Hallo!
Ich möchte gern etwas Theoretisches zur Sozialen Phobie wissen. Vor nicht allzu langer Zeit war ich deswegen in Therapie (VT). Ich bin kein Student, aber mir scheint das in diesem Forum am Besten aufgehoben zu sein. Wenn nicht, bitte ich um Verschiebung.
Konkret ging es um ein Verhaltensexperiment, wo ich in einem Club eine Zeit lang tanzen sollte und das Ganze auch ohne vorher Alkohol zu konsumieren
Mit etwas Überwindung gelang es mir auch. So weit so gut.
In der nächsten Sitzung brachte ich zur Sprache, dass ich zwar Tanzen ohne Alkoholeinfluss konnte, mir allerdings nicht traute, die Tanzfläche zu betreten als sie noch leergefegt war und sagte, dass dies doch ein Meidungsverhalten sei.
Daraufhin kam eine kleine Diskussion zustande, an welche ich mich leider nicht mehr in Einzelheiten erinnern kann. Unter Umständen unterstelle ich meiner Therapeutin auch Dinge.
Soweit ich mich erinnern kann sagte sie aber, dass es kein Meidungsverhalten wäre und völlig normal, weil viele Menschen in dieser Situation Unsicherheit zeigen würden, auch ohne Sozialphobiker zu sein.
Mir stellen sich da mehrere Fragen:
1. Warum wird zur Definition eines Meidungsverhaltens eine Verbreitung diesen Verhaltens in der Gesellschaft herangezogen und dann als „normal“ gesetzt? Ich finde das falsch, weil es bedeutet, dass z.B. in einem Raum mit hundert Menschen, wo 90 Prozent davon eine Soziale Phobie haben, diese Menschen völlig in Ordnung wären.
Mein Vermeidungsverhalten ist keines mehr, weil andere es ebenso zeigen? Für mich liegt eher der Schluss nah, dass andere dann ebenso meiden.
2. Warum wird auf einmal die rationale, empirische Herangehensweise überflüssig? Wir sind sonst, völlig richtig, immer streng wissenschaftlich herangegangen. Haben gefragt: Was sind meine Befürchtungen und haben sie in Verhaltensexperimenten daraufhin auf ihre Richtigkeit überprüft etc.
Mir ist nicht klar wo die Grenze liegt (und warum sie überhaupt gezogen wird) an der man sagt: OK. Hier hören wir damit auf. Ich meine, man muss keine Soziale Phobie haben oder sonstwie psychisch krank sein, um rational Verhaltensweisen zu hinterfragen. Auch kleinere Unsicherheiten zählen für mich dazu.
(3. Unabhängig vom Rest: Kinder kommen in unterschiedlicher „Verfassung“ auf die Welt. Die einen lebhafter und neugieriger. Die anderen eher zurückhaltend und mehr schüchtern. Ich halte es für nicht möglich, aber machen sich diese Verhaltensweisen schon in Überzeugungen/Kognitionen deutlich? Und wenn nein: Wo sonst? Genetisch? Wie stellt der Therapeut fest, welche Verhaltensweise genetisch und welche erlernt ist? Und lässt sich an einer genetischen Disposition durch VT etwas ändern?)
Meine Therapeutin hatte auch eine Kollegin zu Rate gezogen, welche in etwa dasselbe wie sie sagte. Ist das allgemein die theoretische Herangehensweise an SP/Meidungsverhalten oder eher eine Besonderheit in der Praxis, wo ich war?
Das sind jetzt viele Fragen. Ich bedanke mich herzlichst im Voraus für die Beantwortung. Auch Links oder Literaturempfehlungen sind sehr willkommen.
Liebe Grüße


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