da sehr eindeutig: draußen stehen Tausende ...).
    Er wollte etwas, das ihm den Elan, die Leistungsfähigkeit und die Freude der Anfangsjahre zurückgeben sollte.
    Und so lange machte er weiter ... im gleichen Trott ...

    ... bis es nicht mehr weiter gehen konnte, weil Körper und Geist die Mitarbeit verweigerten.
    Die Alternativen waren diesmal sehr eindeutig: weiter wie bisher und schon mal sich zwischen Kränzen oder Blumen entscheiden - oder Notbremsung und so vielleicht das Leben wieder auf die Reihe bekommen können.
    Auch wenn Letzteres den Verlust des Jobs zur Folge haben könnte.
    Es gab keine weiteren Alternativen mehr - die Zeit für Kompromisse war abgelaufen.

    Diesmal hat er sich entschieden: für die Notbremsung.
    Die Firma und deren Arbeitsbedingungen: sie waren nicht zu verändern.
    Das einzige, an dem er ansetzen konnte, war er selbst. An seiner eigenen Einstellung: der Einstellung zur Arbeit im Allgemeinen, zu der in dieser Firma im Besonderen - vor allem aber an seiner Einstellung zu seinem eigenen Leben und dem, was er sich von ihm erwünscht hat.
    Denn dort, und nur dort, lag der Haken verborgen, an dem er so lange hing.

    Zurück zu Deinen Aussagen:
    Leider zeigt sich meine psychische Instabilität nun auch im Unsatz, der seit ein paar Monaten zurückgeht.
    Was hast Du dann noch zu verlieren? Es wird nicht besser werden, wenn Du Dich weiter diesem ausbeuterischen Spiel unterwirfst, im Gegenteil!

    An wen kann ich mich wenden, dass die Angst vor dem Telefon wieder weg geht ...
    Sie geht erst dann weg, wenn Du Dich ihren Ursachen stellst und dann Konsequenzen daraus ziehst: die Angst ist das Alarmsignal - die Ursachen liegen woanders.
    Deswegen bringt das, was Du Dir an "Lösung" vorstellst, keine "Bessereung" - höchstens einen Aufschub.

    Was der Arzt nicht versteht ist, dass ich keine 6 Wochen aus dem Job raus kann.
    Das versteht er schon - er weiß aber auch noch etwas, das Du momentan nicht verstehen kannst (weil Du schon zu tief in dieser Spirale nach unten drin steckst): die Alternative zu dieser Auszeit heißt früher oder später schlicht und ergreifend "Zusammenbruch", mit etwas Pech sogar "Exitus in jungen Jahren durch Raubbau an den eigenen Kräften" ...

    Ist es das denn wirklich wert?


    "Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand."
    (mongolisch)
    -----------------------------
    Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
    (Immanuel Kant, 1724 - 1804)

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  8. #6
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    Die Grundsituation ist ja die, dass wirklich unzählige Menschen vor der Tür stehen, die sofort diesen Job machen würden. Aus purer Not heraus. Wir leben nun mal in einer Welt, in der die Arbeitgeber bestimmen wie der Hase läuft. Ich bin nun drin in diesem Hamsterrad. Wo sollte ich hin? Zu einer anderen Firma? Viele meiner Bekannten arbeitet auch im Vertrieb, es ist überall die gleiche Situation. erst wird man mit tollen Angeboten gelockt, dann kommt das Erwachen.

    Das Thema mit der Telefonphobie möchte ich aber nomals aufgreifen. ich hatte durch Zufall gestern jemanden kennen gelernt, der früher Bausparverträge verkauft hat, auf selbstständiger Basis. Irgendwann hat er beiläufig erwähnt, dass er Angstzustände bekam wenn das Telefon geklingelt hat und er Rückrufe über Stunden, später sogar über Tage vor sich her geschoben hatte. Auch "angenehme" Telefonate. Das war überhaupt erst der Grund hier etwas zu schreiben. Im Internet habe ich über dieses "Krankheitsbild" nichts gelesen.

    Es mag sein, dass der Job die Wurzel ist. Einverstanden. Aber mich interessiert jetzt auch speziell diese Phobie. Kennt das jemand?

    Dennoch danke ich für die mitfühlenden Kommentare und Beiträge, die ich absolut respektiere.

  9. #7
    Verleger Avatar von Darkstar
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    Kein Problem
    Ich habe auch lange, beinahe zu lange, geglaubt, dass es hilft, die Symptome "auszuknipsen", um so wieder in eine vernünftige Lebensqualität kommen zu können.

    Das ging sogar eine ganze Weile ganz gut - bis eben auch die letzten Reserven aufgezehrt waren.
    Manchmal muss die Wand, gegen die man prallen muss, sehr dick und hart, die eigene Geschwindigkeit hoch genug sein, um erkennen zu können, dass es der letze Halt vor dem Abgrund ist.
    Ist kein Vorwurf, verstehe das jetzt bitte nicht falsch.
    Es ist Dein Hamsterrad, das aus Dir spricht.

    Das, was Deine Seele und Dein Körper Dir zu signalisieren versuchen: es ist genau diese Wand, auf die Du zusteuerst - oder eben der Abgrund dahinter.

    Im Internet habe ich über dieses "Krankheitsbild" nichts gelesen.
    Kein Wunder: es ist ja auch nur ein Symptom ...
    So wenig wie das Niesen als solches eine Krankheit ist.

    Ich drücke Dir die Daumen, dass Du nicht irgendwann in näherer Zukunft von Deinem Arzt mit den gleichen Alternativen wie ich konfrontiert wirst.


    "Der Frosch, der im Brunnen lebt, beurteilt das Ausmaß des Himmels nach dem Brunnenrand."
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  10. #8
    Gast9159
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    Standard

    Hallo Telephonphobie,
    du hast dir den Namen ja schon gegeben und willst im Nachhinein auch die Erklärung geliefert haben?

    Das ist keine "Telephonphobie", das sind sehr ernste Stresszeichen. Dein Körper, dein Hirn sagen dir: Ich will das nicht mehr hören! Der Körper reagiert auf Stress in der von dir geschilderten Weise. Das ist klassischer Stress in höchster Form, nichts weiter.

    Viele Menschen reden oft von Stress und meinen Überlastung oder viel Arbeit, wenig Zeit usw., das ist wie traurig sein und Depressionen: das eine passiert, das andere ist eine ernste Erkrankung. Bei den von dir geschilderten Symptomen bist du aber schon viel weiter.

    Die nächste Stufe wäre regelmässiges Herzstolpern, Angststörungen, burnout, und irgendwann der Schrittmacher, die Tranquilizer oder der Suff, um das vermeintlich auszuhalten. Oder Herzinfarkt, oder auch gern Schlaganfall, wenn noch ungesunde und unregelmässige Lebensweise dazu kommt, aber auch die hast du ja schon beschrieben.

    Vielleicht stellst du dir das mal vor, wie du halbseitig gelähmt im Sofa hockst und deine Kinder können nicht mehr mit dir spielen. Wenn du neu sprechen lernen musst, neu gehen lernen... Oder irgendwann istz deine Frau abgehauen, weil das keine Ehe mehr ist. Und von dem Geld, das du nach Hause trägst, können deine Kidner sich auch keinen anderen Papa kaufen.

    Ich hab das Gefühl, auch so wie du eben reagiert hast, dass du das nicht so ernst nimmst und deshalb entschuldige meine klaren Worte.

    Aber du wolltest eine Erklärung dieses Symptoms und vielleicht ist es nur anders ausgefallen als du dir erhofft hast. Höchste Zeit, aufzuwachen.

    Ich war schwerkrank und lag da, plötzlich völlig hilflos, mitten aus dem Leben gerissen, das Leben vorher ähnlich wie deines, und ich kann dir aus Erfahrung sagen, dass danach nichts mehr so ist wie es war. Willst du das selbst ausprobieren oder glaubst du mir auch so?

  11. Der folgende Benutzer bedankte sich bei Gast9159 für den sinnvollen Beitrag:

    Darkstar (21.07.2011)

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